Unsere Reise im Jahre 2012

    nach

    Schweden – Finnland – Norwegen!

     

    Lebendig sein heißt:

              Augenblicke sammeln,

              Farbenfrohe, leuchtende Augenblicke,

              Aus diesen besteht das Leben!

     

    In den nächsten Wochen und Monaten waren wir lebendig, wir lebten!

     

     

    Unsere Reise im Jahre 2012 begann am 27.3. nachdem wir unser Wohnmobil haben durchchecken lassen. Unter normalen Umständen hätten wir nach dieser Rechnung von der Werkstatt die Reise nicht mehr antreten dürfen, aber wir leben nun einmal für diese Art der Freizeitgestaltung.

    Wir hielten uns zunächst im Raum Warburg – Paderborn – Herford – Hiddenhausen - Bünde auf, bevor wir dann dieses Gebiet am 15.04. mit dem Ziel Berlin verließen.

     

     

    15.04.12

    Kurz nach 11:00 kamen wir in Borgentreich weg. Die Sonne schien und es machte Spaß aufzubrechen mit nicht ganz sicheren Zielen. Zunächst steuerten wir Berlin an. Unser „Riva“ suchte eine sehr schöne Strecke aus. Wir fuhren über Beverungen – Uslar – Hardegsen – Nörten-Hardenberg – Herzberg – vorbei an der langen Odertalsperre. Über Elbigerode und Blankenburg landeten wir dann, wie gewollt, in Quedlinburg. Hier trafen wir auf einen wunderbaren Stellplatz „An den Fischteichen“. Wir standen direkt an der Stadtmauer. Obwohl mein Knie immer noch schmerzte wollten wir uns die Altstadt anschauen und wir hätten etwas verpaßt, wenn wir das nicht getan hätten. Wir trafen auf Häuser aus dem 16. Jh. es ist eine gemütliche und wunderschöne Stadt.

    Jetzt haben wir es uns daheim gemütlich gemacht. Eben hat Jhonny angerufen, es geht ihnen gut.

     

     

    16.04.

    Wir verließen Quedlinburg erst gegen 11:00, aber was sollte es, wir hatten ja Zeit. Zunächst kamen wir auf einen Schnitt von 36km/h. Wir kauften noch in den verschiedensten Geschäften ein. Beim Netto-Discount stellten wir mal wieder fest, wie günstig doch dort das Bier war. Wir zahlten für eine Flasche zwischen 35 und 45 Cent und ich konnte feststellen, dass das Bier hervorragend war. An der Elbe tranken wir unseren Cappuccino wie gewohnt und so kamen wir langsam aber sicher nach Potsdam. Schon hier wurden wir mit starkem Verkehr konfrontiert, auf der anderen Seite konnten wir schon einmal die Schönheiten dieser Stadt begutachten und wir nahmen uns vor sicher auf dieser Fahrt auch einen Tag für Potsdam zu „verschwenden“. 

    Wenige Kilometer vor Berlin-Spandau tankten wir für 1,45 €. Ich bekam selbst einen Schrecken, als ich zu Christel sagte: „So günstig bekommen wir den Treibstoff nie wieder!“ Denn 1,45 € ist ja wohl ein unverschämt hoher Betrag für den Diesel und diese Reise wird, wenn wir sie so durchziehen, wie wir uns das vorstellen, eine der teuersten überhaupt. Beim Zahlen von mehr als 90 € bekam ich noch einmal einen Stich versetzt und es überkam mich der Gedanke alles abzubrechen, das Wohnmobil zu verkaufen und den Rest dieses dann beschissenen Existierens, denn von „Leben“ kann man ja in Haar nicht mehr sprechen, in der Wohnung zu verbringen. Dass ich so konsequent dachte machte mir noch einmal Angst und ich versuchte schnell an etwas anderes zu denken. Christel sagte ich von alledem nichts. „Riva“ fand auf Anhieb den Wohnmobilhafen, wir waren überrascht, dass nur so wenige Fahrzeuge dort standen. Im letzten Jahr hatten wir gerade noch Glück mit zwei Fahrzeugen dort unter zu kommen.

    Die Tochter der „Platzherrin“ war noch anwesend, sie war noch genauso freundlich wie im letzten Jahr. Leider wurde das Computersystem gerade umgestellt und somit konnte sie nicht feststellen, dass wir letztes Jahr um eine ähnliche Zeit bei ihr waren. Der Platz machte auf uns jetzt nicht so einen angenehmen Eindruck wie letztes Jahr, das lag u. a. daran, dass eben nur sehr wenige Fahrzeuge hier standen.

             Man hatte am Platz aber auch gar nichts verändert und wir mussten feststellen, dass man auch hier nur kassierte, von Service war nicht viel zu erkennen außer der Freundlichkeit und der Bereitschaft auf alle Fragen eine ausführliche Antwort zu wissen.

    Später stellten sich dann Mängel heraus, die einfach vorhanden waren. Zu dieser Zeit ist die Anmeldung nur Minutenweise geöffnet. Mann kommt vielleicht gegen 09:00 und ist aber schon vor 10:30 wieder verschwunden, am Abend bequemt man sich gegen 17:00 zu kommen um dann aber um 18:00 wieder verschwunden zu sein. Zum Duschen benötigt man eine entsprechende Münze, die man aus den oben erwähnten Gründen nur sehr schwer bekommt.

    Die Sitzflächen der Toiletten wackeln so, dass man sie um mindestens 20 cm verschieben könnte, dann säße man fast neben dem Becken. Bedingt durch einen Bewegungsmelder sitzt man nach wenigen Minuten im Dunklen, groß bewegen darf man sich allerdings nicht, denn dann würde man sehr schnell daneben auf dem Boden sitzen.

    Ein Wort zur Versorgung mit Frischwasser, 10 Liter Wasser kosten 10 Cent, das ist so ungefähr der Preis. Es gibt Zapfstellen, da bekommt man nur 80 Liter für einen Euro.

    Für Menschen, die gerne fliegen aber etwas dagegen haben, wenn die Maschinen über ihre Köpfe hinweg fliegen um entweder zu starten oder zu landen ist dieser Platz nicht geeignet. Die Luftfahrzeuge sind zwar noch hoch genug, aber sie haben das Fahrwerk schon ausgefahren beim Anflug auf Tegel und sie landen und starten nicht nur zwischen 06:00 in der Früh und 22:00 am Abend, auf der anderen Seite ist das aber „all inclusive“. Im Bordatlas von 2012 steht ein Preis von 13 € pro Nacht, ob der Preis noch stimmt, das wird sich herausstellen, denn die Herrschaften werden hier nicht an letzter Stelle stehen bei den Preiserhöhungen.

    Wir planten noch etwas für den nächsten Tag, dann machten wir es uns gemütlich, ich hatte etwas Angst nach Berlin zu fahren, denn mein linkes Knie schmerzte noch sehr überwiegend bei unkontrollierten Bewegungen.

     

     

    17.04.

    Überraschend war, dass wir uns viel Zeit ließen. Gegen 11:00 machten wir uns auf den Weg zum Bus, unter normalen Bedingungen benötigt man 5 Minuten, wir brauchten etwas länger, ich musste zunächst meinen Stock links in Einklang mit meinem Schritt bringen. Weitere Informationen bekamen wir nicht, da die Anmeldung nicht mehr geöffnet hatte. Wir kauften 2x1 Tagesticket beim Busfahrer, der heute wohl auch liebe im Bett liegen geblieben wäre, für je 6,30 €. Jetzt konnten wir in Berlin hin und her fahren, was wir zu Genüge taten. Nach wenigen Kilometern stiegen wir in Spandau wieder aus und schlichen zum Bundesbahn-Terminal. Wir wussten, dass die S5 uns bis in die Stadt bringen würde. Über Olympiastadion, Westkreuz, Charlottenburg, Zoologischer Garten fuhren wir zur Warschauer Straße, denn von hier aus konnte man die Mühlenstraße erreichen um die „West Side Gallery“ zu bewundern. Hier haben sich wahre Künstler mit ihren Gemälden an dem noch bestehenden Teil der „Berliner Mauer“ verewigt. Wenn ich gedacht habe, dass es sich um eine Länge von ca. 100 Metern handelte, dann hatte ich mich getäuscht. Wir gingen langsam jedes Gemälde betrachtend weiter und weiter; es war verdammt schwierig das ein oder andere Gemälde zu fotografieren, denn auf die Idee kamen Hunderte und aber Hunderte von Menschen. Es wurde eine lange Odyssee. Vielleicht hat der ein oder andere Besucher schon mal ein Gemälde betrachten dürfen, ganz bekannt ist der Trabbi, der durch die Mauer „bricht“. Ich stelle einige wenige Bilder ins Internet auf unsere Homepage.

    Wir hatten uns so weit von der Warschauer Str. entfernt, dass es Nonsens gewesen wäre wieder zurück zu gehen. Also nahmen wir am Ostbahnhof die nächste Gelegenheit wahr um mit der S-Bahn zu den Hackeschen Märkten zu fahren. Wir hatten uns keinen Stadtplan zugelegt aber mein „Handy“ war uns eine große Hilfe beim Auffinden von „U- und S-Bahnstationen“. Die Sonne schien und wir bewunderten zum Zweiten Male dieses herrliche Gebiet mit den Kneipen, Kinos, Galerien und Boutiquen. Wir ließen uns draußen unter einem Sonnenschirm nieder und bestellten je eine Currywurst, einmal mit Pommes und einmal mit Kartoffelsalat; wir bekamen 2x mit Pommes. Die Bedienung meinte, als wir sie drauf hinwiesen, dass „mit Pommes“ ja bedeutend besser schmeckte. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auf diesen Scherz eingegangen wäre. Ich machte eine viel zu gute Miene zum bösen Spiel, aus Protest ließ ich 3 Pommes auf dem Teller zurück, mit 4 Pommes fütterten wir die Spatzen. Anschließend bestellten wir 2 x Cappuccino und bekamen auch 2 Cappuccino, die allerdings hervorragend schmeckten. Es war uns kalt geworden und wir setzten unseren Weg fort, unser Ziel war jetzt das DDR-Museum wenige hundert Meter von dem Hackeschen Markt entfernt. Den Berliner Dom jenseits der Spree hielten wir mehrfach auf der SIM-Karte fest. Die Schlange der wartenden Menschen war uns zu lang und aus diesem Grund und weil Quicky schon im letzten Jahr eine Fahrt mit dem Schiff durch Berlin machen wollte, lösten wir 2 Tickets für je 9 €. Wir betraten das Schiff und setzten uns ans Sonnendeck, vom hier aus konnte man am besten fotografieren. Zu unserem Erstaunen stellte man die Zeit der Abfahrt auf 16:30, wir hatten gerade 16:00, was wiederum hieß, dass wir uns noch eine halbe Stunde gedulden mussten. Um 16:30 legte der Kapitän, der sein eigener Steuermann war, gekonnt ab und nun erlebten wir einen Teil von Berlin einmal ganz anders. Die Erklärungen, die vom Band kamen, waren mit Scherzen gemischt und teilweise mit sehr spitzer Zunge gesprochen, was uns wiederum sehr gefiel. Uns wurde z. B. ein Gebäude gezeigt mit zwei runden Kuppeln und eines Tages wurde der Architekt gefragt, warum er denn zwei Runde Kuppeln entworfen hätte. Die Antwort war, dass man den Kindern unter diesen Kuppeln sehr gut Märchen erzählen konnte. Der Fragende antwortete nun spontan, dass ihm nun auch klar sei, warum das Regierungsgebäude eine große Runde Kuppel trüge.

    Um 17:30 war diese amüsante aber auch hoch interessante Fahrt mit dem Schiff zu Ende. Die Sonne hatte sich mittlerweile hinter Wolken versteckt und es wurde empfindlich kalt, wir waren einigermaßen durchgefroren und somit genossen wir die Fahrt mit der S-Bahn bis Spandau umso mehr, denn hier war es angenehm warm.

    In Spandau gingen wir noch ins Zentrum um einiges einzukaufen, u. a. gab es hier auch ein „1-Euro-Geschäft“ und die haben immer etwas, was man brauchen kann. Der Bus fuhr uns dann später wieder zurück zum Stellplatz.

    Noch lange saßen wir und erzählten über den vergangenen Tag, der uns beiden ungemein gut gefallen hat.

     

     

    18.04.

    Als wir zum Bus gingen war die Anmeldung schon wieder geschlossen, egal, wir erfuhren unterwegs alles, was uns interessierte. Ich hatte den Eindruck, dass mein Knie heute nicht so mitspielte wie am gestrigen Tag. Trotzdem, mit der S5 fuhren wir zum Potsdamer Platz. Hier am westlichen Rand des Potsdamer Platzes befindet sich seit 1995 ein neues Stadtviertel mit Shoppingcenter, Kinokomplexen, Musicaltheater, Spielbank, Hotels und einem Filmmuseum. Großen Eindruck auf uns hat das von Helmut Jahn entworfene Dach des Sony-Centers gemacht. Vom Wetter unabhängig kann man hier flanieren oder auf einer der Cafèterrassen Platz nehmen. Ein kleines Schild zeigte uns in einer Entfernung von ca. 50 m das Daimler-Chrysler-Gebäude, hier hievt ein Fahrstuhl, der schnellste Fahrstuhl Europas die Besucher in nur 20 Sekunden auf die Aussichtsplattform in 93 m. Wir wollten weder das eine noch das andere. Wir nahmen unser Handy und stellten fest, dass es 1,9 Kilometer waren zum Gendarmenmarkt. Die ersten 200 Meter gingen wir zu Fuß, dann trafen wir auf eine Bushaltestelle und man sagte uns, dass wir mit dem M48 fahren könnten über „Innenstadt“ hinaus und wären dann bald am Gendarmenmarkt. Gesagt getan, hier im Bus kamen wir uns wieder einmal vor wie eine Sardine in der Büchse und wir waren froh, als wir wieder an die frische Luft kamen. Unser Handy führte uns die letzten 500 m bis zu diesem großen Platz, der mit seinen Bauten aus dem 18./19. Jh. als schönster Platz der Stadt gilt. Letztes Jahr hatten wir ihn nur vom Oberdeck eines Sightseeingbusses aus bestaunen können. Jetzt standen wir hier auf diesem großen Platz und bestaunten den Deutschen Dom und wenige Schritte weiter den Französischen Dom. Dazwischen thronte das von Schinkel 1818 – 1821 erbaute Schauspielhaus mit Schillerdenkmal, welches heute als Konzerthaus dient.

    Lange verweilten wir hier und noch länger wird es dauern bis ich all die Bilder bearbeitet habe. Nun brauchten wir dringend eine „S- oder U-Bahn“. Mit meinem Handy wussten wir innerhalb weniger Minuten, daß wir in ca. 500 Metern hinter zwei hohen Häuserreihen die „U-Bahnstation Französische Straße“ erreichen würden. Es bereitete mir zu diesem Zeitpunkt wirklich keine Freude mehr durch die Straßen zu schleichen, denn mein Knie schmerzte jetzt nicht nur sondern auch meine Waden begannen zu klagen und auch mein rechts Bein meldete sich durch meine Humpelei. Unser nächstes Ziel sollte der Eingang des Tierparks sein, somit stiegen wir an der Haltestelle „Tiergarten“ aus und gingen wenige hundert Meter um dann unser Handy zu befragen. Die Antwort war: „Noch 1,2 Kilometer“, nun streikte Quicky, nicht, weil sie es nicht mehr hätte sehen wollen sondern um mir einen Gefallen zu tun. Wir gingen die paar Schritte zurück, für mich erschien es als ein reichlich langer Weg. Nun stiegen wir erst wieder in Spandau aus und ich humpelte noch die wenigen Schritte bis zur Bushaltestelle, aber auch Christel machte keinen besonders glücklichen Eindruck mehr. Der längste Weg war dann von der Bushaltestelle zurück zum Stellplatz.

    Dennoch gingen wir später noch einmal zur Imbissbude und aßen eine noch wohlschmeckendere Currywurst als gestern. Jetzt ist es 21:30, nun ist auch dieser Tag zu Ende, er war anstrengender als der gestrige, aber wir haben viel gesehen und das war unser Ziel.

     

     

    19.04.

    Ich war schon um 09:00 wach, Christel hatte sich schon in die Senkrechte gebracht. Die Sonne schien heute schöner und wärmte mehr als die anderen Tage zuvor. Leider geht es Christel nicht gut, sie hat wohl etwas zu viel Kälte mitbekommen auf dem Schiff als wir auf der Spree schipperten. Nach dem Frühstück legte sie sich wieder hin, nachdem sie Aspirin genommen hatte. Meinem Knie geht es heute gar nicht so schlecht. Es ist ja erstaunlich wie viel man erträgt, wenn es ansonsten gut geht. Vielleicht darf man in unserem Alter ja auch nicht mehr so ganz anspruchsvoll sein was die Gesundheit anbelangt; aber wir sind unterwegs und das sind mindestens 90 % der Miete. Ja, noch einen Monat und 11 Tage, dann gibt es wieder einmal eine Mieterhöhung, warum muss ich jetzt gerade daran denken!

    Ich habe einige Karten geschrieben und versuche sofort wieder an das noch wenig Angenehme im Leben zu denken, ja, im Moment lebe auch ich wieder, Gott sei Dank. Ich denke an den Potsdamer Platz, an den Gendarmenmarkt und an unsere Tour mit dem Schiff auf der Spree. Draußen zwitschern die Vögel und alles ist grün hier in Berlin. Wir erleben im Moment die schönste Jahreszeit, genießen wir sie.

     

     

    20.04.

    Christel kam irgendwann vom Duschen. Ich war kurz vorher aufgestanden und hatte mich dann aber doch wieder hingelegt, ich kam nicht so richtig zu mir. Sie sagte kein Wort des Tadels als sie zurückkam, was mich sehr wunderte. Sonst hatte sie schon häufiger gesagt: „Ach, ich dachte Du wärst schon aufgestanden!“ Ich fühlte mich auch beim Frühstück noch nicht so richtig wohl, weiß der Teufel was mit mir los war. Ich bin auf Reisen, ich bin unterwegs, ich könnte doch rundum glücklich sein. Nein, ich fühlte mich schwermütig, aber warum?

              Mein Vorschlag zum Wannsee wurde angenommen, somit konnte ich wenigstens Autofahren. Ich wäre sowieso gerne mal durch Berlin gefahren, nun kommen wir immerhin am Rande der Stadt vorbei. Gegen 11:00 ging es los, wir hatten unsere Matte und unser Stromkabel liegen lassen, damit jeder wusste, dass hier besetzt ist.

    Die Sonne meinte es gut, die Wolken sahen harmlos aus. Zunächst gab es draußen auf dem Platz noch den ein -  oder anderen kurzen Ratsch, dann ging es wirklich los.

    Wir fuhren an Potsdam vorbei und gelangten zunächst zum Tiefer See. Einen Parkplatz fanden wir an einem großen Theater im Gabelsberger Park. Erstaunlich viele Menschen saßen im Garten vor einer Gastwirtschaft, es war Mittagszeit.

                  Später ging es vorbei am Gabelsberger Schloss nach Wannsee eben am Wannsee. Uns war gleich klar, hier wohnten Menschen, die sich zu denen in den oberen Schubladen zählten. Alles war sehr feudal und sah schon bei oberflächlicher Betrachtung teuer aus.

    Als wir glaubten alles gesehen zu haben drehten wir und sahen nun das Schild „Villa Liebermann“. Die mussten wir uns nun doch anschauen. Wir bogen rechts von der Hauptstraße ab. Die Häuser rechts und links der nun schmalen Einbahnstraße führte durch waldähnliches Gebiet, überall grünte und blühte es, man gehörte hier eben zu den betugten Menschen, die sich auch heutzutage Gesundheit kaufen können, die andere Untersuchungen bekommen als die, die pflichtversichert sein müssen. Wohlstand ist erkennbar – Armut allerdings auch.

                    Die Villa Liebermann war nicht zu übersehen. Allein die Gartenanlage vorn zur Straße hin und hinter dem Haus bis zum See sprach für sich selbst. Allerdings auch die anderen Häuser in diesem Gebiet konnten sich durchaus sehen lassen.

    Nach eingehender Betrachtung all diesem setzten wir unsere Heimfahrt fort. Als nächstes Ziel hatten wir uns noch Potsdam gesetzt, denn auch diese Stadt war gemäß unseren Vorstellungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwerlich zu erreichen. Als wir auf dem Parkplatz gegenüber dem Hauptbahnhof ankamen zog ein Regenschauer durch. Nach dem genossenen Cappuccino allerdings war das Pflaster schon bald wieder trocken.

    Wir überquerten den Fluss, der uns von dem Rest der Stadt trennte und sahen uns zunächst die St. Nikolaikirche an, unweit davon entfernt wurde das alte Rathaus von Potsdam restauriert, es soll nun ein Museum werden. Am Platz der Freiheit vorbei suchten wir das Brandenburger Tor aber wir fanden es nicht. Die ganze Navigation in der Stadt händelten wir mit dem Handy, es klappte famos. Das erwähnte Brandenburger Tor war uns für den Fußweg zu weit entfernt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln wollten wir nicht mehr fahren, es hätte uns zu viel Zeit gekostet. Später, als wir wieder im Auto saßen erreichten wir auch das erwähnte Tor noch und wir konnten unsere Aufnahmen machen.

    Dann ging es endgültig zurück. In Spandau kauften wir noch ein Brot und 15 Minuten später kamen wir wieder am Askanierring an.

    Nun bewaffneten wir uns jeder mit einer Flasche Bier, Quicky zog Weißbier vor, und setzten uns noch für eine gute halbe Stunde nach draußen. Die Ruhe dauerte nicht lange, denn nach wenigen Minuten gesellte sich schon ein Gesprächspartner zu uns.

    Das Highlight des späteren Abends war dann wieder eine Currywurst bei dem viel zu nahe gelegenen Imbiss. Jetzt ist es kurz nach 21:00, draußen gehen die Lichter an. Es war ein schöner Tag, schade, dass er vorüber ist.

    Ein kurzes Gespräch führten wir noch mit einem Holländischen Ehepaar. Sie hatten zwei exklusive E-Räder vor der Tür stehen mit jeweils 2 Akkus, die eine Reichweite von ca. 60 Km ermöglichten. Man fährt ja selten so weit, aber immerhin, Reserve ist ja nicht verkehrt.

     

     

    21.04.

    Wieder schien unerwartet die Sonne. Wir entschlossen uns noch einmal in die City zu fahren. Gestern hatte man uns von einem Kaufhaus der neueren Art erzählt, welches dem KadeWe Konkurrenz zu machen scheint. Es handelt sich um das Haus La Fayette Ecke Friedrichstr. und Französische Straße.

    Nach dem Frühstück tigerten wir wieder los. An der Bushaltestelle klärte uns ein älterer Herr mit langem Bart auf über die Möglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin zu fahren.

    Am Bahnhof in Spandau trafen wir ihn noch einmal wieder, er sah wohl, dass wir uns berieten, wieder glaubte er uns weiterhelfen zu können. Wir bedankten uns freundlich und entschlossen uns dann doch so zu fahren, wie wir es beschlossen hatten, das war nämlich einfacher und wir mussten einmal weniger umsteigen.

          Der Weg zur Haltestelle Friedrichstraße war immer gleich lang, er kam uns aber immer länger vor. Von dort gingen wir dann mit Christels und der Hilfe des

    i-Phones in Richtung Französische Straße. Schon von weitem sahen wir den großen oben abgerundeten Glaskasten mit zwei großen Fahnen. Dieses Haus ist wirklich pompös und noch extremer wurde es innen. Wir besuchten einige Etagen und zum Schluss fuhren wir unter das Erdgeschoss. Hier trafen wir auf die Lebensmittelabteilung sowie mehrere Restaurantabteilungen. Hier gab es alles an Getränken, was man sich nur vorstellen konnte. Recht schnell aber verschwanden wir auch hier, Durst oder Appetit hatten wir keinen mehr. Im Erdgeschoss gab es dann verschiedene Wege zu einzelnen Boutiquen und weiteren Geschäften jeglicher Art. Über Q1 gingen wir dann zurück in die Friedrichstraße und setzten unseren Weg fort in Richtung Brandenburger Tor. Wir schlenderten über die Straße „Unter den Linden“, besser gesagt wir blieben auf dem Gehsteig, denn auf der Straße kämpften Viaker, Radlfahrer und Radkutschen sowie ein Bier-Bike ums Fortkommen. Wenige 100 m vom Brandenburger Tor entfernt setzten wir uns vor ein Cafe, hier waren kleine Tische und Stühle auf dem Gehsteig aufgestellt, und tranken jeweils einen hervorragenden Cappuccino, er kostete 3,50 € und ich muss sagen wir haben schon für mehr Geld einen nicht so guten Kaffee getrunken, allerdings das auch nur ein einziges Mal.

    Anschließend setzten wir unseren Weg zum Brandenburger Tor fort, die Menschenmenge verdichtete sich je näher wir dem Tor kamen. Die sonst überall auftretenden Figuren in amerikanischer oder DDR-Uniform fielen heute überhaupt nicht auf.

    Viel später fuhren wir mit der S2 zurück zur Friedrichstr. und von dort mit der S5 dann nach Spandau. Hier erledigten wir noch unsere Post, dann brachte uns der M45er Bus zurück nach Hause. Zur Belohnung gab es gegen 19:00 noch einmal eine hervorragende Currywurst für jeden von uns und eine Curry-Boulette, ein Schmankerl, welches es auch nur in Berlin gab.

            Wieder daheim setzten wir uns wieder in unsere gemütliche Ecke unter einen großen Sonnenschirm und genossen die Ruhe und die Tatsache, dass es uns noch einmal super gefallen hat in Berlin und dass Berlin eben doch immer wieder eine Reise wert ist.

     

     

     

    22.04.

    Der Tag begann super, das Frühstück schmeckte, die Sonne schien und wir blieben in Berlin-Spandau. Später wollten wir mit den Rädern an die Havel fahren aber es blieb beim Wollen.

    Wir setzten uns stattdessen nach draußen und sonnten uns. Am späteren Nachmittag machten wir dann einen kleinen Spaziergang, der meinem Knie nicht so gut bekam.  Unsere alltägliche Currywurst 2x mit, 1x mit Brötchen und 1x Pommes aßen wir aber schon noch. (2x mit heißt übrigens: „Mit Darm“, denn es gibt sie auch ohne). Kurz bevor wir zum Essen gingen bezahlte ich noch bei Frau Brand und das kam uns zugute. Ich erzählte ihr, dass wir letztes Jahr auch hier bei ihr gewesen wären. Sie erkannte mich dann auch wieder. Bevor ich bezahlte fragte sie mich dann, ob wir dieses Jahr noch einmal zu ihr kämen. Ich sagte ihr, dass, wenn es nach uns ginge, wir bestimmt noch einmal kämen dieses Jahr. Sie zwinkerte mit den Augen und sagte dann mehr scherzhaft: „Aber bestimmt dieses Jahr!“ Dann räumte sie mir einen Rabatt ein, ich musste für 7 Nächte 85 statt 105 € zahlen. Nun konnten wir uns doch jeder erst recht noch eine Currywurst leisten.

               Es ist 20:45 geworden. Quicky schaut in die TV-Zeitung um festzustellen, dass sie so einiges verpasst hat, das ist nämlich ihrem „Ohhhhh“ und „Auhhhh“ und „Aaaachchch“ zu entnehmen.

    So geht dann auch dieser Tag dem Ende entgegen, noch einmal mehr schade.

     

     

    23.04.

    Entgegen unserer Entscheidung heute diesen Wohnmobilhafen zu verlassen entschieden wir uns nach dem Frühstück doch noch einen Tag und eine Nacht zu bleiben. Ich wollte das der überaus freundlichen Dame in der Anmeldung mitteilen, aber sie war um 11:01 nicht mehr da. Frau Brand und ihr Mann kamen also erst gegen 17:00 wieder.

    Wir nahmen unsere Fahrräder vom Fahrradständer und fuhren mit eher gar keiner Ortskenntnis an die Havel, die wir auch nach ca. 15 Minuten Fahrt fanden. Die Sonne schien, die Natur zeigte sich von ihrer besten Seite, wir fuhren langsam entlang dieses hier breiten Flusses. Unterwegs setzten wir uns auf eine der vielen Bänke und schauten über den Fluss auf die Landschaft. In den Schrebergärten hatte man teilweise die Deutsche Flagge gehisst. Hin und wieder tuckerte ein kleines oder auch mittelgroßes Boot vorbei. Es war eine gemütliche Atmosphäre hier am Rande von Berlin City. Nur ganz selten mussten wir einen kurzen Umweg fahren um wieder ans Wasser zu kommen.

    Längst hatten wir die Altstadt von Spandau passiert und bewegten uns in Richtung Wannsee, den wir aber nicht mehr erreichen wollten, das wären noch ca. 17 Km gewesen; wir wollten aber noch in die Fußgängerzone und ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Dass wir hier mal mit den Rädern auftauchen würden, das hätten wir uns nie träumen lassen. In der Fußgängerzone selbst mussten wir unser Fahrrad auch schieben, denn das nahm man hier sehr ernst. Hier fuhr nicht einer auf seinem Fahrrad. Die meisten Leute hatten sogar ihr Rad irgendwo abgeschlossen um es nicht mit herum zu schleppen.

    Nachdem wir alles erledigt hatten traten wir die Heimreise an. Wir merkten schnell, dass wir doch viel zu wenig mit dem Rad fahren, denn gewisse Körperteile begannen langsam zu schmerzen und so waren wir froh, als wir gegen 15:30 wieder am Wohnmobilhafen anlangten. Fluchs holten wir unsere Stühle raus, die wir mit Kissen noch weicher polsterten und dann ließen wir den lieben Gott einen guten Mann sein. Erst als die Sonne hinter den Häusern verschwand zogen wir uns zurück. Allerdings nicht für lange, denn auch den Entschluss keine Currywurst mehr zu essen kippten wir; es wurde dann statt dieser jeweils ein Fleischspieß mit Brötchen für 2,20 €. Ich holte für Christel noch drei Zeitungen von Penny und damit war dann auch der Abend gerettet. Über den Penny-Markt war ich noch einmal sehr erstaunt. Solch einen großen Supermarkt hatte ich bei uns selten gesehen – von Penny sowieso nicht. Er stellte alles bisher Gesehene von Penny in den Schatten.

    Morgen werden wir nun endgültig unsere Reise fortsetzen, wahrscheinlich nach Werder an der Havel.

     

     

     

     

     

    24.04.

    Mit Werder wurde nichts. Christel schaute noch einmal in unseren Bordatlas und stellte fest, dass der Platz für die nächsten 4 Tage belegt ist bedingt durch ein Fest, etwas Genaueres fanden wir nicht heraus, das war aber ja auch gleich.

                Es dauerte lange bis wir uns in Spandau in Bewegung setzten. Dann plötzlich ging alles sehr schnell. Als wir entsorgten rief Dieter an, er war gerade aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen. Seine Blutwerte hatte er noch nicht bekommen, man hörte ihm aber die Freude an, dass er wieder daheim war, wen wundert`s?

    Wir verließen Spandau in nordwestlicher Richtung und überquerten den Havelkanal, weiter ging es über Pausin, Paaren in Glien – Tezow- nach Hakenberg. Ca. 1 ½ Kilometer vor diesem Ort ließ man die Autofahrer mal wieder im Dunklen stehen. Weiterfahrt verboten wegen Fahrbahndeckenerneuerung. Wir fragten einen der Arbeiter nach einer eventuellen Umleitung. Wider Erwarten gab er uns eine durchaus zufriedene, ausführliche Auskunft. Wir fanden somit problemlos den weiteren Weg, allerdings nach ca. einem Kilometer trafen wir auf ein riesiges Denkmal mit einer vergoldeten Engelsfigur oben auf der Spitze, welches die „Straße“ teilte.

    Wir waren nun ganz in der Nähe von Fehrbellin. Hier hat es im Jahre 1675 eine große Schlacht gegeben, 27 Jahre nach dem Ende des 30jährigen Krieges. Hier waren die Schweden involviert, sie wurden aber zurück geschlagen. Vielleicht ist ja auch dem ein oder anderen Leser der Fehrbelliner Reitermarsch ein Begriff.

                   Wir hielten an der Seite auf einer Art Parkplatz an und machten einige Fotos. Da uns die vorbeifahrenden Autos zustaubten, denn es handelte sich um keine gepflasterte Straße und die Einheimischen denken nicht daran auf solchen Straßen langsamer zu fahren, setzten wir uns bald wieder in Bewegung.

                      Der Platz in Neuruppin gefiel uns nicht sonderlich, daher verließen wir diesen Bereich über den Stadtteil Alt Ruppin und fuhren über Rheinsberg nach Zechliner Hütte, auch hier konnten wir uns mit dem Platz nicht anfreunden und somit ging die Fahrt weiter durch fortwährend Waldgebiete oder vorbei an großen Seen und grünen Wiesen. Wir kamen uns schon bald vor wie in Schweden, eigentlich könnten wir dann ja auch hier bleiben, aber es geht ja nicht nur um die Landschaft, andere Faktoren spielen auch noch eine große Rolle.

                    Nun suchten wir uns einen anderen Platz und fanden ca. 800 m von diesem entfernt einen wunderschönen Wohnmobilpark am Großen Priepertsee nördlich des Ellenbogensees. Erst störte mich der Begriff Wohnmobil-Park, aber es gibt ja auch durchaus kleine Parks und damit konnte ich dann leben. Uns empfängt eine kleine Blockhütte, die gemütlich als Rezeption eingerichtet ist. Ein Schild weist uns darauf hin, dass wir zwischen 18:00 und 18:30 zahlen dürfen. Mit Strom sind wir auf diesem Platz bei einem Betrag von 9 Euro. Es ist ein kleines Gelände für ca. 40 bis 50 Wohnmobile. Kleine Büsche teilen das Areal auf, somit weiß jeder wo er stehen kann.

    Die Adresse lautet: Wohnmobilpark „Am Großen Piepertsee“ GbR in 17255 Priepert. HP www.wohnmobilpark-priepert.de! S. Schade und T. Holz sind unter Telefon 03981 204267 oder unter 0172 4803651 erreichbar. Vom Platz schauen wir auf einen kleinen Bereich des Sees etwas schräg unterhalb von uns.

    Heute gibt es keine Currywurst, Christel bereitet Beelitzer Spargel, zumindest haben wir den als solchen gekauft, damit ist sie wieder in ihrem Element. Lassen wir uns mal überraschen wo wir morgen landen oder sollten wir gar hier bleiben, es ist alles offen.

     

     

    25.04.

    Die Schauer der Nacht waren vorüber. Christel erzählte mir schon, als ich noch gar nicht wusste, dass ich wach war, dass neben uns ein Fahrzeug stünde mit einem Hänger auf dem Kanus geladen worden wären. Die zwei Männer saßen, als ich immer noch nicht ganz wach war aber aufstand, im Windschatten einer anderen Hütte. Entweder war einer von Ihnen, der nur ein T-Shirt über seiner Hose trug, falsch angezogen oder aber ich, denn ich hatte mir noch eine Steppweste über mein Jeanshemd gezogen.

    Die Farben draußen sind heute plastischer als gestern, die Sonne scheint und meint es recht gut, wir werden eine schöne Fahrt haben.

    Gegen 11:00 verließen wir diesen wunderbaren Platz am Großen Priepertsee. In der Nacht war noch ein Pkw mit einem Hänger gekommen, sie hatten Kajaks geladen und hatten selbst auch zwei davon dabei, die sie heute ausprobieren wollten.

                  Die Fahrt ging vorbei am Wagnitz- und Drewensee durch den Naturpark Mecklenburgische Seenplatte und entlang der Oberen Havelwasserstraße. Ein teilweise furchtbares raues und unebenes Kopfsteinpflaster, teilweise auch dieses Pflaster noch mit Löchern, weil die Steine abgesackt waren, brachte uns längere Zeit auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 20 Km/h.

                Von Wesenberg fuhren wir dann auf der Deutschen Alleenstraße nach Mirow. Vorbei ging es an Rechlin und Röbel nach Sembzin, hier hatten wir uns einen Stellplatz ausgesucht, der von der Beschreibung und Bebilderung recht nett aussah. Leider sieht es dann in der Wirklichkeit oftmals anders aus. Da wir bei Rechlin noch ein Schild gesehen hatten mit einem Wohnmobilsymbol fuhren wir ca. 20 Km zurück. Am Südende des Sees erreichten wir dann einen recht neuen Campingplatz, der für Wohnmobilisten gesonderte Stellplätze hatte. Da wir noch in der Vorsaison waren durften wir uns auf einen der für die Wohnwagen vorgesehenen Plätze stellen. Wir zahlten 6 Euro für den Stellplatz und 1,50 Euro für Strom. Der Besitzer erzählte uns lang und breit etwas über die Umgebung und mit Prospekten und einer Karte wurden wir dann freundlich entlassen. Wir machten es uns zunächst bequem bevor wir einen Bummel zum See unternahmen. Die Sonne schien bis sie mal wieder von den Wolken verschluckt wurde. Hier unten am See wehte ein kalter Wind und wir entschlossen uns daraufhin zum Platz zurück zu kehren. Wir hatten unten am See sogar eine Feuerstelle entdeckt mit einigen Bänken und Stühlen. Auf dem Platz wurden wir durch ein Schreiben darauf hingewiesen, dass man sich hier am Lagerfeuer zum geselligen Beisammensein treffen kann.

    Bis nach 18:30 saßen wir am Wohnmobil auf dem grünen Rasen, die Sonne blieb uns immer länger erhalten, die Wolken wurden dünner, es war ein ruhiger und gemütlicher Nachmittag.

    Nach dem Abendessen widmeten wir uns den Zeitschriften und den gemachten Bildern, damit bin ich nun wieder auf dem Laufenden. Ich denke, dass wir morgen hier bleiben werden, damit haben wir wieder einmal oder auch noch einmal einen gemütlichen Tag vor uns.

                Diesen Campingplatz (Stellplatz) kann ich nur wärmstens empfehlen. Er liegt nahezu direkt am See. Die Adresse lautet: Campingplatz am Müritzarm, Gaarzer Mühle 1 17248 Lärz. Er ist auch zu finden unter

    www.camping-mueritzarm.de

     

     

     

    26.04.

    Heute hat Horst Geburtstag. Mir ging es den ganzen Vormittag nicht sonderlich gut. Ich kann nicht abschalten. Mir gehen so viele Gedanken durch den Kopf wie z. B. der Unterboden des Wohnmobils, Mieterhöhung in Haar, der unverschämt hohe Dieselpreis, in Norwegen liegt er noch weit über den schon zu hohen Preisen hier. In der Zeit vom 27.03. bis zum heutigen Tag haben wir für Treibstoff 200 Euro ausgegeben. Man kann doch wirklich beinahe nirgends mehr sparen! Ja! Man kann seinen Lebensstil runterschrauben auf beinahe Null. Weg mit den Gedanken. Wir sind am Müritzsee in herrlicher Umgebung und in purer Natur.

    Wir bleiben. Nach dem Frühstückmachen wir uns langsam fertig um nach Waren zu fahren, danach kehren wir auf diesen Platz zurück. Gegen 11:30 beginnt es zu tröpfeln und kurz vor 12:00 geht dann ein richtiges Schauer über uns hinweg. Da wir nicht sicher sind ob die Geschäfte über die Mittagszeit geöffnet haben verschieben wir unsere Abfahrt um ca. 2 Stunden.

    Ich treffe den Besitzer und Platzwart in einer Person in der Nähe unseres Fahrzeuges und drücke ihm gleich die 7,50 Euro in die Hand. Irgendwie ist er nicht begeistert, er ist aber auch nicht ablehnend, er zeigt überhaupt keine Regungen. Das haben wir hier schon häufiger mal erlebt und ich wage es auch nicht zu deuten.

                  Wenn wir uns vorgenommen haben nach Waren zu fahren, dann verwarfen wir die Idee wieder. Einen Teil des Nachmittags haben wir draußen auf dem Rasen erlebt. Wir sind schon so richtig verweichlicht um nicht zu sagen: „Wir sind richtige Weicheier“ geworden.

    Am Abend zeigt mir Christel auf der ADAC-Karte die Strecke, die wir u. U. in Schweden, Finnland und Norwegen fahren könnten. Ich las wieder die mir so bekannten Namen der Orte wie Utsjoki, die nördlichste Gemeinde Finnlands, hier sind die Samen in der Überzahl, noch, Es steht zu lesen, aß der  Ort ebenso eintönig

    Ist wie die ihn umgebende Tundra. Nur Moos und Zwergsträucher seien zu sehen. Ja, das ist eine Ansicht, ich habe eine andere. Wir werden auch den geschichtsträchtigen Ort Vadso noch einmal aufsuchen. Von diesem Ort aus waren Umberto Nobile und Roale Amundsen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu mehreren Nordpol-Expeditionen mit ihren Luftschiffen „Italia“ und „Norwegen“ gestartet. Der Mast, an dem die Fluggeräte befestigt wurden, steht noch heute. Aber bis dahin vergehen noch viele Wochen. In mir ist allerdings wieder Interesse geweckt und einige Lebensgeister sind wieder mehr erwacht.

               Jetzt hatte ich das Schreiben kurzfristig mal unterbrochen, der einmalig schöne Sonnenuntergang hinter dem Müritzsee hatte mich mit der Kamera nach draußen gelockt. Das war das bemerkenswerteste Ereignis heute. Es ist eben doch schön zu leben, wenn man nicht zwischen Hochhäusern existieren muss.

    Gute Nacht ihr lieben Sorgen, warten wir auf Morgen.

    Vanessa und Sally habe ich gerade noch ein Bild vom Sonnenuntergang geschickt mit den besten Wünschen für eine gute Nacht mit schönen Träumen.

     

     

     

     

    27.04.

    Um 01:00 stehe ich auf und trinke eine Milch mit Honig. Das ist das erste Mal, dass ich nachts aufstehe, weil ich nicht schlafen kann. Draußen haben wir immer noch 12,5 Grad und hier drinnen sind es 16,9. Es war schon noch sehr viel kälter in den letzten Nächten.

    Der Tag verspricht schön zu werden. Wir entschließen uns zunächst einmal die Zelte hier abzubrechen und u. U. am späteren Nachmittag hierhin zurück zu kehren, falls sich nicht etwas anderes ergibt.

    Gegen 11:00 verlassen wir diesen schönen „Campingplatz“. Der Besitzer und Platzwart erscheint in der Tür zur Rezeption. Ich halte kurz an und teile ihm mit, dass wir uns einige Sehenswürdigkeiten anschauen wollen und kämen eventuell am späten Nachmittag zurück. Er nickt und brummelt etwas, was ich nicht verstanden habe. Er hat während unseres Aufenthaltes nichts an Freundlichkeit hinzu gewonnen, wie sollte er auch.

    „Riva“ bringt uns wieder einmal auf schmalen oder auch schmalen und sehr holprigen Straßen nach Bollewick, wo wir eine Feldsteinscheune besuchen. Es handelt sich um ein sehr langes Gebäude. Vorn hat man ein Hotel eingerichtet. Links und rechts vom Eingang wurden Findlinge aufgehäuft. Von der Seite können wir das Gebäude betreten und auch hier drinnen sieht es aus wie in einer Scheune, allerdings ist es gut aufgeräumt und wir treffen im Erdgeschoss sowie im 1. Obergeschoss auf die verschiedensten Geschäfte wie z. B. Kerzen-,

    Leinengewandt-, Seidenblumen- oder Glaswarengeschäfte. Langsam bummeln wir durch die einzelnen Shops bevor wir den Rückweg antreten. Es gibt wunderschöne Sachen zu kaufen aber sie sind eben auch entsprechend teuer.

    Von Bollewick geht die abenteuerliche Fahrt weiter nach Fincken, hier haben wir Kenntnis von einer Rundscheune in der sich mittlerweile die freiwillige Feuerwehr gleichen Ortes nieder gelassen hat. In Kaeselin, einem winzigen kleinen Dorf nur einen Kilometer von Fincken entfernt treffen wir auf eine weitere Feldsteinscheune und wenige Meter entfernt, wieder fahren wir über diese holprigen Straßen, es ist nicht einmal Kopfsteinpflaster sondern es scheinen ähnliche Steine zu sein wie die, mit denen man die Häuser gebaut hat. Ich nenne sie ab sofort „Feldsteinstraßen“. Hier treffen wir dann auf vier Häuser, die so gebaut worden sind wie eben die Scheunen, nur, es handelt sich um einstöckige Wohnhäuser. Diese machen auf uns einen ganz besonderen Eindruck, denn noch nie haben wir solche Wohnhäuser gesehen, die mit derart großen und dicken Steinen gebaut worden sind. Sicher, Burgen oder Festungen schon, da wundert man sich ja auch nicht drüber.

              Nun setzen wir unsere Fahrt fort und parken erst wieder auf einem der Parkplätze von Waren`s Altstadt. Diese quirlige Stadt liegt am Müritzsee. Wir bummeln durch die Fußgängerzone bis rauf zum Rathaus. Hier geben sich heute die Braupaare die Türklinke in die Hand. Die Fahrzeuge mit denen die Herrschaften chauffiert werden reichen von normal bis protzig, gekauft oder geliehen, das ist hier die Frage.

    Wir trinken einen Cappuccino auf dem Rathausplatz vor einem Cafè und gehen dann langsam runter zum Hafen. Am Seeufer geht es dann zurück zum Parkplatz. Da wir Kenntnis von einem Stellplatz im Müritzer Naturpark haben und zwar in Kargow-Schwarzenhof, fahren wir dort hin. Hier waren wir vor 2 Jahren und haben die Natur und die Ruhe genossen. Es hat sich nichts geändert, nicht einmal der Preis. Wir fühlen uns gleich daheim und genießen die Sonnenstrahlen wenige Minuten später auf dem grünen Gras in unseren Stühlen.

    Am Abend gibt es eine Brotzeit und dann lassen wir es uns daheim gut gehen. Ich bearbeite wieder einmal Bilder und Christel schmökert in Zeitschriften.

    Wir haben sogar schon einen Plan für morgen. Wir werden u. U. zurück nach Waren fahren und dort auf einem Stellplatz ganz in der Nähe der Altstadt bleiben. Dann können wir am Abend noch einmal einen Bummel durch die Stadt machen. Warten wir ab, was wir wirklich unternehmen.

    Um 22:15 ging ich noch einmal vor die Tür. Es war stockfinster, man konnte aber die Umgebung wahrnehmen. Aus dem Wald hörte man den Ruf eines Käuzchens, sonst herrschte eine beinahe unheimliche Stille.

     

    28.04.

    Für Interessenten, wir stehen auf dem Stellplatz „Ziegenwiese“ in Kargow-Schwarzenhof. Die Adresse ist im Bordatlas zu finden, man muss allerdings wissen, dass man unter Kargo-Schwarzenhof suchen muss. Dieser Platz liegt zwar unweit von Waren aber unter der Stadt ist er nicht zu finden. Die Koordinaten sind wie folgt: N53°27´49´´  E12°47`59``

    Der neue Tag begann einfach sehr hell. Ich machte die Augen auf und über mir strahlend blauer Himmel.

    Wir frühstücken und entgegen unserer Planung bleiben wir hier. Das Brot reicht noch bis einschließlich Sonntag und somit scheint das ein sehr ruhiger Tag zu werden.

    Die wenigen Wolken verflüchtigten sich noch am Vormittag. Sofort nach dem Frühstück holten wir unsere „Liegestühle“ unter dem Bett hervor und setzten uns in die Sonne. Wir waren eins mit der Natur. Um uns Wald und blühende Bäume, über uns der blaue Himmel. Wir schauten dem Spiel der Schwalben zu, sie mögen es anders gesehen haben. Ansonsten Stille überall. Hin und wieder trällerte ein uns nicht näher bekannter Vogel sein Lied hinaus in die Weite des Müritzer Nationalparks. Wir dachten an Dieter, wie es ihm wohl gehen würde. Wir wussten beide, dass es ihm hier gefallen würde. In der Nähe gibt es ein einsames Hotel mit Namen „Kranich-Rast“, es ist ein ganz feudaler Bau mit kleinem urgemütlichem Biergarten. Im Park stehen ca. 40 gute Fahrräder, die man sich leihen kann. Wenn er hier wäre, dann würden wir uns ein Rad leihen und 5 Km in Richtung Müritzsee fahren, wir wären dann immer noch im Nationalpark. Hier gibt es einen Stand oder eine Art Hütte, aus der man heraus die Vogelwelt beobachten kann. Unsere Holländischen Nachbarn, die einzigen, die mit uns hier stehen, waren heute mit ihren Rädern dort gewesen und kamen hoch begeistert zurück. Sie hatten u. a. einen Zaunkönig sowie Fischreiher und Seeadler beobachten können.

    Wir durften hier sein und wir genossen die Stunden bis 20:00, dann zogen wir uns zurück in unsere Behausung. Da es am Tag bis zu 28° warm war wurde es vom Empfinden her jetzt kühl.

    Es war, ja, wie soll ich sagen, wieder einer der schöneren Tage unter den an sich schönen Tagen auf dieser Reise. Es gefällt mir immer besser und ich denke immer weniger an die so schmerzhaften Dinge, die mir das Leben zur Hölle machen oder sollte ich jetzt besser sagen machten. Ich weiß, sie kommen wieder, aber ich genieße jeden Tag an dem die Gedanken nicht auftauchen.

     

     

    29.04.

    Heute ist Sonntag. Zum Frühstück essen wir unsere letzten Scheiben Brot, wir haben nicht richtig kalkuliert. Aus diesem Grund wollten wir eigentlich heute nach Waren auf einen Stellplatz fahren um morgen dann in der Früh ein Brot zu kaufen. Wir entschließen uns dennoch nicht zu fahren sondern hier zu bleiben. Wir können auch morgen in der Früh nach Waren fahren und dann einkaufen. Zum einen ist es hier wirklich schön, zum anderen haben wir Angst in Waren heute keinen Stellplatz zu bekommen. Wir bleiben.

    Nach dem Frühstück satteln wir unsere Fahrräder, wir wollen einmal sehen ob wir einen Kranich oder auch zusätzlich einen Fischadler oder vielleicht noch besser auch einen Seeadler zu Gesicht bekommen.

    Nach ca. 3 Kilometern machen wir an einer Beobachtungsmauer oder vornehmer ausgedrückt, an einem Beobachtungsstand halt. Es ist eine hohe Bretterwand und es sind in verschiedenen Höhen ca. 30 cm hohe Seeschlitze angebracht. So kann man wunderbar die davor liegende Wiese und auch das Waldstück beobachten ohne von den Tieren gesehen zu werden; diese werden allerdings durch die Beobachter auch nicht gestört und daher wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass man z. B. Vögel beobachten kann.

    Auf einem Strommaste erkennen wir ein Nest und daneben hockt ein größerer Vogel. Leider ist die Entfernung trotz Fernglas noch recht groß. Wir mutmaßen allerdings, dass es ein Fischadler sein könnte. Ein anderer Beobachter fragt uns dann, ob wir die Rehe unten auf der Wiese vorm Waldrand schon gesehen haben. Christel schaut in die Richtung und entdeckt zwei große Vögel mit gräulichem Gefieder. Man könnte annehmen es seien kleine Strauße. Der junge Mann, der die Rehe gesehen haben will, wir sehen keine, weiß auch keinen Rat bezüglich der Vögel. Später kommt ein anderes junges Ehepaar und der junge Papa sagt dann im Brustton der Überzeugung: „Das sind Kraniche!“ Wir wundern uns etwas über die Größe dieser Zugvögel, ich nehme diese Behauptung hin und Christel zweifelt sie an.

    Wir fahren weiter und diskutieren noch ein wenig kommen aber zu keinem Ergebnis. So erreichen wir den Nationalpark-Service Müritz in Federow. Hier wimmelt es von Menschen, die entweder mit Fahrrädern oder anderen Fahrzeugen gekommen sind. In einem niedrigen aber nicht kleinen Gebäude treffen wir auf Souvenirs jeglicher Art sowie auf einen kleineren Raum in dem Stühle aufgestellt sind. In der Ecke steht ein Monitor und beim Näherkommen sehen wir auf einem Strommast ein Nest und darin hockt ein Fischadler. Es ist eine Aufnahme von einer angebrachten Kamera in der Nähe des Nestes. Später gesellt sich ein zweiter Fischadler hinzu. Der eine hockt da als brüte er. Der kleine Raum füllt sich immer mehr mit Menschen und plötzlich taucht ein älterer Herr in einer Art dunkelbrauner Uniform gekleidet mit gleichfarbigem Hut auf. Er schaut ein wenig aus wie ein Ranger. Er begrüßt uns und teilt uns mit, dass diese Aufnahmen Momentaufnahmen von einem Rischadler-Hort sind. Der eben erwähnte eine Vogel sitzt tatsächlich auf 3 Eiern und brütet. Der Fischadler brütet ca. 38 Tage bevor die kleinen Adler schlüpfen. Der männliche Part versorgt den brütenden weiblichen Part mit Fisch, der er aus einem der nahegelegenen Seen geholt wird. Diese Tiere fangen nur lebenden Fisch und verzehren diesen mit „Haut und Haaren“ also mit Kopf und Körper bis einschließlich Schwanz. Sie sind in der Lage alles zu verdauen und als weiße, feuchte Masse wieder auszuscheiden. Dieses passiert dann nicht im Nest sondern während eines Rundfluges um den Hort. Der Vogel stößt u. U. aus einer Höhe von bis zu 70 Metern ins Wasser um einen Fisch zu ergreifen, hierbei kann er bis zu 1,20 m tief tauchen bedingt durch die hohe Geschwindigkeit, die er mit angelegten Flügeln im Sturzflug bekommt.

    Bei den Fischadlern gilt noch das System, wie es bei uns früher galt. Der männliche Vogel sorgt für den „gedeckten Tisch“, er versorgt auch die brütende „Frau“. Wenn diese allerdings einen Teil des Fisches verspeist, dann fliegt sie aus dem Nest um außerhalb in nicht weiter Entfernung zu fressen. Während dieser Zeit setzt sich der männliche Teil auf die Eier und hält sie warm. Wenn die „Dame“ satt ist oder aber nicht mehr Fisch hat, dann kommt sie zurück und übernimmt wieder die Aufgabe, die ihr zusteht.

    Wenn die Jungen dann geschlüpft sind übernimmt der „Vater“ das Herbeischaffen der Nahrung für die gesamte Familie. Die jungen Tiere bekommen den besten Teil des Fisches und die Eltern begnügen sich mit dem Rest.

    In gut 50 Tagen sind die jungen Vögel dann soweit, dass sie beinahe die Größe der Eltern haben. Schon vorher trainieren sie im Nest die Muskeln der Flügel um später entsprechend gut und sicher fliegen zu können.

    Im letzten Jahr wurden 4 Eier ausgebrütet, leider gab es ein schweres Gewitter mit Hagel und Sturm, es kamen 2 junge Tiere um und es blieben nur 2, die aufgezogen werden konnten. Dieses alles wurde dokumentiert durch die Kamera.

                Ich erwähnte schon, dass der Fischadler ein Zugvogel ist. Im Herbst fliegt er, wenn die Aufgabe der „Mutter“ erledigt ist, alleine nach Afrika. Der Vater wartet bis die „Kinder“ richtig fliegen können und macht dann mit ihnen Flugübungen und zeigt ihnen auf diese Weise die nahegelegenen Seen und unterrichtet sie auch im Fangen von Fischen.

                Wenn er dann sicher ist, dass seine Kinder alleine überleben können, dann setzt auch er sich in Bewegung in Richtung Afrika. Papa und Mama fliegen durchaus zu ganz unterschiedlichen Orten und sie sehen sich nicht eher wieder bis sie wieder hier in Deutschland auf dem Strommast, jeder für sich, landen, auf dem ihre Jungen geschlüpft sind. Später machen sich dann auch die Jungtiere auf den Weg in ihr Land, sie waren noch nie dort aber sie finden den Weg dorthin. Auch Sie kommen im Frühjahr zurück zu ihrer Brutstätte, denn das ist und bleibt ihr „Zu Hause“. Dieses Fischadlerpaar ist in diesem Jahr 6 Jahre zusammen, sie fliegen getrennt weg und kommen getrennt wieder, aber sie kommen zurück.

                     Man hatte etliche Vögel mit einem Sender ausgerüstet, welcher zu einem Satelliten sendet und von dort werden die Signale hier bei den 3 Vogelwarten aufgenommen. Die Vögel flogen von Deutschland über die Schweiz – Frankreich – Korsika – Sardinien – Tunesien – Algerien – Niger – Nigeria – und Kamerun.

                      Der Vortrag enthielt noch einen Part, über den wir nur den Kopf vor Bewunderung und Unverständnis schüttelten. Die Vögel werden im Auftrag der Vogelwarten beringt. In diesem Fall stieg ein Mann mit weißem Helm den Strommast nach oben. Die Eltern verließen unverzüglich, schon als sich der Mann dem Mast näherte, das Nest. Zuvor hatte die Mutter ein Signal ausgestoßen. Die beiden jungen Tiere lagen ab dem Zeitpunkt flach im Nest ohne sich auch nur ein einziges Mal zu bewegen. Der Kopf des Mannes erschien nun über dem Nest. Er holte Werkzeug und entsprechende Ringe hervor. Vorsichtig nahm er einen der Jungvögel hoch und legte ihn so hin, dass er den Ring anbringen konnte. So geschah es auch am zweiten Tier. Die Tiere bewegten sich immer noch nicht. Als er seine Arbeit vollendet hatte legte er die Vögel wieder so hin, wie er sie zuvor hatte liegen sehen. Die Eltern kreisten immer noch um den Hort. Unten am Mast standen auch noch drei Männer, dieses nur zur Vollständigkeit.

    Als die Männer wieder verschwunden waren dauerte es noch eine gewisse Zeit bevor sie zum Nest zurück flogen. Die Jungvögel lagen immer noch im Nest ohne sich zu bewegen. Es war mittlerweile eine halbe Stunde vergangen. Selbst nach 15 Minuten, die die Eltern nun schon wieder bei den Jungvögeln verbracht hatten, lagen die Tiere noch wie „tot“ im Nest.

    Dann erscholl vom Muttertier wieder ein Laut, die beiden Jungvögel standen auf und bewegten sich als sei nichts geschehen. Die beiden jungen Vögel erhielten also einen Ruf sich tot zu stellen, welchem sie unverzüglich nachkamen. Die Aufhebung des „Todseins“ geschah auf dieselbe Art und Weise. Wenn wir es nicht gesehen hätten, wir würden es nicht glauben können.

     

    Dieser Vortrag war hochinteressant und wir unterhielten uns draußen noch einige Zeit mit dem Ornithologen bevor wir unsere Räder bestiegen und noch ein Stück in Richtung Waren fuhren. Allerdings drehten wir bald um und fuhren zurück, denn wir sehnten uns nach einem weichen Sessel und nach einem Cappuccino. Es war ein wunderbarer Tag. Noch lange saßen wir draußen und unterhielten uns über Fischadler, Seeadler, Kraniche und ditjes und datjes. Selbstverständlich kam das Gespräch auch noch einmal auf das „sich tot stellen“ der beiden jungen Vögel.

    Nun ist auch dieser Tag vorüber, er begann als Ruhetag, dann wurde aber hochinteressanter Tag daraus, an dem wir viel Interessantes gelernt hatten.

     

    Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass von diesem Ort aus Adlersafaris, Vogelstimmenwanderungen, Nationalpark-Radtouren, vogelkundliche Wanderung u. v. m. durchgeführt werden.

    Nun warten wir auf das, was uns der neue Tag bringen wird.

                      Eben kam noch der Besitzer vorbei, übrigens ein überaus netter Mann und fragte ob wir morgen Brötchen (Semmeln) haben möchten. Wir werden hier so richtig verwöhnt und das für 9 € pro Nacht.

     

     

    30.04.

    Selbstverständlich wollten wir Brötchen, denn Brot hatten wir keines mehr. Selbstverständlich fuhren wir auch heute noch nicht, wieso eigentlich nicht? Erstens war es wunderschön hier in der Natur, wie schon häufiger erwähnt und zweitens hatten wir wirklich Angst in Waren oder in der Umgebung keinen Platz zu bekommen, denn morgen ist schon wieder Feiertag und da blieben wir lieber wo wir sind.

    Auf 12:23 gingen wir zur Bushaltestelle, der Bus war noch nicht in Sicht als wir beschlossen nun doch nicht nach Waren zu fahren, denn für morgen konnten wir ja noch einmal Brötchen bestellen und das reichte uns dann einfach.

    Wir holten wieder unsere Liegestühle und machten es uns bequem bei strahlendem Sonnenschein. Leider wurde ca. eine Stunde später diese Ruhe jäh unterbrochen durch lang anhaltendes Hupen. Wir schauten uns an und ich meinte lakonisch: „Vielleicht der Eismann!“ Da kam die Frau dieses Anwesens angelaufen, sie entschuldigte sich auch noch für die Störung und teilte uns mit, dass der Bäcker gekommen sei. Sie lief voraus um ihn aufzuhalten. Sehen wir nun schon so alt oder zumindest so lahm aus, dass wir nicht hätten so schnell laufen können? Nein, so war es nicht gemeint. Der Bäcker hatte noch ein Brot für uns und wir hatten mal wieder mehr als wir essen konnten.

    Wir setzten unsere Faulenzerrunde nun fort, wir ratschten, wir schlummerten vor uns hin oder wir lauschten der Stille und schauten den Schwalben bei ihren Flugvorführungen zu oder lauschten einfach nur dem Gezwitscher der Vögel. Ich ging einmal zur Karte an der Informationswand und schaute mir noch einmal den Weg zum Rederangsee an. Gern hätte ich den Beobachtungsstand gesehen, aber wir hatten keine Wander- bzw. Radwanderkarte bei uns.

    Die Wende kam dann, als ich zu Christel sagte, ob denn wohl mein Handy den Rederangsee kennte. Gefragt getan, es kannte den See und ich konnte sogar einen Route abfragen. Dieses alles veranlasste uns nun doch die Räder zu satteln und diesen See aufzusuchen. Wir schlingerten mehr als wir fuhren auf dem lockeren, sandigen Boden. Dennoch schafften wir es mehr oder weniger auf dem angezeigten Weg zu bleiben, einmal hinderte uns ein verschlossenes Gatter am Weiterfahren, ca. 300 m vor dem Ziel trafen wir wieder auf ein verschlossenes Gatter, das hätte uns aber nicht unbedingt gehindert, aber das Schild mit der Aufschrift: „Freilaufende Bullen – Vorsicht Lebensgefahr“ ließ uns unverzüglich umkehren und das war gut so, denn somit fuhren wir nun in Richtung Federow und damit kamen wir an der Abzweigung vorbei, von der uns das nette holländische Ehepaar berichtet hatte und eben diese Abzweigung führte uns zum Rederangsee und damit direkt zur überdachten Beobachtungsstelle, die wieder mit Sehschlitzen und zusätzlich mit Sitzplätzen ausstaffiert war. Gott sei Dank saß nur ein Herr hier, der so gut wie nicht sprach, er suchte mit seinem Fernglas den See und den Himmel darüber ab. Leise sagte er dann plötzlich, dass er vor einigen Stunden einen Seeadler gesehen habe. Er glaubte dann eine Natter im See gesehen zu haben, ich wollte ihn nicht enttäuschen, aber ich habe sie nicht gesichtet.

    Es war eine herrliche Atmosphäre hier oben über dem Schilf in der Beobachtungsstation, es herrschte eine einsame Stille und es war hochinteressant über den See zu schauen. Auch hier erlebten wir Natur pur und wir genossen es. Wir lebten im Moment in der Natur, wir fuhren durch die Natur und wir erlebten Natur, wo immer wir waren. Schade, gerne hätten wir dem netten holländischen Ehepaar mitgeteilt, dass wir nun auch dieses wunderbare Erlebnis hatten. Sie sind aber heute gegen Mittag gefahren, irgendwo an die Elbe. Sie wollen in ca. 14 Tagen wieder in Holland sein. Dieses Ehepaar kommt aber mit 3 anderen Wohnmobilen im Juni noch einmal hierher zurück.

    Nach einigem Ausharren gingen wir zurück zu unseren Fahrrädern und fuhren dann 1,5 Km nach Federow, von dort waren es dann noch einmal 4 Kilometer bis Schwarzenhof. Insgesamt fuhren wir nur 12 Kilometer und hatten so viel gesehen und erlebt.

    Am Abend dann machten wir eine Brotzeit, ganz nach meinen Vorstellungen. Morgen werden wir diesen friedlichen Flecken Erde verlassen uns unsere Fahrt fortsetzen in Richtung Rostock. Wenn wir Dieter und Erika bewegen könnten nach hier zu kommen, wir würden glatt noch mindestens eine Woche dranhängen um mit Dieter diese Natur zu erleben. Wir könnten jeden Tag eine Radtour machen und hätten in einer Woche sehr viel gesehen und erlebt, in Wahrheit aber wäre es nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.

    Ich werde diese Tage hier nicht vergessen und ich würde gerne noch einmal für länger als eine Woche hierher zurück kommen und das tun, was wir mit Dieter getan hätten.

     

     

    01.05.12

    Ich war wieder nicht der Erste, der aufstand; dieses Bestreben hatte ich aber auch schon lange aufgegeben. Es war wohl 09:40, Christel hatte schon die Brötchen vom rechten Seitenspiegel geholt.

    Wir ließen uns viel Zeit. Der Besitzer war mit seiner gesamten Familie ausgeflogen. Somit rechneten wir aus was er noch an Euro zu bekommen hatte. Ich schrieb ihm noch eine Karte und eine Karte für das holländische Ehepaar mit der Bitte sie ihnen auszuhändigen, wenn sie im Juni wieder nach hier kämen. Das Geld mit den beiden Karten warfen wir in den dafür vorgesehenen Briefkasten, dann setzten wir uns in Bewegung.

    Auf dem Rückweg nach Waren trafen wir noch einmal auf zwei Fischadlernester, deren Positionen uns nun schon gut bekannt waren. Es war wenig Verkehr auf den Straßen. Die Route führte uns über Waren – nördlich am Kolpinsee vorbei und nördlich vom Fleesensee über die Ortschaft Silz. Hier an diesem See sollte aber auch unser Ziel sein, nämlich Landpension & Landgasthof „Am Fleesensee“ OT Nossentin, Am Park 33 in 17214 Silz, Telefon.039927 HP www.landpension-amfleesensee.de. Hier trafen wir auf einen sehr kleinen aber sehr sauberen und äußerst ruhig gelegenen Stellplatz, der 4 Wohnmobile beherbergen kann. Ein Wohnwagen stand schon hier.

    Wir fühlten uns gleich wohl und da wir zur Kaffeezeit hier eintrudelten setzen wir uns draußen auf die Terrasse und bestellten 2 Cappuccini und eine Portion Apfelkuchen. Für die Portion Apfelkuchen mit Cappuccino bezahlten wir 2,95 €.

    Wir schauten uns die Speisekarte an und staunten über die Preise hier. Für unsere Verhältnisse war es mehr als günstig. Die Preise waren z. B. für 2 Matjesheringe mit Bratkartoffeln 4,95 €. Ein Doppelzimmer in der Zeit zwischen September bis Mai kostet 53 € -ab 3 Nächte 50 €. In der Hauptsaison kostet dieses Zimmer dann ab 3 Nächte 59 €. Der Zimmerpreis versteht sich incl. Frühstück. Alle Zimmer versteht sich mit Dusche, WC, Farb-TV und Kühlschrank.

    Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel an den See und später in unseren Stühlen auf grüner Wiese.

                 Um 18:00 gingen wir in das kleine aber sehr gemütliche Restaurant und aßen Sülze mit Bratkartoffeln und Salat, Christel bestellte eine Fischplatte mit Bratkartoffeln, diese Portion brachte sie dann an die Leistungsgrenze. Ich trank Pils für je 2,70 € -0,4 Ltr.-

    Ein älteres Ehepaar, nämlich das mit dem Wohnwagen, saß am Nebentisch und wir kamen ins Gespräch und somit verließen wir die Gastwirtschaft erst nach 19:30. Es war mal wieder ein etwas anderer Abend und es war ein wunderschöner Abend und ein wunderschöner Tag.

                Morgen haben wir uns vorgenommen nach Rostock zum Fährhafen zu fahren um uns über Zeiten und Preise nach Trelleborg zu erkundigen. Dann werden wir wohl noch ein paar Tage zu der Fam. Dubberke fahren, die eine Feierscheune unterhalten. Hier waren wir letztes Jahr eine Woche und wir hatten uns sehr wohl gefühlt.

     

     

    02.05.

    Wir verlassen Silz/Nossentin gegen Mittag. Eine freundliche Verabschiedung von dem Ehepaar mit dem „Blue Efficency“ geht voran. Alles ist so herzlich als hätten wir über Wochen zusammen hier die Zeit verbracht. Ihn hatte ich eingeschätzt eventuell als etwas spießigen  Schüler traktierenden Volksschullehrer. Es stellte sich aber heraus, dass er selbständig war, sein Sohn hat wohl die Geschäfte übernommen; dafür war seine Frau aber Lehrerin gewesen. Sie waren beide in den 70ern.

    Wir zahlten 8 € für die Nacht. Im Bordatlas stand zu lesen 5 € und für Strom und Ver- und Entsorgung 3 €. Trotz unserer Beteuerung, dass wir dies alles nicht wollten zahlten wir 8 € und, als ob man es nicht verstanden hätte, teilte man uns noch einmal mit wo wir die Ver- und Entsorgung vornehmen können. Was soll`s, wir hatten Strom genommen und entsorgten auch, somit haben wir wieder einmal Gas gespart, worüber wir gar nicht so erfreut waren, denn wir müssen, wie schon erwähnt, mit 2 vollen Gasflaschen nach Norden fahren. Wir können dort kaum tauschen und es ist auch sehr schwierig unsere Deutschen Flaschen füllen zu lassen. Außerdem ist es sehr teuer. Ich kann mich erinnern, dass wir in Finnland einmal

    50 € für eine Füllung gezahlt haben. Aber noch können wir keine Entscheidung treffen, denn die Flasche, die wir in Gebrauch haben, ist noch beinahe halb voll. Es dürften noch ca. 5 Kg vorhanden sein und die können wir nie mehr aufbrauchen.

                       Themawechsel! Die Fahrt ging über Alt Schwerin, Krakow – Charlottenthal – Mühl Rosin nach Güstrow. Dort programmierten wir unser Navigationssystem „Riva“ um auf Rostock – Fährterminal. Es war eine recht kurzweilige Fahrt, im ersten Teil ging es vorbei an Seen, durch grüne Wälder und entlang riesiger blühender Rappsfelder. Am Straßenrand und an den Waldrändern sowie auf den Wiesen blühten Millionen und aber Millionen von Löwenzahl, farbenfroher konnte die Natur nicht mehr werden.

    Wir trafen auf moderne neue Häuser, wir unterhielten uns über alte und restaurierte Herrenhäuser, die protzig in der Landschaft standen. Genauso unterhielten wir uns aber auch über leerstehende Bahnhöfe, über zig Waggons, die noch auf den verrosteten Gleisen standen. Auffallend waren immer wieder leer stehende Privathäuser, die Scheiben waren zum großen Teil nicht mehr vorhanden und teilweise waren sogar schon Mauern eingestürzt. Chaos neben Moderne, Feldsteinpflasterstraßen folgten auf Fahrbahnen mit neuestem Belag und dann umgekehrt. Es wurde wirklich nicht langweilig. Auf den Feldsteinpflasterstraßen fuhr ich nicht mal 20 Km/h und wurde somit auf diesen Teilen der Strecke von allen Fahrzeugen überholt, denn die Menschen kannten auch diese Straßen und nahmen sie als normal hin. Sicher wenn man über diese Straßen fuhr mit verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit dann hatte man vielleicht im Fahrzeug das Gefühl einer gar nicht so unglatten Straße, allerdings die Federn und Stoßdämpfer hätte ich nicht klagen hören wollen.

    Nachdem wir im Port-Center in Rostock angekommen waren erkundigten wir uns nach den Fähren der TT-Line. Diese Gesellschaft hatte dieses Jahr Geburtstag. Wir buchten die „Huckleberry Fin“ für 15:30 am 08.05. und kommen somit um 21:00 Uhr in Trelleborg an oder auch nicht, aber davon gehen wir mal nicht aus. Dafür zahlten wir 108 €.

    Dann ließen wir uns durch „Riva“ nach Sievershagen, Alt Sievershagen 16, bringen. Frau Dubberke kam an die Tür und freute sich genauso, wie wir uns freuten alle mal wieder zu sehen. Spontan wurden wir von ihr für morgen auf die Terrasse zu einem Wiedersehenstrunk eingeladen. Später kam auch ihr Mann noch zu uns und begrüßte uns ebenso herzlich. Lange unterhielten wir uns über die letzten 2 Jahre, die wir uns nicht gesehen hatten. Auch Max, der Enkel, kam zum zweiten Mal ins Gespräch, er wird in wenigen Tagen 1 Jahr jung. Dafür gibt es „Charly“ den kleinen schwarzen Hund nicht mehr, er lag eines Tages tot im Gras, er hatte sich wohl überfressen, denn er fraß fast immer und alles, was ihm vor die Schnauze kam.

    Am Abend, gegen 18:30, machten wir eine ausgedehnte Brotzeit. Jetzt ist es 20:40, die Sonne geht rot am Horizont unter. Was wird uns der morgige Tag bringen. Ein Problem haben wir noch, welches mich schon seit Tagen beschäftigt, es ist die Gas-Angelegenheit. Ich erwähnte es schon, wir benötigen 2 volle Gasflaschen, wenn wir nach Schweden kommen. Mit 1 ½ Füllungen können wir nicht lange genug im Norden bleiben. Wir benötigen Gas für den Kühlschrank und zum Kochen, wenn wir keine 230 Volt haben. Hin und wieder müssen wir auch Wasser heiß machen, das größte Problem aber ist der Kühlschrank. Wenn man auf keine Unannehmlichkeiten verzichten will, dann verlangt das eben nach logistischer Überlegung, zumal wenn es darum geht nicht mehr Geld auszugeben als unbedingt notwendig und das steht bei uns natürlich immer vornan, sonst kann man solch eine längere Reise nicht machen. Noch haben wir keine Lösung parat aber wir werden eine finden.

     

     

    03.05.

    Christel musste etwas raus, eine lange Tour wollten wir aber nicht machen. Außerdem brauchen wir ein Brot und verschiedene andere Kleinigkeiten. Zunächst nutzten wir das Wetter noch aus und setzten uns draußen hin. Der ansässige „Hofhund“ der Ziegenbock wurde immer vertrauter. Er kam nun sogar schon und bettelte.

    Es war nur ein kurzer Kilometer zum Ostsee-Park, hier gab es schon Dutzende von Geschäften aller Größenordnungen und es wurde schon wieder gebaut. Lange hielten wir uns hier auf, viel zu lange. Natürlich hatten wir die Zwiebeln für die Bratkartoffeln am Abend vergessen.

    Ich fuhr gegen Abend also noch einmal zum Ost-Park, da konnte ich gleich das Buch für Püppie zur Post bringen.

    Gegen Abend dann, als wir die Bratkartoffeln genossen, begann es leicht zu regnen. Draußen sitzen konnte man also nicht mehr, hinzu kam, dass die Temperatur schon gegen 19:30 auf 11 Grad Celsius runter war. Frau Dubberke hatte uns schon am Vortag und auch heute noch einmal auf einen Talk auf die Terrasse eingeladen, worüber wir uns natürlich sehr gefreut hatten. Nun warteten wir ab, vielleicht war es ja auch ihnen zu kalt draußen und wir wollten uns auch nicht aufdrängen, so sehr wir uns freuten auf ein Gespräch mit beiden. Es wurde nämlich nie langweilig, wenn wir zusammen saßen.

    Kurz vor 20:00 kam sie dann an und man sah ihr schon an, dass sie wieder einmal ihr Organisationstalent hatte spielen lassen. Sie sagte sie habe ein wenig eingeheizt und wir trafen sie dann in einer großen aber überaus gemütlichen Diele dieses großen reetgedeckten Hauses. In der Mitte auf der rechten Seite konnte man unschwer einen Kamin entdecken, in dem mehrere Holzscheite knisterten, sie verbreiteten eine gemütliche Wärme. In der Mitte der Diele dann, in Höhe des Kamins, war ein Tisch gedeckt mit Gläsern und Knabbereien. Es war überaus gemütlich und man fühlte sich wieder einmal sofort heimisch. Herr Dubberke kam etwas später zu uns. Wir tranken einen vorzüglichen Rotwein und unterhielten uns nonstop bis 22:30, dann wurde es Zeit sich zu verabschieden. Diese netten Menschen hatten immerhin einen arbeitsreichen Tag hinter sich, wenn sie das auch nicht hören wollten. Sie sprachen eher von ihrem Hobby und das sie wirkten nach Bedarf. Das ist vielleicht auch der Grund, dass ihnen das, was sie anlangen, auch gelingt. Es war jedenfalls ein interessanter und abwechslungsreicher Abend, den wir so schnell nicht vergessen werden, wenn überhaupt.

     

     

    04.05.12

    Heute hätte es ein ganz ruhiger Tag werden können. Ich schälte mich um 09:30 widerwillig aus den Federn. Es lag eigentlich nichts vor und warum nicht einmal so richtig faulenzen! Nun gut, das Frühstück schmeckte mir, ich aß zwei Scheiben von dem Lübzer Brot mit Lübzer Bier, ein wahrhaft schmackhaftes dunkleres Brot als allgemein.

    Wie dann alles kam, das weiß ich nicht, jedenfalls stand ich plötzlich draußen und stellte ein Fahrrad auf den entsprechenden Ständer am Fahrzeug. Christel hatte einen Lappen in Hand und begann sogleich zu putzen. Ich ölte die entsprechenden Teile und bei dem einen Radl blieb es auch nicht, was wiederum zu erwarten war.

    Ohne Pause ging es dann weiter. Die Teppiche flogen beinahe wie von selbst aus dem Fahrzeug, sie wurden geschruppt. Ich verkroch mich in meine Ecke und schrieb Karten und beschäftigte mich mit anderen angenehmen Sachen. Beim Schreiben bekam ich ab und an einen Stoß am Arm und schob dadurch mit dem Füllhalter einen nicht gerade waagerechten Strich auf das Papier, sie bemerkte es nicht einmal. Ich rutschte weiter zum Fenster und damit weg vom Gang um weitere ungerade Striche zu vermeiden. Es folgte das Reinigen des Autos von außen, eine besondere Genauigkeit wurde auf die Scheiben gelegt, obwohl wir die nächsten 2 Tage mit Sicherheit nicht fahren werden.

    Erst als Christel einen entsprechenden Cappuccinodurst bekam ließ die Putzlust nach und sie gesellte sich zu mir. Nun wurde es wieder gemütlich. Mittlerweile ist totale Ruhe eingekehrt, es ist allerdings auch schon um 16:20 nach dem Abendessen gefragt worden, ich hatte, wie immer, keine Ahnung und auch keinen Hunger.

    Dieser Tag wird nun ruhig und zum Schluß besonnen zu Ende gehen. Damit wir auf keine dummen Gedanken kommen, was das Radfahren anbelangt, fängt es in gewissen Zeitabständen immer mal wieder kurz an zu regnen. Wir müssen aber ja auch nicht jeden Tag unterwegs sein.

    Kurz vor 16:00 kam dann Frau Dubberke und stellte uns ihren Enkel Max vor. Es war ein gutaussehender kleiner Knabe im Kinderwagen, der nun bald 1 Jahr alt werden wird. Es dauerte nicht lange, dann wollte er aus dem Kinderwagen und bei mir auf den Arm. Zugpferd war der „Hofhund“ die Ziege. Wir gingen ihr nach und er schaute zu wie sie das Gras riss um ihren Hunger zu mildern. Wir unterhielten uns lange, bevor Frau Dubberke ihren Rundgang fortsetzte. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass wir uns gefreut haben diesen kleinen Kerl Max zu sehen, der damals geboren wurde, als wir hier waren, vor beinahe genau einem Jahr.

    Sie verabschiedete sich nicht ohne zu bemerken, dass ihr Sohn und die Mama von Max auch noch vorbei kämen.

    Wir wissen nicht wo die Zeit bleibt, aber auch dieser Tag war bald zu Ende.

     

     

    05.05.12

    Noch gehört mein Bruder zu den „Youngsters“, in zwei Tagen sieht das anders aus, dann hat auch er diese magische Zahl von 60 erreicht. In manchen Gegenden würde er allerdings schon seit 10 Jahren zu den „Alten Säcken“ gehören.

    Der Tag begann ohne viel Sonne, die ließ sich nur hin und wieder mal kurz sehen. Gegen Mittag dann, wir hatten unsere Drahtesel gesattelt um in den Ostsee-Park zu fahren, kam sie schon für längere Zeit zwischen den Wolken durch, trotzdem, es war saukalt. Wir hatten dicke Pullover an und noch eine gefütterte Weste darüber, ich hatte mir noch eine Mütze aufgesetzt und Handschuhe hatten wir beide an.

    In den Geschäften war die Hölle los. Sicher kauften wir wieder mehr als wir kaufen wollten, aber das ist ja nun auch schon alt.

    Gegen 14:30 waren wir wieder daheim. Es gab Cappuccino und jeweils ein Teilchen mit Kirschen gefüllt. Tapfer wie wir nun einmal sind holten wir unsere Stühle raus und setzten uns in den Windschatten in die Sonne. Hier war es beinahe gemütlich.

    Als wir unsere Fahrräder wieder auf den Wagen gebunden hatten gingen wir rein, denn jetzt hatten wir lange genug in dem eiskalten Wind gestanden. Wir machten es uns drinnen gemütlich bis zum Abendessen, um 19:30 setzten wir dann den gemütlichen Part fort. Ja, solch einen Tag muß es auch mal geben. Es war auch kein schlechter Tag.

    Noch zwei Tage hier bei der Familie Dubberke, dann ist auch diese schöne Zeit wieder vorbei. Am 08.05. geht es dann mit der Fähre nach Trelleborg. Ich freue mich schon, trotzdem dass es mir hier gut gefällt, aber ein wenig mehr Bewegung kann schon sein.

     

     

    06.05.

    Der Tag verlief ohne Höhen und Tiefen. Nach dem Frühstück setzten wir uns zunächst nach draußen und sprachen über das, was wir tun könnten. In der Nähe vom Ikea gab es einen Trödelmarkt sagte uns Frau Dubberke als sie uns besuchte. Ich schlug den IGA-Park vor, woraufhin sie uns sagte, dass sie glaube dass dort eine Art japanisches Blumenfest veranstaltet würde.

    Über all das wurde es 13:30 und Christel meinte nun könnten wir auch noch unseren Cappuccino trinken, bevor wir uns auf den Weg machten. Darüber wurde es 14:30. Kurz nach 15:00 kam eine ältere Dame aus Richtung ehemaliger Schafweide in der rechten Hand einen Gehstock und links mit Gehhilfe. Sie blieb stehen und wir kamen unverzüglich ins Gespräch. Nach geraumer Zeit, als wir merkten, dass sie wohl einer längeren Unterhaltung nichts entgegensetzte, boten wir ihr einen unserer Stühle an, das nahm sie dankend an. Nun erzählte sie von ihrer Geburt an von damaligen Zeiten. Für uns war das sehr interessant und wir stellten zwischendurch hin und wieder mal Fragen, auf die sie gerne einging. Natürlich war auch die Zeit unter dem DDR-Regime ein großes Thema und wir erfuhren von Machenschaften, die man nur unter Frechheiten oder Unverschämtheiten ablegen konnte. Eine bessere Vokabel fällt mir im Moment nicht ein.

    Erst gegen 16:30 verließ sie uns dann und wir stellten fest, dass es inzwischen richtig kalt geworden war.

    Jetzt, um 17:30, haben wir nur noch 13° und der eiskalte Wind bringt es auf eine fühlbare Temperatur von vielleicht noch 10°. Christel hat ihre Großküche eröffnet. Sie schnieft ein wenig und ich denke ihr war es zum Schluß viel zu kalt draußen, ihr war wohl kälter als mir zu dem Zeitpunkt und mir war es saukalt.

     

     

    07.05.

    Es hat geregnet sagte mir Christel, als ich noch nicht richtig wach war. Es war kalt in der Nacht und es blieb kalt den ganzen Tag über, die Temperatur lag um die 10°. Gegen 11:00 fuhren wir  nach Rostock in die Budapester Str. 80, weil wir beim Netto-Markendiscount noch einkaufen wollten, auf der anderen Seite hatten wir sehr viel Leergut und diese Flaschen behielten nun einmal ihr Volumen auch wenn sie leer waren.

    Anschließend ließen wir uns von „Riva“ nach Rövershagen führen und zwar zu Schröder Gas in den Waldweg 17. Hier hatte mir gesagt, dass man graue Gasflaschen füllt bzw. auch wieder auffüllt. Ich vermutete, dass noch ca. 4 KG Gas vorhanden waren. Die Dame am Telefon sagte mir, dass sie allerdings nur Preise habe für das Füllen von 3 KG- und 5 KG-Flaschen. In meiner naiven Denkungsweise dachte ich bei mir, das man das ja leicht umrechnen könne, falls ich 7 KG benötige. Ein freundlicher Angestellter nahm meine Gasflasche und wog sie mit dem Ergebnis: Es passen noch 7,5 Kg zusätzlich in die Flasche. Christel ging wider besseren Wissens zu der Dame im Büro um zu bezahlen. Als sie zurück kam wusste ich schon, dass sie nicht so ganz einige war mit ihr, aber sie hatte mit Sicherheit verloren. So war es dann auch. Die Denkungsweise der Büroangestellten war folgendes: Sie konnte das Füllen von 3 KG- und von 5 KG-Flaschen von einer Liste ablesen. Ich benötigte 7,5 KG, das konnte oder durfte sie nicht berechnen. Also berechnete sie mir das Befüllen einer 5 KG-Flasche und zusätzlich das Befüllen einer 3 KG-Flasche, also 9,50 € plus 6,50 €. Somit bezahlte Christel 16 € für 7,5 KG Gas eingefüllt in eine 11 KG-Flasche. Wenn ich nun beim Tausch einer leeren Flasche von 11 KG gegen eine volle Flasche 21,90 € bezahlen müßte, dann würde ich bei 7,5 KG 14,93 € bezahlen. Die Dame hinterm Schreibtisch aber konnte wollte oder durfte meine Rechenart nicht in Anwendung bringen. Nun mal wieder zurück zur positiven Denkungsweise. Wir hatten zwei ganz volle Gasflaschen von je 11 KG und hatten rein theoretisch für die Zeit in Schweden und Norwegen genug. Sollte es sehr kalt bleiben oder sehr warm werden, dann würden wir eventuell nicht auskommen, aber damit wollte ich mich nun wirklich nicht befassen.

    Hier noch einmal die Adresse dieser Firma, falls einem dort mal das Gas ausgeht oder man will auffüllen: Schröder Gas GmbH & Co. KG, Waldweg 17 in 18182 Rövershagen. Mit dem Preis von 21,90 € liegt diese Firma noch mit im akzeptablen Bereich, ich will nicht verhehlen, dass es u. U. noch etwas günstiger geht, teurer geht es in jedem Fall.

                 Nun wurde es wieder interessant. Wir hatten all das, was wir erledigen wollten, erledigt. Jetzt wollten wir uns wieder dem Sightseeing widmen. Wir fuhren über Niederhagen und Hinrichshagen nach Mark Grafenheide nach Hohe Düne. Hier trafen wir auf einen mehr als feudalen Yachthafen mit Yachten, wie man sie nur sehr selten zu Gesicht bekommt außer vielleicht in der Gegend von Canne oder Nice. Wir spazierten durch die Hotelanlagen von „Hohe Düne“ und bewunderten das dazugehörige Conference-Gebäude sowie das „Hohe Düne Hotel“. Wenn wir unser Wohnmobil verkauften, dann könnten wir für das dafür erhaltene Geld keinen ganzen Monat in diesem Hotel residieren. In der Hoteleinfahrt parkten Fahrzeuge, die zwar kleiner als unser Wohnmobil waren aber im Anschaffungspreis durchaus höher lagen.

    Nachdem wir alles bestaunt hatten fuhren wir mit einer kleinen Fähre rüber nach Warnemünde. Nun hatten wir die Hafeneinfahrt schon mal durchquert aus der wir morgen mit der Huckleberry Fin hinaus in die Baltic Sea schippern würden. Wir mussten für das Wohnmobil incl. Fahrer plus Beifahrer 7 € zahlen, das ersparte uns auf der anderen Seite eine Strecke von 35 Kilometern durch die Stadt Rostock.Von Warnemünde waren es nun noch gut 10 Km bis nach Sievershagen, Altsievershagen 16, wo wir z. Zt. wohnten. Zuvor aber wollten wir uns noch einmal den alten Bahnhof anschauen und wir hatten von einem Stellplatz gehört, der ganz in der nähe des Bahnhofes sein soll. Bei dem Stellplatz handelt es sich nun allerdings um einen separaten Wohnmobilparkplatz auf dem man auch übernachten kann. Mit 16 € ist man pro Nacht dabei. Ver- und Entsorgung sowie Strom gibt es offensichtlich nicht, also ist das geschenkt, auf unserem Stellplatz steht man mit „Familienanschluß“ und dort ist es gemütlich und ruhig.

    Wir aßen am alten Hafen jeder ein hervorragendes Matjesbrötchen und ließen uns ein wenig von dieser gemütlichen Hafenatmosphäre verzaubern. Auf der Brücke spielte jemand Seemannslieder und auf dem Wasser „kämpften“ mehrere Schiffe um jeden Meter Wasserfläche um an oder abzulegen oder nur um freies Fahrwasser beim Passieren der anderen Schiffe. Der erwähnte Park- oder Stellplatz befindet sich übrigens an der „Mittleren Mole“, das ist in Warnemünde beschildert. Von hier aus kann man auch wunderbar zu dem alten Leuchtfeuer an der Promenade gehen.

    Als wir zurück waren machten wir es uns gemütlich, schnell wurde es wieder so kalt, dass man nicht mehr hätte draußen sitzen können. Es wurde gemütlich, obwohl ich an diesem Abend nicht mehr so recht in Stimmung kam, ich weiß nicht woran es lag. Vielleicht drängte es mich nun doch in Richtung Schweden, vielleicht wollte ich nun doch endlich wieder etwas Fremdes erleben, oder war ich nervös wegen der Überfahrt morgen? Das konnte ich mir nun eigentlich überhaupt nicht vorstellen.

     

     

    08.05.12

    Wir sind für die Tatsache, dass die Fähre um 15:30 ablegt, viel zu früh auf, aber was soll`s. Wir können uns Zeit lassen. Gegen 11:00 wollen wir uns verabschieden, aber die Fam. Dubberke ist ausgeflogen. Also erledigen wir alles und ich bin gerade dabei ihnen eine Karte zu schreiben, als sie zurück kommen.

    Eine herzliche Verabschiedung, dann fahren wir noch einmal zum Ostpark und kaufen 2 Brote. Ja, bei diesen lieben Menschen hätten wir noch bleiben können. Wenn man nur etwas mobiler wäre, wenn man das Fahrzeug stehen lassen will.

    Eine halbe Stunde später sind wir im Hafen und stehen noch einmal einige Minuten später auf Lane 18 neben den Lkw.

    Es ist immer schwierig noch etwas zu unternehmen, denn man weiß nie, wann es den Einweisern einfällt Fahrzeuge abzurufen, allerdings bevor die Huckleberry Fin anlegt brauchen wir mit keinem Abruf zu rechnen. Wir trinken in aller Ruhe unseren Cappuccino bevor es dann viel später endlich losgeht. Statt 15:30 legt sie um 15:52 ab. Das Mitteldeck ist noch leer als wir ans Oberdeck beordert werden. Auf dem Mitteldeck steht Wasser, als hätte das Schiff eine Welle überrollt. Sofort mutmaßen wir was die Ursache sein könnte. Mir wird immer etwas schummrig, wenn ich beobachte wie viel Lkw in den Bauch dieser Fähren passen.

    Nun sind wir schon 45 Minuten unterwegs, die Cafeteria leert sich langsam, die Lorrydriver haben alle gut und viel gegessen und verschwinden jetzt in ihren Kabinen. Wenn nur die Pkw- und Wohnmobilinsassen hier verbleiben, dann kann man die Menschen bald an beiden Händen abzählen. Ich habe Püppie und Jhonny einige Bilder mit Texten geschickt, ob sie diese bekommen haben, das weiß ich nicht.

    Wir werden gegen 21:30 in Trelleborg eintreffen, wenn der Kapitän die Verspätung nicht rausholen wird.

    Mittlerweile, ich habe am Bericht der letzten Tage geschrieben, ist es 18:00 geworden. Die „Huckleberry Fin“ gleitet leicht durch die total glatte See, der Rumpf vibriert leise und kaum merklich. Nur wenige Menschen sitzen noch hier in der Cafeteria und ratschen oder üben sich an Kreuzworträtseln oder schmökern in Zeitungen. Die Verkaufstheke ist hermetisch mit Glasscheiben verschlossen. Links von uns am Tisch „hängt“ ein älterer Herr mit Oberlippenbart, kurzer Hose kurzärmeligem Hemd auf seinem Stuhl und träumt wohl von wärmeren Ländern. Wo er zugestiegen ist, das weiß ich nicht, vielleicht hatte er ja seine Heizung im Fahrzeug auf „Full Power“ bis er ausstieg. Die größte Geräuschkulisse geht von einem großen TV-Gerät aus, welches vor der Smoking Area von der Decke herab hängt. Durch welches Fenster man nach draußen schaut, man sieht nur unwesentlich gekräuseltes Wasser, welches der Bug unseres Schiffes mit Leichtigkeit durchflügt.

    Wir befinden uns direkt unter der Kommandobrücke und schauen in die Richtung in die auch die Besatzung schaut. Plötzlich tauchen aus dem Dunst am Horizont 5 Fährschiffe auf, die dann auch wieder ganz plötzlich verschwinden. Wir hatten vorhin auf der Seekarte schon festgestellt, dass auch wir einen wichtigen Kreuzungspunkt von Schifffahrtsrouten kreuzen.

    Auf unserem Handy hatten sich vorhin schon die Dänen angemeldet. Für Anrufe nach Deutschland und in Dänemark zahle ich nur 41 Ct./Min, für ankommende Anrufe 13 Ct./Min. SMS 13 Ct. MMS 99Ct. Notruf 112 ist kostenlos.

                 Es ist kurz nach 19:00, ich hatte mein Schreiben unterbrochen. Ein leichtes Schwanken ist hier auf Deck 6 zu bemerken. Ab und an hört man einen leichten, dumpfen Schlag auf der Steuerbordseite am Bug. Ich schaue aus dem Fenster und stelle fest, dass Wellen aufgekommen sind, weiße Schaumkronen sind bis beinahe zum Horizont zu sehen. Hier und da geht ein „Zittern“ durchs Schiff. Immer wieder schlägt die Gischt über dem Bug zusammen, plötzlich ist die See rau geworden, nicht beängstigend, aber die Ruhe ist ein wenig vorbei. Durch die Seitenfenster kann man erkennen wie sich der Horizont neigt oder sich nach oben verlagert, so meint man jedenfalls. Ich versuche eine dieser Situationen mit der Kamera festzuhalten.

    Gegen 19:30 gehe ich dann doch über Deck 7 nach draußen, d. h. zunächst blieb es bei dem Versuch die Tür zu öffnen, dass sie nicht verschlossen war, das merkte ich sofort aber der Druck des Windes war so stark, dass ich Mühe hatte nach draußen zu gelangen. Hier hielt ich es nicht lange aus, denn der Wind war nicht nur stark, nein, er war auch mehr als kalt. Ich war froh als ich wieder in der warmen Cafeteria Platz nehmen konnte.

            Die letzte Stunde vorm Einlaufen in den Hafen erschien mir länger als die anderen verflossenen. Es dauerte lange, wir hatten wohl schon angedockt, als endlich die Türen zum Fahrzeugdeck geöffnet wurde. Hier im Hafen von Trelleborg war es gar nicht so kalt und der Wind hatte auch nachgelassen.

                 Wir machten den Wagen startklar, eine Navigation brauchten wir nicht mehr, hier kannten wir uns aus. Ich musste einige zig Meter zurück aus meiner Spur fahren und wenden um dann wieder nach unten zu fahren. In langer Schlange fuhren wir aus dem Hafengelände und waren nach 2 Kilometern auf „unserem Stellplatz“. Er sah nicht sehr einlandend aus. Im Licht der untergehenden Sonne sah er aus als bestehe er nur aus Schlamm. Später stellte sich dann heraus, dass man auf den steinigen Boden Teer geschüttet hatte, der aber mittlerweile trocken war, der Boden war hart und rau.

    Zunächst saßen wir im Wagen als ob wir nicht so recht wüssten was wir anfangen sollten. Wir stellten die Heizung an, es war frisch geworden, ich trank noch ein Bier, Christel aß einen Yoghurt, dann gingen wir bald ins Bett. Es war mittlerweile nach 22:00 geworden.

     

     

    09.05.12

    Die Nacht war gut, jetzt schien hin und wieder die Sonne durchs Fenster. Ich bin guter Dinge, Christel ist schon auf und meint ich könne noch ein wenig liegen bleiben, sie ginge ins Bad und derweil könne ich wach werden; selbstverständlich hatte ich nichts dagegen liegen zu bleiben, mit dem „Wachwerden“ war es etwas anderes.

    Als ich durchs Schlafzimmerfenster schaue um uns herum alles grün und bunt. Auch hier in Schweden ist zu dieser Zeit der Frühling erwacht. Über einen gelben Busch hinweg schaue ich auf die Hafeneinfahrt, ja, ich sehe sogar eine Fähre angedockt im Hafenbecken. Eine weitere Fähre der TT-Line fährt in die Hafeneinfahrt. Ich stehe auf, das Bad ist frei, es ist kühl aber nicht kalt, obwohl wir nicht heizen.

    Später gehe ich raus und mache einige Fotos. Vieles ist wie im letzten Jahr. Auf diesem kleinen Seitenarm der Bucht schwimmt ein Schwan, einen weiteren entdecke ich im Schilf, er brütet. Enten landen zischend auf dem Wasser, andere Vögel suchen im grünen Gras nach Futter. Mein kleingeschnittenes Brot ist schon verzehrt. Es ist schön wieder hier zu sein.

    Als Quicky die Hausarbeit erledigt hat kommt sie auch raus und wir gehen an den Strand. Hier entdecke ich einen weiteren Schwan, der oberhalb des Strandes liegt, den langen Hals eng am Körper liegend, brütet auch er vor sich hin. Als er mich entdeckt hebt er kurz den Kopf, als er aber merkt, dass von mir wohl keine Gefahr ausgeht, legt er sich zurecht und brütet weiter. Zwei eigenartige Entchen, wenn es denn welche sind, trippeln über den Strand, sie haben einen roten Schnabel und rote, dünne Beinchen, am Hals sind sie braun gefärbt und ansonsten sind sie schwarz und weiß längs gestreift. Auch sie lassen sich durch mich nicht stören und suchen unbeirrt weiter nach Futter. Wohl eine halbe Stunde bleiben wir auf einer Bank sitzen und schauen aufs Meer hinaus. Die Sonne wärmt uns und auch der Wind ist nicht mehr so kalt wie noch in Deutschland.

    Als wir von einem Schweden hören, dass der Platz morgen wegen Ausbesserungsarbeiten geschlossen werden soll, entscheiden wir uns heute noch aufzubrechen. Zunächst hatten wir beide unabhängig von einander beschlossen doch noch einen Tag bzw. eine Nacht zu bleiben.

    So fahren wir nach Trelleborg, Christel hatte auf einer Karte ein Tourist-Büro entdeckt und das wollten wir aufsuchen. Wir fuhren also nicht die LKw-Strecke nach Ystad sondern nahmen die Route durch die Stadt. Da es viele Parkplätze gab blieben wir in Höhe des Hafens stehen und gingen zu Fuß zum Tourist-Office und bekamen mehr Infos als wir gedacht hatten.

    Nach 13 Kilometern, wir fuhren schon einige Zeit am Meer entlang, bogen wir in eine schmale Straße rechts ab und landeten an einem kleinen Hafen mit dem Namen Smygehuk. Wir konnten bis an die Mauer fahren, die uns vom Strand trennte. Ein kleiner Rundgang ließ uns wissen, dass wir am südlichsten Punkt von Schweden gelandet waren, die Position ist N55° 20` 13``  E 13° 21` 34``, die Aufschrift lautet: Sveriges sydligaste udde (Schweden). Hier tranken wir unseren Cappuccino.

    Mich hielt es nicht lange im Wagen und aus diesem Grund ging ich noch einmal mit meiner Kamera los um ein paar Fotos zu machen. Ein Herr mit einem gelben Cappy kam auf mich zu, er hatte einen kleinen Hund an der Leine und ohne dass ich ihn fragte sagte er zu mir: „Dort hinten“, er wies in Richtung Osten, „ist ein wunderbarer Stellplatz. Wir waren in Trelleborg und als meine Frau den Platz sah sagte sie dass sie dort nicht bleiben wolle!“ Weiter musste er unbedingt bemerken, dass man ja hier nicht campen dürfe. Das Schild hatte ich ja selbst auch schon gesehen und campen wollten wir sowieso nicht hier. Ich bedankte mich für die Auskunft, nicht weil ich dankbar war, sondern weil ich ein freundlicher Mensch bin, das behaupten jedenfalls die anderen Menschen von mir. Selbstverständlich interessierte uns der „Stellplatz“, er mit großer Wahrscheinlichkeit keiner war. Wir fuhren die paar Meter und sahen schon ein großes Wohnmobil auf einer grünen Wiese stehen. Dieser Platz gefiel uns auch sehr gut und wir positionierten uns so, dass wir von innen heraus das Meer sehen konnten. Der Mann von vorhin trocknete gerade seinen kleinen Hund mit einem übermäßig großen Badetuch ab und stieg dann in seinen Concord ohne uns weiter zu beachten, vielleicht durfte er sich uns nicht mehr zu erkennen geben, seine Gattin jedenfalls „strafte“ uns mit Nichtbeachtung.

    Später erkundeten wir die Gegend durch Spaziergänge und wir standen auf dem Standpunkt, dass der Tipp mit dem Aufenthaltsplatz gut gewesen ist, aber beim Weiterfahren hätten wir ihn auch selbst entdeckt, denn er war von der Straße aus nicht zu übersehen. Später kam noch ein Franzose und danach ein Schwede, der sich hier entsprechend breit machte. Der Franzose fuhr dann doch weiter. Weiterhin steht hier noch ein Wohnwagen, das ist eben das Jedermansrecht in Schweden.

    Der nicht zu verachtende Platz liegt an der „9“ von Trelleborg in Richtung Ystad in einer Entfernung von 14 Km von Trelleborg. Die Position ist N 55°40´ 36´´  E 13° 22´35´´, ca. 200 m ostwärts vom südlichsten Punkt Schwedens ca. 1 Km westlich von der Ortschaft Smygehmn.

    Jetzt ist es 21:15, vorhin, während des Essens, zog ein Gewitter vorbei. Eben ist die Sonne rot unter gegangen. Noch steht die Entscheidung morgen die Fahrt fortzusetzen, mal sehen was daraus wird. Heute haben wir uns entschlossen auch noch einmal die Insel Öland aufzusuchen, hier blühen z. Zt. die Orchideen und bei dieser Frühlingspracht ist es bestimmt ein Highlight.

    Vorher aber werden wir in jedem Falle die Stadt Ystad aufsuchen, die u. a. durch Fachwerkhäuser bekannt ist und vielleicht noch eher durch den Schriftsteller Henning Mankell, der etliche Kriminalromane geschrieben hat. Bekannt durch die Romane ist wiederum der Kriminalkommissar Kurt Wallander, er wurde weltberühmt gemacht. Er ist der ewige Junggeselle, der in Ystad und Umgebung sowohl Morde untersucht und mit schweren Kriminalfällen ring, als auch versucht sein eigenes Privatleben zu regeln. Die beliebtesten Bücher wurden verfilmt und man kann auch an einer Führung in einem Oldtimer durch Ystad teilnehmen und sich Geschichten aus den Filmen und Büchern anhören; das werden wir allerdings mit Sicherheit nicht tun.

    Das war der erste ganze Tag in Schweden, warten wir ab wie die anderen werden.

     

     

     

     

    10.05.12

    Gestern zog später noch Nebel auf, der sich die Nacht über hielt. Als wir aufstanden konnten wir das Meer noch nicht sehen. Erst nach dem Frühstück lichtete sich alles etwas. Wir entschieden uns in Smygehuk zu bleiben, also Stühle raus und gammeln auf grüner Wiese mit einer Vielzahl Löwenzahn. Gegen 13:00 machten wir dann einen Spaziergang zum Fyr –Leuchtfeuer-.  Wir waren schon auf dem Rückweg, als es ganz leicht zu regnen begann. Wir beschleunigten unsere Schritt und erreichten, als der Regen stärker wurde, unser Heim.

    Es war einer der ruhigsten Tage. Wir saßen drinnen und lasen, ich schrieb eine Geburtstagskarte an Kurt und anschließend setzte ich mich an meinen „Schreibtisch“, unseren „Wohnzimmertisch“ und bearbeitete Bilder und schrieb an meinem Bericht. Wenn ich aus dem Fenster schaue blicke ich über eine „Insel Löwenzahn“ hinweg aufs Meer. Die Wellen scheinen heftiger geworden zu sein. Die Temperatur liegt immer noch bei 16° C. es ist also nicht kalt.

    Morgen werden wir dann nach Ystad oder auch etwas darüber hinaus fahren.

    Übrigens, außer uns stehen noch 4 Wohnmobile hier auf dieser großen grünen Wiese und ein Wohnwagen, außer uns nur Schweden.

    Der Regen wurde gegen Abend hin heftiger und es wurde ein Dauerregen daraus, denn jetzt kurz vor 20:00 dauert er immer noch an. Man kann inzwischen gut die Löcher auf den ungepflasterten Straßen erkennen, denn sie sind voll gefüllt mit Wasser. Rund um uns, soweit man schauen kann ist es dunkel und trübe. Die Wolken liegen beinahe auf. Es ist ein trostloser Ausblick aus dem Fenster. Gegen 21:00 begannen wir zu heizen, 18° waren dann doch zu kalt um still zu sitzen, draußen sind es noch 13°.

    Dann zog dichter Nebel rein, es hatte vorübergehend aufgehört zu regnen, aber es war nur eine kurze Pause und er wurde heftiger denn je. Wir gingen noch einmal nach draußen um die Festigkeit des Bodens zu testen, z. Zt. gab es keinen Grund auf einen anderen Platz zu fahren.

     

     

    11.05.

    Es ist 01:15, der Regen prasselt so heftig aufs Dach, dass wir beide wach werden. Wir machen uns Gedanken, ob der Boden doch aufweichen wird. Ich schalte das Licht auf der Terrasse ein, wohin man schaut, nur Wasser. Wir entschließen uns nun doch eine andere Stelle aufzusuchen. Ca. 50 m weiter in Richtung Straße wissen wir von einem gepflasterten Platz, der zu einem Parkplatz gehört. Ich schiebe die Gardinen zur Seite und starte den Motor. Im Abblendlicht ist kaum etwas zu erkennen, wir schauen beide angestrengt und finden den Weg nach oben. Die Vorderräder rutschen nicht, wir kommen gut an die ausgesuchte Stelle.

    Jetzt sind wir zufrieden und versuchen unseren Schlaf fortzusetzen.

                        Wie immer stehe ich kurz nach 09:00 auf, ja, es wird auch schon mal später! Wir frühstücken, es regnet nicht mehr und der Boden hier oben trocknet schon wieder ab.

    Gegen 11:00 fahren wir auf der „9“ nach Ystad. Parkplätze gibt es mehr als genügend. Wir parken am Hafen und bummeln durch Altstadt. Am Kai liegen 2 riesige Katamarane. Die Altstadt macht einen sehr netten, gemütlichen und ruhigen Eindruck. Ein großer Marktplatz empfängt uns und in den kleinen Seitengäßchen tummeln sich die Menschen. Die Backstein- und Fachwerkhäuser sind bewundernswert und passen ungemein gut in dieses Bild. Wir gehen auf die rote Backsteinkirche zu und freuen uns, dass mal eine Kirche nicht verschlossen ist. Andächtig schauen wir uns dieses Bauwerk aus dem 13. Jh. der St. Maria`s Church an. Es gäbe noch ein Franziskaner Kloster aus dem 12. Jh. zu besichtigen, aber das schenken wir uns.

    Als wir zum Hafen zurück kommen ist einer der Katamarane schon wieder unterwegs. Wir steuern unser nächstes Ziel an, den Wasserfall von Degeberga. Zunächst keuchen wir unangenehme Stufen hoch in den Wald und oben stolpern wir über Baumwurzeln und andere Unebenheiten dahin. Es geht immer noch bergan. Als der „Weg“ nasser und beschwerlicher wird resignieren wir und kehren um. Von oben ist ja ein Wasserfall sowieso nicht so gut zu besichtigen. Es geht den gleichen weg zurück. Unten am kleinen Bach angekommen gehen wir in fast immer gleicher Höhe an diesem Bächlein entlang und gelangen nach ca. 20 Minuten wirklich zum Wasserfall, der diesen Bach speist. Mit leicht schmerzenden Knien aber doch erfreut ihn gefunden zu haben gehen wir langsam wieder zurück zu unserem Heim und lassen uns erschöpft in die Polster fallen. Heute wollen wir nicht mehr viele Schritte gehen.

    Wir fahren nun 4 Km zurück in die Richtung aus der wir kamen und nehmen dann die „118“ unter die Räder. Immer wieder biegen wir von der Straße ab und fahren auf kurzen Wegen in Richtung Strand zum einen um nach einem Übernachtungsplatz zu suchen, zum anderen, weil wir hier immer wieder auf wunderschöne weiße Sandstrände treffen, die von Haus aus zum Bleiben einladen. Leider haben die Schweden hier überall Schilder aufgestellt mit den Symbolen, die Aussagen, dass hier das Campen oder Camping verboten ist. Leider konnte uns noch niemand in diesem Land genau sagen, was sie denn unter „Camping“ verstehen. Wir sehen den Aufenthalt im Fahrzeug nicht als Camping an, für unsere Begriffe ist Camping das Aufstellen von Stühlen außerhalb des Fahrzeuges oder z. B. das Ausrollen der Markise etc. Wir lassen es aber nicht drauf ankommen und beschließen, dass diese Plätze so schön nun auch wieder nicht sind und fahren jedes Mal weiter.

    Das geht so lange, bis wir auf einen wunderschönen Platz treffen unweit eines Strandes, der aber nicht als Badestrand benutzt wird. Wir stellen unser Fahrzeug ab und freuen uns über dieses kleine Gebiet am Waldrand. Christel geht später dann auf Entdeckungstour und stellt fest, dass wir in einem Naturschutzgebiet stehen und dass man mit Wohnmobilen hier zwischen man staune 00:00 und 04:00 nicht parken darf. Wir essen zu Abend und ignorieren das Erfahrene zunächst. Als es zu Dämmern beginnt mache ich mir dann doch Gedanken und sage zu Christel, dass ich etwas unruhig bin wegen der 4 Stunden in der Nacht.

    Das Resultat, nach dem Nachtisch beschließen wir unsere Zelte wieder abzubauen und nach einem anderen Platz Ausschau zu halten. So kann man auch Zeitvertreib betreiben. Wir fahren also in Richtung Ahus-Innenstadt und sehen zunächst im Wald am Straßenrand 3 Rehe äsen. Wir bleiben stehen und stellen den Motor ab, die Tiere sind überhaupt nicht scheu und äsen weiter vor sich hin. Aus Nervosität über dieses Ereignis klappt es zunächst nicht mit dem Fotografieren, dann bekommen wir sie aber doch noch auf die SIM-Karte. Als wir in Stadtnähe kommen sehen wir auf der anderen Seite in der Nähe des Hafens parkende Fahrzeuge. Wir suchen und finden die Brücke und biegen dann gleich wieder rechts ab und kommen in einen netten Hafenbereich mit kleinen Kneipen und Eis-Cafes am Kai. Hier finden wir einen wunderschönen  und ruhigen Platz direkt neben den kleinen und größeren Schiffen auf der anderen Straßenseite, auf der um diese Zeit offensichtlich keine Fahrzeuge mehr fahren.

    Es ist mittlerweile nach 21:00. Wir machen noch einen kleinen Bummel entlang der Mole und machen es uns später dann drinnen bemerkbar, der Wind bläst noch immer unvermindert und er bläst kalt.

     

     

    12.05.12

    13° drinnen und 10° draußen als Christel aufsteht. Ich weiß nicht wann sie aufgestanden ist, aber ich habe bestimmt noch eine Stunde länger geschlafen als sie. Es war eine ruhige und wunderbare Nacht und wir waren auch heute noch froh so entschieden zu haben. Ich bekomme mit meinem Handy kurz eine Verbindung zu einem W-Lahn-Netz, allerdings ist es sehr schwach.

    Dann geht unsere Fahrt weiter. Wir fahren teils auf kleineren Straßen, teils, weil es nicht anders geht auf autobahnähnlichen Strecken. Z. B. die E22 ist solch eine widerliche Strecke. Kurz nach 15:00 erreichen wir über die Brücke die Insel Ölan. Wir wollen sie uns noch einmal zur Frühlingszeit anschauen. Leider beginnt es wieder anhaltend zu regnen.

    Da wir nicht im Regen fahren wollen suchen wir uns auf einem Platz nahe der ersten Sehenswürdigkeit einen kleinen Parkplatz, wo wir nicht mehr die Nummer eins sind aber auch nicht die Nummer drei bleiben. Die Nummer fünf später resigniert und fährt wieder weiter. Wir stehen an einem Karlevi-Stein, dem größten Runenstein der Insel aus dem 10. Jh. Er erzählt die Geschichte eines dänischen Seehelden, der auf Öland begraben liegt.

                  Wir fuhren übrigens von Ahus über Nebenstraßen nach Norden über Rinkaby und dann nach NE nach Vanneberg. In Gualöv mussten wir auf die „E22“ vorbei an Mörrum, Ronneby und Karlskrona, dort bogen wir ab in Richtung NNE und fuhren über Torsas um dann wieder auf die „E22“ zu gelangen. Die Strecke über die Landstraße zwischen Karlskrona und Torsas war eine wunderbare Route durch grüne Laubwälder, vorbei an frischen Wiesen und idyllischen Seen. Ab Torsas waren wir leider wieder auf der „E22“, die teils Autobahncharakter hatte und teils rechts oder links zweispurig verlief. Leider erreichte uns eben wieder heftiger Regen als wir auf Öland ankamen. Jetzt, um 21:00, kann man mit etwas positivem Blick wieder Auflockerungen erkennen. Warten wir, was morgen auf uns zu kommt.

     

     

    13.05.12

    Erst am Abend realisiere ich, dass wir ja heute den dreizehnten haben. Na gut, es hat sich auch nicht bewahrheitet, im Gegenteil.

    Es ist 21:15, die Sonne geht rot mit langgezogenen Streifen hinter dem Office des Hafenmeisters von Grönhögen unter. Es war ein wunderschöner Tag in jeder Hinsicht. Wir wachten am Morgen auf und kein Wölkchen war am Himmel zu entdecken. Das ist jetzt nicht so ganz richtig, denn ich wachte, wie sollte es anders sein, später auf als Christel; aber das mit den nicht vorhandenen Wolken stimmte. Man war gleich in einer ganz anderen Verfassung. Ich aß sogar 2 Scheiben Brot und das auch noch mit Rügenwalder Wurst grob. Wo ich doch sonst nur Marmelade oder höchstens einmal Käse auf dem Brot esse.

    Wir verließen den Karleviken als 3. Wohnmobil. Die Schweden saßen draußen in ihren Stühlen und machten nicht den Anschein als ob sie diese Stelle verlassen wollten. Von dem Stein machte ich zuvor noch ein Foto, dann fuhren wir über die schmale Straße ca. 500 m zurück und bogen rechts ab in Richtung Süden. Nach wenigen Kilometern fuhren wir noch ein Stück auf der „136“, die wir dann aber auch wieder nach links verließen. An einer Stelle hielten wir an um ein Foto zu machen, als wir über uns einen riesigen Vogel kreisen sahen. Er musste riesig sein, denn er war in dieser Höhe, in der er kreiste, immer noch sehr groß. Ich tippte auf einen Adler, allerdings ganz sicher war ich mir nicht, ich gehe aber davon aus. Auf der Strecke entdeckten wir weitere Autofahrer, die teils riesige Ferngläser auf einem Stativ mitgebracht hatten um eben auch diesen Vogel zu beobachten.

     

    Nun fuhren wir so langsam es ging direkt nach Westen durch diese wunderschöne Landschaft der Alvaret. Immer wieder hielten wir an um auszusteigen und uns umzuschauen aber auch um Fotos zu machen. Beim dritten oder vierten Stop kletterte ich auf eine dieser Treppen, die man benutzte um Fußgängern den Zutritt zu einem Gebiet über einer Umzäunung hinweg zu gestatten. Ich blieb oben auf dieser Leiter stehen und ging nicht auf der anderen Seite wieder nach unten. Zwischen grünen Sträuchern hatte ich prachtvolle bunte Blumen entdeckt. Ich winkte Christel, die diese aber auch schon durch das Fernglas entdeckt hatte. Gemeinsam gingen wir nun doch auf der anderen Seite der Treppe nach unten in das Naturschutzreservat hinein und fanden vor Staunen keine Worte. Solch eine Blumenpracht mit roten, lila oder auch gelben Blüten hatten wir in der freien Natur noch nicht gesehen. Wir machten viele zu viele Fotos, aber das musste sein, diesen Anblick wollten wir mitnehmen.

    Wir hielten noch einige Male an bevor wir auf dem uns bekannten Parkplatz parkten. Wir standen nun in Höhe des Möckelmossen, einem kleinen See in der Alvaret, den wir nun zu Fuß aufsuchten. Wieder machten wir Fotos, wir bestaunten die Alvaret, die vielen Blumen und Moose auf diesem kargen Boden und wir suchten nach seltenen Vogelarten, die man hier vielleicht an diesem kleinen, flachen See ausfindig machen konnten.

     

    In einer Broschüre steht zu lesen:

    Möckelmossen: Seichter See im Stora Alvaret. Reicher Vogelbestand.

    Noch etwas über Alvaret:

    Alvaret (Kalkheide) ist der Natur- und Landschaftstyp, den man am häufigsten mit Öland verbindet. Es gibt viele kleinere Kalkheiden auf der Insel; keine von diesen kann jedoch das eindrucksvolle Bild der Weite wiedergeben, so wie das „Stora Alvatet“. Dieses Gebiet hat in Europa nicht seinesgleichen. Auf dem Alvaret ist die Erdschicht normalerweise dünn und die Entwässerung mangelhaft. Die Pflanzen sind der Sommerdürre und den Überschwemmungen ausgesetzt. Trotzdem ist es einigen seltenen Pflanzen gelungen unter diesen schwierigen Umständen heimisch zu werden. Das Bergsonnenröschen und er Alvar-Beifuss wachsen nur auf Öland. Bei Bergrispengras, Bergnelken und einigen Flechten und Mossen handelt es sich um Bergpflanzen, die schon seit der Eiszeit in der Kalkheide existieren.

    In den Monaten Mai und Juni blühen hier Orchideen in den verschiedensten Farben.

     

    Als wir von dem seichten See zurück waren machten wir es uns auf unseren Stühlen bequem. Wir hielten uns hier bis nach 15:00 auf. Dann beschlossen wir die Weiterfahrt bis zum Gräsgards Hamn, den wir bei unserem letzten Besuch schon aufgesucht hatten. Nun fuhren wir also bis zum Osten rüber und bogen dann auf der ostwärtigen Straße rechts ab und wieder ging es nach Süden. Der kleine Fischerhafen Gräsgard hatte damals auf mich schon einen besonderen Reiz ausgeübt. Für mich ist er einer der malerisch schönsten Häfen, die ich kenn. Nachdem wir alles vorgefunden hatten wie beim letzten Mal, selbst die Übernachtung kostete noch 50 SEK, fuhren wir weiter bis zur Südspitze der Insel Öland. Der „Lange Jan“ – Leuchtfeuer, stand auch noch. Einige Dutzend Kormorane saßen auf Steinen im Wasser, auch hier war alles wie damals. Wir fühlten uns wohl hier an der Südspitze der Insel, allerdings veranlasste uns der wieder einmal eiskalte Wind zurück zum Wohnmobil zu kehren. Wir fuhren jetzt nicht, wie besprochen, zurück zum malerisch schönen Hafen sondern wir nahmen die Straße auf der westlichen Seite der Insel und fuhren gen Norden. Unser Ziel sollte Grönhögen sein, hier wussten wir auch einen kleinen Hafen und dort in der Nähe wollten wir den Abend und die Nacht verbringen.

    Nach ca. 20 Minuten Fahrt hatten wir den Hafen erreicht. Direkt am Hafen wollte man 150 SEK für die Übernachtung, dafür bot man Toilette und Dusche sowie Strom an. Wir hatten aber unsere Batterien durch die Sonne den ganzen Tag über voll und konnten somit auf all das verzichten. Wir fanden eine sehr schöne ruhige Stelle gegenüber der Mole, wo wir jetzt stehen. Der Horizont hat immer noch eine rot/orangefarbene Färbung, in dem kleinen Hafen sind die Lichter angegangen. Sie spenden Helligkeit, die sich auf dem Wasser im Hafenbecken spiegelt, aber sie ist nicht grell. Es ist gemütlich bei uns drinnen. Ein wunderschöner Abend folgt auf einen wunderschönen Tag. Das Leben kann wirklich schön sein.

     

     

    14.05.12

    Es windet, es windete die ganze Nacht. Hin und wieder rüttelte und schüttelte der Wind an unserem Fahrzeug als ob er uns immer wieder sagen wollte er sei noch da. Ich schätze Windstärke 6 auf der Beaufort-Skala.

    Heute wollen wir die Insel verlassen, so dachte ich, vielleicht dachten wir beide so, aber es kam anders. Zunächst wollte ich gerne noch einmal zu dem kleinen Hafen über den geschrieben steht: „Gräsgards Hamn ist einer der malerischen kleinen Häfen auf Öland.“

    Nach dem Frühstück machte ich noch einige Aufnahmen, ich zog meine Windjacke über meine dicke Fleecejacke, denn der Wind ging durch bis auf die Haut und er war ziemlich kalt, es würde sogar „eiskalt“ passen.

    Dann verließen wir Grönhögen im Westen und durchquerten die Insel ein wiederholtes Mal nach Osten über Lunda, Svibo, Lindby und Sebberneby. Kurz vor Erreichen der T-Kreuzung der Straße die in Nord-Süd-Richtung verläuft konnten wir einen schönen Blick auf der linken Seite auf Eketorp borg werfen, eine runde Burgmauer inmitten von Wiesen. Es handelt sich um eine alte Burg aus der Zeit der Völkerwanderung und dem Mittelalter mit rekonstruierten Häusern und Museen. Vor 2 Jahren haben wir u. a. auch diese Burg besichtigt, überhaupt liegt von der Reise eine Bildersammlung vor, aus diesem Grund habe ich mich mit den Bildern von Öland dieses Mal sehr zurück gehalten. Ich habe mich mehr auf das konzentriert, was wir damals nicht zu Gesicht bekamen, sei es durch die ganz andere Jahreszeit oder wie auch immer.

    Als wir die Kreuzung erreichten bogen wir nach links, also nach Norden ab, da ich noch einige Fotos von Gräsgards Hamn machen wollte.

    Nach dieser Fotosession fuhren wir auf die Hauptstraße zurück weiter in Richtung Norden bis nach Alby. Dort gingen wir wieder auf Westkurs nach Mörbylanga um dort abermals die Richtung zu wechseln wieder nach Norden. Als wir die Abfahrt Bejershamn erreichten verließen wir die Hauptstraße noch einmal und fuhren in Richtung Meer. Als wir den Parkplatz erreichten, der sich in einer Sackgasse befand parkten wir unser Auto und gingen über einen Holzsteg zu einem Aussichtsturm, den wir, zumal bei dem Wind, todesmutig bestiegen. Der Turm steht direkt an der Grenze des Naturschutzgebietes und weiter hätten eh nicht gekonnt, denn dieses Gebiet darf seit dem 15. April bis zum September nicht mehr betreten werden. Von oben das Gebiet betrachtend wurden wir in unserer Vermutung bestätigt. Im Gras, am Strand und in kleinen Tümpeln sahen wir eine Unmenge uns unbekannter Vogelarten abgesehen von den uns bekannten.

                Zwei Gänse schwammen zusammen auf einer nicht unbedingt großen Wasserfläche, die vom Meer abgetrennt war. Der Größe nach musste es sich um Gänse handeln, dem Gefieder nach hätten es Stockenten sein können.

    Ein Stückchen weiter am Strand erkannten wir eine Gans, es konnte die Brandgans sein bezogen auf die Farben des Gefieders. In einem Buch lasen wir allerdings, dass die Brandgans eine ähnliche Größe hat wie die Stockente und diese beiden Gänse waren größer, nämlich so groß wie man sich eine Gans eben vorstellt. Es fehlt uns also wohl doch noch einiges an Kenntnis über derartiges und auch anderes aus der Vogelwelt.

    Als wir glaubten genug gesehen zu haben setzten wir unsere Fahrt fort nach Färjestaden, wir benötigten Wasser und vielleicht etwas zum Kaffee. Dort wussten wir im Einkaufszentrum ein ICA-Geschäft. Wir wunderten uns bei Erreichen über die Größe dieses Zentrums. Selbstverständlich kauften wir mehr als wir uns vorgenommen hatten. An dem uns bekannten Parkplatz gegenüber vom Zentrum tranken wir unseren Cappuccino mit Blick aufs Meer, die weißen Schaumkronen hatten noch zugenommen.

    Nun war es für eine Weiterfahrt und zum Verlassen der Insel schon zu spät und wir fuhren die 7 Kilometer zum Karleviken-Stein zurück, denn dort hatten wir ja am Tage unserer Ankunft auf der Insel übernachtet. Zunächst waren wir allein, aber gegen 19:30 gesellten sich zwei weitere Mobile zu uns.

    Wir saßen den Rest des Nachmittags im Windschatten unseres Fahrzeuges und erfreuten uns an der Landschaft und den wärmenden Sonnenstrahlen.

    Ob wir morgen die Insel verlassen??

     

     

    15.05.

    Heute nun verließen wir diese herrliche und bunte sowie geschichtsträchtige Insel Öland. Ich schaue mir unterwegs während eines Stopps immer wieder die herrlichen Bilder von den wunderbaren Orchideen an, ich glaube ich habe viel zu viele Fotos gemacht. Ein großer Teil der Insel ist im Jahre 2000 von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen worden. Gestern am Abend gesellten sich noch 2 Wohnmobile zu uns, eines davon blieb länger als wir. Zurück ging es über die Brücke, die den Kalmarsund überspannt. Kalmar ließen wir liegen, unser Ziel was das 60 Km entfernt liegende Alsterbro, hier wohnen J. &. S. sowie A. St. Leider trafen wir diese nette Familie nicht zu Hause an. Ich hinterließ eine Karte mit einer Nachricht von uns, die ich hinter den Scheibenwischer ihres Fahrzeuges klemmte in Ermangelung eines Briefkastens. Es war mir kurz entfallen, dass wir ja in Schweden reisen und da sind eben die Briefkästen nicht am Haus oder gar in der Tür sondern u. U. einige hundert Meter vom Haus entfernt. Später fiel es mir wieder ein und bevor wir die Weiterfahrt antraten steckte ich auch noch eine weitere Karte eben in ihren Briefkasten, der neben anderen in diesem Falle nur wenige Schritte vom Haus entfernt am Gatter angebracht war. In Anbetracht der vielen Briefe und Versandtaschen mussten sie schon seit längerem nicht mehr daheim gewesen sein.

    Es wurde eine kurzweilige und hochinteressante Fahrt, denn wir reisten, wann immer es machbar war, abseits jeder Durchgangsstraße.  Somit waren wir also die ganze Zeit in dieser wunderbaren Natur bestehend aus Wald, teil reiner Laubwald, Seen, Wiesen und Feldern. In einigen Gebieten lagen in den Wäldern mehr Findlinge als dort Bäume standen. Teils mussten die Rinder auf den Wiesen nach einigen Metern zunächst um einen oder mehrere Findlinge herum gehen um dann weiter grasen zu können. Auf den riesigen Feldern man plötzlich eine Art Insel bestehend aus einem übermannshohen und noch breiteren Findling, der an einen Baum gelehnt schien.

    Die Fahrt ging über Bäckebo, Grönskara, Hultanäs, Virserum, Vimmerby – hier wurden wir an Astrid Lindström und ihre Welt erinnert. Wir kamen an Kisa vorbei und über Oppeby gelangten wir nach Romforsa. Hier stehen wir nun an einem riesigen See, der von dieser Seite wegen seiner Länge nicht komplett einsehbar ist.

               Nach dem Abendessen machten wir einen kleinen Sparziergang runter zum Seeufer. Wenn es vorhin noch einmal schauerte so ist jetzt wieder kein Wölkchen am Himmel zu entdecken. Übrigens, wir befinden uns jetzt schon in Mittelschweden. Smaland haben wir verlassen und kommen jetzt nach Östergotland. Wir haben noch also noch einiges vor uns.

     

     

    16.05.12

    Im Nachhinein und nach dieser ruhigen Nacht: „Es war ein wunderbarer Stellplatz und auch das Frühstück war super!“ Wir waren in bester Stimmung, die Oberfläche des Sees schimmerte silberblau.

    Heute schien die Sonne und blauer Himmel, was wollten wir mehr. Gleich nach dem Frühstück, ich machte noch ein Foto von dieser gemütlichen Ecke im Wald mit dem Tisch und den beiden Bänken, setzten wir uns in Bewegung. „Riva führte uns auf der „34“ vorbei an Linköping und dann auf der „36“ nach Borensberg. Hier kannten wir uns ein wenig aus, denn auch diesen Ort hatten wir auf einer der früheren Reisen schon einmal besucht. Wir waren wieder einmal am geschichtsträchtigen und faszinierenden Göta-Kanal gelandet. Auf einer Nebenstraße fuhren wir in die Ortschaft rein und sahen an der rechten Seite kurz vor Erreichen der Ortschaft zwischen dem Göta-Kanal und einem Fluß ein Wohnmobil stehen. Damit war unser Schicksal für den heutigen Tage besiegelt. Wir suchten die Straße auf der dieses Fahrzeug an diese Position gelangt war und fanden sie nicht. Also suchten wir direkt am Kanal das Touristenbüro auf. Sie hatten eine Karte zur Verfügung die wir geschenkt bekamen. Auf dieser Karte fanden wir dann das Stellplatzsymbol. Die freundliche, hübsche Schwedin erklärte uns dann in gutem Englisch, dass wir die schmale Straße, sie deutete aus dem Fenster und zeigte auf eine Art Fahrradweg, fahren müssten um auf den Platz zu gelangen. Dabei lächelte sie, als ich ihr sagte, dass wir diesen Weg schon gesehen hätten aber nicht gewagt hätten dort rein zu fahren. Sie antwortete daraufhin: „Yes, but you have to otherwise you will never reach that place!“ Sie hatte uns überzeugt, wir bedanken uns viele Male und nahmen dann diesen Weg unter die Räder und nach genau einem Kilometer am Kanal entlang erreichten wir STF Hostel Borensberg/Glasbruket, Kanalvägen 17 in Borensberg.

    Gleich an dem Haus der Jugendherberge stand eine Dame, die uns entgegen ging. Wir fragten sie ob wir hier für eine Nacht stehen dürften und sie lächelte und meinte: „Natürlich, dafür ist der Platz gedacht!“ Auch sie sprach ein gutes Englisch und entschuldigt sich, dass sie nicht Deutsch mit uns spräche, ihr Deutsch sei nicht so gut. Sie nannte uns den Preis von 185 SEK, der uns zunächst abschreckte, denn Strom war da nicht inbegriffen. Wir fragten sie ob wir uns einmal umschauen dürften, was sie auch wieder mit der gleichen Selbstverständlichkeit genehmigte.

                    Wir schauten uns um und dieses Gebiet gefiel uns so gut, dass wir uns entschieden zu bleiben und einmal zu zahlen. Wir gingen in ein etwas tiefer gelegenes Haus und erkannten die Rezeption. Dieses Haus lag direkt an dem Fluß, der eben auf der anderen Seite dieser Halbinsel langsam dahin floß. Nun hatten wir rechts von uns in geringer Entfernung den Göta-Kanal und links in ähnlich geringem Abstand den Fluß. Wir standen auf einer Fläche mit grünem kurzgeschnittenen Rasen und fühlten uns sofort heimisch und wohl

    Was blieb uns, wir holten unsere Stühle und ließen es uns gut gehen. Hin und wieder verdeckten Wolken mal die Sonne aber es blieb trocken und es war nicht kalt.

    Wir tranken unseren Cappuccino und später machten wir einen kleinen Spaziergang am Kanal entlang, während die Kartoffeln schon auf dem Herd vor sich hin kochten. Entsprechend kurz wurde eben auch dieser Bummel, trotzdem gelang es uns einige schöne Fotos zu schießen vom Kanal, von der Umgebung und von Pflanzen am Rand des Kanals und am Hang zu unserem Stellplatz hin. Es verging ein wunderschöner Nachmittag, wir hatten es mal wieder geschafft ein paradiesisches Plätzchen zu finden.

    Über dieses Gebiet steht geschrieben:

    Gäste brauchen nur einen Fuß vor die Tür zu setzen und sie sind eins mit der Natur. Ja, das empfanden wir auch so.

    Hier auf diesem Fleckchen Erde stand mal eine Glasfabrik. Sie arbeitete von kurz vor 1900 bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Erst 1962 wurde die Gesellschaft, die gar nicht mehr fabrizierte, aufgelöst. Man stellte damals fünfeckige Flaschen her, die aber wohl nicht so abgesetzt werden konnten, wie man sich das vorstellte.

    Die Dame aus der Rezeption sah uns an einer Tafel lesen und sagte dann nur wie beiläufig, man solle vorsichtig sein, denn hier gäbe es immer noch Glassplitter und es wäre nicht ratsam barfuss zu laufen.

     

    Noch ein paar interessante Details über den Göta-Kanal:

    Der Göta-Kanal ist einer der größten Bauprojekte, das in Schweden durchgeführt worden ist und zwar auf eine Art und Weise, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Es wurden 58 000 Soldaten für diese Arbeit abgestellt. Sie leisteten etwas sieben Millionen Tagwerke, ein Tagwerk umfasste 12 Arbeitsstunden. Die anspruchsvollen Aushubarbeiten wurden hauptsächlich von Hand verrichtet. In der Broschüre spricht man über Kosten von 9 Millionen Reichstaler, was zum Geldwert von 1995 etwa 12,2 Milliarden SEK (heute ca. 1,25 Mrd. Euro) entsprach.

    Bei den Dimensionen halte ich diesen Preis für nicht haltbar.

    Die Länge beträgt 190 Km mit 58 Schleusen und einer Anzahl von 46 Brücken. Er passiert 5 Seen und der höchste Punkt liegt 92 m NN.

    Er wurde von 1810 bis 1832 gebaut.

    Erfreulich ist es, dass der Kanal heute noch ebenso lebendig ist wie seit eh und je.

    Der Göta-Kanal erstreckt sich MEM an der Ostsee, nicht weit östlich von Söderköping und geht durch den Vätternsee bis nach Sjötorp am Vänersee. Zusammen mit dem Trollhätte-Kanal, Göteborg-Vänersee, bildet er einen Wasserweg quer durch Schweden.

     

     

    17.05.12

    Schweren Herzens verließen wir den schönen Platz in Borensberg. Wir hätten den Schlager „Mal Sonne, mal Regen……“ auflegen können, denn treffender ist das Wetter im Moment nicht zu beschreiben.

    Auf der „211“ fuhren wir auf einer sehr angenehmen Straße gen Norden, die Landschaft blieb kurzweilig und interessant. Die „211“ brachte uns auf die „51“, hier war es ab und an etwas lebhafter, immerhin hatten man hier heute „Bank-Holiday“ und das machte sich bemerkbar. „Riva“ führte uns dann etwas kompliziert durch Örebro und es ging auf der „50“ immer in Richtung Norden, selten dass der Kompass NE oder NW zeigte. Die „68“ brachte uns dann nach Riddarhyttan, wo wir unser Nachtlager aufschlugen, allerdings vorher gab es noch viel zu tun. Christel hatte ihre Hotelküche aufgemacht, es gab Kartoffelpüree –während dieser Reisen immer aus der Tüte- dazu Fleischpflanzerl (Frikadellen) und geröstete oder vielleicht besser gedünstete Zwiebeln. Später war vom Nachtisch die Rede, das haben wir aber noch nicht ausdiskutiert. Dieses Riddarhyttan ist ein kleines Dorf mit wenigen Häusern und die findet man nur schwerlich, denn sie sind im Wald, hinter Büschen und Bäumen versteckt.

    Heute legten wir wieder, wie gestern auch, gut 200 Km zurück; man muß einfach diese größeren Straßen meiden, denn sonst kann man dieses wunderbare Land einfach nicht kennen lernen.

    Es ist 21:20, Christel schaut von ihrem Buch auf und sagt: „Es ist ja gleich schon halb Zehn und es war den ganzen Tag nicht heller!“

    Ja, es ist verwunderlich, man verkommt jetzt wieder in der Zeit, denn von draußen wird man nicht daran erinnert, wie spät es schon ist. Trotzdem, irgendwie sind wir beiden müde. Es gibt doch den ganzen Tag immer wieder etwas anderes zu sehen und zu bestaunen, diese Eindrücke müssen verarbeitet werden. Aus diesem Grund legen wir auch immer mal wieder eine kleine Pause ein für ein oder zwei weitere Tage, das muß einfach sein, ansonsten wird es zu viel und man kann nicht immer alles aufnehmen und verarbeiten.

     

     

    18.05.

    Bislang hatten wir ausgesprochen Glück mit unseren Stellplätzen. Alle waren ruhig und gemütlich und so ganz nach unseren Vorstellungen. So auch dieser in Riddarhyttan. Ich tankte noch wieder voll, dieses Mal für 14,58 SEK, nur einmal war der Treibstoff günstiger, nämlich 14,29 SEK, zu dem Zeitpunkt war unser Tank aber noch voll.

    Wir nahmen die „68“ über Fagersta, Norberg nach Avesta. Wir hatten das südliche Dalarnagebiet erreicht. Als wir Avesta verließen erkannten wir das riesige Dalarna-Pferd wieder, an dem wir bei einer unserer Reisen Fotos gemacht hatten. Das Wetter spielt wunderbar mit, wir haben heute mehr Sonne als Wolken. Von Avensta fahren wir ein kurzes Stück auf der „70“ nach NW bis Rembo. Dann geht es weiter über die kleinen gemütlichen Strecken, die wir so lieben. Wir können die Fahrzeuge an einer Hand abzählen, die uns überholen bzw. entgegen kommen. Diese Strecke führte uns über Palsbennig nach Garpenberg und von dort nach Garpenberg gard, einem Herrenhaus mit großem Park hinter einem langgestreckten Gebäude und einem kleinen See.

    Dann müssen wir wieder einmal mit nicht geteerten Straßen vorlieb nehmen, manche sind wirklich problemlos zu befahren, auf anderen versucht man immer mindestens mit drei Rädern die Löcher zu umfahren, mit einem Rad lässt es sich nicht vermeiden einzutauchen, entsprechend gering ist unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. Wir kommen teilweise nicht einmal auf 20 Km/h.

    Es geht gen Osten auf die „68“ zurück, dann weiter gen Norden. In Sandviken finden wir keinen geeigneten Platz, also fahren wir noch bis Järbo. Wir stehen nun in diesem kleinen Ort. Nur wenige Häuser sind durch die Bäume zu sehen. Man hat den Eindruck der Ort wurde in den Wald gebaut, übrigens nicht nur hier, diesen Eindruck hatten wir schon häufiger. Es ist 20:00, die Sonne strahlt immer noch vom Himmel. Wir haben vorhin zu Abend gegessen, es gab mal wieder eine zünftige Brotzeit. Quicky schmökert und macht sich Gedanken über die morgige Strecke. Sie hat schon einen Platz ausgesucht auf dem wir es uns gemütlich machen wollen. Ich denke noch etwas über die Koordinaten nach, denn ich bin nicht sicher, dass unser „Riva“ diese so akzeptieren wird. Die Position z. B. für diesen Platz wird angegeben mit: N61° 10,250´   E16° 49,508´. Ich kenne Dezimalangaben wie z. B. N61,170932    E16,825865 oder aber in Grad, Minuten und Sekunden. Nun, wir werden sehen, jedenfalls werden wir diese Platz finden, wie auch immer.

     

     

    19.05.12

    Es ist 21:30, der Bergvikensee schimmert silbern, nur leicht flache Wellen rollen an das Ufer. Das Grün der Bäume hat sich verdunkelt. Die Sonne steckt hinter einer dunklen Wolkenwand. Es ist ruhig, kein Laut dringt an unsere Ohren bis auf das leise Rauschen des Umformers, der 12V in 230V umformt, denn wir haben keinen 230 Volt-Anschluß.

    Wir verließen heute Järbo gegen 10:30, es kann auch schon 11:00 gewesen sein. Wir wussten, dass wir heute nur wenige Kilometer fahren würden, denn Christel hatte einen Platz am Bergvikensee rausgesucht, an dem wir faulenzen wollten. Die Koordinaten, wie wir sie in einem Buch vorfanden, konnte ich nicht eingeben. Sie waren mir unverständlich und unserer „Riva“ ebenfalls. Also fuhren wir nach dem winzigen Ort Skog südlich vom Bergvikensee. Dann schaltete ich das Gerät um auf Karte, ab jetzt sagte mir das Gerät nicht mehr wohin und in welche Richtung ich fahren soll, sondern es zeigte mir nur noch die Karte über das Gebiet indem wir uns bewegten. Wir fuhren also auf die Südspitze des Bergvikensee zu und erkannten einen Abzweig von der Straße in Richtung See. Das konnte unsere Stelle sein, die wir suchten. Und richtig, hier standen schon 2 Wohnwagen und die Leute saßen mit ihren Stühlen am Seeufer und ließen es sich gut gehen, jedenfalls sah das so aus.

              Es war ein Leichtes noch einen Platz am Seeufer zu finden. Wir stellten unseren RV ab und holten die Stühle raus. Über den Rest den Tages gibt es nicht mehr viel zu berichten. Wir taten es den anderen beiden Campern gleich und verlebten einen ruhigen und sehr angenehmen Nachmittag. Wir saßen bis gegen 18:00 draußen, dann rief der Hunger, die Vernunft oder was auch immer. Jedenfalls wollte Christel in die Küche um zu kochen. Ich ging mit ihr rein, denn ich hatte den Eindruck die vielen Birken hatten mir etwas zugesetzt, nicht tragisch aber immerhin.

    Gegen 19:30 war alles erledigt. Christel setzte sich um weiter in ihrem Buch zu lesen, ich beschäftigte mich mit den gemachten Fotos und erlebte somit den Tag noch einmal. Auch so ein Tag kann wunderschön sein und das war er dann auch.

     

     

    20.05.12

    Heute kam wieder vieles anders als geplant, es wurde ein schöner Tag, das einmal vorweg.

    Wir fuhren gegen 11:30 los vom Bergvikensee. Es war wolkenverhangen und in der frühen Morgenzeit hatte es sogar geregnet. Erschwerend hinzu kam, dass ich gestern von den Pollen der Birken wohl doch mehr abbekommen hatte als mir gut tat. Somit entschlossen wir uns während des Frühstücks ein paar Kilometer weiter gen Norden zu fahren.

    „Riva“ brachte uns zurück auf die 83, die uns weiter nach Norden führte. Wir kamen nur ca. 16 Kilometer weit, als wir links ein rundliches Gebäude wahrnahmen und ein Schild „Verkstat –Vaffel“. So oder ähnlich stand es jedenfalls geschrieben. Zunächst reagierte ich nicht schnell genug, dann wendete ich aber, denn Waffeln waren für Christel eine Lieblingsspeise und dann vielleicht auch noch mit Moltebeermarmelade oder Kompott. Es war ein Rundbau, den wir zu sehen bekamen, als wir auf den Parkplatz fuhren. Wir öffneten die Tür und waren baff erstaunt. Hier handelte es sich beim ersten Blick um Souvenirs aller Art, die man hier oben eben so antrifft. Vom Cafè hatte ich noch nichts entdeckt. Wir schauten uns die Auslagen an und entdeckten dann auch einige Tische nett gedeckt mit jeweils auch einer Kanne auf dem Tisch. Wir unterhielten uns mit dem älteren Herrn und seiner Frau immer wieder. Wir kauften einige Souvenirs, die uns besonders gefielen und bestellten anschließend eben diese berühmten Waffeln mit den sehr seltenen Multebeeren. Man wies uns einen Tisch und fragte ob wir auch Kaffe wollten. Das kam uns sehr gelegen, denn es ging auf nach eins zu und man konnte ja die Kaffeezeit auch mal etwas vorverlegen. Nach einiger Zeit brachte uns die Dame des Hauses je einen Teller mit einer recht knusprigen Waffel, darauf konnte man ein paar Beeren erkennen und darüber fehlte nicht die entsprechende Schlagsahne. Daß die Waffeln knusprig waren, das erkannte man allerdings erst nachdem wir sie probiert hatten. Der ältere sehr freundliche Herr erzählte uns dann, dass man diese Beeren nicht kaufen können, sie seien zu selten, aber er kenne einige kleine Plätzchen, wo man sie pflücken könne. Derartiges hatten wir schon häufiger mal gehört.

    Erst kurz vor 14:00 setzten wir uns wieder in Bewegung, es war ein Erlebnis der Sonderklasse. In Bollnäs fuhren wir einmal kurz durchs Zentrum und besichtigten eine Kirche. Dann fuhren wir weiter nach Norden in Richtung Ljusdal, eigentlich wollten wir nicht mehr bis zu dieser Stadt fahren, aber wenn wir nichts Gemütliches an Stellmöglichkeiten fanden, dann würden wir es nicht ändern können.

    Nun arbeitet Christel auch hin und wieder gerne mit einem Band der „WOMO-Reihe“. Hier findet man hin und wieder schöne und gemütliche Stellplätze. Leider waren die „genauen GPS-Daten“ so angegeben, dass unser „Riva“ damit nichts anzufangen wusste. Also holten wir unser „TOMTOM“ aus dem Safe und tatsächlich, dieses Gerät akzeptierte die Schreibweise der Koordinaten in dieser Weise auch und brachte uns nach weniger als 15 Kilometern zu einem herrlichen Stellplatz am Örsjön in wunderschöner Natur. Keine Straße, es herrschte hier diese Stille, an der man sich ergötzen kann. Übrigens, die Koordinaten sind: N61°39.731`  E16°12.049´.

             Wir stiegen sofort aus und bummelten über eine Ponton-Brücke zu einer Insel, leider war man auf Touristen noch nicht eingestellt oder besser: Gott sei Dank! Nur ein kleiner Junge stand auf der Brücke und hielt seine Angel ins Wasser.

    Er hatte wohl heute keine rechte Geduld, denn als wir ein zweites Mal in die Richtung schauten war er schon wieder verschwunden.

    Wir gingen zurück, die Sonne hatte sich einen Weg frei gemacht zwischen den Wolken durch und so saßen wir wohl noch bald eine Stunde dicht am Seeufer, man hörte nur das Glucksen der kleinen Wellen. Das hellgrüne Gebüsch reichte bis ans Wasser und zwischen dem Hellgrün der Birkenblätter und den weiß/dunklen Stämmen hindurch blinzelte hier und da das Dunkelrot eines kleinen Häuschens. Hier und da schoß eine Seeschwalbe dahin, wir waren mal wieder daheim.

                   Dabei fällt mir gerade ein, wir haben ja schon 61° Nord überschritten ohne es zu merken. Christel sagte zwischendurch ja immer schon mal: „Wir sind schon ganz schön weit im Norden!“ Das hatte ich bislang noch nicht so gesehen, ja, sie hatte Recht.

    Ja, dann kam natürlich das Abendessen dazwischen, allerdings nicht nur das Abendessen sondern eine bedrohlich wirkende Wolkenbank schob sich näher und das war der erste Grund aus dem wir die Stühle in Sicherheit brachten und wir uns dann auch. Die Eile war allerdings nicht notwendig gewesen, denn es gab nicht einen Tropfen Regen und auch die Wolken verzogen sich und es wurde wieder heller als es in Deutschland wohl sein würde.

    Es war ein wundervoller Tag und ein noch schönerer Nachmittag, wir haben uns über morgen noch keine Gedanken gemacht. Hier zählt das Heute und morgen denken wir nach über „das Heute“, welches jetzt noch morgen sein wird.

     

     

    21.05.12

    Gegen 10:30 verlassen wir diesen wunderschönen Platz. Wir wären gerne geblieben aber der Himmel war wolkenverhangen, um draußen längere Zeit zu sitzen war es einfach zu kalt und im Wagen sitzen den Tag über, das passte uns auch nicht. Sicher, jetzt im Nachhinein kommt mir der Gedanke, dass man die Räder hätte abmachen können um ein wenig die Gegend zu erkunden, aber dafür ist es jetzt auch zu spät.

    Wir fuhren die 3 Kilometer zurück bis zur Hauptstraße und dann waren wir auch schon in Järvsö. Hier wollte ich Kabel kaufen und eventuell auch noch einen Stecker für den Zigarettenanzünder. Wir hielten am Touristoffice, Christel machte ein paar Aufnahmen vom Haus und von dem Pärchen, welches auf einem Hügel einen langsamen Walzer tanzt. Die Auskunft, die wir erhielten, war ausgezeichnet, denn ich landete in einem Harley-Shop und hier hatten sie so viele neue Harleys, dass mir die Augen übergingen. Ich machte einige Aufnahmen um den Beweis zu erbringen. Ich bekam mein Kabel und auch meinen 12V-Stecker.

    Dann ging es über Ljusdal und Delsbo nach Hudiksvall, allerdings bogen wir am Anfang des Ortes ab um auf Hornslandet, eine Halbinsel zu fahren. Der südlichste Punkt ist ein kleines beschauliches Fischerdorf mit Namen Hölick. Es waren, wir staunten, knapp 30 Kilometer bis zu diesem Fischerdorf, aber schon unterwegs waren wir uns sicher, diese runden 30 Kilometer hatten sich in jeder Hinsicht gelohnt. Wir parkten unser Fahrzeug und durchstreiften diesen kleinen Ort am Meer. Wir kletterten über die runden Felsen hinauf zu einem kleinen Kirchlein und schauten hinab auf die kleinen Fischerhäuschen und die Landschaft drumherum. Vor einigen Jahren noch konnte man auf diesem großen Parkplatz mit dem Wohnmobil stehen, das hätte uns schon sehr geschmeckt, denn wir hätten ganz dicht am Hafen stehen können und vor allen Dingen wir hätten aufs Meer hinaus schauen können. Leider verwies ein blaues Schild mit weißen Buchstaben darauf, dass man hier nicht übernachten dürfe weil nur wenige Meter entfernt ein Campingplatz vorhanden sei. Über diesen Hinweis haben wir uns noch nie hinweg gesetzt und das würden wir auch dieses Mal nicht tun.

    Wir fuhren zum Campingplatz um ihn uns anzuschauen und vor allen Dingen um uns nach dem Preis zu erkundigen. Eine junge Dame kam auf uns zu als wir am „Tor“ anhielten. (Eigentlich gibt es in Schweden kaum ein Tor, denn eine Einzäunung oder Einfriedung gibt es sowieso nicht.)

    Sie nannte uns den Preis von 100 SEK incl. Strom und da sagten wir spontan zu, denn der andere Platz wenige hundert Meter vor dem Campingplatz, der als Stellplatz zur Verfügung gestanden hätte, der gefiel uns nicht sonderlich. Wir konnten mal wieder unsere Batterien aufladen und somit stehen wir nun hier mitten im Wald mitten in der Natur.

    Noch einige Zeit saßen wir mit unseren Stühlen draußen, wir waren glücklich und zufrieden. Dieser Tag, der mit Wehmut begann schien zunächst ein normaler angenehmer Tag zu werden und jetzt wurde er einer der schöneren Tage, von denen wir schon einige verbucht haben.

    Es ist 22:05, die Sonne spendet immer noch Licht genug um kein Kunstlicht zu benötigen. Selbst hier im Wald kann man schauen, so weit es die Bäume zulassen.

                 In Ljusdal, das darf nicht unerwähnt bleiben, sahen wir eine großartige Kirche mit einem recht verzierten Glockenturm, wie so häufig neben der Kirche stehen. Also fuhren wir auf den Parkplatz und stiegen einige Stufen hoch zum Turm und zur Kirche. Auch dieser Besuch zählte zu den bemerkenswerten. Die Kirche wurde, nachdem die vorherige im Jahre 1753 den Flammen zum Opfer fiel, neu errichtet. Die herrlichen Malereien wurden allerdings erst zwischen 1914 und 1915 angebracht. Die Kanzel wurde 1773 vom Stockholmer Bildhauer geschnitzt, sie ist ein Meisterwerk der Schnitzkunst geworden. Rechts und links vom Altar stehen zwei Brautstühle, die im Jahre 1838 gefertigt wurden. Damals saßen die Paare noch auf einem Doppelstuhl also symbolisch in einer Einheit. Heute sitzen sie oftmals auf zwei einzelnen Stühlen, d. h. es ist im dem Moment schon ein kleiner Spalt zwischen beiden Menschen, der sich ja viel eher wieder erweitern kann, das mal symbolisch betrachtet.

    Eines sei noch erwähnt: Auf dem Platz wo die heutige Ljusdaler Kirche steht gab es in der heidnischen Zeit einen Opferplatz den Asergöttern zu Ehre. Als die christliche Lehre nach dem Jahre 1000 in dieser Gegend verkündet wurde, wurden öfters die alten heidnischen Tempel abgerissen und auf den Opferstätten wurden Kirchen erbaut. Vermutlich schon Ende des 12. Jh. wurde die erste Kirche in der Ljusdaler Gemeinde erbaut. Sie war aus Stein aber die Größe war nicht mehr als die Hälfte der heutigen Kirche.

     

     

     

     

    22.05.

    Erst gegen Mittag verließen wir Hölick. Unser Gerät führte uns bis Jattendal auf der unangenehmen E4. Dort am Parkplatz war eine „Info“, die gut bestückt war mit Informationsmaterial über dieses Gebiet und Christel kam mit einer Hand voll Prospekten zurück, die ab jetzt für uns sehr hilfreich waren. Wir hatten jetzt u. a. auch Informationen über die „Jungfrukusten“, die wir uns nicht entgehen lassen wollten.

    Wir fuhren noch weitere 2 Km auf der E4 um dann aber flugs rechts abzubiegen in Richtung Mellanfärden um dann eben an der Küste entlang zu fahren. Somit kamen wir an diesem Tag auch nur noch bis Harte. Dort, an einem kleinen idyllischen Fischerhafen, fanden wir einen herrlichen Platz unweit des Felsenstrandes. Die Position ist 61° 59.402`N und 17° 23,636`E. Dieser Platz ist wirklich zu empfehlen.

    Lange saßen wir draußen und schauten aufs Meer oder auf das kleine Fischerdörfchen mit den kleinen, niedrigen Häusern.

                Leider bekamen wir ab dem späten Nachmittag nur noch den Schatten der Bäume zu spüren und der immer noch vorherrschende Ostwind war verdammt kalt, da half die pure Sonne überhaupt nicht. Nun sind wir in diesen Breiten mit dem Gas immer etwas knapp, denn in den vielen Wochen benötigen wir eben Gas für den Kühlschrank, eventuell mal für warmes Wasser und natürlich zum Kochen. Da wir kein Risiko eingehen wollen schalten wir den Kühlschrank, wenn wir zu Bett gehen, ab. Die Temperatur während der Nacht liegt ca. bei 8° C. und damit haben wir dann am anderen Morgen immer noch ca. 8 oder 9° Grad im Kühlschrank. Solange wir frühstücken schalten wir dann wieder auf Gas um während der Fahrt mit 12V auszukommen. Er hält dann knapp die Temperatur während des Tages und am Abend, wenn wir unseren Stellplatz erreicht haben, schalten wir wieder um auf Gas. Bis heute klappte das ganz gut.

    Um nun auch nicht noch heizen zu müssen, wechselten wir unsere Position um ca. 600  Meter und hatten nun noch lange Sonne, die unseren Innenraum problemlos wieder aufheizte. Wir kamen von 18° wieder auf 24° und das war o. k. Von hier aus war der Blick aufs Meer nicht mehr so schön aber immer noch schön genug. Wieder holten wir unsere Stühle und setzten uns in den Windschatten und schauten den Silbermöwen und anderen Vogelarten zu, wie sie bei einsetzender Ebbe nach Nahrung suchten. Der Blick über den Hafen ist von hier aus noch schöner als von der vormaligen Position. Wir stehen jetzt auf 61° 59.428`N und 17° 23.087 E.

              Von nun an wollen wir der Jungfrauküste folgen bis wir auf die Kustvägenstrecke kommen. Dann sind wir kurz vor Sundsvall, wo sich Christel schon einige Sehenswürdigkeiten ausgesucht hat, die sie sehen möchte.

     

     

     

     

     

    23.05.12

    Den Abend erlebten wir bei einer Flasche ausgezeichneten Rotweines. Leider musste ich mir noch einige Notizen machen, was sie Gemütlichkeit immer wieder stört, so mein Eindruck.

             Noch ein paar Worte über die Jungfrukusten. So nennt man das Küstengebiet in Gästrikland und Häsingland von Furik im Süden bis Arskogen im Norden. Hier hat man herrliche Ausblicke auf das Meer und man kann, sofern man Zeit hat, ca. 200 Km auf ruhigen Straßen fahren, man ist beinahe immer allein. Hinzu kommt, dass man kurze Abstecher in diese kleinen Fischerdörfer machen kann, die wirklich zum Verweilen einladen. Es gibt wirklich hervorragendes Kartenmaterial bei den Informationshäusern, ohne die man diese Strecke einfach nicht fahren sollte, es entgeht einem zu viel. Man kann auch, wenn man kann, unter www.jungfrukusten.se Informationen bekommen.

    Wir machten uns jedenfalls nach dem Frühstück auf den Weg und wir genossen jeden Kilometer. Wir fuhren zunächst auf durchaus akzeptablen Straßen, die zwar schmal aber recht glatt waren. Der Wald wechselte immer wieder, die Felsen wurden teils unvorstellbar groß und nach ca. 1 Stunde Fahrt kamen wir an ein riesiges Geröllfeld über das man hinweg auf das blaue Meer schauen konnte.

    Gott sei Dank sind die Schweden bei solchen Sehenswürdigkeiten nicht knauserig mit Parkplätzen. Hier fanden wir sogar eine Art Empore auf der man sich niederlassen konnte um diesen schönen Blick zu genießen. Es war ein eindrucksvolles Klapperstenfält, wie die Schweden es nennen. Ein unbeschreibliches Steinchaos war zu sehen und direkt dahinter das eben blaue Meer, wir würden es wohl mit Geröllfeld benennen.

    Ein großes Geröllfeld findet man auch bei Hölick. Wir hielten immer wieder an und machten Aufnahmen um sie Interessierten zeigen zu können. Da wir uns teils recht lange aufhielten kamen wir auch heute nur recht langsam voran und die Distanz lag wieder einmal unter 100 Km.

    Heute landeten wir in Junibosand –nördlich Lörudden-, einem kleinen Dörfchen, natürlich wie alle anderen auch im Grünen. Direkt neben uns ein kleiner Hafen. Eben fuhren zwei junge Männer in einer Nussschale hinaus aufs Meer, vielleicht hatten sie noch nichts zum Abendessen. Wir setzten uns draußen auf eine vorhandene Bank und schauten über den Hafen hinaus aufs Meer, bis diese Idylle wieder einmal durch die Zubereitung und später dann durch das Abendessen beendet wurde.

    Morgen werden wir uns Sundsvall anschauen und dann werden wir sehen wie es weiter geht.

     

     

     

     

    24.05.12

    Wir verlassen dieses kleine Dörfchen wieder. Wie immer war es eine wunderbare Ruhe auch die ganze Nacht.

    Wir fuhren noch einmal durch die pure Natur und richteten uns seelisch auf die E4 ein, die uns nach Sundsvall brachte. Hier kamen wir dann wieder einmal so richtig in den Trubel des Großstadtverkehrs. Es dauerte einige Zeit bis wir einen Parkplatz gefunden hatten, obwohl es in der Innenstadt sehr viele große Parkplätze gab. Wieder einmal hatten wir den Eindruck, dass die Schweden sich nicht lumpen lassen, wenn es um Parkmöglichkeiten geht.

    Wir parkten eine Stunde für 10 SEK, was natürlich zu wenig an Zeit war, aber wir wollten ja auch nur einen kleinen Eindruck gewinnen über diese Stadt. Der Eindruck war allerdings ausgezeichnet, denn die Bauten am Marktplatz und in der Storgatan, die wir stadtauswärts gingen, kann man nicht beschreiben, die muß man gesehen haben. Ich habe übrigens Fotos gemacht. Noch beeindruckender war das Innere des Elite Hotels Knaust. Wir gingen ein paar Steinstufen hinauf und eine Glastür tat sich auf, somit schauten wir auf eine von unten nach oben immer schmaler werdende Marmortreppe, die rechts und links mit schweren Teppichen belegt war. In diesem geschichtsträchtigen Hotel kursiert auch heute noch die fantastische Geschichte, dass einer der Holzfabrikanten einmal mit seinem Pferd die berühmte fächerförmige Marmortreppe hinaufgeritten ist.

     

    Ein paar Worte über Sundsvall:

    Sundsvall ist eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt. Die waldreiche Umgebung und zahlreiche Sägewerke bescherten ihr im 19. Jh. wirtschaftlichen Aufschwung. Damals standen fast nur Holzhäuser, die 1888 bei einem Brand vernichtet wurden. Damals verloren 9000 Einwohner von 11000 ihr Heim und ihre Wohnung.

    Danach entstand Sundsvall in Stein – durchaus prächtiger als zuvor. Am Marktplatz kann man einige dieser imposanten Gebäude bestaunen. Der ADAC spricht weiter in seinem Kartenmaterial von den Großbauten Hirschska, Holmströmska und Granska huset am Marktplatz. Auch das Rathaus ist ein „Neubau“.

    Wir haben uns in der Umgebung des Marktplatzes sehr wohl gefühlt und der erste und einzige Eindruck war: Eine schöne und erlebenswerte Stadt. Der erste Eindruck, bevor wir in den Stadtbereich kamen, also als wir noch auf der E4 waren etliche Kilometer vor der Stadtgrenze, war niederschmetternd. Rechts und links, wohin das Auge reichte, nur Industrie und Werksanlagen mit qualmenden Schloten und riesigen Gasbehältern und Raffinierien. Hie scheint auch die Chemie daheim zu sein.

    Nach einer kleinen Pause suchten wir die E4 wieder auf mit dem Ziel Timra, ein kleiner Ort nördlich von Sundsvall, wir wollten das „große Ypsilon“ anschauen, welches ein Kunstwerk sein soll. Wir hatten Bedenken es zu finden, aber wir sahen es schon aus dem Fenster unseres Fahrzeuges, bevor wir es erreichten. Wir verließen also noch einmal diese recht frequentierte Straße und tranken am Fuße des „Y“ unseren Cappuccino auf einer Bank im frisch gemähten Gras. Selbstverständlich machten wir auch noch einige Aufnahmen von diesem monströsen „Kunstwerk“.

    Heute ging es ein drittes Mal auf die E4 und bogen dann in Höhe Harnösand ab auf eine kleine Halbinsel, wo wir für heute unser Nachtquartier fanden. Wir spazierten später ca. 200 Meter durch Wald und landeten an einem wunderbaren weißen Sandstrand, der schon für den Pfingstansturm in Ordnung gebracht worden ist.

    Wir saßen noch eine Zeitlang auf einer neuen Bank im weißen Sand und bestaunten diese kleine wunderschöne Bucht die links von nackten Felsen und rechts von Wald begrenzt wurde. Dazwischen schauten wir auf den blauen Botten Haven. Diese Bucht hätte in viele andere Länder, ich denke da z. B. an Griechenland oder auch Italien, auch gepasst. Nur, da wäre es bei diesem blauen Himmel ohne jegliche Wolken und der grellen Sonne, sehr viel heißer zu dieser Jahreszeit. Hier konnte man sogar noch eine leichte Jacke vertragen, allerdings ca. 100 m vor uns am Strand tobte ein kleines Mädel mit Schaufel und kleinem Eimerchen in FKK-Manier im Wasser rum, sie fror mit Sicherheit nicht.

    Später gingen wir zurück zu unserem Stellplatz am Waldesrand und saßen auch hier noch eine gute Stunde in der Sonne. Dann rief das Abendessen und die immer wiederkehrenden Tätigkeiten wie bearbeiten der Bilder und schreiben des Berichtes. Christel kümmerte sich schon einmal um die morgige Route und um das, was wir in Sundsvall verpasst hatten.

     

     

    25.05.12

    Schon um 09:00 waren die ersten Freizeitler hier unten am Strand. Wir machten uns fertig und verließen, wieder bei strahlendem Sonnenschein, diese schönen Platz. Schon während des Frühstücks hatten wir die Terrassentür offen, denn es war sehr warm im „Esszimmer“, wir hatten immerhin 24° C.

    Wir nahmen die E4 wieder unter die Räder, zuvor hatten wir aber wieder mal einen LIDL entdeckt und den konnten wir ja nun beim besten Willen nicht auslassen. Außerdem schauten wir uns den Dom von Harnösand an, ein mächtiges weißes Gebäude, leider wurde außen so wie innen gebaut.

    Härnösand wurde 1585 gegründet, heute gibt es dort eine Domkirche, einen Regierungspräsidenten und eine Universität. Der Stadtkern liegt größtenteils auf der Insel Härnön und ist vom Wasser und vom Meer geprägt. Mitten in der Stadt befindet sich das schöne Viertel Östanbäcken, das hauptsächlich aus Holzhäusern aus dem 18. und 19. Jh. besteht.

     

                   Kurz vor Örnsköldsvik schauten wir uns die weiße achteckige Kirche an, die auf einem Hügel thront. Leider war auch die verschlossen. Hier suchten wir nun anschließend nach einem lauschigen Plätzchen für die Nacht aber wir fanden lange keines. Das war mal wieder einer der Tage, an denen wir etliche Kilometer fuhren nur um ein gemütliches Plätzchen zu finden. Auf alle Fälle mussten wir von der E4 wegbleiben, denn von dort und schon gar nicht an dieser Straße war etwas zu finden, was uns gefallen hätte. Schließlich fuhren wir gen Süden und fanden einen wunderbaren Platz an einem Fjord des Bottnischen Meerbusens ostwärts des kleinen Ortes Domsjö. Die wenigen Regenschauer hatten sich verflüchtigt und kein Wölkchen trübte mehr den blauen Himmel. Wir machten es uns auf unseren Stühlen am Fjord gemütlich und schauten uns die Umgebung an. Das gegenüberliegende Ufer machte auf uns einen malerischen Eindruck mit dem Birkenwäldchen und den dunkelgrünen Matten, darauf standen nur wenige kleine Häuser, direkt gegenüber von uns fiel ein gelbes Holzhaus mit rotem Dach extrem auf und weitere kleine dunkelrote Häuser mit weißen Giebeln und weißen Fensterrahmen.

    Der Schiffsverkehr hielt sich in Grenzen. In den Fjord lief ein roter Frachter ein der in ca. 1 Km Entfernung anlegte. Ein weißes Motorschiff verließ später den Fjord, das war der Verkehr auf dem Wasser am heutigen Abend.

    Jetzt, um 21:30 schaut die Sonne rötlich/gelb über die Berge im Hintergrund hinweg, sie wird uns für kurze Zeit verlassen, aber es wird nicht mehr richtig dunkel um diese Jahreszeit in diesen Breiten. Gerade kommt das weiße Motorschiff von seiner Fahrt zurück und passiert unsere Position Fjord einwärts, Die weiße Backbordwand hat einen rötlich/gelben „Anstrich“ bekommen.

    Während der heutigen Fahrt befanden wir uns übrigens auf dem Weg der „Hohen Küste“ –Höga Kusten-. Diese Strecke führt von nördlich Härnösand bis nach Örnsköldsvik und ist Unesco-Weltkulturerbe. Nirgendwo sonst auf der Welt hat nach der letzten Eiszeit eine derart starke Landhebung stattgefunden wie hier. Als das Gebiet vom Gewicht des Eises befreit war betrug die Erhebung 286 m und diese nimmt jedes Jahr zu und zwar um 8 mm. Die Gletscher haben eine faszinierende Landschaft hinterlassen mit Bergen, Schluchten und Grotten, die für Wanderer auf dem 130 Km langen Höga Kustenleden zu erleben sind. Die Strecke ist in 13 unterschiedlich schwere Etappen gegliedert. Von der E4 bietet sich selbst für den Autofahrer eine schöne Aussicht aufs Meer.

    Das war der heutige Tag, morgen werden wir zunächst die Stadt Örnsköldsvik aufsuchen und dann sehen wir wie es weiter geht.

     

     

    26.05.12

    Wir verließen Domsjö und waren in wenigen Minuten schon in Örnsköldsvik, allerdings brachte uns „Riva“ in ein Waldgebiet in dem nur wenige Häuser standen. Also musste „Lisa“ her und sie brachte uns dann wirklich in den Ort, den wir zuvor nicht ausmachen konnten. Schon beim Herfahren entdeckte Christel die Sprungschanze, die beinahe im Ort ausläuft. Wir parkten nur wenige Meter unterhalb der Innenstadt und gingen zunächst bis in Sichtweite dieser Sprungschanze um sie genauer in Augenschein zu nehmen.

            Dann suchten wir die Fußgängerzone auf und bummelten mit Hunderten weiterer Menschen durch diese schmale Gasse. Auf dem Marktplatz, von dem diese Straße ausgeht waren noch mehr Menschen versammelt. Es waren kleine Verkaufsstände aufgebaut, eine Dame grillte in einem Brunnenring. An einem Haus standen ca. 10 Männer, die Kirchenlieder sangen. Es war ein buntes und lebendiges Treiben hier im Ort.

             Ein weiteres Erlebnis muß ich erzählen, weil es so typisch ist für die heutige Zeit. Wir benötigten noch einmal Kabel für unsere „Alarmanlage“ und so ging ich in ein Haushaltswarengeschäft um mich nach einem Touristenbüro zu erkundigen, denn wir benötigten weiter auch Informationen über das Gebiet in dem wir uns gerade befanden, die Herrschaften konnte ich dann auch nach einem Geschäft fragen wo man vielleicht entsprechendes Kabel bekäme. Der Verkäufer nahm von den Kunden gar keine Notiz, er packte ein Päckchen in Geschenkpapier ein. Eine der Kundinnen war eine Dame mit ihrer kleinen Tochter. Sie hatte einen asiatische Ausdruck und diese Dame fragte ich nach dem Touristenbüro. Sofort wandte sie sich mir zu und begann mit der Erklärung des Weges, diese Erklärung unterstrich sie dann, indem sie ihr Handy aus der Tasche holte mit mir sagte, dass sie mir zeigen wolle, wo sich das Büro befindet. Schon alleine die Erklärung war ausführlich genug um zurecht zu kommen, ich wollte ihr aber den Spaß nicht nehmen. Sie holte ein Bild auf den Bildschirm und mit ein wenig scrollen nach oben und nach unten brachte sie das Bild her von unserem gemeinsamen Standort. Dann zeigte sie mir die Fußgängerzone an der sich dieses Haushaltswarengeschäft befindet und wies dann mit dem Finger auf die Verbindung zu dem Gebäude, in dem sich das Touristenbüro befindet. Es war ein rechtwinkliger Glasbau, das erkannte ich auf dem Bild. Ich bedankte mich überschwänglich, sie war aber auch zu nett.

    Auf dem Wege zum Büro sah ich dann plötzlich in einem Werbungsfenster einige handwerkliche Geräte und den Namen Claas Ohlson. Hier konnte ein Geschäft sein, wo ich mein Kabel bekäme. Und richtig, wir betraten ein großes Einkaufscenter und oben sah ich den Namen noch einmal. Hier bekam man alles in Richtung Handwerk, mit dem ich eigentlich wenig anzufangen weiß. Jedenfalls entdeckte Christel eine kleine Kabelrolle 1,5 mm2 und auch noch die Verbindungsstücke. Sicherheitshalber fragte ich noch einmal einen Verkäufer, wie man diese Verbindungsstücke behandelt und da diese Erklärung so auslief, wie ich es mir schon gedacht hatte, war die Sache perfekt. Wir gingen wieder zurück zu einem Tresen, hinter dem mal drei und mal eine Person stand um zu bezahlen. Als wir an der Reihe waren sagte uns der freundliche jungen Mann, mit dem ich vorhin schon einmal gesprochen hatte, wir müssten an das andere Ende des langen Raumes gehen, wenn wir bezahlen möchten. Dieses hier sei nur ein Infostand, ja, gewusst wo und wie.

    Wir fanden das Tourist-Byra auf Anhieb, entsprechend der angeschlagenen Öffnungszeiten hätte hier auch jemand sein müssen, aber dem war nicht so. Somit gingen wir langsam zu unserem Auto zurück, denn die Parkzeit war schon abgelaufen; wir beruhigten uns selbst damit, dass wir sagten es hätten nur wenige Fahrzeuge dort gestanden und vielleicht wäre ja auch nicht gleich jemand da um zu kontrollieren. Wir hatten Recht und damit Glück.

     

    Wir beschlossen, dass dieses Städtchen ein sehr angenehmes Städtchen ist und setzten unsere Fahrt fort, die heute noch bis Umea andauerte. Wir ließen uns direkt in die Innenstadt führen und stellten fest, dass hier wieder einmal viel los sei. Auf großen, grünen Rasenflächen lagen, standen und saßen unzählig viele Jugendliche. Umea ist eine Universitätsstadt und damit war alles klar. Wir parkten am Hafen auf einem kleinen und nicht feinen Parkplatz. Da wir keine 15 SEK für eine Stunde an Kleingeld hatten versuchten wir etwas Geld einzuwechseln, dann stellten wir aber fest, dass es sich eigentlich gar nicht lohne noch eine Stunde zu parken, denn in dieser Stadt wollten wir nicht mehr länger bleiben. Nach Besichtigung einiger Bauten gingen wir zum Fahrzeug zurück und setzten unsere Fahrt fort.

               Wir blieben noch einige wenige Kilometer auf der E4 bis wir rechts nach

    Norrfjärden am Bottnischen Meeresbusen, warum der so heißt weiß ich auch nicht, abbogen. Von hier aus, hatte Christel gelesen, konnte man mit einem Schiff in 45 Minuten zur Insel Holmön fahren. Leider fährt aber dieses Schiff nur in der Früh zwei Mal zur Insel und kommt am Abend erst zwei Mal zurück. Solange wollten wir unser Fahrzeug nicht auf diesem einsamen Parkplatz stehen lassen und beschlossen somit hier nur die Nacht zu verbringen um morgen die Tour fortzusetzen. Das nächste große Ziel ist dann Skelleftea, aber bis dahin wird die Sonne noch lange scheinen. Jetzt, um 21:00, steht sie jedenfalls voll im Saft und kein Wölkchen trübt den Himmel. Wir haben lange gebraucht um diesen Tag zu ordnen, man bekommt eben doch sehr viel innerhalb weniger Stunden zu sehen und noch viel mehr eben innerhalb weniger Tage.

     

     

    27.05.12

    Es war ein schöner Platz und er war am Morgen immer noch schön. Wir blieben bis das Schiff ablegte und dann setzten auch wir uns wieder in Bewegung. Ist es nicht herrlich jeden Tag ein anderes Fleckchen Erde zu finden, wo man sich wohl fühlt und dann unterwegs auch immer wieder etwas anderes erlebt? Ich lasse die Frage mal im Raum stehen. Wir blieben fern der E4 und „Riva“ führte uns entlang der Küste nach Rataskär, um genau zu sein, der Ort heißt Ratan, das steht zwar auf unserer Karte nicht aber wir hatten ja „Riva“. Ratan entpuppte sich als kleiner unscheinbarer Hafen aber eben doch beschaulicher Hafen, in dem zu dieser Jahreszeit nichts aber auch gar nichts los war. Es gab aber etwas, was uns interessierte:

    Hier haben schon im 19. Jh. Mareographen festgestellt, dass sich der Erdboden, nachdem das Eis der Eiszeit geschmolzen war, hebt und zwar z. Zt. im Jahr 9mm. Diese Anhebung soll noch etwa 5000 Jahre andauern. Ich habe dieses Wissen von einer Tafel und kann es nur so weiter geben, wie ich es gelesen habe. Es gibt eine runde Hütte am Hafen, in der man mehr Informationen bekommen kann, aber zu dieser Jahreszeit Ende Mai ist eben noch nichts los und hier ist immer noch Vor-Vor-Saison. Weiterhin gibt es an verschiedenen Felsen Markierungen von 1879 und auch 1943 womit man diese Erdhebungen nachweisen kann. In der Fachsprache geht es hier um Landhebungen also Hebungen des Meeresniveaus.

                  Ich möchte noch kurz auf die Vor-Vor-Saison eingehen. Es hat Vor- und auch Nachteile, wenn man zu dieser Jahreszeit hier „oben“ reist. Es ist sehr angenehm nicht im Trubel zu reisen, man kann sich vieles erlauben, was man sich in der Hauptreisezeit einfach nicht mehr erlauben kann. Es ist sehr viel ausgeglichener, auch die Menschen haben mehr Zeit und akzeptieren Wohnmobile an Stellen, an denen sie sie sonst nicht mehr akzeptieren würden. Die Sonne scheint nun schon seit vielen vielen Tagen, allerdings der Wind ist teilweise eiskalt und man kann nicht ohne Jacke draußen sitzen, es sei denn man erwischt eine Stelle die vom Wind nicht erreicht wird.

    Wir empfinden es nachteilig, dass z. B. viele Sehenswürdigkeiten, die man nur mit Geld erreicht, noch nicht geöffnet sind; man spart auf der anderen Seite aber auch wieder Geld. Man muß aber auch u. U. auf einiges Wissen verzichten, wie z. B. in dem kleinen Hafen, wo es um die Mareographen geht. Auch Museen sind z. T. noch geschlossen. Aus diesem Grund haben wir auch einige Planungen für die Rückfahrt aufgehoben, wenn sie denn auf unserer Strecke oder zumindest in der Nähe liegen.

     

    Noch einige Hinweise für Wohnmobilisten: Hier am Hafen gibt es einen Quick-Stop-Platz sowie Entsorgungsmöglichkeiten und man kann direkt am Hafen duschen, Wäsche waschen in einer entsprechenden Waschmaschine und auch Frischwasser aufnehmen. Für Nichtcamper: Der Quickstop-Platz ist eine Stellmöglichkeit für Wohnmobile ab einer bestimmten Uhrzeit am Abend bis zu einer bestimmten Uhrzeit in der Früh, ich müsste allerdings früher aufstehen als ich ausgeschlafen habe.

    Des Pudels Kern ist, dass 1,5 Km weiter ein „Campingplatz“ errichtet wurde, ein Platz direkt neben einer Schotterpiste mit Trockentoilette, hier kann man auf Grasboden stehen, die Festigkeit des Bodens ließ uns nicht auf das Gras fahren.

    Es wird morgens und abends kassiert, wer mit diesen Zeiten nicht einverstanden ist kann 60 SEK in einen Umschlag stecken und in einen Kasten werfen. Vergangenes Jahr kostete die Übernachtung noch 50 SEK und davor waren es „nur“ 40 SEK. Geändert hat sich an diesem Platz wohl nie etwas außer der Preiserhöhung. Dieses war ein weiterer Grund um nicht hier zu übernachten. Die Position ist wie folgt:

    N64°00.125`  E20°53.599´. Man kann auch eine Adresse eingeben, die Straße ist die Trädgartsgatan 7.

    Ja, wenn man hier in diesem Land kleine Orte wie z. B. kleine Fischerhäfen aufsuchen will, dann muß man mit einer Schotter- oder festgefahrenen Lehmpiste vorlieb nehmen. Die Schlaglöcher reichen von mini bis maxi und sie sind auch nicht so entstanden, dass man sie alle umfahren kann.

     

    Wir hatten noch einen Stellplatz weiter nördlich im Petto, der unter folgenden Koordinaten zu finden ist: N64°10.668`  E21°02.433. Hier handelt es sich um Parkplätze am Waldrand, ein paar Meter durch den Wald trifft man auf teilweise wunderbaren Sandstrand. Bei Erreichen der Position wurden wir durch ein Schild darauf hingewiesen, dass Pkw ca. 200 Meter nach rechts fahren sollen und Wohnmobile sollten den Weg geradeaus nehmen ca. 200 m. Die Plätze sind erkennbar aber sehr klein und sie liegen total im Schatten, was vielleicht im Sommer bei hohen Temperaturen angenehm ist, wir hatten puren Sonnenschein aber einen überaus kalten Wind. Das Thermometer sank von 24 Grad auf der Strecke auf 13° C. hier im Wald. Auch im Fahrzeug wurde es während unseres Aufenthaltes kühl und kühler. Wenn wir zunächst ins Auge gefasst hatten hier zu bleiben, dann verwarfen wir diesen Gedanken wieder, denn am Abend würde es wohl recht kalt werden und unsere Gassituation war noch immer nicht so, dass wir mit dem Gas prassen konnten, denn wir waren ja noch nicht am Ziel.

                  Wir tranken somit unseren Cappuccino und aßen diese ganz eigenwillige Art von Zwiebäcken um uns dann wieder auf die E4 zu setzen, wir hatten noch einen kleinen Hafen auf der Karte entdeckt, der sich gut anhörte; es handelte sich um Gumbodahamn. Wieder ging es von der E4 rechts ab und über 5 Km Schotterpiste, die aber glatter und ebener war als manche geteerte Straße abseits der Durchgangsstraßen. Trotzdem sei gesagt, dass das Straßennetz in Schweden zumindest bis zu diesem Breitengrad durchaus in Ordnung ist und wir sind immerhin nördlich von 64° nördlicher Breite.

    Hier stehen wir nun an einem Hafen, der eine Hamnstuga hat, eine Art Büro, und zwei etwas windschiefe Tische und Bänke. Mit etwas gutem Willen ist auch noch ein kleines Hafenbecken zu erkennen und auch ein Boot hat angelegt. Man muß seine Vorstellungen eben runterschrauben. Wir fühlen uns hier wohl und wir freuen uns hier zu sein.

    Für morgen haben wir Skelleftea u. a. geplant und auch für die Rückfahrt sind einige Planungen zumindest für den Bereich der Samen schon fixiert. Es scheint noch recht interessant zu werden; aber schon jetzt kann man sagen diese Reise wird zu den Highlights zählen. Sie ist schon jetzt viel schöner als viele andere, d. h. wiederum nicht, dass die anderen Reisen nicht schön waren. Es ist jetzt 22:10, wir haben kein Licht im Wagen, Christel liest und ich schreibe am Bericht und bearbeite Bilder. Ich freue mich schon auf morgen und die wieder andere Terrasse als heute.

     

     

    28.05.12

    Wieder einmal verließen wir eine Terrasse, die uns mehr als gut gefallen hat. In der Früh kam wieder Wind auf und schüttelte uns ein wenig, aber mehr eben nicht. Wieder schien die Sonne durchs Schlafzimmerfenster. Ich kam gut aus dem Bett als der Kaffeekessel pfiff. Christel kam aus dem Bad, der Ablauf war eigentlich schon beinahe langweilig. Als genügen Kaffee durchgelaufen war ging ich ins Bad, obwohl die Sonne schien, der Wind war wieder kalt und heute blies er durch das Fliegengitter, das Fenster war offen und durch die Dachluke, somit hielt ich mich nicht zu lange dort auf.

    Nach dem Frühstück fegte Christel aus und reinigte die Teppiche von kleinen Steinen und Gras, dann fuhren wir die 5 Kilometer auf recht festgefahrener Piste zurück zur E4, dadurch erreichten wir schnell Skelleftea. Zunächst wurden wir wieder einmal von einem riesigen Industriegebiet begrüßt. Wir hatten die Adresse vom Touristenoffice ins Navigationsgerät eingegeben und suchten uns dazu entsprechend einen Parkplatz, er lag oberhalb des Busbahnhofes und bot viel Platz.

                   Ich entfernte die Abblend- und Fernlichtbirne vorne links um sie mitnehmen zu können. Schon auf der Suche nach einem Parkplatz hatten wir wieder ein Clasen Ohlson-Geschäft entdeckt und wir waren sicher auch dieses Mal wieder Erfolg zu haben. Es waren nur wenige Meter bis dorthin, trotzdem schmerzte mein Knie schon wieder. Wir fuhren die Rolltreppe nach oben, jetzt waren wir ja in diesem Geschäft auch schon fit. An der Kundeninformation fragte ich nach entsprechender Birne und der Verkäufer zeigte mir eine große Liste. Hier waren sämtliche zusammenhängende Artikel mit jeweils einer Nummer versehen. Autozubehör hatte die Nummer 632, auf diese Weise fanden wir schnell, was wir suchten. Wir wussten ja nun auch, dass wir an der Kundeninformation nicht zahlen konnten und suchten die Kasse auf, wo wir 149 SEK bezahlten.

                   Nach der Touristeninformation fragend bekamen wir eine erschöpfende Auskunft und nach Verlassen dieses sympathischen Geschäftes fanden wir dieses Büro nach weiteren 4 Minuten. Die Auskunft dort war etwas kläglich, aber man gibt sich ja auch mit wenig zufrieden, wenn man nicht mehr bekommt.

    Dennoch zufrieden gingen wir zurück zum Auto, es waren in dieser kurzen Zeit dunkle Wolken aufgezogen, außer ein paar Tropfen aber gab es nichts. Ich setzte die entsprechende Birne vorne links wieder ein und dann konnte es weiter gehen. Skelleftea interessierte uns nicht sonderlich, außerdem waren wir schon vor Jahren einmal hier gewesen.

    Wir gaben die folgende Position ein: N 64° 43.059`  E 21° 13.860`und waren nach ca. 20 Minuten am Badeplatz „Harrbäckssand“, ein Platz wunderbar als Stellplatz geeignet. Wir waren wieder am Meer und vom Strand aus führte eine Lichtung in ein Waldgebiet. Hier war es hell und ruhig. Auf einer kleinen vorgelagerten Insel tummelten sich unzählig viele Seevögel, die Sonne mit dem dunkelblauen Himmel färbte das sich leicht kräuselnde Wasser ebenfalls dunkelblau. Am Strand stand ein Tisch mit zwei Bänken hellblau gestrichen auf dunkelgrüner Wiese, der Sand leuchtete hell im Sonnenlicht, eine herrliche Atmosphäre und wir waren hier. Schnell suchten wir uns einen Platz und setzten uns dann auf die hellblaue Bank. Wir saßen wohl eine knappe Stunde als ein Pkw mit Hobby-Wohnwagen von der Straße abbog und sich auf „unser“ Areal zu bewegte. Er kam noch näher und der Pkw hielt genau an unserer Bank an. Ein netter Herr kurbelte das Fenster runter und begann sofort ein Gespräch mit uns. Nach einiger Zeit stieg er aus und setzte sich zu uns auf die Bank. Wir sprachen über vieles und alles, auch Schwedens Abschneiden gestern beim Eurovision Song Contest kam zur Rede und er freute sich besonders, dass wir wussten, dass die Schweden die Nummer Ein geworden sind. Er mokierte nur, dass die Italiener ihnen keinen Punkt gegeben hatten.

        Noch lange blieb er bei uns sitzen, dann bugsierte er seinen Hänger in eine Nische zwischen Strand und Wald. Ich unterstützte ihn ein wenig dabei und er gab mir dann eine Dose Bier, wir hatten natürlich zuvor auch über Getränke und insbesondere über Bier gesprochen, wobei er meinte, dass das ein sehr gutes Bier sei. Ich trank es vor dem Abendessen und ich kann seine Ansicht nur bestätigen. Es hatte nur 5,7%, es schmeckte aber hervorragend.

    Wir haben mittlerweile zu Abend gegessen, wir sitzen aber drinnen, draußen scheint  zwar die Sonne, aber die Temperatur ist runter auf 11° C. und wir stehen im Schatten hoher Bäume somit hat die Sonne keine Chance mehr unseren Innenraum zu erwärmen. Da wir überzeugt sind mit dem vorhandenen Gas gut auszukommen haben wir ein wenig eingeheizt. Wir befinden uns immerhin nördlich von 64 Grad und da herrschen andere Verhältnisse, dafür wird es aber auch nicht mehr so richtig dunkel und wir kommen der Mitternachtssonne mit riesigen Schritten näher. Wir befinden uns immerhin schon in Schwedisch-Lappland in der Västerbotten Läns und haben in Pitea die Norrbotten Län erreicht.

    Ich sprach vor einigen Tagen über Erdhebungen und die vor ca. 10.000 Jahren endende Eiszeit überall in Europa, das war aber eben hier nicht der Fall. Hier oben im Norden. Hier prägen Schnee, Eis und Kälte nach wie vor das Leben und die Kultur der Menschen. Am kältesten ist es hier in der Zeit zwischen Januar und Februar, in der Temperaturen von minus 20° nicht ungewöhnlich sind. Aber die Kälte ist trocken und angenehm.

    Schwedisch Lappland liegt im Herzen von Sapmi, dem Landgebiet der Samen, das sich über 4 Länder erstreckt: Schweden, Finnland, Norwegen und Russland. Die Kultur der Samen, der einzigen Urbevölkerung Europas, lebt und entwickelt sich mit ihrer Zeit, so wie sie es immer tat und alles kreist um die Frage der natürlichen Heimat im ewigen Kreislauf. Parallel zum Ursprung entwickeln sich allerdings auch neue Industrien und Technologien. Seit den 1960er Jahren spielt Kiruna in der Raumfahrtindustrie eine weltweit führende Rolle bei Forschung und Entwicklung.

             Wenn die durchschnittliche Einwohnerzahl pro Quadratkilometer in Europa bei 118 liegt, so liegt sie in Schwedisch Lappland bei 2. Dies mag z. B. der Grund sein, warum die Begegnungen, die hier zwischen den Menschen stattfinden, ebenso ersehnt wie begehrt sind. Der Umgang, und das haben wir immer wieder feststellen können, ist informell und ungezwungen. Hier versucht niemand dem anderen zu sagen war er zu tun und zu lassen hat. Noch ein altes Sprichwort: „Wenn weder Schnaps, noch Teer noch Sauna helfen, dann ist das Ende nah.“

     

    Jetzt ist es schon wieder 20:30, es ist hell und es wird nicht viel dunkler. Wir genießen diese Situation. Da fällt mir ein Text ein, den ich kürzlich gelesen habe:

    Alles,was Schwedisch Lappland zu bieten hat, wurde von der Natur erschaffen. Die Berge, die Täler, der Schärengarten mit seinen Tausenden von Inseln und flachen Sandstränden. Und auch an der überwältigenden Unterhaltung, bei der die Natur Regie führt und das Klima die Hauptrolle spielt, sind wir ganz und gar unbeteiligt. Lassen sie sich von den hellen Sommernächten verzaubern, in denen die Sonne ununterbrochen hundert Tage und hundert Nächte scheint. Wir möchten viele davon miterleben, auch darum sind wir auch hier. Hier haben wir die Muße, die so oft im Alltag fehlt, um zu entdecken wie wichtig diese kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge sein können. Hier haben wir andere große Kontraste – Bergwelt und Schärengarten, Licht und Dunkel, Wärme und Kälte, hier hat man die Zeit dies alles zu fühlen und zu erkennen als etwas Wichtiges.

                   Ein schöner Tag geht zu Ende und wir freuen uns ihn erlebt zu haben verbunden mit der Freude auf den morgigen.

     

     

    29.05.12

    Die Sonne meint es gut mit uns, sie scheint schon wieder. Als wir frühstücken kommt eine Schulklasse, Buben und Mädel mit Lehrer und Lehrerin auf Fahrrädern. Zunächst sieht man sie nicht aber man hört sie. Sie verbringen wohl eine runde Stunde am Wasser und toben sich aus. Die beiden Lehrkörper schauen gewissenhaft und lassen niemanden aus den Augen. Beide sind warm angezogen und der Lehrer trägt sogar Handschuhe, sie versteckt ihre Hände in unter den Achselhöhlen.

    Die Bande bricht eher auf als wir. Wir versorgen uns mit frischem Kaffeewasser und dann geht es los. Zunächst fahren wir nach Skelleftehamn, aber einen Hafen gibt es dort nicht mehr. In Skelleftea wollen wir uns noch das Gebiet Nordana anschauen, denn wir wissen:

    Es ist ein Gebiet mitten im Herzen und in der Seele von Skelleftea. Nordana bietet kulturelle Veranstaltungen, historische Ereignisse und persönliche Erlebnisse. Dieses stadtnahe Naherholungsgebiet wird alljährlich für das Musikfest Trästocksfestivalen, das kulinarische Matfesten sowie für Sommertheateraufführungen genutzt.

    Von hier sind es nur wenige hundert Meter zur Bonnstan oder auch Kyrkstad –Kirchenstadt-.

    Hier taucht man ein in eine entschwundene Zeit, dies ist eine der bekanntesten und am besten bewahrten historischen Wahrzeichen der Stadt. Bonstan ist der Name, den die Einwohner von Skelleftea dieser Kirchenstadt gaben. 116 Häuschen mit insgesamt 392 Kammern sind gut erhalten geblieben und zeugen noch heute von der Zeit, als hier Menschen, die weit abgelegen auf dem Lande wohnten, eine Unterkunft für den Kirchenbesuch fanden – daher die Bezeichnung „kyrkstad“. Die älteste Behausung geht auf das 17. Jh. zurück.

    Es war beinahe menschenleer hier zwischen den Häusern. In einem wurden Fenster geputzt und aus einem anderen Holzhaus kam gerade ein Handwerker, was man an seiner Kleidung erkennen konnte. Christel war gerade im Begriff in eines der Fenster zu schauen, als er uns ansprach und uns zu verstehen gab wir sollten doch mal mitkommen und uns eine der Unterkünfte anzuschauen. Wir sprachen ganz unterschiedliche Sprachen, er konnte wohl kein Englisch und ich sprach Englisch und kratzte die 3 oder 4 Worte Schwedisch zusammen. Er war sehr freundlich und gab sich alle Mühe uns etwas zu erklären. Die „Stube“ beeindruckte uns sehr, sie war klein aber sehr gemütlich eingerichtet und überaus sauber. Diese Häuser und Stuben sind überwiegend im Privatbesitz und werden genutzt um sie hin und wieder zu vermieten oder während einiger Festivitäten dienen sie auch als Unterkünfte. Es war ein lehrreicher und hochinteressanter Vormittag, der bis in den Nachmittag dauerte. Als wir uns die restlichen Häuser von außen anschauten konnte Christel plötzlich keine Aufnahmen mehr machen, denn es schien die SC-Karte nicht mehr zu funktionieren.

    Also fuhren wir noch einmal in die Innenstadt, denn wir hatten eine heiße Adresse, Carl Ohlson, hier konnte man beinahe alles kaufen, eben auch diese SC-Karte. Wir zahlten 129 SEK und konnten wieder fotografieren.

    Nun sagten wir Skelleftea endgültig adè und fuhren auf der heißgeliebten E4 weiter in Richtung Norden. In Byske ging es links ab und ab da waren wir wieder allein mit der Natur. Unser Ziel war Fällfors, denn wir wussten, dass die Strecke entlang des Byskeälven führte. Gott sei Dank sahen wir auf dem Screen des Navigationsgerätes hin und wieder diesen Fluß. Als wir allerdings Fällfors erreichten und über die Brücke fahren wollten bekamen wir vor Staunen beinahe den Mund nicht mehr zu, denn dieser Fluß führte erstaunlich viel Wasser und die Fluten schlugen hoch über den Rand der Befestigung hinaus. Die Wellen waren so hoch, dass man manchmal den Eindruck hatte sie würden zurück schlagen in Gegenrichtung. Wir hatten schon etliche Wasserfälle gesehen und auch schon viele und bemerkenswerte Stromschnellen erlebt aber diese gewaltigen Wassermassen die Geschwindigkeit der Strömung und die hohen Wellen und Strudel in solch einem breiten Flussbett, das bekamen wir bislang nur sehr sehr selten zu Gesicht.

                  Wir parkten und machten viel zu viele Aufnahmen. Das vorbeirauschende Wasser wirkte bedrohlich auf uns. Später parkten wir unser Fahrzeug und gingen noch einmal an dem tosenden Wasser entlang, ja, wir wagten uns sogar über eine Holzbrücke und das gleich zwei Mal, allerdings mulmig war uns schon

                  Nun stehen wir knappe 5 Meter von diesem reißenden, tosenden, tobenden Fluß entfernt und das Tosen des Wassers hören wir seit mehreren Stunden. Wir haben unseren Platz für die Nacht erreicht und er wird uns nicht in den Schlaf rauschen aber das monotone Geräusch könnte uns helfen einzuschlafen. Die Position ist wie folgt: N65° 07.479`  E20° 47.425`.

    An diesem Fluß gibt es auch eine Beobachtungsstation von der aus man Lachse beobachten kann, die aber z. Zt. verwaist ist, denn sie öffnet erst ihre Pforten, wenn die Lachse springen und wann das der Fall ist, das wissen wir nicht. Wir wissen nur eines, darauf können wir nicht warten.

     

     

    30.05.12

    Der Morgen begann für uns mit Überraschungen, als wir unsere Erfahrungen der Nacht austauschten. Gegen 02:00 hatte ich aufs Thermometer geschaut, da hatten wir draußen 2,7° C. Es war zu diesem Zeitpunkt heller draußen als es gegen 10:30 war, denn dicke Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben. Christel toppte diese Temperatur, sie war um 04:00 auf und da hatten wir noch 1° C, allerdings über null. Die Flüssigseife ließ sich nur schwer aus der Flasche drücken und auch die flüssige Zahnpasta hatte Probleme auf die Zahnbürste zu tropfen.

                    Nach dem Frühstück bewaffnete ich mit unserem Camcorder und nahm den Fluß in seiner ganzen Mächtigkeit auf. Die ersten beiden Akkus hielten gerade noch weniger als eine Minute. Es war eben zu kalt gewesen und sie hatten zu lange unbenutzt gelegen. Also legte ich drei AAA-Batterien ein und dann konnte ich seine Mächtigkeit festhalten.

    Wir verließen den großen Fluss Byskeälven gegen 11:30, die Temperatur war immerhin gegen heute 04:00 um 10 Grad angestiegen, wir hatten jetzt schon 11 Grad. Wir blieben eine ganze Zeit der E4 fern, denn „Riva“ führte uns auf Nebenstraßen, die auch noch gepflastert sind. Es ging über Alund und Hemmingsmark. Von Hortlar bewegten wir uns langsam nach Pitea. Wir hatten keine Probleme einen Parkplatz zu bekommen, nachdem wir zunächst herausgefunden hatten wo sich das Centrum befindet. Wir bummelten die schmalen Straßen in der Fußgängerzone entlang und fanden sogar eine Geschäft „Expert“, wo wir Bilder vom USB-Stick entwickeln lassen konnten. Leider gibt es noch keine Möglichkeit die Bilder sofort ausdrucken zu lassen. Man darf alles selbst machen, dann muß man Vor- und Nachnamen eingeben und die Handy-Nummer und dann muß man eine Stunde warten bis man die Bilder bekommt. Dafür zahlt man dann noch zusätzlich eine Expressgebühr. Manchmal kann man schon den Kopf schütteln.  Ich bezahlte für 19 Bilder immerhin 125 SEK, das war nun nicht gerade günstig aber immer noch günstige als Ansichtskarten, die es beinahe gar nicht gibt und wenn, dann solche, die man nicht wegschicken kann.

    Am Abend dann schrieb ich Ansichtskarten. Wir stehen jetzt in der Nähe von Trundön am Bottnischen Meeresbusen 36 Km südlich von Lulea. Die Position ist:

    N65° 24.990`  E21° 50.971`.

    Das Meer schimmert silbrig verursacht von der tief stehenden Sonne. Dunkler als jetzt wird es nicht mehr werden. Wir sitzen im Wohnmobil und schauen aufs spiegelglatte Wasser. Lachmöwen tummeln sich am Strand, sie fliegen kurz einmal hoch um dann gleich wieder zum Strand zurück zu kommen.

    Von einer CD erklingt leise Musik, wir sind glücklich und zufrieden. Morgen geht es weiter gen Norden, bald werden wir in Haparanda sein und dann geht es nach Finnland. Auf zu neuen Ufern.

     

     

    31.05.12

    Wieder Sonnenschein, wieder war es frisch in der Früh und auch dieses Mal hielt das den Tag über an. Das soll keine Kritik sein, denn wir sehen während der Nacht keine Sterne mehr, weil es hell bleibt aber auch der Regen bleibt aus und das wissen wir sehr zu schätzen.

    Wir verlassen dieses beschauliche Plätzchen ohne einen Elch oder gar einen Bär zu Gesicht bekommen zu haben geschweige dann vor die Linse. Es geht ein kleines Stückchen zurück, dann biegen wir rechts ab und nach weiteren ca. 8 Kilometern sehen wir den Abzweig rechts nach Alhamn, wo wir eigentlich hätten übernachten wollen. Wir fahren noch einmal 7 Kilometer in Richtung Bottenviken und stellen dann fest, dass unser Übernachtungsplatz, von dem wir kommen, schöner war als diese Stelle hier in Alhamn.

    Nun geht es zurück auf die E4 und dann landen wir in Lulea. Auch diese Stadt sagt uns nicht viel. Wir machen eine Stadtbesichtigung per Auto und suchen einen Stellplatz auf, auf den uns das WOMO-Buch hinweist, aber auch dieser Platz eignet sich nicht für uns zum Übernachten. Vor geraumer Zeit besuchten wir mal die Gammelstaden oder auch kyrkstad und wir stellen fest, dass sich hier nicht viel geändert hat. Dafür nehmen wir aber den äußerst gut geeigneten Parkplatz, der an die Gammelstad angrenzt, für die Nacht. In dem großen roten Haus findet sich ein Souvenirgeschäft der besonderen Art. Hier zeigt man von Hand gefertigte Waren, die entweder designed und gefertigt sind in Schweden oder in Lappland. Ja, hier hätte man gut einkaufen können und auch die bedachten Personen, die in Deutschland geblieben sind wären begeistert von uns solch ein Mitbringsel zu bekommen. Leider sind wir aber perfekt im Umrechnen von SEK in Euro und damit kommt die überaus nette Verkäuferin, die sogar ein paar Brocken Deutsch spricht, bei uns schlecht weg.

    Nun haben wir noch 120 Kilometer bis nach Haparanda, ich befürchte dass wir die morgen in einem Handstreich nehmen. Mal sehen, was „Lisa“ und „Riva“ dazu sagen. Es war ein nichtssagender Tag, aber er bringt uns interessanten Gegenden näher.

     

     

    01.06.12

    Auch hier haben wir wunderbar gestanden. In der Nacht um 03:00 hatten wir grellen Sonnenschein, später gab es ein oder zwei kleine Schauer und heute in der Früh wechselten sich Wolken und Sonne wieder ab.

    Nach dem Frühstück gingen wir oben im Ort zur Kirche, die leider verschlossen war. Wir umrundeten sie einmal aber das Ergebnis blieb. Wir machten einige Fotos und gingen unverrichteter Dinge Wieder zurück zu unserem Platz. Allerdings gingen wir noch einmal in den „ShopinLapland“, da wir uns immer noch sehr für diese Symbolfigur der Samen interessierten. Heute war der Ehemann von der Dame da, die uns gestern so freundlich empfangen hatte. Wir ließen uns noch einmal die Preise dieser Figur sagen und entschlossen uns dann eine kleine Figur für uns zu kaufen ohne Lichtuntersatz und eine mittlere Figur für Christine zum Geburtstag mit Lichtuntersatz. Nun hatten auch wir ein ausgezeichnetes Souvenir aus Lappland, welches uns auch immer wieder an diese bislang so wundervolle Reise erinnern würde. Auf dem Wege zum Wagen überlegten wir noch einmal, ob es sich nach Rückkehr lohnen würde einen Lichtuntersatz zu basteln und kamen zu dem Entschluss, dass es sich nicht lohnte. Also ging ich noch einmal zurück und kaufte einen zweiten für die kleinere Figur.

    Dann wiesen wir „Riva“ an uns nach Haparande zu führen und zwar auf der Alternativstrecke. Sie führte uns zunächst auf kleinen Umwegen auf die E4, was zur Folge hatte, dass wir ganz schnell viele Kilometer zurück legten. Schon von der E4 aus hatten wir hin und wieder einen Blick von Flüssen erhaschen können. Ungefähr bei Raggdynan führte uns „Riva“ dann weg von der E4 und kurz vor Kalix fuhren wir genau neben dem Fluß mit dem Namen dieser Stadt, dem „Kalix Älven“. Wenn man nicht gewusst hätte, dass es sich um einen Fluß handelt, dann hätte man annehmen können es sei ein See. Es muß so eine Art Flussdelta sein, denn der Kalix Älven mündet hier, wie viele andere auch, in den Bottnischen Meerbusen.

    Wir fuhren durch das Zentrum von Kalix, einer kleinen Stadt und suchten uns den Weg zur Kirche, denn hier sollte eine sehr alte Kanzel zu sehen sein. Schnell fanden wir die Kirche, die vor gar nicht langer Zeit renoviert worden sein muß. Wir tranken zunächst unseren gewohnten Cappuccino, dann besichtigten wir diese sehr schöne Kirche auch von innen. Die Bänke hatten einen grünen Anstrich bekommen in der Farbe wie auch die unteren Teile des Chorfensters. Der obere Teil stand mit seinen hellen Farben im krassen Gegensatz. Die Kanzel fiel sofort ins Auge, sie soll die älteste im Bistum Lulea sein, sie trägt die Jahreszahl 1674.

    Die restlichen gut 40 Kilometer legten wir dann wieder auf der E4 zurück. Um 15:10, ca. 35 Kilometer vor Haparanda sahen wir urplötzlich am Straßenrand die ersten zwei Rentiere auf dieser Reise. Hier „unten“ hatten wir sie nun wirklich nicht erwartet, umso überraschter waren wir. Es blieben aber auch die einzigen.

    Um 16:00 hatten wir dann Haparanda erreicht, hier wollten wir heute Schluß machen, denn in Finnland war es zu diesem Zeitpunkt schon 17:00 und ich hasse unsere „politische Zeitgebung“ im Sommer sowieso schon und immer noch und das wollte ich mir heute sparen, dass es nun noch ein Stunde später sein sollte. Das erleben wir morgen früh genug. Nach einem Kilometer werden wir dann in Tornio in Finnland sein und dann geht es linksseitig auf der Ostseite des Törne Älv gen Norden. Bis zum Arctic Circle ist es nun nicht mehr weit und ich kann mir gut vorstellen, dass wir morgen dort ankommen werden. Eine Übernachtung am Polarkreis wäre natürlich wieder ein Highlight. Das wäre dann in Juoksenki der Fall, auf schwedischer Seite schreibt man es Juoksengi.

    Es war draußen trotz Sonnenschein recht schattig und so entschlossen wir uns zunächst im Wohnzimmer zu bleiben. Wir machten weitreichende Pläne für die Weiterfahrt, die einiges ändern wird, was wir zunächst planten. Wir hatten ja vorgehabt bis nach Gamvik zu fahren, dort waren wir allerdings schon mal und aus diesem Grund planten wir heute über Vadsö und Vardö nach Hamningberg zu fahren, denn dort würden wir noch etwas Neues zu Gesicht bekommen. Dann soll es zurück gehen bis Tana bru und von dort aus noch einmal in nördlicher Richtung bis nach Berlevag. Diese Routen sind eine willkommene Alternative und wir werden zu gegebener Zeit festlegen, ob wir diese Strecken fahren statt der nach Gamvik. Neue Perspektiven, neue Vorhaben, es geht uns gut, hoffen wir dass es klappt.

    Ich habe mir heute in dem Shop in Gammelstad mal eine Wettervorhersage geben lassen, der nette Verkäufer hatte einen Computer und er schaute im Internet nach einem Achttage-Forecast für Vadsö. DieAussichten waren nicht schlecht, die Temperaturen sollen am Tage bei 11° C. liegen und während der Nacht teils bis auf 3° runter gehen, dafür gibt es aber im gesamten Bereich keinen Niederschlag.

               Nun stehen wir auf einem zur Hälfte überfluteten Platz durch den Törne Älven, die tief stehende Sonne gibt der Landschaft auf der anderen Seite des „großen Flusses“ eine „warme aber betonte Färbung“, der Fluß glitzert silbrig. Das Hellblau der frisch gestrichenen großen Brücke über den Törne in ca. 500 m Entfernung leuchtet grell und die oberen Pfeiler blinken mittlerweile für die Nacht, obwohl es hier ja nicht mehr dunkel wird. Die Strompreise scheinen hier aber in diesen Ländern durchaus akzeptabel zu sein, denn auch an den Häusern geht gegen 17:00 eine Beleuchtung an, das fiel uns häufig auf. Man hat das wohl von der dunklen Jahreszeit beibehalten.

    Wir freuen uns auf morgen. Wenn wir Wechselstrom hätten, dann würde ich jetzt die Figur, die einen senkrecht stehenden Menschen darstellen soll, die Arme in die Höhe gestreckt, auf den Beleuchtungsuntersatz stellen um zu verkünden: „Zest for life“, „wir sagen `ja` zum Leben“, „wir haben Lust am Leben“.

     

     

    02.06.12

    Wolken uns Sonne, wir hatten uns daran gewöhnt, es war nicht einmal so kalt, wie an den anderen Tagen, oder schien es nur so, hatten wir uns schon an die niedrigen Temperaturen gewöhnt? Ich weiß es nicht. Wir waren um kurz nach 11:00 unterwegs und nach einem guten Kilometer waren wir in Finnland, es war 12:01. Da wir das letzte Mal beim Einkaufen ein etwas süßliches Brot in Schweden gekauft hatten parkten wir und kauften im City-Center in Tornio ein wenig ein. Z. B. kauften wir ein weiteres Brot und eine 5-Literflasche mit stillem Wasser. Wir waren überrascht über die Preise, denn sie lagen nicht über denen in Deutschland.

                Nach knapp 16 Kilometern, „Riva“ hatte uns unbeirrt auf finnischer Seite rechts vom großen Fluß auf die „21“ bzw. auf die E8 gebracht, bogen wir noch einmal links ab und waren überrascht über die Strömung dieses Flusses. Christel allerdings gab sich noch nicht zufrieden. Sie hatte von noch enormeren Stromschnellen gelesen und aus diesem Grund fuhren wir weitere 700 m, wo wir wieder auf einen Parkplatz trafen. Sie hatte Recht gehabt, hier brauste der Fluß so heftig, dass wir uns gleich wieder mit Kamera und Camcorder bewaffneten und eine Aufnahme nach der anderen machten. Gut konnte man auf die schwedische Seite hinüber schauen. Es war ein begeisterungswürdiges Bild. Lange hielten wir uns hierauf.

    Dann ging es weiter auf guter Straße. Die Wälder hatten sich total verändert. Wir trafen auf überwiegend Birkenwälder, die gar allerliebst ausschauten. Die weiß/schwarzen Stämme und Zweige, dazu das helle Grün der kleinen Blätter, auch hier kamen wir nicht umhin Aufnahmen zu machen.

    So schleppten wir uns weiter und weiter. Ca. 20 Km vor dem Arctic Circle tranken wir unseren Cappuccino und zwar an einer Stelle, wo man den Fluß beinahe gar nicht hätte sehen können. Allerdings war er so weit über seine Ufer hinweg getreten, dass das Wasser noch bis hier an die Straße stand. Wir kamen uns vor wie auf einer Insel, denn auch auf der rechten Seite waren die Felder und Wiesen voller Wasser. Wir konnten uns nicht erklären woher es kam.

    Dann, es war kur vor 15:00, finnische Zeit 16:00, sahen wir das Schild „10 Km bis zum Polarkreis“. Mein Herz schlug höher, wieder einmal sollte ich den Polarkreis übertreten auf dem Wege nach Norden. Ich konnte es kaum erwarten. Wie würde diese Stelle hier ausschauen? Dann wusste ich es. Wir waren am Polarkreis angekommen. Es ging doch auch dieses Mal wahnsinnig schnell, wenn ich auch zunächst gedacht hatte, saß wir dieses Mal wohl überhaupt nicht zum Circle kommen. Ein hohes blaues Gebilde wies uns auf die Situation hin. Rechts lud ein großer Parkplatz zum Bleiben und Verweilen ein. Parallel zur Straße stand ein einstöckiges rotes Gebäude. Das von mir als erkannte Polar-Center entpuppte sich dann allerdings bloß als ein großer Souvenirshop. Wir schauten uns die Auslagen an, es war sehr vieles sehr teuer. Eine Art Cafè war angegliedert. Im Raum stand allerdings nur eine Dame hinter der Theke und eine kleinere ältere Dame stand davor, sie unterhielten sich angeregt.

    Es dauerte wohl ca. 20 Minuten bis wir alles gesehen hatten. Wir näherten uns den beiden Damen, da wir eine Kleinigkeit gekauft hatten, als mich die kleiner, ältere Dame ansprach, woher wir denn kämen. Ich hatte mir angewohnt immer die Englische Sprache zu verwenden, denn damit kam man hier weiter als mit der deutschen Sprache. Munich verstand sie nicht auf Anhieb und ich ergänzte in Deutsch noch einmal „München“. In diesem Moment hellte sich ihr Gesicht auf und sie sagte in deutscher Sprache, dass sie München kenne. Später erfuhren wir dann, dass sie in Bad Tölz vor vielen Jahren auf dem Lande gearbeitet hatte. Sie machte einen nervösen Eindruck, denn sie zog ihre Handschuhe häufiger an und auch gleich wieder aus. Man merkte, dass sie erfreut war mal wieder die Deutsche Sprache benutzen zu können. Ich machte drei Anläufe zu gehen und resignierte dann um die Chance einfach zu ergreifen. Wir wanderten während der Unterhaltung immer ein Stück weiter in Richtung Ausgang. Als wir dann gehen wollten und ihr „Alles Gute“ wünschten griff sie in eine Schachtel in der Schlüsselanhänger in Form von abgesägten Stangen von Rentieren lagen mit einem Ring versehen. Sie gab mir zwei dieser Schlüsselanhänger und mit der Frage, ob ich je so einen gehabt hätte, gab sie mir zwei davon und erwähnte, dass sie Glück brächten. Ich war ein wenig gerührt und beschämt, da ich doch schon einige Versuche unternommen hatte zu gehen. Also bedankte ich mich überschwänglich, sie brachte noch heraus dass sie sich gefreut hätte uns zu treffen und dass wir ihr zugehört hätten, dann waren wir durch die Tür verschwunden.

    Neben unserem Wohnmobil stand mittlerweile ein zweites. Auch hier kam es noch zu einem kleinen Schwätzchen, dann machten wir es uns innen gemütlich.

    Mittlerweile ist es 22:30 und wir werden gleich zu Bett gehen, denn nach finnischer Zeit ist es eine halbe Stunde vor Mitternacht. Es hat zu regnen begonnen und wir hoffen auf den morgigen Tag. Heute jedenfalls übernachten wir am Polarkreis, ich hoffe ich kann schlafen.

     

     

    03.06. Ein Sonntag.

    So sonntäglich fängt der Tag aber gar nicht an. Noch auf der Bettkante sitzend, es ist 09:00 und ich habe mir noch gar nicht vergegenwärtigt, wo wir uns befinden, beginnt Christel eine Diskussion über die verschiedenen Uhrzeiten. Es ist 10:00 in Finnland, ich habe die Deutsch/Schwedische-Zeit beibehalten. Soll ich wegen ein paar Tagen meinen Körper wieder umstellen? Das wäre übrigens auch gar nicht möglich. Ich sage also, dass ich wie 08:00 Uhr empfinde, denn das wäre die korrekte Zeit ohne diese unsägliche Umstellung. Der Widerspruch dauerte nur Augenblicke. Dann wurde mir an diesem Sonntag noch vorgeworfen, dass ich zunächst auf die Uhr schaute um dann festzustellen, dass ich noch müde sei. Das wies ich dann doch vehement von mir. Ich konnte auf meiner Armbanduhr übrigens noch gar nicht feststellen, wie spät es war.

    Wir frühstückten und dann ging ich noch einmal kurz in den Souvenirshop. Ich habe es an diesem Morgen nicht mehr so richtig wahrgenommen, dass ich am Polarkreis stehe, der Alltag hatte mich eingeholt und diese blöde Zeitumstellung hatte mal wieder eine sinnlose Diskussion ergeben.

    Wir stellten die Ortschaft Pello ein auf unserem Navigationsgerät „Riva“ und fuhren weiter auf mehr oder weniger normaler Straße rechts und links begrenzt von Birkenwäldchen. Hin und wieder tauchte ein Haus auf oder eine Ortschaft, die aber als solche sehr selten zu erkennen war, denn die Häuser lagen alle sehr weit auseinander. Das machte auch Schwierigkeiten bei den Navigationsgeräten, wenn man nämlich „Stadtmittelpunkt“ eingab, dann wurde man oft auf einen Nebenweg oder in den Wald geschickt. Einmal hielten wir noch an dem großen Fluß an und machten einige Aufnahmen. Wir standen etwas erhöht und wohin man blickte, nur Wald und der große Fluß.

    In Pello suchten wir den „S-Supermarkt“ auf und kauften noch einiges ein. Dann ging es weiter auf der „21“ oder E8 gen Norden. Unser heutiges Ziel sollte Kolari sein, denn kurz hinter diesem Ort würden wir dann rechts abbiegen nach Kittilä. Wir hatten ein „I“ auf unserem Atlas als Touristinformation angesehen, aber es handelte sich lediglich um eine Infotafel. Immerhin kamen wir dadurch noch einmal in Kolari an die ehemalige politische Grenze. Auf der Infotafel fanden wir aber am Ortsrand, immer noch am großen Fluß, eine Badeplatz. Wir notierten uns die Straße und gaben sie bei „Riva“ ein, den Rest merkten wir uns und dann waren wir in ca. 15 Minuten an einem herrlichen Badeplatz mit überdachter Grillstelle und mehreren kleinen roten Häuschen, u. a. handelte es sich um zwei Umkleidehäuschen jeweils getrennt für Männlein und Weiblein und um ein Häuschen zur Hälfte gefüllt mit klein gehacktem Holz für die Feuerstelle und um eine dieser nicht sehr einladenden Toiletten. Wir hatten ja unsere eigene. Zum Cappuccino saßen wir draußen auf unseren Stühlen und blieben dort mit Blick auf den Fluß bis zum Abend sitzen.

    Im Bad bei uns ergab sich eine z. Zt. nicht zu lösende Situation, wenn man Wasser laufen ließ durch den Brausekopf von der Dusche, dann hörte man es tropfen und nach wenigen Minuten Wasserlauf  kam ein Rinnsal langsam aber stetig unter der Verkleidung her. So wussten wir nicht, wohin vielleicht sonst noch Wasser läuft und deswegen beschlossen wir zunächst den Dusch-Brausekopf nicht mehr zu benutzen. Nun wollte Christel ihr Haare waschen und da griffen wir zu einer etwas vorsintflutlichen aber funktionierenden Methode. Sie erhitzte Wasser im Kessel und füllte es in eine Gießkanne um es dann mit kaltem Wasser so weit aufzufüllen, dass es gerade gut war um sich die Haare waschen zu können. Sie stellte sich unter das Badfenster und ich goß durchs Fenster Wasser aus der Gießkanne auf ihre Haare. Nach kurzer Zeit waren die Haare gewaschen und sie war wieder glücklich.

    Ich bin ja nur froh, dass sie das alles so mitmacht, ich halte es nämlich für keine Selbstverständlichkeit denn ich kenne Frauen, die das nicht mitmachen würden.

                 Nun ist es 19:20 politischer Zeit in Schweden und Deutschland. Wir sitzen drinnen und erledigen unser Abendpensum. Die Sonne steht hoch am Himmel und die silbrig erscheinende Masse den „großen Flusses“ wälzt sich träge dahin. Man könnte immer noch eher an einen See denken als an einen Fluß, so groß und weiträumig ist die Wasseroberfläche.

    Morgen geht es weiter nach Kittilä und vielleicht darüber hinaus. Wir haben noch 357 Kilometer bis zum Inari-See.

                  Es gäbe noch etwas zu sagen zu den Finnen, die wir hier und da mal mit den Schweden verglichen haben. Sie wohnen sehr dicht beieinander aber sie sind im Grunde sehr unterschiedlich. Der Schwede ist aufgeschlossen und kommt auf einen zu, der Finne ist verschlossen und macht seinen Mund offensichtlich nur auf, wenn es sein muß. Wir stellten das in den wenigen Stunden, in denen wir in Finnland reisten, immer wieder fest.

    Auch heute am Nachmittag. Wir saßen ca. 10 Meter vom Ufer entfernt. Ab und an kam jemand vorbei, sie sagten nichts, sie schauten nicht einmal zu uns rüber und wenn, dann mit einem nichtssagenden Gesichtsausdruck. Unterwegs, wenn wir mal anhielten, entdeckten wir nicht nur einmal sehr viel Unrat auf den Parkplätzen. Die Toilettentüren, wenn überhaupt Toiletten vorhanden waren, ließ man besser geschlossen. In Schweden war mindestens jeder 2. oder 3. Parkplatz mit kompletten Sanitäreinrichtungen ausstaffiert, hier in Finnland bislang nicht einer, die Toiletten auf schwedischer Seite wurden jeden Tag geputzt, mit Fettstift wurde auf einer Tafel Datum und Uhrzeit eingetragen und die Eintragungen waren immer lückenlos.

    Das waren einfach Feststellungen, die ich dem Leser ohne jeden Hauch von Kritik mitteilen möchte.

     

    04.06.12

    Wir stehen in einem Naturschutzgebiet ca. 70 Km vor Inari. Die Sonne scheint grell und unerbittlich ins Wohnzimmerfenster, sie zeigt keine Spur von „Röte“. Es ist 10 Minuten nach 22:00 politischer Zeit in Deutschland, hier ist es schon eine Stunde später.

    Es war ein erlebnisreicher Tag. Wir verließen unseren Bade-Übernachtungsplatz gegen 11:00 und fuhren zunächst zur Tankstelle. Wenn ich gestern bei einem Preis von 1,51 € nicht getankt hatte, so hätte ich das tun sollen, denn hier wurde der Treibstoff am Montag nicht günstiger sondern teurer. Ich zahlte für den Liter nun 1,53 €. Als wir Finnland betraten hätte ich den Liter für 1,47 € bekommen, mein Pokerspiel, dass es vielleicht tiefer im Lande günstiger würde hatte sich genau so wenig bewahrheitet. Nun gut, jetzt mussten wir dadurch.

    Wir fuhren wenige Kilometer auf der „21“ nach Norden und bogen dann auf die „939“ nach Nord-Osten ab nach Kittilä. Weiter ging es auf der „79“ bis Sirkka und dann fuhren wir auf die „955“ über Köngäs und Korpela etc. Diese kleinen Orte, selbst die, die noch auf unserer Karte versehen waren, waren in der Natur kaum zu erkennen. Wir stießen hin und wieder auf ein Haus, andere konnte man nur schwer durch die Bäume erkennen. Wir fuhren nun sehr langsam und kamen in den nächsten Stunden auf einen Schnitt von 22 Km/h. Die Strecke bestand aus festgefahrenem Lehm mit den entsprechend wenig kleinen und vielen größeren Schlaglöchern. Die wenigen Autos, die uns überholten hatten diese Strecke wohl mit einer Bundesstraße erster Güte verwechseln. Ich jedenfalls hatte das Gefühlt, wenn sie uns überholten, dass ich stand. Ich stand auch beinahe jedes Mal, denn die Straße war nicht nur holprig sondern auch schmal. So zuckelten wir dahin, leider hatte ich auch bei dieser Geschwindigkeit kaum die Möglichkeit nach rechts oder links zu schauen, denn es war eine anstrengende Fahrerei und ich entschuldigte mich bei unserem Auto viele Male. Als wir nach ca. 60 Km Pokka erreichten fiel mir ein Stein vom Herzen, denn wir bekamen wieder Asphalt unter die Räder, das war zwar immer noch nicht das „Gelbe vom Ei“, aber immerhin wir konnten auch mal in den 3. bzw. sogar in den 4. Gang schalten und die Anspannung war weg, und das war schon viel Wert. Wir fuhren noch einige Kilometer in dieser landschaftlich doch interessanten Gegend. Rechts und links wurde die Straße flankiert von dünnen und nicht sehr hohen Birkenbäumchen oder von einer bis zum Horizont überschaubaren Fläche, die nur mit Sträuchern bewachsen war. Hohe Bretterzäune, sie hatten wohl mal als Schneeauffangzäune gedient, waren zum größten Teil zerbrochen oder einfach umgekippt.

    Dann fanden wir linker Hand einen schönen Platz mitten in dieser nahezu unberührten Natur, wo wir unser Nachtlager bereit waren aufzuschlagen. Der Wind blies heftig, aber die Sonne meinte es doch sehr gut. Da der Wind wieder einmal recht kalt war zogen wir es vor nach einer kurzen Besichtigung der Umgebung im Wagen zu bleiben, außerdem war der Drang nach dem Abendessen sehr groß. Ich freute mich, denn es gab eine Brotzeit und es wurde nicht noch stundenlang gebrutzelt.

    Nun geht der Tag langsam zu Ende. Die Finnen haben es immerhin schon wieder eine halbe Stunde vor Mitternacht. Ich halte es ausnahmsweise mal mit der politischen Zeit und habe somit noch 1 ½ Stunden bis Mitternacht. Die Sonne steht aber immer noch über den Baumwipfeln und wenn sie später verschwindet, dann bleibt sie bestimmt nicht lange weg, das ist auch gut, dann kann sie unsere Batterie wieder laden.

    Morgen werden wir Inari erreichen und da haben wir schon wieder einiges geplant.

     

     

     

     

    05.06.

    Dieser Platz an der „955“, von hier aus kann man übrigens zu Fuß 6 Km durch Wald und Steppe, teils über Stege, in ein Gebiet gelangen, in dem die Rentiere zusammengetrieben werden und dann gezählt und auch aussortiert werden. Wir haben diesen Marsch nicht gemacht. Die Straße ist kaum befahren und daher war es auch sehr ruhig während der Nacht.

    Wir frühstückten genüsslich und dann machten wir uns auf den Weg der letzten 70 Km bis Inari. Die Landschaft blieb so, wie wir sie auch gestern erlebt hatten, Seen, niedriger Wald, die Birkenstämme waren nicht sehr viel dicker als der Arm eines erwachsenen Mannes. Die Straße blieb gut und ca. 20 Km vor Inari trafen wir wieder mal auf einen Fluß, der aber nicht unbedingt breit und auch nicht tief zu sein schien.

    Dann, 15 Km vor Inari sahen wir plötzlich ein Schild, welches auf eine Rentierfarm hinwies. Wieder bogen wir ab, obwohl wir eigentlich mit diesen Schotterstraßen abgeschlossen hatten. Gott sei Dank waren wir schon nach einem Kilometer auf der Farm angekommen. Es gab sogar ein Parkschild. Wir hatten den Motor noch nicht abgestellt, als ein junger Mann, bei seinen roten Haaren hätte man ihn eher nach Irland gebracht als hier auf eine Rentierfarm, an unseren Wagen klopfte. Er fragte natürlich gleich in Englischer Sprache, ob er uns helfen könne. Ich verwies auf das Schild an der Straße und sagte ihm, dass wir uns gerne die Farm und die Rentiere angesehen hätten. Er sagte spontan, dass die Farm geschlossen sei, er meinte wohl, dass man sie heute nicht besuchen könne. Damit verwies er auf den morgigen Tag und sagte, dass er dann eine Gruppe Besucher habe und zwar, man bedenke, um 08:30 finnischer Zeit und wir könnten dann auch noch dazu kommen. Ich schloß dieses nicht aus, aber in Gedanken hatte ich schon ausgerechnet zu welch unzivilisierter Zeit das wohl sei. Er erwähnte dann zusätzlich noch ganz schnell, dass aber das Craft-Geschäft geöffnet sei. Nun gut, diese handwerklichen Sachen wollten wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Er hatte wirklich tolle Sachen in einer kleinen Hütte. U. a. gefielen uns diese ovalen reich verzierten Trommeln auf der Oberfläche. Die Sami stehen ja auch während der Zeit ihres irdischen Daseins schon mit der anderen Welt in Verbindung, wie immer sie das anstellen. Auf alle Fälle trommeln sie mit diesen Geräten und stellen somit eine Verbindung zum Schamam, einer Gottheit her. Christel kaufte eine wunderschönes Handtuch, nein, Deckchen für unseren Tisch im Wohnmobil, es ist so eine Art Läufer und sie kaufte für uns als Souvenir eine zu Zweidritteln ausgehöhlte Stange eines Rentieres, in das man Zahnstocher stecken kann. Wir wechselten noch einige Worte mit dem Rentierzüchter bevor wir wieder unsere Fahrt fortsetzten.

    Nach ca. 15 Minuten erreichten wir Inari, von einer Seite, von der wir noch nie gekommen waren. Wir machten uns kundig und kauften noch ein Brot. Das Inari Sami Museum verbunden mit dem Nordlappland-Natur-Centrum fanden wir auf Anhieb. Die Stelle, an der wir früher Wasser getankt haben, war versiegt; man hatte den Hahn abgeschraubt, wahrscheinlich aus gegebener Veranlassung. Es war noch früher Nachmittag und somit entschlossen wir uns den ca. 2 Km entfernt liegenden Campingplatz direkt am See aufzusuchen und uns einen schönen Nachmittag zu machen.

    Wir zahlten 23 € incl. Strom und Sanitäranlagen, auch die Sauna hätten wir mieten können, darauf verzichteten wir allerdings. Wir bummelten noch einmal kurz über den Platz, der zu diesem Zeitpunkt nicht einmal zu einem Drittel belegt war; am Abend allerdings war er beinahe voll. Der Nachmittag und auch der Abend verliefen gemütlich. Erst gegen 22:30 gingen wir zu Bett, die Sonne stand immer noch hoch am Himmel und machte keine Anstalten unterhalb des Horizontes zu verschwinden. Vom 22.05. bis 22.07. ist hier die Mitternachtssonne zu sehen. Ich war eigentlich auch noch gar nicht müde, aber morgen folgte ein neuer Tag und wir wollten weiter gen Norden. Für die nächsten Wochen geht für uns die Sonne nicht mehr unter, ein schönes Gefühl, wir freuten uns.

    Der Inarisee ist übrigens Finnlands drittgrößter See, wenigen allerdings ist bekannt, dass sich hinter diesem Namen eine der faszinierendsten Landschaften Lapplands verbirgt. Der See hat unzählig viele Buchten und, er ist doppelt so groß wie der Bodensee. Er hat an die 3000 Inseln. Ein beliebter Ausflugsort ist die Insel Ukonselkä. Dieses und mehr erfuhren wir auch im Freilichtmuseum und im Kulturzentrum Siida.

     

    06.06.12

    Die Sonne war immer noch da, als ich die Tür knallen hörte. Christel kam vom Duschen. Ich versuchte wach zu werden, was mir nach einiger Zeit dann auch gelang. Die Sanitäranlagen waren nicht weit von uns entfernt, es war 08:30 politischer Zeit in Deutschland oder auch in Schweden. Manche glauben ja, dass man um diese Zeit aufstehen kann, ich tat es ja auch. Die Sanitäranlagen waren großartig beheizt, allerdings, als ich mit einem Bademantel bekleidet die Tür nach außen öffnete stellte ich sofort fest, an welchen Stellen des Körpers der Mantel nicht genügend abdeckte. Ich legte den Rückweg schneller zurück als den Hinweg. Nach dem Frühstück gaben wir die erhaltene Nummer zurück, wir versorgten uns mit Fischwasser und dann ging es weiter in Richtung Norden. Nach 3 Kilometern legten wir eine ca. zweistündige Pause ein, denn wir hatten das erwähnte Museum erreicht und das wollten wir uns nun doch nicht entgehen lassen, denn es hatte auch ein riesiges Außengelände mit wieder errichteten Hütten, Zelten und Häusern aus der damaligen Zeit, als die Sami noch nicht unbedingt komplett sesshaft waren. Die historischen Häuser des Museums wurden übrigens in ganz Finnisch-Lappland zusammengetragen.

                     Gegen 12:00 finnischer Zeit setzten wir unsere Reise fort auf der „4“ über Palomaa, Leppälä, Utsjoki bis ca. 15 Kilometer vor Nuorgam. Wir fanden eine großartige Stelle zum Übernachten am Fluß Teno.

    Die Gegend änderte sich auf dieser Strecke sehr häufig und auffällig. Zunächst blieben die dünnen Birkenbäume, die allerdings nicht mehr ganze Wälder bildeten, sondern diese Art des Waldes wurde lichter, große nahezu kahle Flächen mit lediglich Buschbewuchs traten immer wieder auf. In dieser Tundra ist es allerdings oftmals nicht ratsam zu wandern, denn der Boden ist häufig total durchgeweicht und es bilden sich Moorlandschaften, die auf Anhieb nicht zu erkennen sind.

                       Ortschaften, die auf der Karte verzeichnet sind, erkennt man gar nicht. Hin und wieder taucht ein Haus oder ein Häuschen mit einem Schuppen auf, Schneemobile lagen dort, wo der Schnee unter ihnen weggeschmolzen war. An beinahe jedem Haus fand man eine Gerümpelecke, hier standen u. U. Autos, die schon seit Jahren keine Straße mehr gesehen haben oder ein Traktor, der immer kleiner wird, selbst der Rost kann ihn nicht mehr zusammen halten. Ich wüsste allerdings auch nicht, wo die Menschen mit diesen Teilen hinsollten. Es tauchten viele Fragen auf, auf die wir keine Antwort fanden, jedenfalls im Moment nicht: Wovon leben die Menschen hier? Was essen sie und wie regeln sie ihren Nachschub? Man kann nicht jeden Tag Rentier essen! Gemüse wird nicht angebaut, wo holen sie es her. Sie können aber auch nicht ein oder zwei Mal in der Woche einkaufen, dafür ist die Stadt, in der das möglich ist, viel zu weit entfernt. Christel stellte die Frage in den Raum als Kommentar: „Sie müssen sich doch auch mal neu einkleiden!“ Ich denke allerdings, dass das ihre geringste Sorge ist, denn gute Ware hält sich ja nun einmal bekanntlich lange.

    In dieser Richtung mussten allerdings auch wir umplanen. Man kann hier nicht einfach an eine Tankstelle fahren, wenn der Tank zu 2/3 leer ist. Hier muß man vorher schon wieder tanken um sicher die nächste Tankstelle zu erreichen. Übrigens, der Dieselpreis ist von 1,47 € auf 1,65 € gestiegen, nach Norden hin wurde er im selben Land immer teurer.

    Schon vor Utsjoki begannen rechts und links von uns Hügel, die mit der Zeit immer höher wurden. Wir fuhren teilweise durch Schluchten, von den Bergen, ich nenne sie mal so, strömten immer häufiger kleine Bäche, die in den großen Fluß rannen. Am Horizont bildeten sich regelrecht Bergkuppen und man konnte immer wieder Schneeflecken entdecken. Nach Utsjoki dann traten derartige Schneeflecken sogar bis an die Straße heran. Hier konnte man schon ein wenig die Rauheit von Norwegen erkennen. Der blaue Himmel war verschwunden und die Wolken hatten die Oberhand gewonnen. Es war hier um 15:00 dunkler als gestern um Mitternacht am Inarisee.

    Utsjoki ist eine kleine unscheinbare Stadt, die ich eher als Ortschaft bezeichnen möchte. Wenige Häuser standen großräumig verteilt in der kargen Landschaft. Gärten gibt es schon lange nicht mehr, wo das Haus endet beginnen Wiesen. Kleine, bunte Vorgärten haben wir schon lange nicht mehr gesehen und herausragende schöne Häuser sind eher selten.

    Utsjoki ist die nördlichste Gemeinde Finnlands und sie ist die einzige des Landes, in der die Samen in der Überzahl sind. Der Ort ist ebenso eintönig wie die in umgebende Tundra. Soweit man blicken kann sind nur Moos und Zwergsträucher zu sehen. Der Fluß Teno dagegen, der die Grenze zur norwegischen Region Finnmark bildet, ist mit seinen Uferwäldern, Schluchten und Stromschnellen eine Naturattraktion. Seine mächtigste Stromschnelle ist 5 Km lang, weiß der ADAC zu berichten.

     

    Wir haben jetzt eine Position erreicht, die ungefähr 15 Km südlich von Nuorgam liegt, wir stehen am Teno und schmökern oder denken über den vergangenen Tag nach. Morgen um diese Zeit werden wir in Norwegen sein. Unser nächstes „Ziel“ wird Hamningberg sein an der Nordostküste, das Gebiet nennen die Norweger „Varangerhalvoya“. Vielleicht werden wir uns noch einmal nach Finnland zurück sehnen, wenn wir nämlich in Norwegen tanken, aber wir verlassen Finnland ja auch nur vorübergehen; wir kehren zurück, wenn alles gut geht.

     

     

    07.06.

    Es regnete leicht, aber die Straßen waren noch nicht zusammenhängend naß, als wir starteten. Der Nachbar neben uns aus dem Wohnwagen brachte gerade seinen Müll weg. Er war einer der Fischer, die im Teno angelten.

    Wir waren vielleicht 5 Minuten unterwegs als wir rechts in den Felsen einen kleinen Wasserfall zu Gesicht bekamen. Rechts und links lagen noch dicke Schneeplatten, sie grenzten den Wasserfall ein. Links von uns in einiger Entfernung floß träge der Teno dahin.

    Die 15 Kilometer waren schnell gefahren, Nuorgam bestand aus einigen wenigen Häusern und drei Tankstellen. Wir fuhren die teuerste an und hätten 1,70 € bezahlt, wenn wir dort getankt hätten. In ca. 500 m Entfernung entdeckte ich aber noch eine und dort tankten wir für 1,639, immerhin. In einem neuen, sehr großen Supermarkt kauften wir noch einige Lebensmittel sowie Getränke, außerdem kamen wir an der Fleischtheke nicht vorbei, man bot wieder einmal Rippchen gegrillt an. Wir kauften gleich 800 g für 7,29 € und hatten damit für morgen auch noch genug.

    Dann ging es los, die Grenze hätten wir beinahe nicht erkannt, sie war aber auch nicht zu vergleichen mit anderen Grenzstellen. Die Straße wurde abrupt schlechter, als wir in Norwegen waren, die Gegend änderte sich zunächst nicht, der Regen nahm hin und wieder zu, die dunklen Wolken gingen in Berge über und alles war grau und unfreundlich, aber auch das kannten wir ja vom Norden. Wir wussten aber auch, dass sich das schnell ändern könnte.

    Die E75 trug uns schnell nach Norden. Ca. 40 Km vor Vaso hielten wir auf einem sehr schönen Parkplatz an, wir hatten mittlerweile den Varangerfjord erreicht und waren somit schon an der Barentssee. In den letzten Tagen legten wir viel Kilometer zurück und ich wunderte mich, als ich auf die Karte schaute, wo wir schon waren. Daß wir heute Vadso erreichen würden, das war mir noch nicht klar.

                 Nach dem Cappuccino ging es weiter zunächst gen Westen, als wir plötzlich in dem Schein der Sonnenstrahlen, sie hatte sich kurz einmal zwischen den Wolken hindurchgemogelt, eine kleine weiße Kirche rechts im Mittelgrund sahen. Wir entschlossen uns diese Kirche aufzusuchen. Wir verließen die E75 nach rechts und fuhren an einem kleinen Hafen vorbei und waren nach wenigen Minuten auf einem großen, ebenen Parkplatz auf dem schon 2 Wohnmobile standen und mehrere Menschen mit riesigen Fernrohren schauten aufs Meer hinaus. Dieser Anblick war uns nun schon zur Gewohnheit geworden, sie beobachteten oder versuchten Vögel zu beobachten. Mir gefiel es hier, links von uns in einer Entfernung von ca. 100 m die weiße alte Kirche mit einem weißen Lattenzaun eingefriedet, vor uns der Varangerfjord und die Außentemperatur von 8 Grad Celsius. Christel war einverstanden und somit hatten wir schon gegen 14:00 unseren Übernachtungsplatz. Die ersten knapp 100 m waren einsehbar, denn das Wasser war zurück gegangen und hatte Schlick und dicke Steine sichtbar werden  lassen. Jetzt um beinahe 19:00 kann man von den Steinen nichts mehr sehen, der Wasserspiegel ist drastisch angestiegen. Die Temperatur mit 7 Grad Celsius ist beinahe konstant. Wir haben eben beschlossen, wenn das Wetter morgen gut sein sollte, dass wir dann bis Hamningberg durchfahren um eine gute Sicht zu haben. Wir wissen, wie schnell es hier im Norden nebelig werden kann und dann ist es mit der guten Sicht vorbei. Andernfalls werden wir in Vadso anhalten, denn

    wir sind heute am Nachmittag auf diese große Halbinsel Varanger gefahren und die kleine Ortschaft Vadso  liegt auf dieser Halbinsel. Im 18. und 19. Jh. sollen viele Schweden und Finnen auf diese Insel gekommen sein und sich als Fischer, Bauern oder Grubenarbeiter niedergelassen haben. Für mich aber ist noch interessanter die Dokumentation über Luftschiffe. Von Vadso aus waren nämlich Umberto Nobile und Roald Amundsen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu mehreren Nordpol-Expeditionen mit ihren Luftschiffen „Italia“ und „Norwegen“ gestartet. Der Mast, an dem die Fluggeräte befestigt wurden, kann man noch heute besichtigen und das möchte ich ein zweites Mal tun, denn beim ersten Besuch, vor Jahren, hat es stark geregnet und es war zudem auch noch nebelig.

    Wir haben vorhin unsere Heizung „angesteckt“ und werden jetzt den Abend wie üblich genießen.

    Inzwischen ist die Bucht vor dem Parkplatz wieder voll Wasser. Ein Finne, Bewohner eines Wohnmobils, kommt gerade mit 3 Fischen und einer Angel vom Ufer zurück, einer ist so groß wie eine Forelle und die beiden anderen sind etwas kleiner geraten, immerhin.

     

    08.06.

    Ein weiterer Tag ist angebrochen und wir setzen unsere Reise fort. Ich mache noch eine Aufnahme von der weißen Kirche, die allerdings nur aus größerer Entfernung weiß ausschaut, näher betrachtet, wirkt sie schon etwas mitgenommen.

    Weiter geht es auf der E75 über Vadso, wo wir den Varangerfjord verließen und an der Barentssee entlang fuhren. Zunächst bogen wir rechts ab und fuhren über die Brücke, die den einen mit dem anderen Teil der Stadt verbindet. An einem Hotel hielten wir an, Christel blieb im Auto und ich ging die 800 m über weichen Wiesenboden zu dem Masten an dem damals, ich berichtete darüber, die Fluggeräte befestigt wurden. Ich stand lange da und dachte an die damalige Zeit, der Wind pfiff, ich hatte Handschuhe angezogen, die Temperatur lag bei 7 ° C. Was haben die Männer damals empfunden, als sie diese Exkursionen unternahmen!

             Ich riß mich los und ging zum Wagen zurück, Christel hatte sich aufs Bett gelegt und durch meine Rückkehr wurde sie nun aus der Ruhe gerissen. Auf der Weiterfahrt schauten wir uns nach einer Bank um, aber auch eine Bank oder einen Automaten zu finden, das war nicht so einfach. Ein paar Kilometer weiter entdeckten wir oberhalb der Straße einen Tower, was auf einen Flugplatz schließen ließ, dann sahen wir auch schon das Schild „Flygplats“, aber auch hier war keine Bank zu finden. Eine uniformierte Dame und ihr Kollege kamen sofort auf mich zu, man merkte ihnen an, dass sie förmlich auf jemanden warteten, denn heute war wohl noch kein Flugzeug gelandet und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass das jeden Tag der Fall sein würde. Sie verwiesen mich in den nächsten größeren Ort.

    Die Fahrt ging weiter über Ekkeroy, den Vogelfelsen sparten wir uns für die Rückfahrt auf. Wir kamen an Kiberg vorbei und sahen die Stelle von der Straße aus, wo wir schon einmal übernachtet hatten, das ist aber schon Jahre her. Nach einiger Zeit tauchte dann Vardo im Dunst auf, die Stadt war gut zu erkennen an den runden Gebilden, unter denen sich wohl Radarantennen befinden konnte. Zunächst fuhren wir auf den Parkplatz und machten einige Aufnahmen von dieser Stadt, die wir auch schon vor Jahren besucht hatten.

    Am 21. Januar erscheint hier nach den langen Polarnächten die Sonne wieder und traditionsgemäß feuert man an diesem Tag eine der historischen Kanonen ab und die Kinder bekommen schulfrei. Vardo ist die nördlichste Fenstungsstadt der Welt, weiß der ADAC zu berichten und es ist auch zugleich die einzige Norwegens, die in der arktischen Klimazone liegt. Das können wir am selben Tag noch bestätigen, denn die Temperaturen steigen nicht über 7 ° C. sie sinken eher noch weiter nach unten. Vardo liegt auch an der Barentssee und ist der östlichste Punkt des Landes auf einer Insel, die durch den knapp 3 km langen Eismeertunnel erreicht werden kann.

    Die Geschichte schreibt, dass hier im 16. und 17. Jh. die schlimmsten Hexenverfogungen Norwegens stattgefunden haben sollen. Im Museum wird belegt, dass in den Jahren von 1621 bis 1692 nicht weniger als 90 Frauen öffentlich verbrannt wurden, weil sie sich angeblich auf ein Rendezvous mit dem Teufel eingelassen haben. Da stellt sich dann doch die Frage, ob es nicht jemanden anders gab mit dem sie sich hätten einlassen können.

     

    Es schauerte mal wieder, als wir hier im Angesicht der Stadt unseren Cappuccino tranken. Wir verzichteten darauf noch einmal durch den Tunnel zu fahren und bogen wenige hundert Meter vorher links ab. Nun konnte das Abenteuer beginnen! Wir kamen auf eine schmale Straße, wenige Kilometer später sagte uns ein Schild, dass die Breite der Straße auf max. 3 m schrumpft. Sie war aber noch geteert und die Anspannung wuchs mit jedem Kilometer, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie die restlichen 30 km so bleiben sollte. Vorweg genommen: sie blieb geteert und befestigt. Wie aus heiterem Himmel tauchten dann plötzlich die hohen Felsen auf. Es waren keine glatten oder gar runden Felsblöcke, sondern es waren hohe schmale fast senkrecht stehende Felsen, die nach oben hin spitz zuliefen. Sie waren teilweise dünn und sahen sogar scharfkantig aus. Hin und wieder fuhr man, wie durch einen Tunnel, nur dass er oben offen war, zwischen diesen senkrecht stehenden Felsen durch. Hier und da tauchte mal ein Hausdach auf, man hatte es direkt zwischen die Felsen gebaut. Wir kamen nur sehr langsam voran, denn immer wieder hielten wir an, wo eben es machbar war, um zu fotografieren. Die Gegend sah bedrohlich aber auch wieder recht interessant auf. Hin und wieder fuhren wir direkt in Höhe der schäumenden Barentssee und dann wieder fuhren wir 40 bis 50 Meter hoch oberhalb des steinigen Strandes, dann tauchten diese bedrohlich wirkenden Felsen auch unter uns zum Meer hin auf. So dunkel und bizarr diese Felsspitzen, möchte ich sie mal nennen, auch aussahen, sie waren teils von Moos bewachsen und man konnte beim näheren Betrachten wunderschöne dunkle Farben erkennen. Z. B. hatten sie ein dunkles Grün und ein kräftiges Oker oder lichteres Braun oder kräftiges Orange, was sie nicht uninteressanter machte.

     

    Die schmale Straße bog ab und an plötzlich, wenn man solch ein „Tor“ erreicht hatte, nach links oder rechts ab und es gab keine Möglichkeit festzustellen, ob sich von vorne ein Fahrzeug näherte. Ein plötzliches Ausweichen wäre auch nicht möglich gewesen, da die Felsen bis an die Straße reichten. Irgendjemand müsste dann bis zu einer Ausweiche zurück fahren. Uns kam aber auf den 30 Kilometern nur ein Fahrzeug entgegen und das war eben gerade in einer dieser Ausweichstellen. Man muß auch mal Glück haben. Bedingt durch unser Navigationssystem wussten wir immer genau, wie viel Kilometer wir noch zu fahren hatten.

    Wir erreichten eine kleine Ortschaft vor Hamningberg bestehend aus 4 Häusern, dann hatten wir noch 5 Kilometer. Nach ca. 3 weiteren Kilometern kamen wir wieder einmal durch solch ein „Tor“ zwischen den Felsen, als sich eine Art Tal auftat umgeben von ca. 100 m hohen Hügeln. Wir schauten auf das Meer und auf die grüne Fläche vor uns, eine kleine rote Kirche stand zwischen niedrigen grün, gelb oder rot gestrichenen Häusern. Wir hatten Hamningberg erreicht und der Blick auf diese kleine Ortschaft mit dem Grün drum herum tat gut nach den vielen dunklen, scharfkantigen und bedrohlich wirkenden Felsen.

    Am Eingang des Ortes befindet sich ein kleiner Parkplatz, an dem ein Denkmal steht vor 3 hohen Flaggen.

    Auf der Kreuzung, wo es rechts in den Ort geht, biegen wir links ab und fahren noch 150 m zu einem ganz neu erstellten Parkplatz, dessen Größe uns verblüfft, denn hier können so viel Fahrzeuge parken, so viele Menschen finden in dem Dorf gar keinen Platz.

    Wir steigen aus und stellen fest, dass wir wirklich in der Arktis sind, denn die Luft, die Temperatur ist 6° C.,  fühlt sich sehr viel kälter an bedingt durch den Wind. Lange bleiben wir nicht draußen, den Ort schauen wir uns morgen an.

    Wir saßen noch nicht lange im Wohnzimmer, als plötzlich ein Fuchs auf dem Parkplatz erschien. Ich fand ihn erstaunlich dreist, denn er näherte sich einem Wohnmobil bis auf wenige Meter und verweilte dort. Ich drehte das Fenster runter und machte einige Laute, so dass er sich immer wieder zu uns umschaute. Es dauerte lange bevor er seine Schritte beschleunigte und verschwand.

                     Mittlerweile ist es 21:30 geworden. Ich bin noch einmal zum Syltefjord runter gegangen, die Sonne steht noch hoch am Himmel, sie wird uns ja auch nicht verlassen. Ich denke so bei mir, nun kann man gar nicht so recht feststellen wo Westen ist. Sie müsste also gegen Mitternacht schon weiter im Norden stehen, denn sie „steigt ja über den Westen wieder nach oben“. Ich habe eine ansich warme Jacke angezogen, aber binnen Minuten spüre ich die Kälte auf meiner Haut, ich schaue nach oben und stelle fest, dass die Wolken aufgerissen sind und ein Stück blauer Himmel schaut hindurch. Dann entscheide ich mich doch wieder zurück zu gehen, die Kälte steigt mir bis zum Nacken hoch.

    Christel liegt schon im Bett, es geht ihr nicht so gut. Ich setze mich noch einmal an den Tisch, die Sonne scheint grell ins Zimmer obwohl ich die Gardinen nicht zur Seite geschoben habe und mache noch einige Notizen. Ich freue mich auf morgen, denn Christel hat eingewilligt noch einen Tag zu bleiben. Morgen können wir also in den kleinen Ort gehen und ihn uns näher anschauen, denn heute fühle ich mich in eine andere Welt versetzt und vielleicht bin ich auch in einer anderen Welt, eine Welt, die manche Menschen nie zu sehen bekommen. Ich freue mich, dass ich zu denen gehören darf, die hier sein können und dieses erleben dürfen. Ich fühle mich wohl in dieser Welt, sie ist ruhig, sie ist rau und sie kann menschenunfreundlich sein; all das stört mich nicht, es ist ein wenig meine Welt etwas über 70° N und

    30° E.

     

     

    09.06.12

    Es war kurz vor 24:00, ich lag im Bett und hörte Musik. Ich fühlte mich wohl hier mit der Aussicht auf den morgigen Tag. Als ich die Augen öffnete erschien es mir unwahrscheinlich hell durch unsere „Atelierfenster“. Ich schaute noch einmal genauer hin. Ja, es war heller als sonst. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte mir das. Blauer Himmel, grelle Sonne machte es mir unmöglich alles draußen zu erkennen. Die Rentierherde, die gestern am Abend schon langsam näher zu uns gekommen war, war nur wenige Meter entfernt, die Landschaft war in ein leicht gelbes Licht gehüllt, die Farben waren plastischer als je zuvor. Jetzt um diese Zeit war die Sonne da und sie blieb bis lange nach 00:00, sie hatte die Oberhand gewonnen über die Wolken. Sie schien, als ob sie uns zeigen wolle, dass es sie noch gibt, heller und gleißender als man sie sonst kennt. Die Mitternachtssonne zeigte sich uns in ihrer ganzen Klarheit und Schönheit. Sie wärmte jetzt nicht unseren Körper, das brauchte sie auch nicht, die Mitternachtssonne wärmte jetzt unsere Seele und ich war wacher als ich je zu dieser Zeit gewesen bin. Wir waren hier und durften auch das erleben.

    Ich war noch vor 09:00 wieder wach, ich war nervös, vielleicht hatte ich gedacht ich würde die Sonne noch einmal so sehen wie vor gut 9 Stunden, aber die Wolken hatten sie wieder verhüllt, man sah einige helle Stellen, aber das war auch alles. Die Temperatur hier im Wagen lag bei 11° C. und draußen hatten wir 6° C. Ich schaltete die Heizung ein, dunkle Wolken zogen vorüber und ich war mir nicht klar, ob wir noch bleiben sollten oder nicht. Während des Frühstücks fragte ich Christel was wir machen sollten. Sie plädierte für „bleiben“, wahrscheinlich, weil sie glaubte, dass ich gerne bliebe, dabei war es mir heute gleich oder vielleicht doch nicht so ganz.

    Wir blieben. Obwohl es ihr nicht gut ging, man sah es ihr an, willigte sie ein mit mir in den kleinen Ort zu gehen. Ich bedankte mich innerlich, eigentlich hätte ich es ihr auch sagen können, warum ich es nicht getan habe, das weiß ich nicht. Wir zogen dicke Pullover an und winddichte Jacken, jeder hatte seine entsprechende Kopfbedeckung und dicke Handschuhe. Dann stiefelten wir los, es war ja nicht weit, allerdings im ersten Moment kam es uns ganz schön kalt vor. Es wunderte mich wie schnell man sich an die Temperatur gewöhnt, dann machte es richtig Spaß. Wir gingen an der kleinen, roten Kirche vorbei, die Häuser, die gestern aus der Ferne betrachtet noch knallig rot oder gelb oder grün waren, machten heute

    einen etwas abgewetzten Eindruck, was mir bei diesen Temperaturen und dem Wind auch erklärlich erschien. Nur 4 Menschen sahen wir auf dem Weg zur Barentssee. Sie waren gar nicht so dick angezogen wie wir, wahrscheinlich hielten sie es auch für gar nicht so kalt, sie kannten das nicht anders hier. Wir fanden kein Café, kein Restaurant und kein Souvenirgeschäft. Drei Männer beschäftigten sich mit irgendwelchen Balken, ein zotteliger Hund rannte wie wild durch die Gegend, wahrscheinlich freute er sich mal raus zu kommen und auf einer kleinen Terrasse aus Holz stand eine junge Frau, die freundlich zurück winkte. Ansonsten Stille und Ruhe, die durch das Klatschen der Wellen der Barentssee nicht gestört wurde. Auf dem Rückweg entdeckten wir dann auch wieder die Rentierherde, gemächlich äsend langsam von einem Teil dieser Fläche zur anderen wechselnd.

    Im Südosten ist es recht dunkel mit kompakter Wolkendecke, nur im Nordwesten über den mittelhohen Bergen mit den großen weißen Schneeflecken ist es etwas heller. Wie wird sich heute oder sollte ich sagen morgen, die Mitternachtssonne präsentieren, falls sie sich präsentiert?

    Den Nachmittag verbrachten wir im Wohnmobil, wir heizten, denn 7°, das war dann doch zu wenig und 17° im Wagen, da konnte man auch nicht sitzen und lesen.

    Am Abend dann wurde uns wieder bewusst wo wir waren, denn 2 Füchse „schlenderten“ über den Parkplatz. Ja, es war ein gleichgültiger Gang, sie blieben stehen und schauten eines der Wohnmobile an, dann trotteten sie auf der anderen Seite in das knöcheltiefe Gebüsch. Sie kannten keine Angst, sie hatten ja auch wohl von den Insassen der Fahrzeuge noch nichts zu befürchten gehabt.

    An diesem Nachmittag war mir noch nicht bewusst, dass es die letzten Stunden hier in Hamningberg sein würden für mich, dass wir morgen wieder zurück fahren würden.

    Wir gingen am Abend recht früh zu Bett, es regnete und es war kalt und die Sicht war sehr eingeschränkt, so richtiges „Polarwetter“, nein, Sauwetter.

    Unsere Reise 2012

    über

    Berlin – Rostock – Trelleborg nach

    Schweden – Finnland – Norwegen

    und leider auch wieder zurück!

     

     

    Teil II

    Wir verlassen Hamningberg. Rein theoretisch beginnt ab hier die Rückfahrt, aber wir fahren noch nicht wieder in Richtung Süden sondern mehr in Richtung WSW bis SW. Unser Ziel wird die Finnmark sein, erst dann biegen wir langsam am nach Süden. (WSW=West-Süd-West)      -     (SW=Süd-West)

     

    10.06.12

    Es hatte nachts immer mal wieder geregnet und von der Sonne bekamen wir nichts zu sehen. Am Morgen zog dann Nebel auf und die Berge über dem Fjord blieben für uns verborgen. Nach dem Frühstück machten wir uns reisefertig. Auch die Berge gegenüber der See konnte man heute nicht sehen, es war nebelig und es nieselte, es war wirklich kein Wetter um hier länger zu bleiben. Ich weiß nicht mehr wie spät es war, aber plötzlich saß ich hinter dem Lenkrad und fuhr die Schotterstraße hinunter bis zur Abzweigung zu dem mir lieb gewonnenen Dorf.

    Ich dachte eigentlich an gar nichts, nicht daran, dass wir jetzt wieder zurück fahren über Vardo und Vadso bis zumindest nach Nesseby, zu der weißen Kirche, noch an etwas anderes. Ich fuhr sehr langsam, es goß was nur runter kommen konnte, die Sicht war begrenzt und wir waren froh, dass wir vorgestern etliche Bilder gemacht hatten, denn heute wäre das alles nichts geworden. Die Wellen rollten hoch an den Strand und wenn ihnen keine Steine im Weg lagen, dann schlugen sie auf die Felsen am Strand auf, die Gischt spritzte meterhoch. Da, wo Felsen im Wasser lagen, schäumte das Wasser schon früher auf und ergoß sich über die Felsen an den Strand, wo es sich zwischen den spitzen Felsen hindurchmogelte.

    Nach einiger Zeit, ich weiß nicht wie lange ich gefahren war, erreichten wir die Höhe, wo wir wieder die runden „Kugeln“ von Vardo erkennen konnten. Nicht viel später fuhren wir auf der Straße in Richtung Vadso. Dort suchten wir eine Bank auf, denn wir hatten noch keine Norwegischen Kronen geholt und man wusste ja nie. Lt. „Logistikchef“  müssten wir morgen einkaufen, hier in Norwegen haben die Lebensmittelgeschäfte sowie alle anderen auch geschlossen. Da ist ja auch nichts gegen zu sagen, man muß nicht am Sonntag einkaufen.

    Wir tankten und versorgten uns mit Frischwasser. Nach dem Tanken ergab sich eine freudiger Wert, wir hatten bei einer Gesamtstrecke von 302 Km einen Verbrauch von 8,18 Litern auf 100 Km, das war bei einem Literpreis von über

    1,85 € umgerechnet doch nun wirklich erfreulich. Wir werden uns bemühen, dass wir in Norwegen nicht noch einmal tanken müssen, denn wenn wir Berlevag hinter uns haben, dann geht es bald wieder nach Finnland zurück. Bei diesem Gedanken wird mir schon ein wenig schwermütig, ich hatte mich lange darauf gefreut hier „oben“ in den hohen Norden zu kommen und nun war es schon wieder abzusehen, wann wir die Rückreise antreten würden, aber noch ist es ja nicht soweit.

    Wir holten von der Bank 900 NKR, das sind umgerechnet gut 120 € und waren schneller als erwartet wieder in Nesseby an der weißen Kirche, die uns schon wieder von weitem entgegenstrahlte, man konnte sie trotz Nebels gut erkennen. Das Wasser, wie sollte es anders sein, war wieder um mehr als 200 Meter zurück- gegangen. Auf diesem Wege sahen wir wider Erwarten wieder viele große Rentierherden, überwiegend waren es Muttertiere mit ihren Jungen.. Sie ästen oftmals ganz nahe der Straße, wenn dann die Mutter sich vor unserem Fahrzeug erschreckte und schnurstracks ins Feld lief, dann kamen die Jungtiere, die vielleicht 2 oder drei Monate alt waren, oftmals nicht mit und es sah gar putzig aus wie sie hinterher wackelten. Wir haben manches Mal geschmunzelt auf dieser Strecke.

     

    Ich schrieb einige Karten an liebe Menschen, die sich darüber freuen, Christel ging es noch nicht so gut, sie legte sich aufs Bett und war schnell eingeschlafen.

    Um 18:10 gab es Abendessen und nun laufen die Abendstunden ab, wie eigentlich immer.

    Der Nebel zieht übers Meer wieder ins Land und es ist dunkler als es eigentlich sein dürfte. Vielleicht können wir uns an der Mitternachtssonne noch in Berlevag ergötzen, das liegt noch ein wenig nördlicher als das schöne und erlebenswerte Hamningberg. Wie gerne wäre ich jetzt dort. Dieses Wetterphänomen müsste mir mal jemand erklären, wir haben weder Herbst hier in Nord-Norwegen noch ist die Luft sehr viel wärmer als die Meerestemperatur niedrig ist; allerdings ganz im Norden, z. B. am Nordkap oder in Gamvik oder eben auch in Hamningberg taucht häufig unerwartet der Nebel auf, selbst am schönsten Sommertag. Ich werde mir mal Gedanken drüber machen, wenn wir wieder online sein können.

    Wie weit wir morgen kommen, das wissen wir noch nicht, nach Berlevag müssen wir nicht unbedingt schon kommen, warten wir zunächst mal ab wie sich das Wetter entwickeln wird.

     

    11.06.

    Es war nicht sonderlich schön, aber es war klar und man konnte die Umgebung betrachten. Wir frühstückten und setzten uns wieder auf die E75. In Varangerbotn wollten wir noch ein wenig einkaufen und wir benötigten auch noch ein Postamt, welches es hier genauso selten gibt wie in Deutschland. Wir erreichten diesen Ort in kurzer Zeit, er bestand nur aus wenigen Häusern und einer Tankstelle. Dahinter fanden wir ein kleines Zentrum indem die Apotheke, die Polizei, andere Geschäfte u. a. auch ein Lebensmittelgeschäft ansässig waren. Leider gab es bei diesem Coop keine Poststelle, in diesem Ort war dafür der Tankwart zuständig.

    Wir kauften u. a. noch Wasser und einige Kleinigkeiten, die Post, erklärte man uns, ist in der Tankstelle um die Ecke. Der Kassierer dieses kleinen Supermarktes bemühte sich mir das alles in Englischer Sprache zu erklären. Während er mit mir sprach wartete er immer bis die nächste Ware auf einem Fließband bei ihm auflief, vorher griff er zu keinem Teil, diese Bequemlichkeit konnte man aber auch seiner Leibesfülle ansehen, aber er war ein netter Mensch und er freute sich offensichtlich uns geholfen zu haben.

    Die Tankstelle war nur wenige Meter entfernt. Auch diese Person, der Tankwart, war überaus freundlich. Wir kauften Briefmarken und er half mir diese auf die 9 Karten zu kleben; immer eine er und dann eine ich, es lief Hand in Hand. Eine Karte nach Deutschland z. B. kostet 13 NKR. Wir scherzten ein wenig während der Klebeprozesse, dann verabschiedeten wir uns auch von im und setzten uns wieder in Bewegung. Noch ging es in Richtung Norden und ich war guten Mutes, vielleicht kämen wir heute noch nach Berlevag, wenn es aber erst morgen sein sollte, dann wäre das auch o. k. Ich ahnte schon, dass die Rückfahrt bald kommen würde. Es geht alles zu schnell, wir fahren zu viele Kilometer und die Aufenthalte beschränken sich auf eine Nacht. Auf der anderen Seite längere Aufenthalte würden einen höheren Gasverbrauch durch mehr Heizen erfordern und dann käme der Zeitpunkt, wo wir kein Gas mehr hätten und dann müssten wir eh umkehren. Wer hatte mit diesen niedrigen Temperaturen hier gerechnet!

    Wir blieben noch ein Stück auf der E75, die wir dann aber direkt vor Tana Bru verließen um auf der 890 weiter nach Norden zu fahren.

    Bis Bjorkestrand blieben wir an dem immer breiter werdenden Tana-Fluß, der dann im Tanafjorden endete. Die Gegend wurde immer imposanter, riesige Felsberge türmten sich auf, wir fuhren in einem kleinen grünen Tal gen Norden, hier und da tauchten einige kleinere Dörfer auf. Die Norweger sind schon spaßige Menschen zum Teil. Wir haben oft kuriose Sachen entdeckt, z. B. bemalte Steine in großer Stückzahl am Eingang zu ihrem Haus, ein altes Fahrzeug, welches entweder zur Hälfte von vorn nach hinten abgetrennt war, der hintere Teil stand dann an einer Hauswand, so, als sei der zur Hälfte ins haus gefahren. Hier, auf dieser Strecke entdeckten wir plötzlich eine Art Bauernhaus, oben aus Strohboden schaute ein halber Mercedes raus, so, als käme er gerade aus dem oberen Stockwerk gefahren, unter ihm war ein alter Traktor zu erkennen. Auf der anderen Seite des Hauses hatte man unterhalb des Giebels ein Motorrad aufgehängt, so, als fahre es gerade vom Haus weg. Ich könnte noch mehr Begebenheiten aufzählen, aber das würde den Rahmen sprengen, wir haben aber auch alles in Bildern festgehalten.

                Die Gegend wurde immer bizarrer und einsamer, je weiter wir in Richtung Berlevag kamen. Immer wieder tauchten große freie Bereiche auf, tundraartig, dann wieder rechts und links bizarre Felsen, hin und wieder kleine Häuser vor denen Fahrzeuge standen, man kann sich schwer vorstellen, dass hier Menschen wohnten, wir vermuteten, dass vielleicht Fischer hier vorübergehend Unterschlupf suchten oder aber eine Art Wochenendhäuser.

    Etwas weiter nördlich erreichten wir den zunächst sehr schmalen Kongsoyfjorden, der aber nur auf der Karte 1:1000.000 so schmal ausschaut. Nach der nächsten Kurve tauchte dann der Ort Kongsfjord auf, ein malerischer Ort, die schmalen Straßen verliefen alle in Nord-Süd-Richtung. Die Häuser glänzten im Sonnenlicht teils rot oder auch weiß. Die Bemalung des Landhandel-Ladens versetzte uns ein wenig in die USA, die Phantasie der Norweger ist halt unbegrenzt. Diesen Ort passierten wir zunächst nur, denn es zog uns nach Berlevag. Dieser Teil der Strecke war dann wieder einmal ein Higlight, es ging ganz nahe am Meer entlang, wo wir wieder auf senkrecht stehende, scharfkantige Felsplatten stießen und das dadurch weiß schäumende so klare Wasser der See.

    Nach einer der vielen Biegungen der Straße tauchte dann der eckige, weiße Leuchtturm von Kjones auf, selbstverständlich hielten wir noch einmal an um auch den auf der CF-Karte festzuhalten. Dann endlich sahen wir die Häuser von Berlevag vor uns liegen, davor die Bucht des Nordmeeres. Wieder einige Fotos, dann endlich fuhren wir in den Ort ein.

    Ich weiß nicht, was wir uns vorgestellt hatten, ein klein Wenig hatte ich immer noch Hamningberg im Gedächtnis und ich dachte mir, dass alle Orte so auf mich wirken müssten wie eben der, aber das war nicht der Fall und das konnte auch nicht sein. Hier in Berlevag leben ca. 1.200 Menschen, in Hamningberg leben vielleicht 2x12 Menschen, ich weiß es nicht. Dieser Ort lebt vom Fischfang und von der Fischindustrie, das war schon zu erkennen an den vielen tausend Möwen, die hier durcheinander flogen und schrieen. Wir fuhren einmal durch diese Ortschaft bis zum anderen Ende und kehrten dann wieder um. Es gab einige Geschäfte, das Haupt aber war eben der Hafen und die fischverarbeitende Industrie.

              Wir besuchten das Arctic Glasstudio und waren begeistert über die Auslagen und die große Kreativität derer, die das alles gestaltet und geschaffen haben, wir waren allerdings nicht weniger angetan von den Preisen und taten es mit der Bemerkung ab: „In Norwegen ist eben alles viel teurer als anderswo!“ Das half uns allerdings auch wenig. Die nette Aushilfsverkäuferin war aus Deutschland, sie wohnte allerdings schon seit vielen Jahren in Norwegen und zwar in Mehamn und das war nun wieder ein weiter Weg von dort nach Berlevag, sie sah das etwas anders.

    Nach einem netten Gespräch mit der Dame aus Deutschland fuhren wir zum Campingplatz, der nur dem Namen und dem Preis nach einer war. Es handelte sich um einen Schweizer, der hier das „Berlevag Pensjonat“ (eine Art Pension im einfachen Stil) aufgemacht hatte. Er vermietete kleine, saubere Zimmer einfacher Art und stellte eine Küche sowie Sanitäranlagen zur Verfügung; Duschen, sechs Minuten 10 NKR. Das galt auch für die Camper. Draußen stand ein mobiles Stromversorgungsgerät, man konnte sich auf einem ausgewiesenen Platzbereich  stellen wie man wollte und zahlte 50 NKR für Strom, 140 NKR für den Stellplatz und 40 NKR für 3 Personen. Wir waren nur zu Zweit aber wir zahlten auch

    40 NKR. Insgesamt waren das 230 NKR plus 2x10 NKR für die Dusche für sechs Minuten, man möge mir verzeihen, wenn ich das schon erwähnt hatte.

              In den Ort noch einmal zu gehen lohnte sich nicht, die Temperatur lag bei 6 Grad und der eiskalte Ostwind blies immer noch. Wir heizten ein und machten es uns gemütlich.

    Gegen 22:30, selbstverständlich war es taghell, schaute ich noch einmal nach dem Wasserhahn des Grauwassers, ich war mir nicht sicher, ob ich ihn wieder geschlossen hatte und das war genau der passende Zeitpunkt, denn ich sah gerade wie ein Hurtigroutenschiff rückwärts aus dem Hafenbecken rausfuhr und dann im größeren Bereich wendete. Schnell rief ich Christel und wir schauten uns dieses Schauspiel noch gemeinsam an. Es war imposant, wie beweglich diese Schiffe geworden sind durch die zusätzlichen Bugschrauben und die Schrauben an der Backbord- und Steuerbordseite. Wenn ich nicht hier im Moment glücklich wäre, dann wäre das auch noch eine Möglichkeit meine Glückshormone zu vermehren, solch eine Fahrt mit einem Hurtigroutenschiff, möglichst vorbei am Nordkap und am kleinen Hafen von Hamningberg.  

                  In der Nacht regnete es wieder ein wenig, die Temperaturen im Innern waren schon lange nicht mehr so hoch, wie in dieser Nacht. Man nahm schon mal wieder einen Arm unter der Bettdecke hervor und die Nase blieb auch warm. Trotzdem war die Nacht nicht so, wie viele zuvor. War es die Sehnsucht hier oben noch bleiben zu wollen, ich weiß es nicht. Ich wusste nur, dass es nicht möglich sein würde aus vielerlei Gründen.

     

    12.06.12

    Wieder einmal wurden wir von der wahnsinnig wechselnden Wettersituation überrascht. Der Campingplatz in Berlevag hielt nicht das, was in den Prospekten versprochen wurde, bzw. er erzählte in den Prospekten nur das, was man selbst auch feststellen kann. Der Platz ist einer Art Pension angehängt. Hier werden bezogen auf Norwegische Verhältnisse Zimmer vermietet mit Möglichkeiten der Benutzung von einer Küche und den Sanitäranlagen. Die Camper haben die gleichen Rechte.

    In der Früh weckte uns schon ein Bagger, der in der Nähe irgendwelche Gräben aushob, auf der nicht asphaltierten Straße fuhren viel zu viele Fahrzeuge vorbei, unser Schlafzimmer hatten wir in Richtung dieses Feldweges gestellt nicht beachtend, dass ja hier die Fahrzeuge auch auf Feldwegen Fahren und zwar mit gleicher Geschwindigkeit wie auf den normalen Straßen.

    Wir nutzten die Sanitäranlagen und machten uns dann gegen Mittag auf den Rückweg. Es fällt mir schon schwer dieses Wort zu schreiben, geschweige dann den Weg anzutreten.

    Christel und ich gingen noch einmal zum Hafenbecken, wo gestern das Hurtigroutenschiff drehte um seine Reise fortzusetzen. Die Wolken hingen tief über den Höhenzügen, die Sicht war recht reduziert, aber das dauerte nicht lange. Als wir unterwegs waren wurde die Sicht bei weitem besser. Wir fuhren über Kongsfjord zurück nach Gednjehogda immer nur kurz bezeichnet mit „Gednje“.

    In Kongsfjord hätten wir eine King Crab Safari mitmachen können, aber das kostet ja alles viel Geld hier in Norwegen. Es gibt auch ein Königskrabben-Aquarium, das allerdings erfuhren wir später, als wir schon lange an diesem schönen kleinen Ort vorbei waren. In Gednje bogen wir links ab und fuhren 31 Km in nordostwärtiger Richtung mit dem Ziel Batsfjord. Nun kamen wir noch einmal ins Gebirge. Von MSL in Berlevag stiegen wir langsam auf gut 300 m MSL und dann ging es auf über 400 m MSL um anschließend wieder steil auf Meereshöhe abzufallen. Hier oben lag noch viel Schnee und wir hatten nicht den Eindruck, dass er bis zum Wintereinbruch noch schmelzen würde. Überall rauschten kleine Bäche oder Rinnsale von den Bergen, die Seen waren alle noch zugefroren, das Eis schimmerte grün und sah stumpf aus. Wir erreichten Batsfjord nach 1 ½ Stunden und waren recht enttäuscht. Die Stadt hatte kein rechtes Zentrum und als wir in der Geschäftsstraße landeten wurde aus dem Asphalt eine Lehmschicht mit vielen mit Wasser gefüllten Schlaglöchern. So schnell wir in die Stadt kamen, so schnell waren wir auf der anderen Seite wieder draußen. Die Stadt wirkte auf mich dunkel und fremd. Jetzt muß man allerdings sagen, dass sie in einer Art Kessel liegt umgeben von dunklen Bergen und die Wolken lagen auf den runden Hügeln auf, somit kam wenig Licht in das Tal.

    Der Hafen überdeckte im Grunde alles und die Fischindustrie war wohl die überwiegende Einnahmequelle. An den Molen standen verhältnismäßig große Schiffe. In Broschüren war immer wieder die Rede von dem Polarhotel Havly, wir waren von dem Gebäude enttäuscht, allerdings einen Blick hinein warfen wir nicht.

                              Nach einem kurzen Aufenthalt in Batsfjord wendeten wir dieser Stadt wieder den Rücken. Noch immer war die Bewölkung tonangebend, allerdings stieg die Temperatur auf angenehme 13°. Der Wind war ausgeblieben und somit gingen wir zum ersten Mal nur mit einer zusätzlichen Jacke bekleidet nach draußen. Wir fuhren auf der nicht immer glatten, nämlich teils durch den Frost aufgerissenen und notdürftig geflickten Straße, einen Teil des Weges, nämlich bis Gednje zurück und setzten uns dann auf die gestern schon gefahrene Strecke wieder zurück nach Tana Bru. Das helle Sonnenlicht am Horizont machte uns Hoffnung auf besseres Wetter und so war es dann auch. Kurz vor Tana Bru riß die Wolkendecke auf und die Sonne kam durch. Wir hatten sie viele Tage nicht gesehen und wir freuten uns mal wieder Sonnenlicht zu sehen. Ich schaltete die Heizung ab und nun bekamen wir wieder natürliche Wärme durch die Fenster. Es dauerte nicht lange und wir zogen unsere Jacken aus, der Sommer hatte uns wieder.

    In Tana Bru machten wir noch einen kurzen Stopp auf dem uns bekannten Picnic-Platz der Gemeinde, wo wir noch 2 Camper mit ihren Wohnmobilen trafen, sie kamen aus der Schweiz. Es war mittlerweile später Nachmittag, was man nicht an dem Sonnenstadt erkennen konnte. Wir fuhren über die Tana-Brücke in Tana Bru und setzten uns auf die E6/E75, es ging rapide gen Süden und mir wurde schwer ums Herz. Nun einmal konnten wir die Mitternachtssonne genießen, die anderen Nächte hingen dicke Wolken davor und die Temperatur  entsprach dem Gebiet, in dem wir waren oder dem wir so nahe waren, der Arktic. Auch in der letzten Nach hier „oben“ lag sie um die 4 bis 5°. Wir fuhren immer entlang dem großen Fluß Tana und zwar oberhalb, der Fluß rauschte links unter uns, somit war es schwer einen Platz zu erhaschen für die Nacht. Dann, ca. 6 Km vor Bateng sahen wir einen Platz unterhalb der Straße unweit vom Ufer des großen Flusses. Wir fuhren einen Schotterweg hinunter und hatten den Platz gefunden. Die Sonne stand noch hoch, wir holten die Stühle raus und setzen uns hinter eine Baumreihe, die uns vom Fluß trennte.

    Gegen 18:45 erinnerte mich Christel dann daran, dass wir noch zu Abend essen müssten, ich wusste zwar nicht warum, aber immerhin. Sie hatte es lange mit mir draußen ausgehalten. Ich war etwas traurig, denn wir hatten dieses Gebiet, welches ich über alles liebe, viel zu früh verlassen. Aber es spielen halt viele Faktoren eine große Rolle, unsere erste 11 KG-Gasflasche war nach 17 Tagen leer. Wir mussten heizen bei diesen niedrigen Temperaturen, wir benötigten hin und wieder warmes Wasser und wenn wir standen ab dem Nachmittag, dann mussten wir den Kühlschrank mit Gas kühlen. All das verbraucht halt Gas. Über Nacht erlaubten wir uns schon den Kühlschrank abzuschalten, denn bei Außentemperaturen von ca. 4 Grad und einer morgendlichen Innentemperatur von 11 Grad hielt sich der Kühlschrank kalt. Es ist halt immer ein Problem bei langen Reisen und nur zwei möglichen Gasflaschen zurecht zu kommen. Das ist in wärmeren Ländern nicht anders als hier „oben“ nördlich von 70 Grad nördlicher Breite. In wärmeren Ländern benötigt man kein Gas zum Heizen dafür aber für den Kühlschrank umso mehr. Das große Prblem ist, dass man hier in diesen Ländern nur sehr selten die Möglichkeit hat unsere deutschen Flaschen zu füllen, noch schwieriger ist es derartige Flaschen zu tauschen.

    Nun stehen wir am Tana-Fluß auf norwegischer Seite, den Blick nach Süden gerichtet mit den Erinnerungen, die wir im Norden gesammelt haben. Es ist 20:30, die Sonne steht immer noch hoch und im Wagen haben wir immer noch 21,1 Grad Celsius, gestern hatten wir mit elektrischer Heizung, gerade 19 Grad im Wagen und die Heizung tat was sie konnte, mehr schaffte sie nicht.

    Über weitere Ziele lasse ich mich morgen aus, denn es warten noch einige Bilder, die bearbeitet werden müssen.

     

     

    13.06.

    Gestern Nachmittag saßen wir noch draußen am Fluß, in der Nacht begann es zu regnen und es regnete während des Frühstücks weiter, ja, es regnete eigentlich immer wieder auch unterwegs.

    Wir fuhren oberhalb des Teno oder Tana oder auch Tenojoki. Die Fischer waren zu Hauff auf dem Wasser mit Booten oder sie standen mit entsprechender Kleidung am Rand im Wasser.

    Es war keine schöne Fahrt. In Utsjoki, wir waren mal wieder in Finnland, Uhrzeit umstellen, tankten wir für 1,63 € und kauften noch ein paar Kleinigkeiten, ob notwendig, das sei dahin gestellt. Das einzige Geschäft am Ort war überfüllt. Die Samen sah man überwiegend in Ölzeug oder in der typischen Fischerkleidung. Viele von ihnen waren hier im Geschäft und sie nutzten es nicht nur um einzukaufen sondern auch um Neuigkeiten auszutauschen. Es waren überwiegend raue Gesellen mit Cowboyhüten oder Wollmützen oder auch anderen Kopfbedeckungen. Auch eine Handvoll Wohnmobile standen hier am Geschäft, die Insassen kauften wohl noch ein, sie waren bestimmt auf dem Wege in den Norden.

               Wir wollten nach Karasjok, nicht unbedingt heute aber schon in den nächsten Tagen. Wir verzichteten auf die E6 und nahmen die kleine Straße, in unserem Atlas weiß hinterlegt. Trotzdem, sie war geteert und lies sich befahren, wenn man überwiegend auf den 5. Gang verzichtete. Wieder begleitete uns der Tenojoki auf der rechten Seite. Wir waren im Gebiet der Samen und hin und wieder tauchten ein oder zwei kleine Häuschen auf, es schien nicht sonderlich aufgeräumt zu sein, auf norwegischer Seite, wir konnten bis ans andere Ufer schauen, war das anders. Hier sah alles etwas ordentlicher aus. Es regnete immer wieder und so konnten wir nicht aussteigen. Wir machten unsere schon bekannte Kaffeepause und fuhren dann anschließend weiter. So gelangten wir eben doch noch nach Karasjok.

                 Es war gegen 17:00, wenn ich mich recht erinnere. Hier ist der Regierungssitz der Sami. Wir folgten zunächst der Beschilderung „Sami-Park und Silberschmiede“. Für 120 NKR hätten wir einen Outdoorpark mit Zelten und Rentieren besuchen können, darauf verzichteten wir, denn wir hatten all dies schon in freier Natur gesehen. Die Silberschmiede interessierte uns und die war eben wieder in einem großen Souvenirshop untergebracht gleichzeitig mit dem Touristoffice. Hier hatten wir dann ein unschönes Erlebnis, welches ich nur erwähne aber nicht bewerten möchte, denn es war nach unseren Erfahrungen nicht aktuell für die Norweger und auch schon gar nicht für die Sami. Wir standen am Prospektständer und suchten nach Unterlagen, die für uns von Wert gewesen wären. Die Abkürzungen der Sprachen auf den Broschüren entsprach nicht immer den „Internationalen Abkürzungen“. Christel nahm einen Prospekt vom Ständer und ich sagte nur: „Espanol“. Ich hatte schon gemerkt, dass eine junge Dame am Schalter das bemerkt hatte. Sie kam zu uns rüber und fragte: „Spanisch“? Ich sagte ihr nur: „German“. Daraufhin wandte sie sich brüsk ab und sagte nur so etwas wie: „No!“ Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände.

    Wir schauten uns den Rest der Auslagen, die recht vielfältig waren, an und verließen dann wieder dieses Geschäft. Die Auslagen der Silberschmiede waren hoch interessant und man hätte das ein oder andere Teil schon kaufen können, aber es waren norwegische Preise und daher für uns unbezahlbar. Auf der anderen Seite war es auch eine Prestige-Angelegenheit, denn man konnte es günstige bekommen.

                  Als nächstes Ziel hatten wir uns noch das Gebäude ausgesucht, in der die Samische Regierung sitzt. Es war ein markanter Bau mit Holzverkleidung und ein daneben stehendes Gebäude war einem Zelt der Samen ähnlich gebaut worden. Es war unverkennbar der Regierungssitz dieser Bevölkerungsgruppe.

                   Da wir heute nicht mehr weiter fahren wollten suchten wir uns anschließend einen Übernachtungsplatz, es hatte wieder zu regnen begonnen. Jetzt, um 20:00 haben wir draußen immerhin noch 9 Grad und drinnen, ohne Heizung, 17,3 Grad. Der kalte Ostwind hat sich gelegt und damit ist die Temperatur für uns angenehmer geworden.

    Wenn es so weiter geht wie heute, dann werden wir morgen wohl problemlos Kautokeino erreichen, das ist eine weitere Stadt mit überwiegend Samischer Bevölkerung.

     

     

    14.06.12

    Kurz nach 11:00 verließen wir diesen Platz, es regnete nicht mehr, das Pflaster war schon abgetrocknet. Wir fuhren noch einmal durch diesen Ort, der Hochburg der Samen und fuhren noch einmal auf den Parkplatz am Regierungsgebäude, denn wir hatten soeben gesehen, wie einige Wohnmobilisten in das Gebäude gingen und gerade das Innere dieses Hauses interessierte Christel enorm. Auch wir betraten das Gebäude und waren über die Gestaltung und Einrichtung sehr erstaunt. Die Größe der Rezeption und der eingegliederten Bibliothek war verblüffend, auch die Anzahl der Büros im Erdgeschoß sowie im Obergeschoß war unvorstellbar groß. Da alles in Holz gebaut worden war nahm die Vorstellung an Gemütlichkeit noch zu. Wir schauten uns alles genau an und nahmen auch noch einen bereitgelegten Prospekt mit, in dem wir später stöberten.

    Unendlich lange, so kam es uns zumindest vor, fuhren wir wieder parallel an einem breiten, Fluß. Teils ergoß er sich in Stromschnellen, teils floß er ruhig und behäbig dahin. Wir hielten zwischendurch immer mal wieder an, wenn wir ein etwas größeres Dorf der Samen erreicht hatten. Etwas größeres Dorf heißt hier 6 bis 7 Häuser statt 2 oder drei. Ansonsten konnte man die wenigen Häuser unterwegs an fünf Fingern abzählen. Die Samen hatten grundsätzlich alles Wintergerät nur irgendwo, so schien es zumindest, abgestellt, so unter dem Motto es ist ja doch bald wieder Winter.

    Der Wettergott meinte es heute mal wieder besonders gut, es gab einige kleine, weiße Wölkchen am Himmel, ansonsten aber hatten wir den ganzen Nachmittag über azurblauen Himmel. Die Landschaft besteht überwiegend aus vielen kleinen oder auch größeren Seen und die Túndra leuchtete braun, rot, grünlich bei dieser grellen Sonne; die dünnen hellen Birkenstämmchen setzten sich krass von der anderen Farbe ab. Birkenbäume gibt es in diesem Bereich so gut wie gar nicht. Jetzt, zum Abend hin, sind alle Wolken verschwunden. Die Straße war nicht sonderlich breit und hin und wieder wechselte sie von Asphalt zu Schotter. Bei den einheimischen Fahrern machte dieses keinen Unterschied, sie behielten ihre Geschwindigkeit bei, nur wir änderten unsere Geschwindigkeit drastisch.

    Es ist 20:00 und die Sonne steht hoch am Himmel und wir haben noch nie erreichte 16 Grad draußen.

    Wir stehen am Alta-River, der hier an dieser Stelle bestrebt ist so schnell wie möglich in dem Altafjord zu verschwinden. Den Nachmittag verbrachten wir draußen oberhalb des Flusses.

    Ich war schon den ganzen späten Nachmittag über nervös. Es kam ein großer Audi vorbei und die zwei Insassen schauten mich recht eigenartig an. Sie hielten einige Meter von uns entfernt und als ich zum Abfall ging fuhren sie plötzlich, mir schien es übereilt, davon. Nun machte ich mir meine Gedanken, die ich Christel erst spät mitteilte. Nach dem Abendessen, nein, es war sogar etwas später, brachte ich das Gespräch auf diese Situation und sie meinte, dass wir dann eher einen anderen Platz suchen sollten. Erst gegen 22:00, es war ja noch hell, fuhren wir los, die Sonne blendete extrem. Wir fuhren sogar noch bis nach Kautokeino, dort fanden wir einen geeigneten Platz, wo schon ein Franzose stand. Die Fahrt war übrigens noch wunderschön, wir kamen an einem großen Samenzelt vorbei, welches von der Sonne gelblich angestrahlt wurde.

    Jetzt ist es 23:15, die Sonne steht noch hoch am Firmament und denkt nicht daran unter dem Horizont zu verschwinden. Vielleicht erwähne ich dieses häufig, aber es ist auch ein unglaubliches Erlebnis in der Nacht die selbe Helligkeit zu haben wie am Tage. Wenn es am Tage regnet und die Sonne in der Nacht durch die Wolken bricht ist es sogar während der Nacht heller als am Tage.

     

    Ich saß noch lange wach und grübelte ein wenig. Christel hatte sich schon zu Bett begeben. Ich ging noch einmal nach draußen und atmete ein paar Mal kräftig durch, die Luft hier „oben“ ist klar und rein und sauerstoffreich.

    Gegen Mitternacht folgte ich Christel ins Bett und schlief dann irgendwann ein. Ich weiß nur, um 02:00 stand ich noch einmal kurz auf und schaute aus dem Fenster, Schäfchenwolken am Himmel wurden von der Sonne rötlich angestrahlt. Wenn wir in Deutschland wären hätte ich gedacht, dass es morgen ein schöner Tag werden würde, hier kann man das nicht denken, hier ändert sich das Wetter wirklich innerhalb einer halben Stunde.

     

     

    15.06.

    Der Tag begann außerordentlich gut. Wir hatten nach dem Frühstück schon 19 Grad. Wie wir es uns vorgenommen hatten fuhren wir los um das Zentrum von Kautokeino zu suchen. Wir fuhren die Hauptstraße ein bis zwei Kilometer nach Norden und bogen rechts ab in eine Richtung, in der man viele Häuser sehen konnte. Nach ca. 100 m waren wir auf unbefestigter Straße und die Schlaglöcher wurden immer breiter, länger und tiefer. Immer wieder landeten wir in einer Sackgasse, wir brachen ab und fuhren wieder in Richtung Hauptstraße, ein Centrum war nicht zu finden.

    Dann kam Christel auf den Gedanken, nach einer Adresse zu suchen, die sie in einer Broschüre gefunden hatte. Wir suchten das Museum, davon hatten wir eine Straße, die wir ins Navigationssystem eingeben konnten. Es zeigte uns den Weg und gab eine Entfernung an von 2,1 Km und zwar in südlicher Richtung. Nach wenigen Minuten konnten wir aussteigen, auf der Strecke hatten wir gleich eine Silberschmiede entdeckt, leider hatte auch dieser Mann norwegische Preise. Das Museum erschien uns nicht interessant genug.

    Auf dieser Fahrt fiel uns noch ein anderes Schild auf und zwar eine andere Silberschmiede in 2,5 Km Entfernung – „Juhls Silberschmiede“, die wollten wir noch aufsuchen, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen würden. Es hing hoch hinaus zum Ablaufpunkt einer Sprungschance und dann wieder nach unten. Dort tauchte ein Parkplatz auf, den wir sofort nahmen. Wir gingen noch einmal ca. 200 m steil bergab und dann tat sich ein hochinteressantes Gebäude vor uns auf. Es lag auf einem Felsvorsprung mit einem herrlichen Blick auf die Stadt Kautokeino. Vorne am Eingang lag ein riesiges vergoldetes Ei aus kleinsten Mosaikstücken gefertigt. Das schien ja interessant zu werden. Wir gingen durch einen winzigen Raum in der Art einer Veranda und betraten ein helles Atlier. Eine sehr charmante Dame kam auf uns zu und fragte nach unserer Nationalität, als sie hörte, dass wir aus Deutschland kämen war sie irgendwie erfreut. Sie sprach sofort Deutsch mit uns und begann uns zu erklären, was sie dort fertige. An der hinter uns liegenden Wand arbeitete sie an einem riesigen Kunstwerk, welches die ganze Wand einnehmen würde nach Fertigstellung. Aus allerlei Materialien erkannten wir das ein oder andere Symbol der Samen.

    Die Dame führte uns in diesem Raum umher und erzählte eigentlich ihre Lebensgeschichte. Sie war schon in den 50er Jahren hier nach Norwegen gekommen, es gab noch keine gepflasterten Straßen. Sie hatten sich zur Aufgabe gemacht hier oben eine Hütte zu bauen. So bauten sie eine Hütte nach der anderen aneinander. Sie eigneten sich das Silberschmiede-Handwerk an und kamen immer mehr mit den Sami in Kontakt. Diese Menschen erzählten aus ihrem Leben und das Ehepaar fertigte nach diesen Erzählungen Schmuck der das Leben dieser Nomaden symbolisiert darstellt. Es waren Schmuckstücke von einzigartiger Schönheit. Man erkannte Schmuck, der auf die Tundra bezogen worden war, der Ehemann dieser netten Dame malte Bilder. In den einzelnen „Hütten“, die mittlerweile ein längliches querliegendes Gebäude mit Blick auf die Stadt Kautokeino bieten, richtete dieses Ehepaar Schmuck und Gegenstände ein, die in einzelnen Etappen ihr Leben und das Leben der Sami darstellten. Sie sind auch längere Zeit in Afghanistan gewesen und zwar bevor der Russe dort einmarschierte. Auch aus diesem Land haben sie Gegenstände auf feinste Art und Weise eingerichtet.

                 Sie ließ sich viel Zeit und gab in jedem mittlerweile Raum, der aus jeweils einer Hütte entstanden ist, Erklärungen ab. Sie ließ sich viel Zeit, wofür wir ihr noch einmal sehr dankbar sind, denn in dieser Zeit konnte sie an ihrem Kunstwerk im ersten Raum nicht arbeiten. Wir durchquerten auch einen kleinen Raum in dem stilvoll kleine Tische und Stühle aufgestellt worden waren. An einer kleinen Theke konnte man sich Kaffee und Kuchen holen, überall waren Preise angegeben, das Geld warf man dann in eine Klarsichtbox. Während dieses Rundganges erschien auch ihre Tochter, eine große, schlanke, stattliche junge Dame im heiratsfähigen Alter. Sie begrüßte uns und in ihrem kurzen Gespräch erwähnte sie wie beiläufig, dass heute gegen 14:30 ausnahmsweise einmal im Sommer eine Samenhochzeit in der Kirche statt fände. Wir horchten selbstverständlich sofort auf, denn so etwas darf man sich nicht entgehen lassen. Es war mittlerweile 13:00 und nun hatten wir es etwas eilig, die Räume hatten wir uns noch nicht alle in Ruhe ansehen können, also nahmen wir uns vor zur Kirche zu fahren und noch einmal zurück zu kommen.

                  Um 13:30 waren wir einer der ersten an der kleinen, roten Kirche. Hier flatterte schon die Flagge der Norweger und die Flagge der Samen an den Masten rechts und links vom Eingang. Die ein oder andere Dame in landesüblicher Tracht waren auch schon anwesend. Es dauerte nicht lange als ca. 800 m entfernt eine Art Prozession auf der Hauptstraße entlang ging. Aus der Erklärung der Tochter oben in der Silberschmiede wussten wir, dass das ein Teil der Hochzeitsgesellschaft sein musste. Die farbenfrohen Trachten in den Hauptfarben Rot, Blau und schwarz waren gut zu erkennen. Die Menschen hier oben an der Kirche, wir eingeschlossen, versuchten sich zu positionieren um einige gute Fotos mit nach Hause zu nehmen. Die „Prozession“ war vielleicht noch 500 m von der Kirche entfernt als es zu regnen begann, man sah allerdings keinem der vielen Menschen an, dass sie das störte. Man ging in Zweierreihen und nach den ersten ca. 4 – 5 Reihen ging das Brautpaar, dann folgten noch viele weitere Zweierreihen, die ich nicht gezählt habe. Ich fotografierte was das Zeug hielt in der Hoffnung das ein oder andere Bild behalten zu können.

    Die Menschen waren noch nicht alle in der kleinen Kirche, als es im wahrsten Sinne des Wortes zu schütten begann. Wir verschwanden so schnell es ging in unserer Behausung. Kaffee wollten wir nicht kochen, da wir nicht wussten, wie lange es dauert bis die Trauung beendet war.

    Dann hätten wir beinahe verpasst den Auftritt draußen noch einmal im Bild festzuhalten. Wir hatten uns mit anderen Sachen befasst, als Christel plötzlich sagte: „Da sind sie ja schon!“

    Wir sprangen aus dem Wagen und reihten uns unter die Schaulustigen ein. Es gelang mir noch recht weit nach vorn zu kommen und das Brautpaar blieb lange genug oben auf er Kirchentreppe stehen, somit haben wir nun prächtige Fotos von Samen in den verschiedensten Trachten und wir erlebten eine wirkliche Samenhochzeit, nicht für Touristen gemacht und auch nicht im Museum oder im Film. Wir waren in der Wirklichkeit dabei und es war eines der größten Erlebnisse auf dieser Tour.

    Wir fuhren noch einmal zurück zu dieser einzigartigen Ausstellung, so möchte ich es mal nennen. Wir machten es uns zunächst in dem kleinen Café mit Blick auf Kautokeino gemütlich bei einem Stück Kuchen, Deutscher Art und einer guten Tasse Kaffee. Mittlerweile hatte man auch bemerkt, dass wir wieder zurück waren, was man freudig zur Kenntnis nahm.

    Langsam gingen wir noch einmal durch alle Räume, wir ließen uns viel Zeit und riefen uns auch noch einmal in Erinnerung was die nette Dame, gebürtig aus Deutschland, alles erzählt hatte. Sie hatten große Abenteuer auf sich genommen und hatten sich jetzt ein Denkmal gesetzt mit diesen Ausstellungsräumen. Mittlerweile hatte ihre Tochter die Leitung des Geschäftes übernommen. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass man diese Gegenstände, die in den Auslagen ausgestellt waren, auch käuflich erwerben kann. Es tat richtig weh, dieser Schmuck, der so vieles symbolisierte, war hervorragend gearbeitet, aber das hatte eben auch seinen Preis. Wir nahmen das alles in uns auf und gingen später, es war wohl kurz nach 17:00, wieder zurück zu unserem Wagen. Die Tochter erzählte uns noch, als wir uns verabschiedeten, dass sie sich jetzt auch für die Hochzeitsfeier fertig machen müsste, denn auch sie war wie 1000 (in Worten: Tausend) weitere Gäste zur Feier eingeladen.

    Wir fuhren zu dem Platz zurück, den wir heute in der Früh verlassen hatten. Wir blieben noch eine weitere Nacht in dieser Stadt, die uns jetzt in einem ganz anderen Licht erschien als gestern am Abend.

    In dem Gespräch mit der netten Dame kam auch zum Ausdruck, dass die Stadt Kautokeino eigentlich nur der Wintersitz der Samen sei, denn im Sommer ziehen sie immer noch mit ihren Herden oder besser ausgedrückt hinter ihren Herden her in Richtung Meer, weil es die Rentiere dorthin zieht. Im Winter dann kommen sie zurück in diesen Bereich. Ich erwähne das, weil wir uns schon Gedanken gemacht hatten wovon die Menschen hier leben. Der Nachsatz der Dame war noch: „Was sollen sie auch anderes machen?“ Womit sie offenkundig Recht hatte.

                Es ist mittlerweile 23:25, es hat wieder leicht geregnet, die Temperatur liegt z. Zt. bei 7,2 Grad Celsius, naja, das geht ja noch.

    Morgen werden wir unsere Reise fortsetzen, die uns hier zwei so interessante Erlebnisse beschert hat. Da fällt mir noch etwas ein, ich schrieb vorhin, dass dieses Samenehepaar ausnahmsweise jetzt und heute geheiratet hat. Derartige Feste, wie Hochzeit, Taufe etc. werden normal im Winter gefeiert und nicht mitten im Sommer.

     

     

     

     

     

     

     

    16.06.12

    Wir verließen Kautokeino gegen Mittag, diese Stadt war uns irgendwie ans Herz gewachsen einmal durch das Erlebnis in der Silberschmiede bzw. in dem Atelier dort und dem Kontakt mit diesen netten und künstlerisch hochbegabten Menschen und dem Erlebnis der Samenhochzeit.

    Beim Coop brachten wir noch eine Ansichtskarte zur Post, dann ging es in Richtung Enontekiö. Die Landschaft änderte sich nicht, Tundra, Hügel und kleine buschartige Birken. Wir waren eben doch noch weit im Norden. Hin und wieder tauchte auch ein See auf. Die Anzahl der Souvenirgeschäfte an der Straße hielten sich in Grenzen. Wir besuchten 2 Geschäfte, allerdings gab es auch sehr viel Kinkerlitzchen, an denen wir kein Interesse hatten. Eigentlich wollten wir noch vor Enontekiö für heute Schluß machen, aber es gelang uns nicht.

    Auch dieses ist ein kleiner Ort mit einem eigenartig schmalen und hohen Kirchturm neben der Kirche. Heute ist Samstag und weder die „Info“ noch andere Geschäfte haben geöffnet, nur eben Lebensmittel kann man kaufen.

    Wir finden ein wunderschönes Plätzchen am See unweit der Stadtmitte. Den ganzen Nachmittag sitzen wir draußen und sonnen uns bzw. schauen auf den See und verfolgen die Menschen, die entweder mit einem Kanu oder einem Ruder- oder Motorboot draußen sind. Es ist ausnahmsweise warm hier am See, das Thermometer zeigt 24 Grad im Schatten. So schnell kann sich die Wettersituation ändern.

    Mir kommt es immer so vor, als seien wir schon recht weit im Süden gelandet, dabei haben wir sogar noch einige Kilometer zum Nordpolarkreis. Dieses Mal werden wir ihn wieder einmal bei Jokkmokk nach Süden hin überqueren.

                         Um 22:30, hier in Finnland ist schon 23:30, gehen wir mal wieder bei strahlendem Sonnenschein zu Bett. Ein silbriger Glanz liegt über dem langgestreckten See hervorgerufen durch die strahlende Sonne. Die weiße Baumrinde der Birken leuchtet in einem leichten gelblichen Farbton, es ist eine herrliche Atmosphäre hier unten am See.

     

     

    17.06.12

    Christel hat heute in der Nacht zwei Mal fotografiert, einmal um 00:16 und einmal nach 02:00, da die Fotos aus dem Wagen durch die Fenster gemacht worden sind wurden sie nicht unbedingt gut, aber wir haben sie als Beweis der Helligkeit in der Reihenfolge der Bilder belassen.

    Vor dem Frühstück hatten wir draußen 16 Grad Celsius und 45 Minuten später waren es nur noch 12 Grad. Hier weiß man jetzt nie was nachher ist und was dann kommt.

    Wir sind wieder unterwegs. Es wurde zunächst recht dunkel und wir fuhren nach ca. einer Stunde einen Parkplatz an. Christel macht ein kleines Mittagsschläfchen und ich befasse mich mit dem Reisebericht. Als wir vorhin auf der Straße fuhren tauchten plötzlich mehrere Rentiere der Superklasse auf. Sie marschierten über die Straße und fraßen auf der anderen Straßenseite weiter ohne sich an uns zu stören. Es waren prachtvolle Tiere mit einem unbeschreiblich schönen und auch großen Geweih. So etwas bekommt man selten zu sehen. Wir blieben am Straßenrand stehen bis sie langsam im Wald verschwanden, so, als wollten sie sich jetzt von uns verabschieden.

    Wir blieben weiter auf der 45, die uns dann schnell nach SW brachte. Nun waren wir wieder einmal ein einem nicht sehr dicht besiedelten Gebiet, genauer gesagt wir trafen auf zig Kilometer keine Menschenseele. In Idivuoma, einer kleinen Gemeinde mit einer noch kleineren Kirche und 4 oder 5 Häusern suchten wir einige Zeit nach einer Bleibe. Dann fanden wir sie abseits der Straße. Hier war es ruhig und angenehm.

    Da ich am Nachmittag schon Bilder bearbeitet hatte schrieb ich auch nicht weiter an meinem Bericht. Wir unterhielten uns und gingen gegen 22:00 zu Bett.

     

     

     

     

    18.06.12

    Wenn wir in der Nacht die Augen öffneten schauten wir auf einen azurblauen Himmel mit kleinen weißen Wölkchen. Dafür begann es, schon bevor wir aufstehen wollten, zu regnen und dieser Regen hielt den ganzen Tag an bis wir Gällivare erreichten, diese Stadt, die mehr oder weniger mit Malmberget zusammengewachsen ist.

    Somit blieben wir auf der 45, die uns allerdings kurz hinter Vittang schwer enttäuschte. Sie war auf der ganzen Strecke nicht sonderlich gut, sie war uneben mit sehr vielen Querwellen versehen, aber es war auch nicht viel Betrieb und so konnte man sich die beste Seite oftmals aussuchen. Einige Kilometer hinter Vittang, es regnete immer noch mal heftig und mal heftiger, sahen wir von weitem schon eine gänzlich andere Farbe der Fahrbahn. Der Asphalt war plötzlich zu Ende und nach 3 – 4 Kilomtern war er wieder da. Wir hatten allerdings noch nicht so richtig aufgeatmet, als wir wieder auf der Stotterpiste fuhren. Die Schlaglöcher waren so eng gesät, dass man keine Chance hatte allen auszuweichen. Es schlug und spritzte, ich ging mit der Geschwindigkeit runter bis auf unter 20 Km/h ganz zum Unmut der anderen Fahrer, die ihre Geschwindigkeit beibehielten wenn sie nicht mal vorübergehend auf 50 Km/h gedrosselt wurde. In dem Moment, wenn wir überholt wurden, ging ich mit der Geschwindigkeit noch weiter runter, denn die Steinschlaggefahr war hier riesig groß. Für die jetzigen 15 Kilometer benötigten wir eine lange Zeit. Kurz vor der Abzweigung in Richtung Süden war dann der Alptraum vorüber. Unbeschadet erreichten wir Gällivare.

     

    Wir fuhren kurz bis zur Mine rauf nach Malmberget, aber auch hier war kein Mensch zu sehen. Somit ging es noch kurz zum bekannten Bahnhof ganz aus Holz gebaut in Gällivare, dort in der Nähe suchten wir die Touristinformation auf, die aber auch nicht viel zu bieten hatte. Außerdem war es 5 Minuten vor 17:00 und die Angst in den Augen der älteren Dame war zu erkennen: „Hoffentlich stellt er nicht zu viele Fragen!“ Erst ab dem 26.06. hat dieses Büro bis 19:00 geöffnet, aber auch nur für einige Wochen.

    In Malmberget, dorthin fuhren wir zurück, fanden wir dann einen Platz für die Nacht. Jetzt hatte es aufgehört zu regnen und am Horizont bildete sich ein breiter, blauer Streifen, der breiter zu werden schien; vielleicht war das aber auch nur ein Wunschtraum. Allerdings es ging ja auf den Abend zu. Wieder einmal abwarten.

                    Die Landschaft unterwegs an diesem Tag war nicht berauschend. Die Bäume werden wieder etwas größer, Seen gab es in großen Mengen, ich hatte den Eindruck sie waren alle viel zu voll, denn man konnte keine Ufer mehr erkennen. Auch dort, wo sich keine Seen befanden, stand oftmals das Wasser auf großen Flächen, wir hatten den Eindruck, dass es hier viel und lange geregnet haben musste.

    Morgen, wenn wir einige Besichtigungen gemacht haben, werden wir unsere Fahrt fortsetzen, allerdings den Polarkreis werden wir erst am 20. oder am 21. überqueren. Wenn alles klappt, dann werden wir ca. 4 Kilometer vor Jokkmokk stehen bleiben.

    Einen kurzen Auszug aus dem ADAC-Blatt:

    Gällivare-Malmberget, hier hat das Eisenerz die Doppelstadt reich gemacht. Urlauber können nicht nur ein Grubenmuseum besichtigen sondern auch das Bergwerk von Malmberget.

    In Gällivare ist die Lappkyrkan, die Samenkirche von 1881, die Hauptsehenswürdigkeit. Sie trägt auch den Beinamen Ettöreskyrka, was so viel bedeutet wie „Ein-Öre-Kirche“, weil seinerzeit jeder schwedische Steuerzahler mehrere Jahre lang eine Öre zu ihrem Bau beisteuern musste. Die Kirche ist ebenso aus Holz gebaut wie der schmucke, denkmalgeschützte Bahnhof des Ortes, der 1887 im Blockhausstil errichtet wurde. Gällivare ist übrigens auch der Endpunkt der Inlandsbana, die vom Süden bis hierher fährt.

     

     

     

     

     

     

     

    19.06.

    Es ist Dienstag, seit 16:00 stehen wir vier Kilometer vor Jokkmokk. Jetzt ist es kurz nach 19:00, vor mir durchs Cockpitfenster schaue ich auf eine kleine Halbinsel, die in den See ragt. Daneben liegen zwei kleinere Inseln, mit einer steinigen Furt zwischen ihnen. Rechts, in mittlerer Entfernung ist wieder Land, erst weiter rechts ragt der See mit den sich kräuselnden kleinen Wellen weit ins Landesinnere. Die Sonne hat sich einen Weg durch die Wolken gebahnt und formt eine silbrig glänzende Bahn über den See. Nach hinten hin ist der See weiträumig offen und in der Ferne ist das Ufer nur als Strich zu erkennen.

    Wir fuhren gegen 09:30 von Malmberget in Richtung Gällivere. Unterwegs frühstückten wir und kauften dann bei Coop noch Kleinigkeiten. Dann ging es weiter in die Stadt. Wir suchten den Longterm-Parkplatz in Gällivare auf und machten uns auf „Schusters Rappen“ auf den Weg die kleine Kirche zu besichtigen, zwei Versuche waren in den letzten Jahren gescheitert durch Hochwasser des Älv oder anderen Unannehmlichkeiten. Es nieselte aber wir ließen nicht locker. Wir gehen über den Viadukt des uralten, denkmalgeschützten Bahnhofes, der 1887 im Blockhausstil gebaut worden ist.

    Vor dem Fluß biegen wir nach links über einen kleinen Pfad, dieses Mal ist der Fluß in seinem „Bett“ geblieben. Nach einigen hundert Metern sehen wir schemenhaft die Kirche auf einer kleinen Kuppel stehen von Bäumen umrahmt. Wir sind gespannt ob sie geöffnet ist, denn um diese Jahreszeit ist das noch nicht die Normalität. Wir erklimmen den kleinen Hügel, denn Treppen gibt es von dieser Seite aus nicht und gehen die Stufen zum Portal hinauf und, oh Wunder, sie ist offen. Es bietet sich uns ein kleiner Kirchenraum mit kleinem Altar und einer kleinen Kanzel. In der Mitte hängt ein Bildnis aus der Bibel. Die Lappenkirche, wie sie auch genannt wird, Lappkyrkan, oder besser Samenkirche ist von 1881. Sie ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten dieser quirligen Stadt. Ich hatte vorhin schon darüber berichtet und kann mich ergo nun kurz fassen. Wir freuten uns, dass wir dieses Prachtstück von innen besichtigen durften. Sie wurde übrigens damals gebaut um die Lappen zum Christentum zu bekehren. Man musste sich eben auch hier immer einmischen um anderen Menschen angeblich etwas Gutes tun zu wollen. Derartige Geschichten gibt es ja leider millionenhaft. Überall auf der Welt glaubten gewisse Kreise von Menschen anderen etwas Gutes zu tun indem man sie bekehrte, häufig war das Gegenteil der Fall.

    Später besuchten wir noch eine weitere mehreckige Kirche ganz in Weiß gehalten. Sie wurde 1879-81 gebaut als die schnelle Steigerung der Bevölkerung infolge des Bergbaues in Malmberget eine größere Kirche verlangte. Man nennt sie auch Gellivares Neue Kirche. Sie wurde nach einer umfassenden Renovierung 1967 erneut geweiht, Gott sei Dank hat man sehr darauf geachtet die ursprüngliche Farbzusammensetzung beizubehalten. Hinter dem Altar hängt kein Bild, sondern ein wunderbarer Wandteppich.

    Die Tourist-information gibt einen kleinen Prospekt heraus über einen „Kulturstig“ von ca. 2 Km Länge, man sollte nicht versäumen sich diese Sehenswürdigkeiten anzuschauen.

                   Auf dem Rückweg von dieser kleinen Kirche, die etwas versteckt liegt, sahen wir auf einem Hügel jenseits des Flusses Fjällnäs. Es ist ein Sommerhaus, welches 1889 von dem Chef der Bergbaugesellschaft, C. O. Bermann, gebaut wurde, bzw. er ließ es bauen. In dem ehemaligen Park wurden mittlerweile Wohnhäuser gebaut.

    Noch ein paar Worte über Gällivare. Die Stadt liegt ca. 100 Km nördlich vom Polarkreis in der Provinz Lappland und im Bezirk Norrbotten. Es ist der Zentralort in einer dreisprachigen Gemeinde (Schwedisch, Lappisch und Finnisch). Die Begegnung zwischen den Kulturen von Lappen, Siedlern und Bahnarbeitern wurde damals zu einer spannenden Mischung.

    1742 wurde Gällivare von der Gemeinde Jokkmokk getrennt. Es gab dann keine feste Ansiedlung mehr hier. Übrigens, die ersten lappischen Einwohner waren schon vor etwa 6.200 Jahren hier.

    Teile der Nationalparks Stora Sjöfallet und Muddus, sowohl wie auch mehrere Naturschutzgebiete liegen innerhalb der Gemeinde, deren Fläche 16000 km2 mit halb Belgien zu vergleichen ist.

    Der Name Gällivare kommt aus der lappischen Sprache und bedeutet „Der Spalt im Berge“. Er bezieht sich auf das Tal zwischen den Bergen Välkomman und Tigvallskulle in Malmberget, das die Lappen bei ihren Übersiedlungen als Richtpunkt benutzten. Vom 02.06. bis 12.07. leuchtet die Sonne bei klarem Wetter Tag und Nacht, während sie vom 25.11. bis 19.01. gar nicht sichtbar ist.

     

    Nach diesen Besichtigungen fuhren wir noch einmal zurück zu einer Art Industriepark, in dem sich viele Geschäfte wie z. B. ICA- COOP etc und mehrere Tankstellen angesiedelt hatten. Wir tankten für, man staune, 1,59 € umgerechnet. Das stimmte uns natürlich recht froh und anschließend setzten wir uns auf die 45 und fuhren in Richtung Jokkmokk. Ich freute mich schon auf diesen Bereich ca. 12 Km vor dem Nordpolarkreis. Hier hatten wir vor Jahren schon einen Übernachtungsplatz an einem großen See gefunden, den wir immer wieder aufsuchten, wenn wir diese Route fuhren. Wenn wir früher mit ein oder zwei Wohnmobilen hier standen, so stehen heute 7 Fahrzeuge hier, der Platz muß wohl anderen auch gefallen haben. Naja, die anderen verschwinden mit großer Wahrscheinlichkeit morgen wieder, ich hoffe nur, dass wir noch eine weitere Nacht stehen bleiben, was u. a. auch vom Wetter abhängt. Im Moment stehen die Chancen jedenfalls gut, es wird heller und das ist schon mal ein gutes Zeichen hier. Es ist z. B. auch ein wunderschöner Platz um die Mitternachtssonne zu erleben, wenn keine Wolken vorhanden sind.

     

     

    20.06.12

    Irgendwann wurde es unruhig im Bett. Plötzlich hörte ich Christel sagen: „Guten Mittag!“ Ich reagierte unwesentlich, denn sie sagt manchmal so etwas, auch wenn es noch weit von der Mittagszeit entfernt ist. Ich muß wohl gefragt haben wie spät es sei, denn sie meinte, dass es halb elf Uhr sei, da war ich dann doch etwas überrascht, aber es spielte ja eigentlich keine Rolle, wir hatten eh nichts vor heute. Sie sprang aus dem Bett und ging ins Bad. Jetzt wusste ich, dass ich noch etwas Zeit hätte. Sie stellte dann nämlich zunächst das Wasser auf für den Kaffee und mein Zeitraum war von jetzt an bis der Kessel flötet.

    Es wehte ein kräftiger Wind, auf dem großen Stausee hatten sich richtige Wellen gebildet, die jetzt auf die Steine am Ufer, keine 5 Meter von uns entfernt, schlugen. Die Gräser, die Büsche am Ufer und auch die Zweige und Äste der Bäume hier auf diesem schönen Platz neigten sich gen Osten oder wackelten heftig in keine besondere Richtung. Hin und wieder bemerkte ich eine leichte Bewegung am Wagen, so, als wolle der Wind auch mich bewegen. Als wollte er sagen: “Beweg dich, leben ist Bewegung, lebe!“ Als ich auf meinen rechten Arm gestützt so da lag und mich in Betrachtungen ergab wurde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen, das Wasser kochte und der Kessel pfiff, der schrille Ton der Flöte riß mich hoch. Ich hörte die elektrische Zahnbürste im Bad, sie hatte ja Akkus und war unabhängig von weiterem Strom, da wusste ich, dass es jetzt an der Zeit sei Kaffee aufzugießen; same procedure as every morning! Wir kochten ja unterwegs, wenn wir keinen Strom hatten, den Kaffee nach Ur-Großmutters Machart.

    Mir ging es gut, denn ich wusste, dass wir heute bleiben würden, hier an diesem großen See 4 Km nördlich von Jokkmokk an der E45 und ca. 12 Km nördlich vom Arctic-Circle.

    Um kurz nach 12:00 waren wir mit dem Frühstück fertig. Die Wellen auf dem See hatten sich verstärkt. Die Wellenkämme waren höher und zwischen den Kämmen bildeten sich tiefe Täler. Die Sonne kam hin und wieder mal zwischen den Wolken durch und dann schlug auch der Zeiger der Ladeanzeige von der Solarplatte an. Nun wurde auch unsere Batterie wieder ein wenig geladen, ich hatte sie allerdings gestern auch nicht sehr beansprucht. Das letzte Wohnmobil außer unserem hatte sich  inzwischen wieder auf die Straße begeben. Wir sind allein am großen Stausee mit den kleinen Inseln, die ich oftmals mit den Oasen in der Wüste vergleiche.

                Mittlerweile wurde es hoher Nachmittag, der Wind nahm noch zu. Die Wellen rollten jetzt förmlich an den Strand auf die dicken Steine. Es regnet immer wieder ganz fein, so wie wir in Irland den Mist kennen gelernt hatten, der Mist war hier nicht besser. Die Mitternachtssonne wird uns verwehrt bleiben.

    So wurde es Abend und wir hatten keine Chance mehr die Sonne um Mitternacht zu erleben.

     

     

    21.06.

    Wir blieben auch heute. Es ist einfach ein schöner Platz direkt am See mit einem weiten Blick bis zum anderen Ufer. Wir beschlossen nach Jokkmokk zu fahren, das sind 4,5 Km. Nach ca. 800 m kamen wir an dem Kraftwerk vorbei. Hier hatten sich einige Sprayer oder auch „Maler“ in der Kunst geübt, aus diesem Grund nennt man es auch Konstverk. Auch wir fotografierten dieses schon häufig aufgenommene Werk oder vielleicht eher diese Werke. Dann ging es weiter in die Stadt. Beim ICA kamen wir natürlich nicht vorbei. Wir kauften ein und anschließend suchten wir die „alte Kirche“ auf, es handelte sich um eine kleine Kirche mit bis zu 100 Personen aus dem 18. Jh. die allerdings Mitte des 20. Jh. abgebrannt ist. Nun hat man sie damals nach altem Muster wieder aufgebaut und wir waren begeistert, als wir dieses kleine Kirchlein sahen und später den Innenraum betraten. Auf dem Rückweg  versorgten wir uns noch mit Frischwasser, dann ging es zurück.

               Leider meinte es das Wetter noch nicht zu gut mit uns, der Wind wehte stark und es war kalt, zu kalt um sich draußen aufzuhalten. So verbrachten wir den Nachmittag zu Hause und drinnen.

    Am Abend wurde es noch einmal interessant. Es war so gegen 22:00, ich schaute aus dem Fenster und sah, wie die Sonne am Horizont immer wieder versuchte einzelne Wolkenbänke beiseite zu schieben. Ich war noch in voller Montur und zog über meinen dicken Pullover noch meine dicke schwarze Jacke, die auch dem Wind und der Kälte trotzte, dann ging ich mit Kamera bewaffnet auf den vorderen Parkplatz und versuchte einige passende  Momente der tiefstehenden Sonne zu erhaschen. Später gesellte sich noch ein Mann zu mir mit dem demselben Gedanken. Wir saßen bis gegen 23:30, ich wusste gar nicht wie ich noch aufstehen konnte, denn die Knie waren eiskalt und meine Beine gehorchten auch nicht mehr so recht. Wir hatten 6 Grad, das stellte ich fest, als ich in den Wagen zurück kam, der Wind brachte die fühlbare Temperatur mindestens runter auf 3 Grad. Hier im Wagen empfand ich es mit seinen 16 Grad als sehr angenehm und es dauerte lange bis ich wieder im Bett auf Normal-Temperatur kam.

     

     

    22.06.12

    Trotzdem, der Kaffeekessel kannte kein Pardon, derjenige, der in aufgestellt hatte, auch nicht. Die Worte: „Du hättest ja nicht aufzustehen brauchen, ich hätte den Kaffee schon gekocht,“ taten immerhin gut.

    Wir hatten in der Touristinfo gestern erfahren, dass heute um 13:00 ein Event stattfinden soll auf einem größeren freien Platz. Da wir so etwas noch nie gesehen hatten wollten wir unbedingt daran teilnehmen. Wir landeten zunächst, wie sollte es anders sein, beim ICA, klar. Danach wollten wir eine Butik aufsuchen um uns Samikultur anzuschauen, aber auch dieses Geschäft war, wie alle anderen, außer den Lebensmittelläden, geschlossen. Heute hatten die Schweden Feiertag, man ging raus in die Natur, u. U. mit Laubsträußen am Auto und eventuell noch mit bunten Bändern geschmückt, man stellte entsprechende Bäume (Majstang) auf, die oben ein Dreieck bildeten und unter diesem Dreieck hingen rechts und links jeweils ein Kreis, ebenfalls aus Laub von den Bäumen geschnitten.

                In Erwartung dieser Angelegenheit gingen wir zu dem entsprechenden Platz, den uns die Dame auf einer Karte angezeichnet hatte. Sie lag etwas oberhalb des Klinikums. Um 12:30 war dieser Platz noch menschenleer und wir zweifelten schon, ob wir wohl noch etwas zu sehen bekämen. Weiter rechts hörten wir Musik, aber das war nicht unsere Richtung. Wir gingen weiter zu einem kleinen See, der zu Jokkmokk gehört und bogen dann zu einem Cafè ab, auch dort nichts. Die Leute mehrten sich, die suchend durch die Gegend spazierten. Wir wussten nicht so recht was wir tun könnten. Wir gingen zu dem anfänglich angesteuerten Platz durch den Wald zurück, als uns eine Dame außerhalb Rufweite winkte, sie zeigte von sich aus nach links. Wir bogen also, als wir ihre Höhe erreicht hatten, rechts ab und kamen nach wenigen hundert Metern in einen Bereich, wo wir viele Menschen hörten. Plötzlich sahen wir auf einer Lichtung einen Verkaufswagen und rechts auf freier Wiese erstaunlich viele Menschen teilweise auf Bänken oder auf dem Grasboden sitzend. Es wurde Erdbeertorte selbstgemacht verkauf und dazu Kaffee aus Plastiktassen. Eine lange Stange lag auf einer Stuhllehne, im letzten Drittel war ein Querbalken befestigt und von beiden Seiten führe ein dickes Seil jeweils zur Spitze der Stange. Die Menschen unterhielten sich und es tat sich noch nichts. Dann, es war 13:01, trat eine Dame ans Mikrofon und begrüßte wohl die Menschen in ihrer Landessprache, sie zauderte aber nicht danach das Gesagte ins Englische zu übersetzen. Später lud sie dann alle Anwesenden ein sich an der Beschmückung dieses Gebildes auf der Stuhllehne zu beteiligen. Da sowieso nicht alle hätten helfen können spezialisierte ich mich aufs Fotografieren. Es dauerte vielleicht eine gute halbe Stunde, die helfenden Hände wurden immer zahlreicher, entstand mit Zweigen geschmückt eine grüne Stange und auch der Querbalken ergrünte innerhalb kurzer Zeit. So geschah es auch mit den beiden von rechts und links zur Stange reichenden Seilen. Andere Damen beschäftigten sich mit den beiden Ringen, die anschließend rechts und links unter das entstandene Dreieck gehängt wurden. Die Majstang war fertig. Die agile Dame trat wieder ans Mikrofon und bat nun stramme Männer diese Majstang in ein vorher gefertigtes Loch im Boden zu stecken, auch das gelang perfekt. Wir hatten auf einer Bank ganz vorn Platz genommen und konnten alles sehr gut beobachten.

              Nun kam der Aufruf für alle Beteiligten sich zum Tanze um die Majstang an dieselbe zu begeben. Die Mütter mit ihren Töchtern und die Väter mit ihren Söhnen hatten gerade darauf gewartet. Alle bildeten einen Kreis und eine Musikgruppe aus 4 teils 5 Personen spielte nun auf und sang entsprechende Lieder. Es wurde im Kreise getanzt oder auch für meine Begriffe unkontrollierbar durcheinander, aber ein System musste das alles haben und ich bin sicher dass es das auch hatte.

    Wir hatten uns das alles mit großem Interesse angeschaut, leider wurde es in praller Sonne dermaßen heiß, dass wir nach ca. 1 ½ Stunden wieder aufbrachen. Die letzten vielen Wochen war es eiskalt gewesen und nun war es viel zu heiß.

    Zufrieden und glücklich dieses gesehen haben zu dürfen gingen wir zum Auto zurück und fuhren wieder zu unserem Platz, der uns über alle Maßen gut gefiel. Wir machten es uns gemütlich und tranken unseren Cappuccino draußen unmittelbar am Seeufer und saßen hier bis nach 20:00, die Zeit wurde nur durch das Abendessen unterbrochen. Es war ein wunderschöner Tag. Die Schweden feierten zunächst draußen, wie wir sie erlebt hatten und anschließend feierte man zusammen in Gruppen z. B. daheim oder auch anderweitig und wenn man den Broschüren Glauben schenken darf, dann feiern sie heftig und auch dem Alkohol ist man dann recht zugetan. In einer Broschüre steht zu lesen: „Sie haben dann zwei Tage nötig um sich wieder zu regenerieren!“ Na, dann wohl bekomm`s. Wir können wieder einmal ein positives Erlebnis verbuchen.

    Es wurde noch ein langer Tag, denn gegen Abend verschwanden die Wolken und die Sonne stand am Himmel. Wie wir vermutet hatten blieb das so bis über Mitternacht hinaus und da wir noch keine Fotos gemacht hatten von der Mitternachtssonne ohne Wolken blieb ich auf, bis sie hinter dem Waldstück rechts vom See verschwand ohne unterhalb des Horizontes zu tauchen. Ich denke, dass einige schöne Aufnahmen dabei herausgekommen sind. Gegen Mitternacht wurde es recht kühl und ich zog mir noch eine Jacke über meinen Pullover. Was noch erschwerend hinzu kam waren die Mosquitos, die es ab jetzt gab. Seit dem gestrigen Tag war auch die Eiseskälte am Abend vorüber, es wurde noch kühl, aber eben nicht mehr saukalt, anders kann man es nicht ausdrücken. 

     

     

     

     

     

     

     

    23.06.

    Jetzt könnte ich die Tage zusammenfassen, denn wir blieben weiter an diesem herrlichen See 4,5 Km nördlich von Jokkmokk. Heute saßen wir den ganzen Tag an der Seite unseres Fahrzeuges mit Blick zum See hin, es war eine wunderbare Erholung mit dem Blick über den See. Das Ufer halb rechts von uns lag schon beinahe am Horizont, nur die schneebedeckten Berge konnte man bei diesem klaren Wetter hervorragend erkennen und dahinter war uns der Blick verwehrt, selbst wenn die Berge nicht gewesen wären, weiter hätte man nicht schauen können.

    Am Nachmittag tauchte ein Schweizer Landsmann mit einem sehr alten VW-Camper auf. Er war alleine und reiste seit 5 Wochen durch die Lande. Wir kamen erst kurz ins Gespräch und später blieb er dann immer länger bei uns stehen und wie das so ist, man kommt von Höckchen auf Stöckchen und mehr. Erst als es kühl wurde bzw. die Mosquitos so aufdringlich wurden, dass wir uns beinahe nicht mehr wehren konnten, da zogen wir uns zurück in unsere Behausung. Es war ein gemütlicher Tag und das muß auch mal sein.

     

     

    24.06.

    Heute verließen wir nun den See, schweren Herzens muß ich sagen, denn dieses war ein urgemütliches Plätzchen, aber wir hatten uns nun auch lange genug ausgeruht.

    Wir machten alles reisefertig und dann ging es los, nach 4,5 Kilometern fuhren wir geradeaus über den Kreisel und nach weiteren 9 Kilometern erreichten wir den Arctic-Circle, den wir zwei Mal berührten. Wir überfuhren ihn nach Süden hin und bogen dann auf den Parkplatz um nördlich davon zu parken. Dieses Mal hatte das Cafè offen und in beinahe jedem Cafè in dieser Region werden auch Souvenirs angeboten, so war es auch hier. Es war reger Betrieb, 5 Wohnmobile standen auf dem Parkplatz und zusätzlich einige Pkw. Die Feuerwehr machte mit einem kleinen Boot auf dem See, der genau auf der Polarkreislinie liegt, eine sonntägliche Übung.

    Normal bleibe ich gerne am Polarkreis über Nacht stehen, es gibt mir ein glückliches und zufriedenes Gefühl, welches ich nicht beschreiben kann. Hier blieben wir aber nicht, denn wir waren gerade einmal 15 Km gefahren und oberhalb des normalen Parkplatzes gab es einen kleinen nicht geteerten Platz, den man in einen Campingplatz umfunktioniert hatte indem man ein Schild aufgestellt hatte: „Camping mit Strom 140 SEK, ohne Strom 100 SEK. Es war um die Mittagszeit und was sollten wir den ganzen Nachmittag hier? Also entsorgten wir und versorgten uns mit Frischwasser und setzten dann die Fahrt fort in Richtung Arvidsjauer, welches wir aber heute nicht mehr erreichen wollten.

    Die 45 war recht eintönig und heute fehlten auch noch die wenigen Lkw, da wir an einem Sonntag fuhren. Wald und Seen wechselten sich ab. Rentiere gab es hier nur spärlich, die waren wohl alle in Richtung Küste gewandert.

    Ca. 10 Km vor Moskosel fuhren wir rechts ab an den hier sehr breiten Pite-Älven. Wir blieben noch vor der Brücke und stellten uns etwas abseits an ein kleines Wäldchen wenige Meter von diesem reißenden Fluß entfernt. Von hier aus hatten wir einen herrlichen Blick auf den Parkplatz auf der anderen Seite des Flusses, nur, wir standen weiter von der Straße entfernt.

    Plötzlich parkt auf diesem besagten Parkplatz ein gelbes etwas seltsam aussehendes Fahrzeug, welches aber wohl doch als Wohnmobil zu erkennen war. Es dauerte nicht lange dann bummelte ein Ehepaar über die Fußgängerbrücke und wir sagten noch zu einander: „Die kommen bestimmt hier rüber um sich diesen Platz anzuschauen!“ So war es dann auch, wir kamen ins Gespräch, die Dame aus LIP.. blieb gleich bei uns, ihr Mann holte das Fahrzeug, ein Orion-Wohnmobil. Wir erinnerten uns nicht jemals solch ein Fahrzeug gesehen zu haben. Man klärte uns dann später auf, dass es davon noch 80 Fahrzeug auf der Welt gibt.

    Das Ehepaar war sehr nett und die Gespräche wurden nur zum Abendessen unterbrochen. Der Herr aus LIP.. hatte inzwischen mehrere Kerzen geholt, denn die Mosquitos kamen in vermehrter Anzahl und hatten zum Angriffe gepfiffen. Wie viele es ohne die Kerzen gewesen wären oder wie viel weniger, dass wage ich nicht zu beurteilen. Wir tranken ein Gläschen Wein draußen auf der Bank und ehe wir uns versahen, ich schaute das erste Mal auf die Uhr, da war es 22:45. Das hätte ich nicht sagen sollen, denn damit war der Aufbruch eingeläutet. Als wir drinnen waren stellten wir fest, dass es draußen ganz schön kühl geworden war, was wir nicht bemerkt hatten. Die Temperatur war auf 10 Grad runter, und das war ja nun nicht mehr unbedingt warm.

     

     

    25.06.12

    Ich war noch im Bad, als die beiden aus LIP.. abfuhren. Christel verabschiedete sich noch von ihnen. Ihr Ziel war zunächst auch Avidsjaur, wohin wir auch heute wollten, sie fuhren dann aber die Silberstraße nach Norden und überquerten somit den Arctic-Circle noch einmal nach Norden um ihn später dann auf der E6 noch einmal nach Süden zu überqueren vorbei an dem Arctic-Center, welches ich, bzw. das gesamte Gebiet, ganz besonders ins Herz geschlossen habe.

    Als wir nach Avidsjaur reinfuhren und parkten trafen wir beide noch einmal wieder. Somit verabschiedeten wir uns noch einmal. Wir bummelten die Hauptgeschäftsstraße rauf und runter. Selbstverständlich besuchten wir auch die alte Holzkirche am Rande der Stadt. In der Tourist-Info, dieses Mal konnte man sich mit der jungen Dame mit grünen Finernägeln ausgezeichnet unterhalten, denn sie hatte ein umfangreiches Wissen über das gesamte Gebiet der Avidsjaur-Kommune. Wir bekamen hervorragende Auskunft über die Linbana, eine Cable-Car mit Gondeln wie man sie in den Bergen kennt, man sagt wohl Seilbahn, nur diese Seilbahn führt über 13,5 Km über Seen und Wälder hinweg immer mit unterschiedlichem Abstand zum Boden. Man wird, auf der anderen Seite angekommen, mit einem Bus zurück gefahren zum Ausgangsort. Diese Tour wollen wir nun morgen unternehmen.

    Wir setzten uns also von Arvidsjaur wieder auf die 95 bis uns die 365 erreichte, auf der bogen wir dann rechts ab und landeten später in Mensträsk. Hier war auch der Check-In, die Dame war sehr freundlich und erklärte uns die ganze Angelegenheit. Wir durften hier direkt neben dem Eingang zur Seilbahn stehen bleiben und sind somit morgen um kurz vor 12:00 bei ihr an der Rezeption, wo wir dann einen Film zu sehen bekommen, danach geht es dann in 1 ½ Stunden in einer gewissen Höhe parallel zum Boden nach Örträsk, wo die Fahrt enden wird.

    In Arvidsjaur hätte ich gerne einige Digitalbilder vom USB-Stick ausdrucken lassen wollen, aber auch in dieser Stadt war es nicht möglich. Es dauert hier in Schweden immer noch 1 bis ½ Wochen bis man seine Papierbilder bekommt. In einer Stadt hatte ich bislang Glück, da brauchte ich „bloß“ 55 Minuten zu warten.  Was bei uns mittlerweile Selbstverständlichkeit ist in vielen Geschäften und Drogerien, nämlich, dass man seine Bilder aussuchen und drucken lassen kann, das ist hier in Schweden überwiegend noch Zukunftsmusik.

    Morgen werden wir also in dieser Region in der Norsjö Kommun aufhalten, bevor wir dann weiter nach Kristineberg fahren, wo wir eine Kirche besichtigen wollen ca. 90 m unter der Erdoberfläche, naja, wir werden sehen.

     

     

    26.06.

    Nach dem Frühstück schauerte es ein wenig, aber wie das in Schweden halt ist, es regnet mal kurz und dann kommt die Sonne wieder durch. Selbstverständlich hatten wir alles so geplant, dass wir nach dem Frühstück wieder sehr viel Zeit hatten, das war aber auch gut so, denn wir hatten eine Horrornacht hinter uns. Um kurz nach 22:00 gingen wir zu Bett und, wie sollte es anders sein, wir hatten wohl einen Mosquito mit reingebracht, was kein Wunder war, denn hier schwirrten so viele rum, wie wir auf dieser Reise noch nicht gesehen hatten. Christel hielt es nicht aus, wenn er wie ein Stucka auf sie hernieder stieß. Sie stand also auf und killte ihn nach etlichen missglückten Versuchen. Nun kam der zweite aus seinem Versteck und brachte seinen „Kumpel“ mit. Auch die beiden wurden nach vielen vergeblichen Schlägen kampfunfähig gemacht. Wenn ich so weiter erzählen würde, dann könnte ich die Seiten nicht mehr ausdrucken. Es ging die ganze Nacht durch. Irgendwann, es war wohl gegen 06:00 in der Früh, ich machte kurz mal die Augen auf, stand Christel mit dieser entsprechenden Patsche am Bett und sagte nur: „Du kannst noch schlafen, es ist noch früh, ich beschütze Dich vor diesen blutrünstigen Biestern!“. Nun stießen diese kampferprobten Biester auch wieder zu mir runter, ich hielt es noch einige Zeit im Bett aus, an Schlaf war eh nicht mehr zu denken. So verging die Zeit, mittlerweile hatte ich zu einer besseren Methode gegriffen, ich versprühte 98 %igen Alkohol aus einer entsprechenden Flasche, das hatte den Vorteil ich konnte sie auch im Flug kampfunfähig machen. Sie stürzten dann nach einmaligem Sprühen sofort vom „Himmel“ und damit waren sie uns ausgeliefert. Das war nicht mehr als recht und billig, denn wir waren ihnen die Nacht über ausgeliefert.

    Bevor wir unser Heim gegen 11:30 verließen hatten wir mindestens noch zwei Dutzend erledigt. Woher sie alle kamen, wir wissen es nicht, wenn man aber sah, dass draußen Tausende schwirrten, dann wunderte uns das nicht. Die Tür zur Rezeption und zum Cafè war allerdings noch verschlossen, die Dame hatte uns ja auch gesagt, dass wir um 12:00 kommen sollten zum Filmvortrag über die Seilbahn. Wir gingen also noch einmal zurück, denn hier draußen konnten wir uns nicht retten vor diesen Mosquitos. Im Wagen dann, bevor wir wieder zur Rezeption gingen, errungen wir noch 5 oder 6 Siege und damit war für uns der Kampf gewonnen.

    Die Dame im Gebäude begrüßte uns sehr freundlich und fragte ob wir eine gute Nacht gehabt hätten. Dieses Thema wurde dann kurz noch einmal von beiden Seiten beleuchtet, dann wurden wir mit drei weiteren Deutschen Urlaubern in einen Saal geführt und man zeigte uns einen 25 minütigen Film über die Entstehung der Bahn und den damaligen sowie den heutigen Sind und Zweck.

    Um 12:30 kamen dann die Schweden an die Reihe um sich den Film anzuschauen und um 13:00 gingen wir zu der langen Halle in der die Gondeln hingen. Ein überaus freundlicher und humorvoller Mann teilte uns die Kabine 8 an der Spitze aller anderen Kabinen zu, es dauerte nicht mehr lange, dann wurden wir angekoppelt und es ging los, es wackelte und polterte, dann hingen wir über den Bäumen, die anderen Kabinen folgten im gesicherten Abstand. Zunächst ging die Fahrt über einen langgestreckten See, Christel stellte mit Befriedigung fest, dass der See nicht tief war. Wir hingen teils über dem Wasser, teils zwischen den Bäumen und teil über diesen. Die Sicht nach vorn und zu beiden Seiten war hervorragend und die 1 ¾ Stunden vergingen wie im Fluge. Nach der Hälfte der Strecke kamen uns die entgegenkommenden Kabinen entgegen, wir winkten uns jedes Mal zu; einige hatten es sich richtig gemütlich gemacht, sie hatten den Tisch in der Mitte nach unten geklappt und tranken entweder ein Gläschen Bier oder verspeisten den Inhalt ihres Lunchpaketes. Einige prosteten uns zu, wir hätten allerdings nur mit Saft zurück prosten können, denn wir wollten nach der Rückkehr noch einige Kilometer fahren und bei „0,0“ geht in Richtung Alkohol nichts.

                 Nach 100 Minuten, es hatte im letzten Drittel stark angefangen zu regnen, fuhren wir in Örträsk wieder in die Halle ein, gestartet waren wir in Mensträsk. Es regnete immer noch. Der Busfahrer teilte uns mit, dass wir in ca. 25 Minuten abfahren, er würde uns zurück bringen zum Startplatz. Während der Zeit besichtigten wir ein wunderbares Gebäude, welches als Zelt dargestellt wurde. In der Mitte befand sich eine Feuerstelle und direkt anschließend stand ein Holzkohlegrill. Ringsum hatte man Tische und Bänke aufgestellt, auf den Bänken lagen jeweils dicke Rentierfelle. Links die Theke war leider nicht besetzt somit konnten wir auch nichts zum Trinken bestellen, in Anbetracht der Gemütlichkeit dieses Raumes wären wir gerne eine viertel Stunde hier geblieben.

    Der Bus brachte uns in einer halben Stunde zum Startplatz zurück. Wir verabschiedeten uns und gingen zum Wohnmobil zurück. Es wurden noch einige Mosquitos unschädlich gemacht, man verzeihe mir, dass ich das mit einer gewissen Genugtuung sage. Dann setzten wir uns wieder in Bewegung und fuhren nach Kristineberg zurück auf die 365 bis Fromheden, dann auf die 370. Diese Straßen verdienen ein doppeltes Lob, sie war so glatt, man verspürte nicht eine Delle auf der Fahrbahn.

    In Kristineberg sollte nun morgen ein weiteres Highlight auf uns warten. Lt. unseren Unterlagen sollte um 13:00 ein Bus zu einer Grube fahren, in der Bodenschätze abgebaut wurden. Es handelt sich hier um Silber, Gold, Zink und Kupfer bzw. Erze.  Weiterhin berieten wir unser weiteres Vorgehen in Bezug auf die zu fahrende Strecke, wir behandelten 2 grundverschiedene Routen; eine Route, falls wir noch mehr als 5 Kg Gas haben sollten und eine andere Route falls wir unter 5 Kg Inhalt liegen sollten.

    Noch ein paar Worte zu unserer Seilbahnfahrt:

    In einer Broschüre steht geschrieben, dass es sich um die längste Seilbahn der Welt handelt. Dieser ropeway ist 96 Km lang und ein technologisches Meisterwerk. Es wurde in 370 Tagen gebaut um Erz von Minen zwischen Kristineberg und Boliden zu transportieren. In den Kriegszeiten wurde sehr viel Erz benötigt und das sehr schnell. Straßen zu bauen hätte zu lange gedauert und die Kosten wären zu hoch gewesen,  außerdem wollte man so wenig wie möglich in die Natur eingreifen, ein lobenswerter Gedanke wie ich meine. Hieran halten sich die Schweden auch heute noch.

    Im Jahre 1943 wurde diese Bahn fertiggestellt, sie arbeitete bis 1987. Nun gab es Kräfte in diesem Bereich, die die Bahn nicht einfach abreisen wollten sondern sich Gedanken gemacht hatte was man mit ihr anfangen kann. So kam man auf die Idee ein 13,5 Km langes Stück stehen zu lassen. Es wurde instand gesetzt und man holte Viererkabinen, die man nun anhängte und so entstand diese einmalige Bahn mit der man fast lautlos 13,5 Km Seenlandschaft und Waldgebiete von oben betrachten kann. Die Natur am Boden bleibt nahezu unberührt, was sich darin auswirkte, dass man Tiere aus geringer Höhe beobachten kann ohne dass sie gestört werden und ohne dass sie flüchten.

     

     

    27.06.

    Wir hatten gestern noch den Platz aufgesucht von dem heute um 13:00 der Bus abfahren soll um uns zur unterirdischen Kirche zu bringen –Sankta Anna Underjordskyrka - .

    Von der vorletzten Nacht noch etwas lädiert schliefen wir diese Nacht hervorragend und wachten erst um 09:00 auf. Nachdem ich die Morgentoilette hinter mich gebracht hatte ging ich zunächst in das Gebäude wo sich das Büro dieser Organisation befindet, die für diese Kirche in 90 m Tiefe zuständig ist. Eine junge sehr freundliche Dame teilte mir mit, dass heute schon ein Bus unterwegs sei, aber um 13:00 würde ein weiterer Bus fahren, sie wisse aber nicht ob wir noch mitfahren könnten. Sie wolle sich aber schlau machen und sie würde uns Bescheid geben. Ich sagte ihr, dass wir im Wohnmobil warten würden. Gegen 12:00, wir hatten einen kurzen Spaziergang gemacht, klopfte es an die Tür und eine weitere ebenso freundliche auch junge Dame sagte nur mit leicht verschmitztem Gesichtsausdruck: „13:00 the bus will pick you up!“ Das war alles, ich bedankte mich sehr und nun konnten wir uns seelisch und moralisch auf dieses Highlight vorbereiten.

    Um 12:50 waren wir an der vereinbarten Stelle vor dem Eingang dieses langen Gebäudes mit der Bezeichnung „Thornegarden“. Ca. 10 Personen warteten schon. Eine Dame mit Namenschild begrüßte uns und gab uns einige Informationen. Um 13:05 stiegen wir in zwei verschiedene Fahrzeuge, dann ging es los. Die Fahrt dauerte keine 10 Minuten. Wir fuhren, dass erkannten wir, wieder zu der Mine, an der wir gestern noch kurz vorbeigefahren waren. Es ging auf einen Schotterplatz, unser Fahrer nahm ein kleines Funkgerät und sprach etwas hinein, dann bog er scharf nach rechts und vor uns ging ein Schotterweg steil nach unten, nach ca. 100 m waren wir vor einer Art „Höhleneingang“, es kam derartig Staub aus dieser Öffnung, dass wir kaum noch etwas sehen konnten, offensichtlich schien der Fahrer den Weg zu kennen, ich hoffte es inbrünstig, denn er fuhr einfach weiter, er konnte eigentlich nicht mehr sehen als wir. Dann hatte uns dieser Schlund verschluckt. Es gab nur diese schmale Piste und rechts und links und oben Felsen. In der Ferne tauchten zwei winzige Lichter auf, es entpuppte sich nach kurzer Zeit als ein Lkw. Wir ließen es alles mit uns geschehen, tun konnten wir sowieso nichts. Die Lichter des Lkw leuchteten kurz hell auf, unser Fahrer beschleunigte die Fahrt noch. Dann hatten wir den Lkw erreicht, er bugsierte sich bzw. er wurde vom Fahrer in eine kleine Ausweichbucht dirigiert und unser Fahrer schlich mit seinem Galaxy links daran vorbei. Es ging alles furchtbar schnell und ich hatte wohl etwas abgeschaltet, denn als ich wieder zu denken begann sagte der Fahrer neben mir in gebrochenem Englisch, jetzt haben wir eine Tiefe von 90 m unter der Erdoberfläche erreicht. Links erkannte ich eine kleine Öffnung im Fels. Er setzte den Wagen zurück und fuhr in diese kleine Öffnung bis wenige Millimeter vor eine Eisentür, er erklärte mir, dass das ein Aufzug sei. Dann stieg er aus und ging um den Wagen herum um alle Türen zu öffnen, wir konsternierten, dass wir da sind. Dann öffnete sich aber auch schon eine kleine Tür zur Rechten und eine Dame bat uns herein, zumindest dachte ich mir das, denn sie sprach „nur“ Schwedisch. Unser Fahrer ging voraus, mittlerweile war auch der zweite Wagen, ein Kleintransporter, angekommen. Geradeaus sahen wir in den Raum einer Kapelle, das war also die Kirche, die wir sehen wollten. Links davon öffnete sich eine weitere kleine Halle mit rauen Felsen, überall standen kleine Kerzen oder brannten kleine Lämpchen. Am Boden standen kleine, runde, weiße Tische mit ebenso kleinen Stühlen auch in Weiß gehalten. Sie standen rechts und links an der Felsenwand entlang. Vorne links erkannten wir eine kleine Theke und davor hatte man einen kleinen Stand mit Souvenirs aufgebaut. Nun kam die „Führerin“ wieder zu uns, sie war außerordentlich freundlich und sehr um uns besorgt, was wir nie für möglich gehalten hätten. Wir waren die einzigen Besucher aus Deutschland und somit gab sie zunächst Erklärungen ab für die schwedischen Besucher und wechselte dann in die englische Sprache und erklärte uns in liebenwürdiger Weise wie es weiter gehen sollte. Wir blieben in der Caféteria mit dem Fahrer und sie ging mit den Schweden in die Kirche. Wir setzten uns an einen dieser kleinen weißen Tische und bekamen eine Tasse Kaffee serviert mit einem Teilchen. Zunächst unterhielt sich der Fahrer weiter in gebrochenem Englisch mit uns, später setzte er sich zu uns an den Tisch. Er erzählte uns, dass er vor 40 Jahren mal auf Jersey gewesen sei für 3 Jahre aber inzwischen habe er beinahe alles vergessen. Er gab aber immer gerne Auskunft, wenn wir ihm eine Frage gestellt hatten. Weiterhin bekamen wir Unterlagen in Deutscher Sprache über die Geschichte und die Entstehung dieser kleinen Kirche für ca. 100 Personen.

                  Ich weiß nicht wie lange es dauerte, bis sich die Kirchentür wieder öffnete und die nette Begleiterin zu uns an den Tisch kam. Sie fragte uns ob wir nun in die Kirche gehen wollten. Wir betraten diesen kleinen aber sehr hohen Felsenbereich, es spielte leise Musik und man erkannte schon eine überaus hervorragende Akustik. Vorn auf dem Altar stand ein großes Kreuz und ein weiteres noch weitaus größeres Kreuz hing an der Wand und links daneben erkannte man zunächst nur schemenhaft eine große, wohl über 2 m hohe, weiße Gestalt. Die Dame händigte uns zwei Sitzkissen aus, die wir auf die Stühle legten, dann stellte sie sich auf die Erhöhung, unterhalb der Kanzel und erzählte uns die ganze Geschichte dieser Kirche und weitaus mehr darüber hinaus.

    Wir saßen eigentlich wie gebannt und ihre Stimme hörten wir nur wie nebenher, dennoch lauschten wir ihren Worten andächtig. Ich weiß nicht wie lange es dauerte, bis sie uns fragte ob wir noch Fragen hätten. Wir verneinten baten sie aber noch einen Moment hier verweilen zu dürfen, sie willigte freudig ein. Wir wussten ja, dass sie uns noch einen verwaisten Stollen zeigen wollte in dem ältere Gerätschaften stehen, eine Art Museum.

    In diesem Stollen gingen wir dann anschließend, sie erzählte nur noch in schwedischer Sprache, aber es gab so viele Bilder und Geräte, da konnten wir uns selbst ein Bild machen über die damaligen Arbeiten.

    Es dauerte wohl noch eine halbe Stunde bis wir wieder in die Fahrzeuge stiegen und nun im zweiten Gang wieder nach oben rasten, 5 Minuten später waren wir wieder am Zielort angelangt. Der Fahrer konnte mir gerade noch erzählen, dass man inzwischen bis in eine Tiefe von 1.200 m vorgedrungen sei.

    Wir verabschiedeten uns von diesen beiden netten Menschen, die sich sehr viel Mühe gegeben hatten und gingen zurück zum Wagen.

    Wir erlebten noch einige spannende Minuten bis wir die Gasflasche mit dem Restinhalt gewogen hatten. Wir hatten noch knapp 7 Kg bedingt durch unser enormes Sparen, das hieß jetzt für uns, dass wir nicht direkt nach Süden fahren würden sondern einen Umweg machen würden über Saxnäs. Darüber aber später mehr.

    Wir fuhren zunächst 20 Km Schotterstraße um aus diesem Gebiet zu kommen, dann hatten wir die 363 erreicht, die uns nach Lycksele brachte. Hier schlugen wir unser Nachtlager auf, nicht bevor wir noch beim ICA eingekauft hatten. Morgen wollen wir uns die Stadt noch ansehen bevor wir nach Vilhelmina fahren.

                  Auf der Fahrt sprachen wir immer wieder von unseren Erlebnissen am heutigen Tage.

    Alles fand statt auf dem Gebiet der Kristinebergsgruvan.

    Bei der Figur neben dem großen Kreuz in dieser kleinen Felsenkirche 90 m unterhalb der Erdoberfläche handelt es sich um ein Christusbild. Diese Kirche wurde am 01.07. 1990 eingeweiht. Der Kirchensaal diente früher als Werkstatt und ist außerordentlich hoch, was jedoch auch zu einer außerordentliche Akustik beiträgt.

    Den Namen St. Anna kann man mit der Bibel und auch mit dem Bergwerk und Bergbau in Verbindung bringen. Anna ist die Schutzheilige der Grubenarbeiter in Schweden und Anna ist auch die Großmutter von Jesus.

    Das Bild über dem Altar ist nicht das Bild was man aus dem Berg gesprengt hat sondern eine Reproduktion dessen.

     

     

     

     

    Folgende Geschichte wird erzählt:

    Am 29.11.1946 war es die Aufgabe des Grubenarbeiters Albert Jönsson die sprengung des Vorabends zu kontrollieren und er begab sich in den Raum in 107 m Tiefe. Als er die Stirnlampe anschaltete und die Bergwand ausleuchtete sah er dort eine mehr als 2 Meter hohe Gestalt in der Wand. Im schwachen Schein der Lampe konnte er eine menschliche Gestalt mit ausgestrecktem Arm erkennen, glänzend im weißen Serecitquartz eingerahmt von dunklerem Kloritquartz.

                 Er ging um seinen Kameraden davon zu berichten und während des laufenden Tages kamen fast alle Grubenarbeiter in den Raum um das Ungewöhnliche zu sehen. Fast alle haben in der Formation eine Christusgestalt erkannt, einige meinten auch es könne sich um Moses handeln.

                 Die Proportionen sind von menschlicher Gestalt, ein langes Gewand mit einem Mantel über der Schulter. Auf dem Arm am Körper hält er ein Lamm und auf dem ausgestreckten Arm eine Taube. Der Kopf ist deutlich zu erkennen, wie auch die Augen, die Backenknochen, das Kinn und die Dornenkrone selbst.

               Man hatte am selben Tag noch ein Foto von diesem Ereignis gemacht, welches an die damalige Tageszeitung geschickt wurde.

     

    Die Dame, die uns dies alles erzählte, zeigte uns auch das Originalfoto, welches sie aus einer Art Safe holte.

     

    Mit einem kurzen Text wurde das Bild am 03.12. 1946 publiziert und daraufhin kamen die Menschen von Nah und Fern, dadurch waren die Grubenarbeiter gezwungen den Menschen zu helfen in den Raum zu gelangen, dadurch wiederum waren sie an ihrer eigenen Arbeit gehindert. Jeder musste mit dem Lift auf 120 Meter hinunterfahren und dann an einer Eisenleiter in völliger Dunkelheit hinaufsteigen auf 107 Meter um in den besagten Raum zu kommen.

     

    Es gäbe nun noch viel mehr darüber zu berichten, allerdings würde das den Rahmen sprengen. Ich habe die Unterlagen in meinem Besitz und wer interessiert ist, dem lasse ich sie gerne zukommen.

     

     

    28.06.12

    Die Nacht war hervorragend hier in Lycksele.

    Nach dem Frühstück gingen wir durch die Fußgängerzone bis etwas außerhalb zur Kirche. Unterwegs fanden wir wieder einmal ein Geschäft in dem man innerhalb einer Stunde Abzüge von Digitalbildern bekommen konnte. Ich nutzte die Gelegenheit noch 20 Abzüge zu machen von Fotos, die ich mir zuvor ausgesucht hatte. Wir wollten noch einige Karten schreiben an liebe Menschen, die an unseren Bildern interessiert sind.

    Nachdem wir die Kirche besichtigt hatten, wieder einmal eine schöne, schlichte Holzkirche mit Deckengemälden auf Holzbrettern, gingen wir zurück und fuhren, wie sollte es sein, noch einmal zum ICA. Wieder war der Einkaufswagen mehr als halb voll. Wir holten die Bilder ab, die übrigens mal wieder sehr gut gelungen waren, und setzten uns auf die 365 in Richtung Vilhelmina, eine Stadt, die den Touristen wohl bekannt ist. Nach wenigen Kilometern bogen wir dann rechts ab auf die 360, die ca. 50 Kilometer vor Vilhelmina einige Überraschungen für uns bereit hielt. Auf ca. 20 Kilometer von diesen 50 Kilometern vor Vilhelmina waren große Bauarbeiten im Gange. Die Straße war fürchterlich und wir brauchten lange um die 20 Kilometer zu bewältigen. Dann endlich wurde sie wieder besser und wir erreichten Vilhelmina. Die Strecke vorher war zunächst eintönig, denn wir fuhren entweder durch Wald oder vorbei an Seen. Im zweiten Drittel passierten wir hin und wieder einige Häuser, der Wald trat zurück und rechts und links von der Straße bis zum Wald im Mittelgrund schauten wir über bunte Wiesen bis hin zum Wald oder zu grünen Hügeln. Wir verglichen die Landschaft mit dem Schwarzwald und ich glaube, dass dieser Vergleich zutreffend ist.

    Wir fuhren nach Vilhelmina rein und waren stark verwundert, wie sich innerhalb von wenigen Jahren solch eine Stadt vergrößern und ausdehnen kann. Am Anfang trafen wir auf ein verhältnismäßig großes Industriegebiet, viele Geschäfte waren hinzugekommen. Den Stadtkern erkannten wir dann aber gleich wieder. Den Campingplatz hatten wir allerdings damals, es muß ca. 4 Jahre her sein, auch nicht gesehen. Auch das Tourist-Office hatte sich enorm vergrößert und die vorhandenen Unterlagen hatten sich vervielfacht. Es war mehr Personal als Touristen in den großen übersichtlichen Räumen vorhanden und man brauchte nur einmal stehen bleiben und sofort wurde man angesprochen ob man behilflich sein könne.

    Wir bekamen genau das Material für unsere Weiterfahrt, an welches wir gedacht hatten. Wir wollten den Vildmarksvägen fahren und dabei die Fjälllandschaft und die Trappstegsforsen erleben. Bei diesen Trappstegsforsen handelt es sich um einen mehrere hundert Meter langen Wasserfall, der nicht zuletzt wegen seiner auffälligen Treppenform ein beliebtes Fotomotiv ist.

                 Als wir alles erledigt hatten fuhren wir zu einem Übernachtungsplatz, den wir schon vor mehreren Jahren genutzt hatten. Wir fanden ihn auch auf Anhieb und stehen nun unterhalb der Stadt wieder an einem riesigen See. Die Wolken haben sich zum großen Teil verflüchtigt, die Sonne kommt durch und nach einem etwas hektischen Reinigen des Wohnmobils innen und dem Abendessen ist wieder Ruhe eingekehrt. Wir können es wieder genießen unterwegs zu sein und wir freuen uns auf den morgigen und die nachfolgenden Tage auf den Vildmarksvägen oder wie es im englischsprachigen Prospekt heißt –The Wilderness Road -.

     

     

    29.06.12

    Unterwegs auf den „Vildmarksvägen“!

    Die Nacht war, wie alle Nächte, ausgezeichnet. Am Morgen schien die Sonne hier unten am See in Vilhelmina. Als wir frühstückten kamen viele Menschen mit langen Kleidern und Kopftüchern mit dunkler oder beinahe schwarzer Hautfarbe, sie trugen Plastiktüten oder Rucksäcke, nur ein junger Mann mit schwarzer Lederjacke und schwarzer Hose, er selbst war von der Hautfarbe her nicht viel heller und eine Schwedin, sie kam mit dem Auto. Sie holte aus ihrem Fahrzeug Holz, mehrere Flaschen, wohl mit Getränken und verschiedene andere Dinge, wie z. B. Zettel, auf denen etwas geschrieben stand. Unten am Wasser machte sie mit dem Holz ein Feuer. Nach einiger Zeit ging sie mit den Frauen, die ganze Gruppe bestand beinahe nur aus Frauen, die Straße rauf und war dann für uns verschwunden.

    Wir beendeten unser Frühstück und fuhren noch einmal nach Vilhelmina rein um zu tanken, Christel wollte noch einmal in den ICA-Markt.  Wir tankten für 14,04 SEK, zwar teuer aber eben doch günstig, denn man kann für mehr Geld tanken.

    Ca. 3 Km aus Vilhelmina raus bogen wir von der E45 ab auf den Vildmarksvägen. Zunächst befanden wir uns im Waldgebiet, später tauchte ein breiter Fluß auf, der uns immer wieder mit Stromschnellen überraschte. Die Fahrt ging über Lövliden – Skansholm – Ronnäs – Lovnäs – Stalon – vorbei an den Dimforsen zu den Trappstegsforsama. Sicher hielten wir auch auf dieser Strecke immer mal wieder an um Stromschnellen zu fotografieren und die Landschaft zu bewundern. Es war rau, auf manchen Parkplätzen standen Wohnwagen oder auch hier oder da mal ein Zelt. Meistens waren es Angler, die hier ihr Glück versuchten.

    Das nächste Highlight waren dann die Stromschnellen der Trappstegsforsama. Gewaltige Wassermassen strömten aus größerer Höhe treppenstufenartig nach unten auf einer Breite von ca. 200 m. Es gab keinen Gespann- oder Wohnmobilfahrer, der hier nicht anhielt. Heute hatte auch ein kleines Cafè geöffnet mit geringen Souvenirwaren.

    Wir machten Fotos und hielten uns hier eine Weile auf bevor wir weiter nach Saxnäs fuhren. Markant war das Hotel auf der rechten Seite, das kannten wir schon von einem früheren Besuch, damals lag hier noch Schnee. Links fuhren wir in den Ort bestehend aus 4 bis 5 Häusern und einer alten  Kirche aus Holz außerhalb dieser Ansiedlung. Es war ein sehr einfach gehaltenes Gebäude mit einem kunstvoll gestalteten Bild hinter dem Altar, aber man betrat den Kirchenraum und blieb zunächst andächtig stehen, das haben diese Kirchen so an sich und der Raum wurde beheizt wie in allen anderen Kirchen auch. Was noch auffiel war, dass die Bänke höchst bequem waren, denn die Lehnen waren nach hinten geneigt und die Sitzfläche war gepolstert entgegen den Bänken in vielen deutschen Kirchen, hier sitzt man wie in einer Pizzeria, dort bleibt man eben auch nur solange sitzen wie man etwas zum essen vor sich hat.

    Weiter ging die Fahrt, den Abzweig nach Fatmomakke schenkten wir uns, denn es wäre eine Schotterstraße über 9 Km und die dann auch noch zurück. An der Abzweigung hatte ein Holländer seinen Wohnwagen abgespannt und auf einen Parkstreifen gestellt um die Strecke solo zu bewältigen. Dann ging es ins Gebirge. Wir waren um die 870 m über MSL, keine Bäume mehr nur noch niedrige Büsche und viel Schnee, die Kuppen über 1000 m MSL waren alle weiß, man kam sich vor wie im Hochgebirge. Die Temperatur war auch wieder drastisch nach unten gegangen. Nun waren wir der Polarkälte im Nordosten von Norwegen gerade entronnen und waren nun schon wieder im Winter gelandet, allerdings die Temperatur lag noch bei 9° C. Einen zuvor ausgesuchten Platz für die Übernachtung akzeptierten wir nicht, wir waren in der Wildnis und es war einfach zu kalt, wir hätten heizen müssen und das ließ unser Restgas nicht zu.

    Wir fuhren noch ein ganzes Stück, plötzlich sahen wir rechts an der Straße auf einem  Streifen mehrere Wohnwagen und Wohnmobile stehen. Wir gesellten uns zu ihnen und somit war die Fahrt für heute beendet. Wir sind sicher, dass wir auf dem Vildmarksvägen sind, allerdings eine genaue Position können wir nur nach Koordinaten angeben und die sind wie folgt: N64°58.763`   E14°12.825`.

    Morgen werden wir Ankarede ansteuern und das sind noch 67 Km. Übrigens, ein gewisser Streckenabschnitt auf dem Vildmarkswägen ist nur im Sommer geöffnet, d. h. in diesem Land vom 06.06. bis 15.10 normalerweise.

    Für uns war dieser Tag ein riesiges Erlebnis. Wir fuhren bis gegen 17:00 auf einer asphaltierten Straße, wenn man anhielt befand man sich in der Wildnis.

                 Gott sei Dank hatten wir noch einmal getankt, somit kämen wir sogar noch über Strömsund hinaus ohne zu tanken. Heute haben wir auch keine Tankstelle gesehen. Morgen geht es weiter auf dieser Strecke. Wir freuen uns schon, wir werden einen Samischen Kulturort kennen lernen sowie eine kleine Kapelle der Sami. Außerdem kommen wir der norwegischen Grenze hin und wieder sehr nahe. Jetzt freue ich mich auf die spektakulären Bilder, die wir gemacht haben.

     

     

     

     

    30.06.

    Wir frühstückten und dann ging es wieder los in Richtung Süden. Nach ca. 10 Kilometern schaltete ich doch mal „Lisa“ ein um zu wissen wie weit es noch nach Ankarede ist. Wir hatten keine 67 Km mehr, denn sie „sagte“ uns, dass wir nach 10 Kilometern links abbiegen müssten, wir waren beide sehr verwundert. So ist das halt in der Wildnis, wenn man mit einer unzulänglichen Karte fährt. Wir fuhren an diesem Tag 27 Kilometer. Ca. 9 Kilometer vor Ankarede stießen wir auf eine Elch-Farm, aber wir besuchten sie nicht, es war interessanter diesen Tieren in freier Wildbahn zu begegnen. Diese Straße, die nur 9 Kilometer lang war, zumindest war auch sie gepflastert, endete in einem größeren Parkplatz. Hier standen schon 1 Wohnwagen und 2 Wohnmobile. Wir stellten uns dazu und schlossen sogar Strom an, nach langer Zeit mal wieder, er war kostenlos. Auf der rechten Seite des Platzes steht ein Holzhaus mit der Aufschrift Service Hus“. Zunächst dachten wir dass wir auf einer Art Campingplatz gelandet wären aber das war nicht der Fall. Auf der anderen Seite des Parkplatzes konnte man diesen durch ein Tor wieder verlassen und befand sich in einer autofreien Zone mit Namen Ankarede. Wir hatten es geschafft.

    Durch die Bäume konnte man links vor einem breiten Fluß auf einer Wiese mehrere „Hütten“ aus Holz in Zeltform erkennen, wie die Sami eben ihre Zelte seit eh und je gebaut haben. Rechts im Vordergrund, auch wieder zwischen Bäumen, schaute eine grau gestrichene Kirche durch und ganz auf der rechten Seite vor der Kirche erkannten wir ein Cafè. Hier in Ankarede gab es wirklich keine Autos. Vor einigen großen Birken hatte man kunstgerecht ein paar Blumen gepflanzt. Alles sah sehr sauber und ordentlich aus.

    Später nahmen wir alles genauer unter die Lupe, wir wanderten zum Fluß hinunter, er machte von oben kommend eine Linkskurve und strömte dann von uns weg. Auf der anderen Seite wurde er von einem Wald begrenzt, der in der Sonne in den verschiedensten Grüntönen leuchtete. Hinter dem Wald konnte man einige Schneeflecken auf einer hohen Bergkuppe erkennen. Ich sagte zu Christel, dass ich mir so ungefähr Landschaften in Canada vorstellen könnte.

    In dem Cafè tranken wir später einen Kaffee und aßen ein süßes Teilchen dazu. Es wurde uns angeboten Kaffee nachzuschenken, der sei nämlich kostenlos. Wir setzten uns draußen auf eine Bank und ließen uns von den wenigen Mosquitos nicht stören.

    Nach dieser willkommenen Pause holten wir uns im Cafè den riesigen Schlüssel für die kleine Kirche. Wir waren sehr andächtig, als wir die Tür öffneten und in das Innere schauen konnten. Es war eine schlichte Kirche in Pastelltönen gestrichen und nur vorne am Altar trafen wir wieder auf ein Bildnis. An der Wand waren Kerzenleuchter mit je 2 Kerzen befestigt und unterhalb in der Mitte der beiden Kerzen erkannten wir die verschiedensten Symbole mit einem Kreuz beginnend, ein weiteres Symbol war z. B. ein Kelch. Ich trug uns, wie schon so häufig, in das Gästebuch ein und dann schlossen wir wiedersorgsam ab und gaben den Schlüssel zurück. Ich äußerte mich wohlwollend über das Gesehene, die Bedienung im Cafè freute sich offensichtlich sehr. Sie zeigte uns noch Bilder von der alten Kirche, die leider nicht mehr vorhanden ist und erzählte uns einiges über die alte Kirche und die Sami, die hier wohnten und die hier immer noch um den 21.06. feiern.

                  Wir bedankten uns vielmals und gingen noch einmal zum Fluß runter. Wir setzten uns ans Ufer und schauten auf die sprudelnde Wassermasse und diese herrliche Umgebung. Man hörte nur die Natur, sonst herrschte eine wunderbare und erholsame Stille.

     

    In einem Prospekt steht zu lesen:

    Ankarede, Sammelplatz der Samen zum Midsommerfest, Lappenzelte, Friedhof und Kapelle. Idyllisch und schön. Hier finden sie auch ein Sommercafè.

     

    Ankarede Kapelle.

    Die jetzige Kapelle wurde im Jahre 1895 gebaut und liegt hübsch gelegen an den Mündungen des Ankarälven und des Lejarälven am See Stora Blasjön. Das Gebiet ist seither ein Sammlungsplatz für die Samen und Einwohner der Gegend gewesen. Hier stand früher eine alte Kapelle (ein Rauchstubenhaus) mit einem Glockenturm, wobei es unsicher ist wann es in Gebrauch genommen worden ist. Man spricht in den Büchern vom Jahre 1820. Die älteste Kirchenglocke in Ankarede ist 1825 gegossen worden, was auch darauf hinweist, dass es zur gleichen Zeit eine Kapelle gegeben haben muß. Die meisten der noch zu sehenden Inventare sind Originale.

    Zur heutigen Zeit wird die Kapelle das ganze Jahr hindurch benutzt, wobei das größte Fest das Midsommerfest ist, bei dem sich Samen und Einwohner zur Ankaredemesse treffen. Ankarede ist einer der wenigen Plätze Schwedens mit einer samischen Kirchenstadt die aus Lappenzelten und Vorratshäusern besteht. Am Platz gibt es auch ein Kirchenhäuschen, das den Bewohnern Blasjons gehört.

     

    So ging dieser Tag zu Ende. Am Abend schauerte es ein wenig. Wir nahmen unser Abendessen ein und machten es uns gemütlich. Ich schrieb einiges über diesen Tag auf und befasste mich wieder mit unseren Fotos. So vergeht ein Tag nach dem anderen.

    Morgen setzen wir unsere Fahrt fort wahrscheinlich bis nach Gäddede südlich von Ankarede.

     

     

    01.07.

    Wir duschen zunächst im Service-Hus, anschließend versorgen wir uns mit Frischwasser, dann geht es die 7 Kilometer zurück zur Hauptstraße. Weiter geht`s auf dem Vildmarksvägen, der hier so langsam seine Krassheit verliert. Rechts und links wieder Wald oder Seen, von denen es unzählbar viele gibt, haben wir den Eindruck. Unzählbar ist natürlich nicht richtig, denn man kennt wohl die Anzahl, wir wissen sie aber nicht. Im Hintergrund über den Seen deutlicher sichtbar als über den Wäldern, tauchen immer wieder schneebedeckte Berge auf, sie sind nicht alle schneebedeckt aber mindestens haben sie dann noch große Schneefelder. Wir erreichen Gäddede, das Tourist-Office hat geschlossen. Ein Schwede sieht unsere Ratlosigkeit und fragt ob er uns helfen könne. Daraufhin weist er uns den Weg zum Campingplatz, dort sollen wir angeblich Prospekte bekommen.

    Wir gehen die Hauptstraße hinauf, unterwegs werden wir von einem anderen Bewohner dieser kleinen Ortschaft angesprochen. Ich war auf der rechten Seite der Straße um ein Foto zu machen und hatte Christel etwas zugerufen. Der Schwede, der seine Frau im Rollstuhl schob, hatte unsere deutsche Sprache erkannt und sprach Christel daraufhin an mit der Frage woher wir kämen. So kamen wir in ein längeres Gespräch. Anschließend stellten wir beide fest, dass wir keine Prospekte benötigen, denn wir wollten die Fahr fortsetzen.

    Es gäbe noch einen hochinteressanten Wasserfall zu besichtigen, aber auch davon nehmen wir Abstand, denn es sind 23 Kilometer, 17 davon führen auf einer Schotterstraße zum Parkplatz vor diesem Wasserfall.

    Somit setzen wir uns wieder auf den Vildmarksvägen und fahren weiter gen Süden. Einige in Augenschein genommene Übernachtungsplätze lehnen wir ab, wir haben noch Informationen von einem Natur-Camping-Platz und zwar bei Gubbhögen. Unser Navigationssystem weist uns an nach links von der Hauptstraße abzubiegen und wir landen, wie sollte es anders sein, auf einer Schotterstraße, allerdings nach 1 Km erreichen wir diesen Platz, von dem wir beide sofort hellauf begeistert sind. Er liegt an einem See, rechts und auf der anderen Seite von Wald begrenzt.

    Sofort fühlen wir uns wohl, es gibt eine kleine Küche und zwei Hütten. Eine Hütte kann man für 100 SEK pro Nacht mieten. Sie stehen aber beide leer. Weiterhin gibt es zwei kleine rote Häuschen mit einem Herz in der Tür, aber so etwas haben wir selbst allerdings ohne Herz in der Tür.

    Es gibt mehrere Feuerstellen hier auf diesem Platz. Wir „beschlagnahmen“ gleich eine. Nachdem wir uns akklimatisiert hatten begann ich mit dem Holzhacken und schichtete es wie ein Samenzelt auf. Christel half mit dem richtigen Papier nach und dann hatten wir ein kleines Feuer um später auf der Glut unser Abendessen grillen zu können.

    Es klappte alles wunderbar, nur eben die Mosquitos störten. Wir hatten gerade unsere Scheiben Toast vom Grill genommen als es zu regnen begann. Wir hatten aber eh vor drinnen zu essen, weil wir mit diesen stechwütigen kleinen Tierchen nicht teilen wollten.

    An diesem Abend blieben wir drinnen und machten es uns gemütlich. Wir hatten schon lange beschlossen morgen noch hier zu bleiben.

     

     

    02.07.12

    Die Nacht war wieder hervorragend, wir befinden uns mitten in der Natur, keine Häuser, nur Wald und der See, keine Straße die bis zu diesem Platz führt nur ein Schotterweg, den die Schweden als gut zu fahrende Straße bezeichnen.

    Wir frühstücken und sind guter Dinge, denn wir können noch einen ganzen Tag diese herrliche Natur wahrnehmen.

    Als wir nach draußen gehen stellen wir fest, dass uns der Elch besucht hat, leider ist er schon wieder verschwunden. Wir holen unsere Stühle und machen es uns draußen in der Sonne gemütlich, es weht ein leichter Wind und somit haben sich die Mosquitos versteckt. Leise plätschern die Wellen des Sees, sonst ist nichts zu hören.

    Am Nachmittag sichere ich unsere Bilder auf einem Stick und Christel putzt die Front unseres Fahrzeuges.

    Ein Wohnmobilist hat Probleme mit seinem geliehenen Fahrzeug. Die Elektronik sagt ihm er solle den Motor überprüfen. Nun weiß er nicht wie er sich verhalten soll. Den Vermieter trifft er in Deutschland nicht an. Hier kann er niemanden anrufen, weil er kein Englisch spricht. Wir bieten ihm an ihm zu helfen. Zunächst mache ich ihm noch den Vorschlag doch FIAT in Deutschland anzurufen. Er ist begeistert und seine Frau entringt sich auch ein Lächeln.

    Später kommt er noch einmal zu uns und bedankt sich, er hat angerufen und in Deutschland hat man ihm gesagt er könne die Fahrt fortsetzen, nur, sollte der Motor nicht mehr die volle Leistung bringen, dann müsse er eine Werkstatt anfahren, es könne sein, dass er durch das längere Stehen auf dem Platz recht viel Strom verbraucht habe. Sie winken beide ausgiebig, als sie uns verlassen. Toi toi toi!

                     Der Tag vergeht wie im Fluge. Ehe ich mich versehe werde ich schon gefragt was ich denn essen möchte. Wie immer antworte ich mit: „Es ist mir egal!“ Das kommt natürlich nicht gut an. Es gibt Bratkartoffeln mit Spiegelei, Anzahl nach Belieben, ich entscheide mich für nur eins.

                  Der Abendspaziergang wird nur sehr kurz, die Mosquitos. Wir flüchten wieder nach drinnen. Jetzt ist es 22:45, die Sonne steht rot zwischen den Wolken, der linke Teil des Sees sieht aus wie eine überhitzte Herdplatte, die noch nicht ausgeschalten wurde. Auf der rechten Seite ist ein Regenbogen entstanden, er kommt links aus dem Wald und bildet nach rechts hin einen Halbkreis. Es ist eine Idylle und es ist ein Geschenk hier sein zu dürfen. Wir wissen es zu schätzen. Gerade muß ich an den Ausspruch der Samen denken: „Zest for Life“, ja, hier hat man Lust auf Leben, hier kann man sich am Leben erfreuen, das Leben ist lebenswert, jeden Tag auf Neue und immer wieder!

    Ob wir morgen nach Strömsund aufbrechen, das steht noch in den Sternen, die wir seit vielen Wochen nicht mehr gesehen haben, es war halt zu hell und wir bekommen sie immer noch nicht zu sehen; ich persönlich lege aber auch noch keinen Wert darauf.

     

     

    03.VII.

    Wir überlegen hin und her ob wir bleiben oder unsere Fahrt fortsetzen. In Anbetracht der schon wieder vorhandenen Mosquitos entscheiden wir uns auch diesen Platz zu verlassen.

    Wir versorgen uns mit Frisch- und Kaffeewasser, welches wir dieses Mal aus einer Quelle nehmen, es ist sehr kalt und frisch. Heute ist außer uns niemand mehr auf diesem Platz, der mit „Naturcamp Vid Sjön“ bezeichnet ist. Bezahlen brauchen wir für all das nichts, dafür werfen wir einen Obolus in die dafür vorgesehene Kassette und machen einen entsprechenden Eintrag ins Gästebuch.

    Zurück geht es auf der Schotterstraße, wir schauen uns noch einmal um, es war einer der schönsten und gemütlichsten Plätze, die wir hatten. Auf der 342 geht es nun nach Strömsund. Wir kommen von einer ganz anderen Seite in diese Stadt und müssen uns zunächst wieder orientieren. Dann parken wir und gehen….., zunächst nicht zum ICA sondern wir entdecken einen Optiker. Bei Christel neigt ein Glas sich aus ihrer Brille zu lösen. Eine freundliche junge Dame begrüßt uns, ich spreche sie gleich in Enlisch an und bitte sie einmal nachzuschauen, ob sie helfen kann. Sie blickt sehr zuversichtlich drein und geht mit der Brille in ein anderes Zimmer. Es dauert nicht lange und sie taucht lächelnd wieder auf. „Das war nicht schwierig,“ sagt sie und reicht sie uns zurück. Auf die Frage hin wie viel wir denn zu bezahlen hätten lächelte sie wieder, sie wollte kein Geld. Wir bedankten uns, wünschten ihr einen schönen Tag und gingen hinaus. Nun war eben doch der ICA an der Reihe, wir kauften ein und gingen zum Fahrzeug zurück.

    Von einem anderen Wohnmobilreisenden hatten wir gehört, dass es zwar den auch uns bekannten Platz unterhalb der Brücke in Strömsund noch gibt, aber es gäbe einen zweiten Platz und zwar links an dieser eingefriedeten Parkanlage vorbei über einen recht hohen Huckel auf dem Wege zu einem freien Platz, auf dem man sehr ruhig stände. Er hatte Recht, wir standen hier alleine allerdings waren wir mit der Umgebung nicht so recht einverstanden. In der Stadt hatten wir noch einen Platz gesehen, der uns aber auch nicht gefiel. Wir fuhren zum Platz unterhalb der Brücke und bummelten einmal durch diese Freizeitanlage, in der man auch alte Häuser und Hütten besichtigen konnte.

    Um die Sache abzukürzen beratschlagten wir anschließend noch einmal kurz und entschieden uns dann die Fahrt noch ein wenig fortzusetzen. So setzten wir uns wieder auf die 339 und fuhren noch 37 Km zu einer Badestelle wenige Kilometer kurz vor Laxsjö. Die Position ist N63°49,103`  E14°49.308`. Hier trafen wir auf einen großen sehr schön gelegenen Platz an einem See rechts, links und zur Straße hin durch Wald abgeschirmt. Unten am Wasser stand schon ein Wohnmobil. Wieder hatten wir ein idyllisches Plätzchen gefunden. Wir holten unsere Stühle und setzten uns noch einige Zeit nach draußen mit Blick auf den See und die riesigen Waldgebiete rundum. Ein Snack mit dem netten Ehepaar aus DO- …. Lag auch noch drin. Auf dem Boden rund um sie herum standen Rauchschlangen und weitere Kerzen gegen Mosquitos, diese Sachen haben allerdings auch alle einen Haken, man muß an sie glauben und das ist bei mir ein Problem. Ich glaubte, dass die nette freundliche Dame es auch nicht so mit dem „dran glauben“ hatte, denn sie hatte eine Jacke an und die Kapuze auf den Kopf gestülpt, das lag mit Sicherheit nicht an der Temperatur.

     

     

    04.VII.

    Die Nacht war gut, Christel hatte wohl eine mit Erfolg gejagt, was sie mir aber erst am Morgen erzählte. Um 04:00 sah sie eine Französin mit Fotokamera in Richtung See gehen bei strahlend blauem Himmel, auch das erzählte sie mir, nachdem ich mich aus den Federn geschält hatte. Sie stand am Herd und ging schon wieder einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nach, sie kochte. Wir hatten im Kühlschrank 12° C und das war nicht gut für das Fleisch, welches sie am Tag zuvor gekauft hatte. Wir standen mit dem Fahrzeug etwas nach vorne geneigt und ich vermutete, dass das für den Kühlschrank zu schräg war.

    Somit frühstückten wir heute ein wenig später. Die Frage ob wir bleiben oder nicht tauchte nicht auf. Christel hatte durch ihre „Studien“ Kenntnis von einem Gebiet in dem es viele Arten von Orchideen geben soll. Wir suchten den angegebenen Parkplatz auf, da wir die Koordinaten hatten und blieben zunächst im Auto sitzen, denn es gab seit geraumer Zeit ein längeres Schauer. Als es nur noch ein wenig regnete machte ich einen Versuch die Gegen etwas näher zu erkunden. Ich kam an eine Informationstafel und folgte einem schmalen Pfad im Wald. Nach wenigen Metern hatte man Holzbretter ausgelegt um überhaupt über diese Sumpffläche hinweg zu gelangen. Die Bretter waren naß und somit glatt, die Anzahl der Mosquitos nahm von Minute zu Minute zu, Orchideen hatte ich noch nicht gesehen. Nach einer Weile kehrte ich um und berichtete Christel über das Gesehene und natürlich auch über das, was ich nicht gesehen hatte. Sie litt mittlerweile unter einer Mosquito-Phobie. Somit entschlossen wir uns nicht weiter nach Orchideen zu suchen, zumal dieses Schauer andauerte.

    Wir fuhren zurück auf die 339/344. In Föllinge bogen wir rechts ab auf die 344, unser vorübergehendes Ziel für einen Cappuccino sollte ein weiterer Badeplatz sein. Die Position ist N63°30.834`  und  E14°13.104`. Wir fuhren ca. 400 m durch einen Wald, dann tat sich eine Lichtung auf und wir standen vor einer frisch gemähten Rasenfläche in deren Verlängerung nach ca. 50 m ein neu gezimmerter Steg zum See führte. Es gab Umkleidekabinen und Toiletten. Zwei Wohnmobile standen hier und das nicht erst seit heute.

    Wir waren begeistert und schauten, derweil wir unser Getränk mit Plätzchen genossen, auf den See hinaus. Neben uns stand ein Bimobil und rechts hatte sich ein Wohnmobil aus München im wahrsten Sinne des Wortes in die Büsche geschlagen. Sie hatten Tische und Stühle draußen, selbst saßen sie aber in den Fahrzeugen, weil es wieder einmal schauerte. Nach unserem Kaffee gingen auf den Steg und waren angetan von diesem herrlichen Gebiet, was uns letztendlich veranlasste heute hier zu bleiben und nicht die Fahrt fortzusetzen nach Östersund, das werden wir morgen machen.

    Wir saßen drinnen und machten es uns gemütlich. Christel fand immer mehr Ziele, die wir noch ansteuern könnten und auch nicht unbedingt auf dieser Fahrt sondern eventuell auch bei der nächsten.

    Sie hatte auch für diese Reise noch genügend Ziele und somit fahren wir morgen über Krokom mit Besuch eines „Lanthandels“, unser Ziel wird dann Östersund sein. Dort kennen wir einen geeigneten Platz, auf dem man sich aufhalten kann.

     

     

    05.VII.

    Wir hatten einen paradiesisch schönen Platz, allerdings es schüttete gestern ab gegen Abend, es waren mindestens 30 Liter/qm. Beim Nachbarn aus M-…. schwamm die Matte davon und aus einzelnen Pfützen ergab sich ein See außerhalb des großen Sees. Man konnte nicht mehr aufs Wasser hinaus schauen vor lauter Regen.

    Jetzt, in der Früh, was ich so „in der Früh“ nenne, hatte es aufgehört und ein wenig Wasser war wieder eingesickert. Trotzdem, der Herr aus M-…. musste sein Fahrzeug einige Meter vor fahren um halbwegs trockenen Fußes aussteigen zu können. Seine Frau kam später in Gummistiefeln aus dem Fahrzeug. Wir hatten unsere Stiefel im Toppcase, denn die benötigt man ja nicht.

    Die Herrschaften aus dem Bimobil aus dem Raum Berlin waren am Packen. Er hatte sein Boot gestern noch vom Strand weggeholt und auf eine Wiese gelegt, allerdings trocken war nichts.

    In dieser Situation machten wir uns fertig, wir hatten nichts draußen liegen, ergo war auch nichts naß geworden. Gott sei Dank, denn in bester Laune waren wir nicht, wir hatten mit bzw. gegen die Mosquitos zu kämpfen. Wir erledigten 5 und 7 kamen wieder. In der Nacht wurde es dann etwas besser, aber immer wenn Christel aufstand hörte ich es knallen, das war die Fliegenklatsche auf den Möbeln teils mit, teils ohne jeden Erfolg. Wir hatten alle Fenster geschlossen und waren nicht mehr nach draußen gegangen, trotzdem, sie kamen zu uns in den Innenraum, sie mussten durch irgendwelche Be- oder Entlüftungsschlitze gekommen sein, das konnten wir noch nicht feststellen. Ich fuhr unseren Wagen zurück um zu entsorgen, als ich von dem Herrn mit dem Bimobil angesprochen wurde. Daraus wurde eine längere Unterhaltung, die nur unterbrochen wurde, wenn man mal wieder einige von diesen stechwütigen Ungeheuern abwehren wollte. Die Dame mit dem Wagen aus M.---- war auch sichtlich genervt und wollte von hier weg. Sie wollten nach Östersund zum Einkaufen. Unsere Route führte uns ja sowieso über Östersund.

    Nach einem längeren Gespräch mit dem „Bimobil“ und dem netten Herrn aus M.---

    setzten wir uns in Bewegung.

    Es ging die 500 Meter zurück durch den Wald auf die Hauptstraße. Nach gut 20 Km erreichten wir Krokom, wo wir einen „Lanthaln“ aufsuchen wollten, ein altes Haus, welches noch so eingerichtet sein soll wie vor ca. 60 Jahren die Tante-Emma-Läden.

    Wir parkten und erkannten auf dem Navigationsgerät, dass das Haus direkt gegenüber liegen müsste. Also verzichteten wir direkt dahin zu fahren. Es war wirklich nur durch den Viadukt unter der Bahn durch, dann sahen wir ein sehr altes langgestrecktes Holzhaus und es kamen immer wieder Menschen mit Tüten heraus oder aber es gingen welche hinein. Draußen stand ein Schild „Öppet“. Hier waren wir richtig.

    Wir kamen in einen langgestreckten Raum der über und über mit Waren, Flaschen, Regalen, Kleidung, Souvenirs und vielem anderen vollgestopft war. Eine Dame, wohl in der damaligen Tracht mit einem Strohhut auf dem Kopf mit einem Band gewickelt, bediente eine junge Frau. Sie nickte uns wohlwollend zu und somit gingen wir von diesem langgestreckten Raum in einen quadratischen und in einem weiteren Raum gleichen Ausmaßes. In dem langgestreckten Raum standen leere Flaschen, Süßigkeitsbehälter wie in der damaligen Zeit. Es wurden Lebensmittel angeboten so vielfältig, wie ich es lange nicht gesehen hatte. In den anderen Räumen gab es Textilien Souvenirs und Schmuck zu sehen und auch zu kaufen. Der vierte Raum war als ein kleines Cafè eingerichtet auch in der Art, wie man es von früher her kennt oder auch nicht. Zwei Tische standen im Raum, der eine wurde an der Stirnseite und rechts eingerahmt von einer Bank. Hier saßen 2 Männer und eine recht laute Dame mittleren Alters. Der eine Mann war wohl im Straßendienst tätig, es stellte sich später heraus, dass er der Ehemann dieser überaus freundlichen und gut gelaunten „Verkäuferin“ war. Sie war dann, wie sich herausstellte, keine Verkäuferin sondern die Besitzerin dieses „Lanthandels“.

    Die laute und wie sich herausstellte auch flippige Dame mittleren Alters hatte ich vorhin schon im Laden gesehen und mit ihr einige Worte gewechselt, denn sie hatte ein Messer in besonderer Qualität erstanden. Der Sohn der netten Dame in Tracht war nämlich Knivmaker, wie auf seiner Visitenkarte zu erkennen war. Diese Dame zeigte mir im Laden ihr Messer und ich lobte es über alle Maßen, was sie noch mehr freute und worüber sie noch lauter debattierte. Es wurde von dem „Knivmaker“ in mehr als hundert Stunden gefertigt und er hatte es ihr für 5000 SEK verkauft. Sie zeigte es uns noch einige Male, als wir mit ihr am Tisch saßen und immer wieder wollte sie hören, wie toll doch dieses Messer sei. Wir taten ihr gerne den Gefallen. Sie plapperte dann immer weiter, ohne dass sie jemand gefragt hätte sagte sie, dass sie reich sei und es sei schön reich zu sein. Das hätte sie nun nicht mehr zu betonen brauchen. Ihr Ehemann hatte sie 12 Jahre lang geprügelt und auch gewürgt und nun sei sie ihn los und sie sei reich. Ein offensichtlich guter Bekannter saß ihr zur Seite und immer wenn sie laut wurde versuchte er ihr durch entsprechende Zischlaute zu sagen sie solle doch etwas leiser sein. Dennoch, auf ihre Art war sie nett und sie erfreute sich einfach ihres jetzigen Lebens, so hatten wir den Eindruck und wir freuten uns mit ihr, während wir eine Tasse Kaffee tranken und ein Teilchen aßen, welches uns die immer noch freundlicher werdende Dame mit dem Hut und dem Bändchen darum

    empfohlen hatte.

    Während wir uns so unterhielten immer durch Zwischenrufe der reichen Dame unterbrochen, trat plötzlich die Dame mit dem Hut und dem Bändchen drum ein, sie hielt eine Gitarre in Händen und sang dann ein wunderschönes, selbstverfasstes Lied, von ihr war der Text und auch die Melodie. Man hätte jetzt eine Stecknadel fallen hören können, die reiche Dame spendete zwischendurch mal kurz Beifall, wurde dann aber auch wieder ganz still.

    Der Applaus später war unbedingt gerechtfertigt. Wir dankten ihr vielfach und trugen uns noch in das Gästebuch ein. Auch wir kauften noch eine Kleinigkeit, nämlich zwei CDs, ich hatte die Dame mit dem Hut und dem Bändchen drum gefragt, ob sie uns typisch schwedische Folklore empfehlen könne. Wir hörten uns beide CDs am nächsten Tag an und waren durchaus zufrieden mit der Wahl.

                  Wir verließen diesen Lanthandel erst nach ca. 1½ Stunden und wir waren glücklich und zufrieden über dieses Erlebnis. Unser Auto stand keine 10 Minuten entfernt und so konnten wir die Fahrt nach Östersund bald fortsetzen. Es waren noch gut 20 Kilometer, dann hatten wir die Stadt erreicht. Es dauerte eine Weile bis wir uns wieder zurechtfanden, wir fuhren auch einmal über die lange Brücke des Storsjön, das war natürlich falsch. Dann hatten wir den Platz erreicht, auf dem wir schon mehrere Male in vergangenen Jahren gestanden hatten, nur, dieses Mal waren wir nicht alleine. Es standen noch über 20 weitere Wohnwagen und Wohnmobile hier. Da der Platz aber riesig war am Ufer des Storsjön blieb immer noch freier Raum für weitere Fahrzeuge.

    Wir hatten es uns schon draußen gemütlich gemacht als plötzlich hinter uns eine bekannte Stimme erklang, es war der Herr aus M.----, den wir erst gegen Mittag verlassen hatten. Wieder kam es zu einem längeren Gespräch bevor er mit seinem Radl zur Brücke fuhr. Seine Frau sahen wir am Wagen sitzen, sie strickte ganz ausgezeichnete „Kniestrümpfe“ die man zur Trachtenlederhose trägt. Er fertigt übrigens Gürtel oder auch diese „Bauchbinden“ aus Leder, die die Männer bei der Tracht tragen. Diese ovalen Teile werden von ihm aufwendig verziert in Handarbeit. Mit diesem Thema habe ich mich jetzt ein wenig aufs Eis gewagt, weil mir die Fachbegriffe nicht alle bekannt sind. Man möge mir verzeihen.

                     An diesem Abend saßen wir lange draußen. Gegen 21:30 kam dann die Gattin dieses vielfachen Künstlers aus M.---- zu uns. Wir saßen immer noch draußen und schauten dem Treiben auf dem Storsjön zu, als wieder eine Stimme neben uns erklang. „Mein Mann war ja schon am Nachmittag bei Ihnen, jetzt muß ich doch auch mal kommen,“ sagte sie. Ohne lange Vorrede lud sie uns zum Mitkommen ein. Sie sagte, dass sie mit ihrem Mann ein wenig musiziere, was stark untertrieben war. Wir hatten immer mal wieder etwas Musik aus weiterer Ferne gehört aber wir hatten nicht entdeckt woher sie kam. Wir willigten gerne ein, denn schon das Gehörte hatte uns neugierig gemacht. Es waren teils recht bekannte Klänge. So nahmen wir unsere Stühle und gingen mit zu dem Wohnmobil dieser beiden so sympathischen Menschen. Sie spielte eine Miniausgabe einer „Steirischen Harmonika“ und seine Töne kamen aus einer  hochkomplizierten Klarinette. Wir haben ihnen an diesem Abend nicht den Beifall gezollt, den sie verdient gehabt hätten, deshalb möchte ich mich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bedanken für diese netten Stunden am Storsjö. Erst gegen 23:30 waren wir wieder zu Hause.

    Ich lag noch lange wach in dieser Nacht und dachte über das Gesehene und das Gehörte nach. Diese Menschen waren wahre Künstler. Sie waren so vielseitig talentiert, wie ich es selten erlebt hatte.

    Erst kurz bevor wir gingen stellten wir uns einander vor, er heißt Alfred. Diese beiden Menschen haben uns viel mitgegeben auf unserer weiteren Reise und für den Rest unseres Lebens. Schade, dass sie heute weitergezogen sind, aber so ist das nun man bei dem „Fahrenden Volk“. Man lernt Menschen kennen und man verliert sie unter Umständen wieder aus den Augen, aber sie bleiben mit ihrem Eindruck in unseren Herzen.

     

     

     

     

     

     

     

     

    06.VII.

    Es war ein langer aber es war ein wunderschöner Tag und die Nacht war eben entsprechend kurz. Trotzdem, der Kaffeekessel flötete unbarmherzig und die erste Fülle Wasser, die für den gemahlenen Kaffee gedacht war, ging halb daneben. Ich dachte gleich wieder an den gestrigen Abend und kam zu dem Entschluß, dass man dafür einfach mal etwas leiden können muß.

    Nach dem Frühstück machten wir unsere Räder fertig. Wir fuhren bei Alfred und seiner Frau vorbei und verabschiedeten uns, als wir hörten, dass sie nun doch weiter wollten. Nach einem weiteren netten Gespräch setzten wir uns ab in die Innenstadt von Östersund. Wir bummelten durch die Fußgängerzone und schauten uns die Auslagen in den Geschäften an. Im Tourist-Office holten wir uns noch einige Unterlagen, es war heiß und aus diesem Grund fuhren wir nach ca. 2 Stunden wieder heim nicht ohne beim ICA gewesen zu sein. Der freundliche junge Mann empfahl mir noch über ihn eine Unterkunft zu buchen, falls wir bleiben wollten über Nacht, denn es sei beinahe alles ausgebucht. Ich sagte ihm, dass wir in der glücklichen Lage seien eine Unterkunft zu haben, bedankte mich, dann zogen wir weiter. Im Prospekt lasen wir dann, dass vom 02. bis 07.VII. das Storsjöcupen statt findet. Hier treffen sich Fußballer, Manager und Familien aus der ganzen Welt. Beinahe 400 Teams reisen an und spielen auf den verschiedensten Feldern rund um die Stadt Östersund.

    Den ganzen Nachmittag lagen wir auf unseren Stühlen in der Sonne und ließen es uns gut gehen. Alfred setzte sich erst so gegen 16:00 in Bewegung. Sie werden noch ein wenig in dieser Gegend oder ein wenig nördlicher verweilen bevor sie nach Norwegen fahren, wo sie Bekannte treffen werden zum Angeln und wieder zum Musizieren. Wir wären gerne dabei. Übrigens, beide musizieren unabhängig von einander bei jedem, der sie hören will und sie schlagen kein Event aus, wenn man sie ruft.

    Jetzt ist es 20:30, Christel liegt noch auf ihrem Stuhl in der Sonne und ich höre eine der CDs vom Lanthandel. Nebenbei schreibe ich an meinem Bericht und bringe die Bilder unter, die wir gestern und heute gemacht haben. Morgen werden wir unsere Reise gen Süden fortsetzen. Es ist möglich, dass ich mir noch das Teknikland südlich von Östersund ansehen werde, denn hier sind auch luftfahrttechnische und --historische Gegenstände ausgestellt. Näheres weiß ich morgen, vielleicht.

    Um 22:00 kam Christel dann auch rein, es ist immer noch so hell wie es den Tag über war.

     

     

     

     

     

     

    07.VII.

    Als wir das Frühstück beendet hatten, wir machten uns fertig für die Weiterfahrt, kamen immer mehr Pkw und schoben sich zwischen die Wohnmobile und Wohnwagen. So etwas hatten wir noch nicht erlebt hier und es machte uns neugierig. Wir setzten uns ins Cockpit und warteten ab, was das werden sollte. Die Personen stiegen aus und brachten Gegenstände an das naheliegende Ufer des Sees. Campingstühle wurden aufgestellt und einige stellten sogar Zelte der verschiedensten Art auf. Dann wurde das Geheimnis gelüftet, man holte Angelgeräte aus den Futteralen und steckte sie zusammen. Es regnete nicht nur, es goß in Strömen, aber wir kannten ja die Schweden, sie hatten immer Wetter um draußen sein zu können. Einige trugen Regenanzüge, andere kamen in Trainingsanzügen teils mit Mütze, teils ohne. Diese Anzüge verfärbten sich verhältnismäßig schnell von einer hellgrauen Farbe in eine dunkelgraue. Einige bauten ihre Zelte ordnungsgemäß auf, andere stellten das Gestänge auf und zogen eine Plane rüber, als die undicht wurde zog man eine zweite drüber und alles war wieder in Ordnung. Wie in früheren Zeiten legte man in ein Zelt sogar Rentierfelle.

                Wir wurden jetzt erst recht neugierig und in Anbetracht des für uns schlechten Wetters entschieden wir uns noch auf diesem schönen Platz nahe der Stadt Östersund zu bleiben. Später dann war Ruhe eingekehrt, entweder die Angler saßen auf kleinen Stühlen oder aber sie standen die ganze Zeit über und versuchten mit ihren Geräten Fische an Land zu bekommen. Die jungen Leute vor uns mit dem spitzen Zelt zogen sich hin und wieder mal um, ihre Jacken wurde oft nicht vorn zugezogen so unter dem Motte, wir sind ja eh schon naß.

    Der Mittag ging vorüber, der Nachmittag verging, es geschah nicht viel. Man wechselte hin und wieder die Angel, die Route war von ca. 1,50 m bis über 4 m lang. Es wurde Abend. Der ein oder andere Angler fuhr mal kurz weg und kam dann nach einiger Zeit wieder und setzte seine Tätigkeit mit dem fort, mit dem er aufgehört hatte.

    Als wir es leid wurden zuzuschauen machten wir es uns gemütlich und lasen ein wenig. Hin und wieder schauten wir nach draußen, aber die Szenerie blieb dieselbe. Neben uns stand ein sehr nettes schwedisches Ehepaar, die sich auch gegen Abend wieder ihren Interessen widmete.

    So hatten wir so gut wie nichts getan und dennoch war der Tag vorüber. Wir gingen mit dem Gedanken zu Bett, dass wir morgen unsere Reise fortsetzen würden.

     

     

     

     

     

     

    08.VII.

    Es ist Sonntag und es hat aufgehört zu regnen.

    Wie schon erwähnt setzten wir unsere Fahrt fort. Kurz vor uns verließ das nette Ehepaar aus Schweden dieses Gelände. Wir winkten ihnen zu und sie erwiderten diesen Gruß.

    Die Angler, die wir gestern hier den ganzen Tag gesehen hatten, kamen heute nicht mehr; dafür kamen andere in noch größerer Zahl als gestern. Sie angelten schon, als wir mit dem Frühstück begannen. Ich bewunderte sie, wie sie immer wieder die Angelschnur einrollten und dann wieder auswarfen. Diese Menschen hier benutzten sehr viel häufiger die langen Angelrouten als die gestrigen.

    Gegen 10:30 setzten wir uns in Bewegung. Wir hatte eine ungefähre Ahnung wo sich ein Lidl befindet und den wollten wir aufsuchen. Es dauerte eine Weile, der Sucherei überdrüssig fragte ich an einer Tankstelle und bekam verhältnismäßig genaue Auskunft. Leider haben die Damen immer wieder Probleme mit den Richtungen rechts und links. Wir fanden das Geschäft auch heute wieder auf der rechten Seite und nicht wie angegeben auf der linken, aber was macht das schon.

    Wir kauften ausnahmsweise heute mal mehr als wir kaufen wollten, ha ha ha.

                   Dann ging es los, wir programmierten unser „Riva“ mit den entsprechenden Koordinaten und fuhren die angegebenen 15 Kilometer. Unterwegs trafen wir schon immer wieder auf die Schilder „Teknikland“. Es gab von einer Berlinkarte mit den entsprechenden Sektoren der Siegermächte aus der damaligen Zeit und einem etwas einfach dargestellten „Checkpoint-Charly“, über frühere Fahrzeuge wie z. B. Simca, Fiat-Neckar, VW-Käfer etc. und Motorräder, sowie über Militärluftfahrzeuge Schwedens alles zu betrachten, was man sich vorstellen kann. Es waren Luftlagezentren und Radarräume mit alten Geräten errichtet worden und es waren damalige Fernschreibmaschinen der Fa. Siemens aufgestellt worden. Wenn allerdings jemand nicht unbedingt mit dieser Materie vertraut war, dann hatte er immer wieder Probleme sich schlau zu machen. Die Militärluftfahrzeuge wurden teilweise mit entschärfter Bewaffnung dargestellt aber wenig erklärt. Ich schaute mir alles in Ruhe an, Christel war zu Hause geblieben und las als ich zurück kam. Ich weiß nicht wie lange ich benötigte, für mich war es ein schönes Erlebnis einmal wieder mit diesen Gerätschaften konfrontiert worden zu sein mit denen ich viele viele Jahre gearbeitet hatte, das ist jetzt bezogen auf die gesamte Luftfahrtsituation im Allgemeinen. Es tat mir wieder einmal leid nichts mehr damit zu tun haben zu dürfen.

    Wir fuhren zurück auf die „45“ und die Fahrt ging über Svenstavik weiter gen Süden. Kurz vor Rätansbyn am Rätansee hielten wir für heute an und zwar auf dem Naturcampingplatz. Es ist eine naturbelassene Waldlichtung direkt am See und er kostet 50 SEK pro Nacht. Hier hatten wir schon einmal 8 Tage gestanden, als wir von den Lofoten kamen. Morgen werden wir auf der „45“ bleiben und ich denke, dass wir in ca. 2 Tagen am Siljan-See sein werden. Diese Straße ist recht belebt und man muß eine gewisse Geschwindigkeit halten um nicht den Unmut anderer Autofahrer auf sich zu ziehen. Zu sehen gibt es auf dieser Route nicht unbedingt viel. Es wird jetzt von Tag zu Tag mehr eine Rückfahrt werden. Wir haben noch ca. 1.200 Km vor uns bis nach Trelleborg. Was bleibt ist die Erinnerung.

     

     

    09.VII.

    Es nieselt als wir diesen Naturcampingplatz verlassen. Wir entsorgen und nach dem Frühstück hat sich Christel die Haare gewaschen.

    Hier in dieser Gegend lag der Dieselpreis bei 14,49 SEK (x0,1130=€). Der Platz liegt, wenn man auf der 45 nach Norden fährt, ca. 4,5 Km nördlich der Abfahrt nach Rätansbyn, diese Ortschaft liegt etwas abseits von der Durchgangsstraße. An der Abfahrt befindet sich seit eh und je eine Tankstelle.

    Wir fuhren auf der 45 gen Süden durch SVEG, hier legten wir eine Pause ein und gingen noch einmal in einen „Dollar-Store“, von denen wir schon einige gesehen hatten hier in Schweden. Dieser Store ist u. a. bei sehr vielen Wohnmobilisten offenbar sehr beliebt. 

    Von SVEG ging es nach ORSA am Orsasjön. Wir glaubten am 13 Km entfernten Björn-Park, das ist ein großer Bärenpark, stehen bleiben zu können, zumal ich gerne mal einen Bären zu Gesicht bekommen hätte. Das war allerdings ein Irrtum, man verlangte 165 SEK für eine Nacht und am anderen Morgen den Eintritt für die Anlage. Also fuhren wir zurück über Orsa wieder auf die 45, Christel hatte Koordinaten von einem Platz am Siljan-See rausgesucht. Zuvor kamen wir aber in die Stadt Mora am Siljan-See. Hier tankten wir für 13,89 SEK pro Liter und fanden dann ca. 1 Km weiter direkt am Stadtanfang einen guten Platz, auf dem schon ein Schwede und ein Holländer standen. Wir gesellten uns zu ihnen und die Welt war wieder einmal in Ordnung, bis auf den Regen, der nicht nachlassen wollte. Es hatte schon den ganzen Tag geregnet, aus diesem Grund kamen wir heute auch auf 251 Km Gesamtstrecke.

    Kurz vor SVEG besuchten wir noch 2 wunderschöne Kirchen, die alte und die neue Kirche von Älvros nämlich. Sie waren von außen und von innen mal wieder ganz anders gestaltet als das, was wir bislang zu sehen bekommen hatten.

     

    Die alte Kirche!

    Der Pilgerweg des Mittelalters von Schweden nach Norwegen und Nidaros, dem heutigen Trondheim, führte an Älvros vorbei. Schon damals stand dort eine kleine Holzkapelle an diesem Platz, die zum Verweilen und zur Andacht einlud. Erst gegen Ende des 16. und Anfang des 17. Jh. wurde eine Kirche erwähnt. Diese wurde 1638 abgerissen und auf diesem Platz wieder aufgebaut. In den Jahren 1738 bis 1740 wurde ein radikaler Umbau vorgenommen. Die Kirche wurde mit einem gotischen Sterngwölbe versehen. Da eine neue Kirche gebaut wurde verfiel die alte mit der Zeit, sie wurde erst 1929 – 32 restauriert. Sie ist ein wirkliches Prachtstück und wird, da man eine größere Kirche gebaut hatte, nur noch im Sommer genutzt.

     

    Die neue Kirche!

    1877 beschloss man eine neue Kirche zu bauen. Im Jahre 1883 wurde sie fertig. Im Jahre 1957 hat man äußere und innere Erneuerungen vorgenommen. Zu diesem Zeitpunkt baute man auch eine Heizung ein. Diese Kirche bildet ein Rechteck mit einer nach Osten ausgebuchteten, dreiseitigen Sakristei und im Südwesten einen Glockenturm. Es ist eine helle, freundliche Kirche und wir waren angetan von der gesamten nicht überladenen Inneneinrichtung.

     

    Wir hätten gerne noch einen Bummel in die Stadt unternommen, aber der Dauerregen hielt uns davon ab. Wir schrieben einige SMS an unsere P. in Haar. Um 22:00 wollte ich wissen, ob es noch hell sei und sie schrieb mir, dass es jetzt dunkel sei. Hier in Mora war es trotz des Nieselregens und einer total zugezogenen Wolkendecke noch nicht dunkel So richtig dunkel wurde es auch hier noch nicht. Um 03:00 war es schon wieder total hell. Davon werden wir aber nicht mehr sehr viel haben, denn mit jedem Kilometer, den wir weiter nach Süden kommen, wird es abends wieder dunkler. Gegen 22:30 war auch dieser Tag für uns gelaufen.

     

     

     

    10.VII.

    Es hatte wohl in der Früh mal kurz aufgehört zu regnen. Wir frühstückten und fuhren nach einem Parkplatz nahe der Innenstadt. Da es im Moment nicht regnete machen wir uns auf einen Bummel durch die Fußgängerzone von Mora zu machen. Wir hatten den Fuß gerade vor die Tür gesetzt, als es wieder zu regnen begann. Nun waren wir dann eben Schweden und machten uns nichts daraus, außerdem war es bis zur Fußgängerzone nicht weit. Auch diese Stadt entpuppte sich als sehr gemütlich und interessant. Rechts und links, also vor den Geschäften, stand eine Baumallee vom Anfang bis zum Ende. Diese Bäume spendeten nicht nur Schatten, falls die Sonne mal scheinen würde, wir wurden auch nicht ganz so naß, wie es der Fall hätte sein können. Unten am Hafen fotografierte ich noch ein Dalarna-Pferdchen, dann hatten wir genug gesehen und setzten unsere Reise fort.

     

    Noch gestern hatten wir uns entschlossen über Färnäs nach Nusnäs zu fahren, denn dort wussten wir von der Herstellung der berühmten Dalapferdchen. Als wir nach gut einer viertel Stunde in Nusnäs ankamen trauten wir unseren Augen nicht. Wir kannten diesen kleinen Ort nur als ruhig und eher verschlafen. Jetzt hatten wir Mühe einen Parkplatz zu bekommen. Es parkten hier mindestens so viele Wohnmobile wie Pkw, und das war eine ganze Menge. Entsprechend voll war es in den Ausstellungsräumen. Es gab nicht einen, der nicht mit einer Tüte aus diesem Geschäft kam. Wir hätten uns auch die Fertigung dieser aus Holz geschnitzten Pferdchen anschauen können, aber darauf verzichteten wir dieses Mal, denn das hatte man uns schon beim letzten Besuch erklärt.

    Leider hatte der Wettergott auch heute keine Wetterbesserung für uns parat. Es regnete immer wieder oder auch länger anhaltend. Von Nusnäs fuhren wir wieder auf die „70“ über Rättvik und Leksand, hier besichtigten wir ein an der Straße aufgestelltes Kirchenboot. Mit solchen Booten fahren die Anwohner des Siljan-Sees noch heute in den Monaten Juni und July übern See zur nächsten Kirche.

                  Nun verließen wir den viel besungenen Siljansee, nachdem wir am Ufer bei Rättvik mit Sicht auf den ca. 600 m langen Steg unseren Cappuccino getrunken hatten. Es war gegen 14:30. Wir fuhren vorbei an Borlänge nach Ornäs, ca. 5 Km ostwärts von Borlänge. Hier haben wir einen sehr schönen Platz oberhalb eines kleinen Yachthafens gefunden. Oh Wunder, nun hat es aufgehört zu regnen, was nicht heißt, dass es morgen trocken bleibt.

     

    Der Siljan-See!

    Ein Meteoriteneinschlag hat den 36 Km langen und bis zu 25 Km breiten sowie 120 m tiefen See vor Urzeiten entstehen lassen. Bei Rättvik ist er jedoch so flach, dass die Vergnügungsdampfer einen über 600 m langen Bootssteg, die Langbryggan, zum Anlegen benötigen. Typisch sind die mit Holzhäusern bestandenen Seeufer. Beliebtes Fotomotiv sind die Kirchenboote, mit diesen „Schiffen“ rudern die Seeanrainer von Juni bis August auch heute noch am Sonntag zur Kirche, weiß der ADAC in seiner Karte zu berichten.

     

    Das Dalapferdchen!

    Ein kleines rot bemaltes Holzpferdchen hat als Souvenir den Siegeszug um die Welt angetreten, das Dalapferdchen. Es stammt aus der Region Dalarna, die mehr als jede andere das Bild Schwedens prägt. Nirgendwo sonst im Land feiern die Menschen so intensiv Midsommer wie hier rund um die Städte Falun und Mora und in keiner anderen Region haben sich die Volksbräuche so unverfälscht erhalten. Dalarna heißt übrigens „Täler“. Endlose Wälder machen u. a. den Reiz dieses Gebietes aus.

     

    Bevor wir diesen schönen Platz oberhalb des kleinen Yachthafens vereinnahmten besuchten wir noch die Hauptsehenswürdigkeit dieses Ortes: „Ornässtugan“. Für uns ist es ein recht schmuckes, großes, rotes Blockhaus in eigenartiger Form. Es hat nach vorn hin eine großzügige Rasenfläche, die mit alten Bäumen bestanden ist. Für  traditionsbewusste Schweden mag es sogar eine Pilgerstätte sein.

     

    Die Geschichte lautet wie folgt:

    Im Jahre 1520 floh der spätere schwedische König Gustav Vasa vor der Überzahl der Dänen. Zuvor hatte man mit einer großen Anzahl von Nobelherren auch seinen Vater exekutiert. Er suchte also hier Unterschlupf und entkam ihnen dabei nur knapp, hätte er sich nicht nach hinten über eine Toilette entfernen können als die Häscher von vorn kamen.

    Besichtigen konnten wir dieses Gebäude von innen nicht mehr, da es kurz vor 18:00 war und die letzte Führung hatte gerade begonnen. Ansonsten werden hier Führungen stündlich durchgeführt.

     

     

    11.VII.

    Es war eine wunderbare und ruhige Nacht. Als wir am Morgen aufstanden hatten sich noch 3 weitere Wohnmobile zu uns gesellt.

    Es hatte aufgehört zu regnen und wir setzten bald unsere Fahrt fort. Vorbei an Borlänge fuhren wir auf der 50 über Ludvika – Grängesberg – nach Kopparberg. Hier besuchten wir eine dieser wunderschönen alten Kirchen, die teilweise schon einmal restauriert worden waren. Sie stand oberhalb der Stadt, zu der wir anschließend runter fuhren. Wir hatten Kenntnis von dem Tourist-Office, welches sich in einem der schönsten Gebäude der Stadt befinden soll.

    So war es dann auch, in einem der größeren Räume hatte man einen ehemaligen Gerichtssaal wieder hergestellt. Das war die Kür, anschließend kam die Pflicht, nämlich der Besuch eines ICA, was sein muß, muß sein.

    Später setzten wir uns wieder auf die 50 bis Örebro, dort verließen wir diese Straße und fuhren über Marieberg – Kumla – Hallsberg – Asbro zu einem dortigen Badesee. Das Schild Badplats sahen wir beim einfahren in diesen kleinen Ort. Nach 4,3 Km hatten wir einen wunderschönen Badeplatz mit Hütten und einem Cafè gefunden. Wir gingen zum See runter und genossen die Umgebung. Es regnete nicht mehr. Da sich hier auch ein geebneter Platz befand, den jemand mit „Campingplats“ bezeichnet hat verließen wir dieses gemütliche Gelände nach dem Abendessen dann doch lieber wieder, denn ein angeblich Verantwortlicher wollte 100 SEK für die Übernachtung, so erzählte uns der Fahrer eines Wohnmobiles aus FFB-…. und das wollten wir dann doch nicht bezahlen.

    Wir fuhren also die 4,3 Km zurück auf die Hauptstraße und fuhren noch einmal einen Kilometer in eine Richtung, die wir noch nicht kannten, als wir plötzlich zur Linken einen wunderschön gelegenen Badesee entdeckten und bis zur Straße hin erstreckte sich eine Liegewiese enormen Ausmaßes. Ein Parkplatz war auch eingerichtet und etwas Besseres konnte uns gar nicht passieren. Diesen Parkplatz nahmen wir als Übernachtungsplatz. Wir bummelten noch zum See runter und führten ein kurzes Gespräch mit einigen Jugendlichen, die tapfer in das „ein bisschen kalte Wasser“ sprangen, wie sie uns versicherten.

    Es war 20:30, dunkle Wolken zogen auf und somit verzogen wir uns wieder in unser Mobilheim. Auch dieser Tag geht damit zu Ende.

     

     

    12.VII.

    Wir hatten gut geschlafen und nichts und niemand hatte uns gestört. Gegen 11:00 verließen wir auch diesen Platz.

    Wir fuhren 17 Km bis Askersund und landeten in Karlsborg. Wir fuhren also an der Westküste des fünftgrößten Sees Europas gen Süden. Wir fuhren am Vättern entlang, dem zweitgrößten See Schwedens, leider bekamen wir ihn auf der Fahrt nur hin und wieder zu Gesicht, da auch auf dieser Strecke sehr viel Waldbestand vorhanden ist. Eine Warteschlange ergab sich, als wir Karlsborg erreichten, der Grund war eine hochgeklappte Straße um die Schiffe auf dem Götakanal passieren zu lassen.

     

     

     

    Unser Weg führte uns zunächst zur Festung von Karlsborg.

    Der Festungsbau auf der Halbinsel Vanäs begann 1819 und dauerte 90 Jahre an. Diese Festung gehört zu den größten Festungen Europas, war allerdings bei ihrer Abrüstung im Jahre 1928 nicht mehr zeitgemäß. Karlsborg wurde als Kernstück des schwedischen Zentralverteidigungssystems erbaut. Im Kriegsfall sollten die Königsfamilie, Regierung, Reichstag und Schwedens Goldreserven hierhin gebracht werden. Die Schweden planten den Feind ins Land vordringen zu lassen, ihn durch kleinere Gefechte zu ermüden um ihn schließlich durch einen konzentrierten Anfall besiegen zu können.

    Diese Kriegsstrategie war Anfang des 19. Jh. entstanden, nachdem man Finnland an Russland verloren hatte und sich Stockholm als plötzliche Grenzstadt in einer bedrohlichen Lage befand.

    Das gesamte Gelände steht seit 1935 unter Denkmalschutz. U. a. findet man in dem Areal eine heute noch benutzte Garnisonskirche, gelbe Häuser, die als Offizierunterkünfte dienten, ein Garnisonshotel, welches im Jahre 1884 fertig gestellt wurde, ein Bankgebäude aus dem Jahre 1920, ein Soldatenheim, ein Zeughaus, welches aus drei Häusern besteht, eine Schule für Minenstreitkräfte und die Sprengschnurfabrik, das Haus des Kommandanten sowie eine Apotheke, eine Post und Telegraphengebäude aus den Jahren 1873 bis 1876. Es gibt noch viele Gebäude mehr, die ich aber hier nicht alle aufzählen möchte.

     

    Wir fuhren noch einmal an den Götakanal, der hier durch den Vättern in Vänern führt und von dort bei Göteborg in die Ostsee. Die Straße wurde immer mal wieder hochgeklappt um weitere private Segler und andere Boote durchzulassen. Es hatte aufgehört zu regnen und die Sonne kam durch, Wenn es eben noch frisch gewesen war, dann wurde es jetzt schwülwarm.

    Als wir genug gesehen hatten setzten wir uns wieder auf die Straße und fuhren in Richtung Jönköping weiter.

    14 Km vor Habo bogen wir an einem Schild „Hamn 1 km“ links ab und erkannten diese Gegend wieder. Hier hatten wir schon einmal in einem schmalen Waldstück wenige hundert Meter hinter einem kleinen Hafen übernachtet am Sandstrand des Vättern. Wir fanden die Stelle auf Anhieb und waren auch hier nicht die ersten. Zwei Mobile hatten es sich schon in diesem Waldstück gemütlich gemacht. Wir fanden auch ein wunderschönes Plätzchen 5 m vom schmalen Sandstrand entfernt. Die Sonne schien und wir machten es uns am Strand mit unseren Stühlen gemütlich. Gegen 16:00 zogen dunkle Wolken auf und hielten das, was sie versprachen. Da nun Zeit fürs Abendessen war, fiel es uns nicht schwer die Gemütlichkeit nach drinnen zu verlegen.

    Jetzt ist es 22:00, es regnete nicht lange. Die tiefer sinkende Sonne färbt die Oberfläche des Vättern rot, es ist aber nicht dunkel. Schon seit Tagen warte ich darauf, dass es um diese Zeit wieder dunkel wird; ich warte nicht in der Hoffnung, dass es wieder Nacht wird, nein, wir fühlen uns wohl, wenn es hell bleibt. Bislang ist uns das Glück hold, es wird aber nicht mehr lange andauern. Eigentlich hat das ja mit Glück nichts zu tun, denn es ist einfach das Zusammenspiel mit Erdumdrehung und Erdrotation und dem Sonnensystem um es mal einfach auszudrücken.

     

     

    Der Vättern

     

    Vor 600 Millionen Jahren bildete sich der Grabenbruch des Vättern durch eine Spalte oder Verwerfung, die entlang des Ostufers verläuft. Der tiefste Punkt des Sees (128 Meter) liegt direkt südlich von Visingsö. Die Spannweite zwischen dem Boden des Sees und den umliegenden Verwerfungshöhen beträgt 330 Meter. Zwischen dem Grund des Sees und den darunter liegenden Gesteinsschichten liegen noch einmal 300 Meter  dicke Sedimentschichten. Solche Unterschiede im Felsboden kommen sonst nur im Hochgebirge vor.

                  Der Name Vättern kommt aus dem Altnordischen und bedeutet Wasser. Der See ist bekannt für sein reines, klares und kaltes Wasser. Die Erklärung dafür liegt in dem verhältnismäßig kleinen Zuflussgebiet und der großen durchschnittlichen Tiefe von 40 Metern.  Dadurch ergibt sich eine Austauschzeit von ca. 60 Jahren. Bei ablandigem Wind kann das kalte Wasser am Boden aus den enormen Tiefen des Sees hinauftransportiert werden und sorgt dann an heißen Sommertagen für Abkühlung.

    Wenn ich schon häufig über Größen gesprochen habe, dann muß diese Bemerkung auch noch kommen. Es ist der fünftgrößte Binnensee Europas.

    Der Vättern bietet kilometerlange Sandstrände. Bei Hammerbron im Norden beginnt das Schärengebiet des nördlichen Vättern mit hunderten von Inseln.

    Im Süden wird er dann zu einem offenen Binnenmeer von steilen Klippen umgrenzt. 

     

     

     

     

     

     

    Morgen setzen wir unsere Fahrt über Jönköping fort nach Süden. Nach Trelleborg sind es nun nur noch gut 300 Km, dann ist unsere Reise zu Ende, darüber will ich aber noch nicht nachdenken, noch sind wir unterwegs.

     

     

    13.VII. ein Freitag

    Den Gedanken, einen Tag hier am Strand zu verweilen, verwarfen wir recht schnell, denn es begann nach dem Frühstück wieder heftig zu schauern und hier am Strand zu stehen und nicht raus zu können, das war dann doch nicht unser Ding.

                 So fuhren wir die wenigen Kilometer zurück auf die „49“ und dann ging es recht zügig gen Süden, aber nicht lange, denn wir folgten der Abzweigung nach Habo und fuhren ca. 10 Km ab um noch einmal die Kirche von Habo zu besichtigen. Sie stand nicht im Ort sondern etwas außerhalb. Es mögen auch nur 8 Kilometer gewesen sein, so genau weiß ich es nicht.

    Wir fanden die Kirche auf Anhieb wieder und parkten beim Kirchencafè um die restlichen paar Meter zu Fuß zu gehen. Auch der Glockenturm ohne Glocken stand noch wie vor Jahren, als wir schon einmal hier waren.

    Diese Kirche, die innen recht dunkel erscheint, denn es gibt wohl keinen Meter, der nicht bemalt ist. Lange hielten wir uns hier auf und machten Fotos, leider kamen immer mehr Menschen und somit war die eigentliche Atmosphäre etwas hinüber.

     

    Die Habo Kirche:

    Habo Kirche nennt man manchmal „die malerische Holzkathedrale“. Sie ist eigenartig sowohl durch ihre Bilder als auch ihre Architektur. Die Kirche war das Zentrum der Gegend bis die Ortschaft, die 5 Kilometer nordöstlich liegt, um den Bahnhof zu wachsen begann.

    Habo Kirche bekam ihr Aussehen im Jahre 1723. Es ist einmalig, dass sie architektonisch einer Kathedrale gleicht, obwohl sie ganz aus Holz gebaut worden ist. Der Form nach ist sie eine Basilika mit einem hohen Mittelschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen.

    Frauen und Männer saßen früher auf verschiedenen Seiten bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf der linken Seite, der sogenannten „Spinnseite“, saßen die Frauen. Die Männer saßen auf der rechten Seite, der sog. „Schwertseite“.

    Die Kirche wurde 1872, 1908 und Anfang der 50er Jahre restauriert aber man hat keine großen Veränderungen vorgenommen.

    Der Altar, der aus dem 14. Jh. stammt, ist aus Sandsein gemacht. Als die Kirche 1716 umgebaut wurde, fand man im Altar eine Reliquienschrein, der ein Stück Pergament enthielt, darauf stand, dass Bischof Sigge, der in der Mitte des 14. Jh. Bischof in Skara war, den Altar eingeweiht hatte.

    Das Altarbild aus dem Jahre 1723 zeigt Jesu Kreuzigung, Begräbnis und Auferstehung.

    Die Kanzel ist 1723 gefertigt worden.

    Die Fassade der Orgel ist von 1736

    Der neben der Kirche stehende Glockenturm ist nur eine Verzierung, darin gibt es keine Glocken. Dieser Turm wurde 1760 gebaut.

     

                Es ging nach der Besichtigung zurück auf die „49“, die wir bis Jönköping fuhren. Dort steuerten wir das Centrum an und machten einen Bummel zum kleinen Yachthafen am Vättern und schlenderten später durch die Fußgängerzone. Hier war ein reges Treiben und ich war froh, als wir wieder im Auto saßen.

    Aus der 40 wurde dann später, nach Jönköping, die „26“ und diese fuhren wir immer von Schauern begleitet, bis nach Gislaved. Hier fanden wir einen geeigneten Platz um zu übernachten.

    Nach dem Abendessen befassten wir uns zum ersten Mal wirklich mit der Rückfahrt von Trelleborg nach Travemünde. Wir werden u. U. am Sonntag in Trelleborg sein und werden uns dort nach einer Fähre für Montag oder Dienstag erkundigen, da diese Schiffe am Wochenende recht teuer sind. Sie haben Tagespreise, die sich eben von Tag zu Tag ändern können und das bedarf entsprechender Verhandlungen.

    Der heutige Tag geht jedenfalls langsam dem Ende entgegen. Wir haben ein wunderschönes, ruhiges Plätzchen im Grünen ganz in der Nähe der Stadt Gislaved und wir freuen uns auf morgen. Heute haben wir übrigens nicht bei ICA sondern bei Willy`s eingekauft. Warmes Essen gibt es in den nächsten Tagen nicht mehr, da wir mit dem restlichen Gas vorsichtig umgehen müssen. Ob es morgen noch einen Kaffee geben wird, das steht noch in den Sternen, die wir immer noch nicht zu sehen bekommen haben. Obwohl, gestern im Wald war es so gegen 23:00 schon so dunkel, dass man drinnen ohne Licht nicht mehr hätte lesen können.

              Heute habe ich in der Fußgängerzone einen netten Spruch gelesen, den ich hier kundtun möchte:

                  „Happyness ist not a destination, it is a way of life!”

    Sicher könnte man darüber diskutieren aber nicht mehr heute Abend.

     

     

    14.VII.

    Es regnet ein wenig, in Irland würde man sagen „Mist“. Wir frühstücken und sind guter Dinge.

    Wir verlassen Gislaved und setzen uns auf die 26. Da wir uns nichts mehr anschauen wollen fahren wir über Hyltebruk und Halmstad. Wir fanden unterwegs ausnahmsweise noch einmal ein Schild „Vaffel och Verkstad“, da wir wussten, dass man hier handgefertigte Waren bekommt bogen wir noch einmal ab von der Hauptstraße und besuchten dieses Geschäft. Das war wohl unsere letzte Begegnung mit dem schwedischen Handwerk.

    Unseren Cappuccino tranken wir auf einem Parkplatz, auf dem sehr viel Betrieb war. Wir konnten eine kleine Oldtimershow anschauen, ansonsten saßen oder lagen die Schweden auf dem grünen Rasen und „machten Wochenende“.

                    Wir waren auf dem Wege nach Ängelholm, denn dort wollte ich Ängelholms Flyg Museum besuchen. Ich hatte einiges darüber in Prospekten gelesen. Lisa hatten wir mit den Koordinaten gefüttert und sie brachte uns direkt bis auf den Parkplatz. Es war wohl 15:30, als wir dort ankamen. Christel wollte sich die Zeit daheim vertreiben und so ging ich alleine.

    Schon an der Rezeption war ich angenehm überrascht, denn man verlangte lediglich 60 SEK als Eintritt. Bisher waren wir 150 SEK gewohnt. Man hieß auch mich, wie alle anderen, willkommen und händigte mir einen Lageplan mit allen notwendigen Erklärungen aus. Dieses Museum wurde erst im Jahre 2004 durch den „F 10 Kamratförening (Kameradenverein) gegründet. Das Museum ist das größte Militärische Flug-Museum in der Region und spiegelt die Zeit von 1940 bis 45 in Bulltofta (Malmö) bis zum Jahre 2002 in Ängelholm wieder. Dann wurde das Geschwader aufgelöst, nachdem die einzelnen Geschwader und Staffeln verlegt wurden.

    Ich traf nach dem Empfang auf den Museumsladen bei dem man alles findet von Flugzeugmodellen bis zur Flugliteratur sowie Ansichtskarten und vieles mehr. Es gibt auch ein Cafè, aber das ist ja in Schweden nichts Neues.

    Weiter ging ich in den Filmsaal, wo man Journalfilme über die F10 anschauen kann. Es folgte ein Krankenzimmer mit Behandlungszimmer mit authentischer Einrichtung. Danach gelangte ich in eine Rekrutenstube, die darstellte wie die Rekruten auf den Kriegsbasen untergebracht worden waren.

    Durch eine riesige Halle bummelte ich langsam, immer wieder stehen bleibend um die Flugzeuge unter die Lupe zu nehmen und natürlich auch um Fotos zu machen. Dort kam ich kaum weiter.

    Angrenzend an diese Halle wurde der Besucher, wenn er denn wollte, in einen Raum geführt indem er sich mit einem Flugsimulator vertraut machen konnte, Gesetz dem Falle er konnte, denn Erklärungen gab es nur in Schwedisch und als der Verantwortliche merkte, dass er mit mir über die Fliegerei reden konnte wurde er etwas vertraulicher und erzählte mehr, allerdings nur in Englisch.

    Im Internet kann man sich auch einiges anschauen unter www.engelholmsflygmuseum.se

    Leider schloß das Museum seine Pforten jeden Tag um 17:00, gerne hätte ich mich auch einmal in den Flugsimulator gesetzt, denn über Schwedens Luftraum bin ich noch nicht „geflogen“.

    Um kurz vor 17:00 verließ ich dieses wunderschöne Museum. Ich hatte mich wohl gefühlt unter all diesen bekannten Geräten und Räumen und war etwas traurig, als ich wieder draußen stand und feststellen musste, dass ich auch „nur“ ein Besucher war.

    Zunächst hatten wir uns vorgenommen noch einmal in diesem Gebiet zu bleiben, dann aber, wir stellten fest, dass es nur noch 120 Km bis Trelleborg waren, entschieden wir uns noch dorthin zu fahren, denn wir kannten den Übernachtungsplatz direkt am Meer und nur 2 Km vom Fährhafen entfernt. Gegen 18:30 trafen wir dort ein und waren froh schon angekommen zu sein. Jetzt um 22:00 platzt der Platz aus allen Nähten. Ich habe die Wohnwagen und Wohnmobile nicht gezählt, es sind zu viele.

    Morgen werden wir zum Fährhafen fahren und uns nach einer entsprechenden Fähre erkundigen, wichtig ist nur, wir fahren morgen noch nicht zurück nach Travemünde. Darüber reden wir später.

    Hier „unten“ geht übrigens ohne Licht um 22:00 nichts mehr. Soll ich etwas Positives sagen: „Nun können wir vielleicht wieder die Sterne sehen!“ Vermißt haben wir sie jedenfalls nicht.

     

     

    15.VII.

    Ein Sonntag und ein besonderer Tag für Dieter, er hat nämlich Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch, Dieter! Das haben wir ihm natürlich auch schon persönlich gesagt. Seine Stimme klang gut. Er behauptete auf meine Frage hin, dass es ihm immer gut gehe, wir glaubten ihm, dass es ihm im Moment gut geht.

                     Nach dem Frühstück, es ist weit nach 11:00 , fahren wir zum „Check In“ im Hafen. Wir erkundigen uns bei der „TT-Line“ nach einer möglichen Fähre für uns nach Travemünde. Man bietet uns Montag oder Dienstag an, Abfahrt 10:00. Der Preis liegt höher als je zuvor. Man verlangt 1.240 SEK. Wir können die restlichen 1020 SEK abgeben, die wir noch haben und den Differenzbetrag mit 26 Euro in dieser Währung bezahlen. Der Umrechnungskurs ist allerdings Weltklasse für die „TT-Line“. Hin und wieder hören wir von Leuten, dass sie 80 € insgesamt bezahlt haben, wir waren noch nie unter ihnen. Vielleicht war deren Fahrzeug unter 6 m Länge, vielleicht hatten sie Glück und erwischten einen günstigen Tag, denn bei den Fährgesellschaften gelten Tagespreise, die man bezahlt und die ändern sich eben täglich –Tagespreise-. Vielleicht ist es auch günstiger, wenn man am gewollten Reisetag direkt zum „Check In“ fährt, so haben wir es in den letzten Jahren immer gemacht. Heute haben wir z. B. eine Service-Avgift in Höhe von 40 SEK bezahlt. Dieses Geld haben wir noch nie zuvor bezahlt. In den letzten Jahren lagen wir übrigens bei ca. 118 €.

    Nun ist es jedenfalls klar, wir fahren am Montag zurück nach Trelleborg und eines kann man schon jetzt sagen: „Es war eine wunderschöne Reise, die morgen zu Ende geht, eigentlich ist sie jetzt schon zu Ende. Es war eine der schönsten und wir haben viele Reisen gemacht, aber nicht genügend. Ob noch welche folgen, vielleicht sogar noch einmal eine solche, wer kann das jetzt schon sagen. Wir haben viel Neues erlebt und wir hatten wunderschöne Erlebnisse, die wir in uns behalten.

    Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich etwas unkonzentriert zum großen ICA Max fuhr, der auf der anderen Seite des Hafenbereichs liegt.

    Wir kauften noch einige Lebensmittel wie z. B. Knäcke a la „Husman“ und natürlich auch Getränke. Dann fuhren wir zur „unserem“ Platz zurück und verbrachten etwas zerknirscht den letzten Nachmittag 2 Km vom Hafen. Vielleicht hatten wir beide nicht damit gerechnet, dass es nun doch so schnell gehen würde, aber das mit Sicherheit nur noch wenige Gas in der Flasche saß uns im Nacken und das Wetter würde nicht besser werden, wir könnten also auch nur drinnen sitzen, dann können wir auch fahren.

    Es wurde Abend und es wurde Nacht und es wurde dunkel.

     

     

    16.VII.

    Um 07:30 weckte uns eine Melodie meines Handys. Wir waren aber beide schon wach. Es lief alles Routinemäßig ab.

    Um 08:30 waren wir auf dem Wege zum Hafen, den wir ja gleich erreichten. Auch die Abwicklung erfolgte wie immer mit großer Routine. Wir wurden auf Lane 52 geschickt und standen in zweiter Reihe recht weit hinten. Es gesellten sich noch zwei weitere Reihen dazu. Um 09:15, ich wollte gerade einen VW fotografieren, als sich unsere Reihe in Bewegung setzte.

    Wir fuhren hinter all den anderen Fahrzeugen auf eine Rampe und landeten im dunklen „Bauch“ der Nils Holgerson. Sie legte um 10:00 pünktlich ab, wendete im Hafenbecken von Trelleborg und begab sich sodann auf die 7 ½stündige Reise nach Travemünde. Die See war ruhiger als auf der Hinfahrt. Es war dieses Schiff aus der Serie der „Prestige“-Fähren und war auch aus diesem Grund teurer, allerdings eine große Anzahl der Passagiere passte nicht auf dieses „Prestige-Schiff“.

    Eine Frau, sie war keine Dame, aus diesem Grund kann ich auch diesen Ausdruck nicht verwenden, saß mit einem Sessel vor einer Fensterhälfte. Ich saß mit etwas Abstand neben ihr und schaute durch meine Hälfte des geteilten Fensters. Christel las. Als ich das Navigationssystem einschaltete ging ich vorübergehend bis zu meiner Scheibe um vielleicht einen besseren Empfang zu bekommen, es gelang mir nicht. Also ging ich zurück zum Sessel mit den Worten an Christel gewandt: „Ich gehe mal raus, vielleicht bekomme ich dort besseren Empfang,“ als es von links mit scharfer Stimmer erklang: „Da vorne zu stehen war sowieso nicht besonders gut!“ Ich, mich mit Mühe beherrschend: „Ach, sie benötigen zwei Fenster um nach draußen zu schauen,“ und ging ohne mich noch einmal umzudrehen. Wir waren noch nicht in Deutschland aber hatten schon wieder die „Ellenbogen“ einer dieser Menschen zu spüren bekommen.

    Als ich zurück zu meinem Platz kam, die Geschwindigkeit des Schiffes wurde übrigens auf 33 Km/h gemessen, drehte ich mich zu Christel um und bat sie mit mir einen anderen Platz aufzusuchen, weil ich hier bei der Frau neben mir keine Luft zum Atmen mehr hätte. Sie murmelte noch etwas, was ich schon aus dem Grund nicht mehr verstand weil ich ihr keine Aufmerksamkeit mehr schenkte. Ich wollte auch nicht mehr diskutieren, es war mir alles zu dumm.

    Wir gingen an diesem Platz nicht zurück. Die Sonne kam durch und wir gingen noch auf eine gute Stunde aufs Sonnendeck, Deck 10. Den Rest der Zeit verbrachten wir dann wieder auf Deck 7. Um 17:40 hatte das Schiff angelegt. Wir fuhren noch nach Lübeck zu einem vorher ausgesuchten Stellplatz. Hier trafen wir sehr nette Menschen, die auch mit einem Wohnmobil hier standen. Es wurde sogleich gescherzt. Gegen 20:00 Uhr trafen wir uns im Restaurant und nahmen an einem amerikanischen Buffet teil, u. a. gab es Salat, Hamburger, Nackensteaks, Hähnchenschenkel, Sparerips, Suppe und diversen Nachtisch für 9,50 €. Das Holstenbier schmeckte hervorragend. Lange saßen wir mit zwei weiteren Paaren und ließen es uns gut gehen. Bevor wir heimgehen konnten begann es auch hier zu schütten, was nur runter kommen konnte. Der erste Anlauf in Deutschland verlief zufriedenstellend. Man weiß aber nie wie lange das gut geht, ich bin da nicht sehr optimistisch.

     

     

    17.VII.

    Wir hatten uns vorgenommen heute Lübeck unsicher zu machen. Leider verplemperten wir viel Zeit durch Gespräche mit einem Paar, die gestern auch mit dabei waren. Um 12:00 kamen wir dann endlich loß. Mir schmerzten schon jetzt die Füße vom langen Stehen. Der Bus kostete uns 2,30 € pro Person. In einer guten viertel Stunde waren wir in der Innenstadt. Wir gingen zum Holstentor und holten uns Informationen über die Stadt. Dann gingen wir durch die wunderschöne Altstadt und kamen um 16:15 wieder an der Bushaltestelle an. Somit hatten wir den Dom, das Rathaus, das Marzipanhaus, das Buddenbrookhaus, den Dom  und vieles mehr besichtigt. Es war ein ausgefüllter Nachmittag.

                    Eine sehr freundliche Dame, mit der wir schon an der Haltestelle Kontakt bekommen hatten, sagte uns im Bus, wir sollten eine Haltestelle vorher aussteigen, dass sie näher zu unserem Platz zurück als die, die wir ausgesucht hatten. Wir verließen den Bus und stellten fest, dass die freundliche Dame nicht im Recht war. Wir mussten einen weiteren Weg gehen als wir hätten gehen müssen, wenn wir eine Haltestelle weiter mit dem Bus gefahren wären.

    Wir schleppten uns aber noch zu zwei Geschäften um einzukaufen, somit kamen wir erst gegen 17:30 wieder daheim an. Na gut.

    Wir saßen noch beinahe eine Stunde draußen bevor dann zum Abendessen gerufen wurde. Nun ist es 22:30 und stockfinster draußen, auch wären wir doch noch im Norden Schwedens, vorbei! Wir haben es nicht anders gewollt.

     

     

    18.VII.

    Der Tag der Weiterreise war schnell gekommen. Nach der üblichen Ent- und Versorgung fuhren wir noch einmal an den Klughafen in der Innenstadt und parkten an der Kanalstraße, von dort suchten wir die Drogerie Rossmann auf um noch einige Bilder zu entwickeln. Auf dem Rückweg gingen wir am Haus der Schiffergesellschaft vor nicht ohne einen Blick in den Gastraum zu werfen. Es war eine einmalige Gastwirtschaft und man hätte gemütlich drinnen sitzen können, dann wäre aber die Weiterfahrt nicht möglich gewesen. Weiterhin besuchten wir das Heiligengeist Hospital an dem wir mehr oder weniger direkt vorbei kamen.

     

    Das Haus der Schiffergesellschaft:

    Es ist das Traditionsrestaurant Lübecks.

     

    Heiligengeist-Hospital:

    Hier handelt es sich um eines der ersten Krankenhäuser Europas im gotischen Stil.

     

    Der Dom:

    Der Dom ist die älteste Kirche des Gemeinwesens und eines der größten Backsteingewölbe Nordeuropas.

     

    Das Marzipanhaus oder genauer Cafè Niederegger:

    Es befindet sich gegenüber der Rathaustreppe und ist weltberühmt mit seinem Marzipansalon. Etwas Besonderes ist der Marzipan-Cappuccino und die Marzipan-Nußtorte.

     

    Ich habe auch hier nur einiges rausgesucht. Selbstverständlich haben wir nicht alle berühmten Sehenswürdigkeiten anschauen können, aber diese wunderbare Stadt kann man nicht an zwei Tagen besichtigen.

                    Wieder am Fahrzeug angekommen entschlossen wir uns noch nach Schlagsdorf zu fahren um das Grenzhus anzuschauen. Hierbei handelt es sich um ein Museum bei Ratzeburg im Norden des Biosphärenreservats Schaalsee gelegen. Das Museum mit diesem Thema allerdings erstreckt sich nur über die 1. Etage eines größeren Wohnhauses mit ca. 70 qm. Die 2. Etage befasst sich mit dem Thema „Natur“ ist aber sehr spärlich mit Informationen bestückt. Zusätzlich kann man in ca. 400 m Entfernung noch eine Außenanlage begutachten bestehend aus Grenzbestückungen und einem Wachturm. Da wir schon zum zweiten Mal in Mödlareuth waren, hier sind die Anlagen kompletter und die Informationen ausführlicher und vielseitiger, brachte uns dieser Besuch nicht viel; im Gegenteil der Preis von 4 € erschien uns übertrieben hoch. Man könnte allerdings jetzt argumentieren: „Was bekommt man heute noch für 4 €!“ Der Prospekt allerdings ist sehr gut aufgemacht und verspricht mehr als die Wirklichkeit halten kann.

                   Gegen 16:30 setzten wir dann unsere Fahrt in Richtung Hamburg fort und landeten in Mölln, als wir hier angekommen waren stellten wir fest, dass wir auch diesen Platz schon einmal angefahren hatten. Er gefiel uns damals schon und wir blieben.

    Morgen haben wir Hamburg ins Auge gefasst. Da gibt es noch ein paar Ungereimtheiten, aber die kriegen wir auch in den Griff.

     

     

    19.VII.

    Wieder einmal werden Entscheidungen während des Frühstücks gefällt. Morgen ist Freitag und wir befürchten, dass der Stadt-Stellplatz in Hamburg am Wochenende überquellen wird. Dieses würde uns nicht gefallen. Unser Jhonny hatte uns eine SMS geschickt, in der er uns mitteilte, dass ein guter Bekannter z. Zt. in Schacht Audorf lebe und auch dort arbeite. Wir ließen also Hamburg aus und entschlossen uns dorthin zu fahren, zumal wir ja schon einige Male in Hamburg waren, das soll selbstverständlich nicht heißen, dass wir Hamburg abgeschlossen haben, im Gegenteil, diese Stadt ist immer wieder einen Besuch wert. Dieses Mal aber fuhren wir nun nach Schacht Audorf, von dieser Stadt hatten wir noch nie gehört und ausschlaggebend war eben der Besuch bei unserem Bekannten.

    Wir ließen uns von „Lisa“ führen, dieses Mal akzeptierten wir auch die Autobahn zwischendurch, denn somit konnten wir mehr als 50 Kilometer einsparen.

                Zunächst schauten wir uns den sehr schön gelegenen Stellplatz 500 m vom Ortskern Schacht Audorf gelegen, direkt neben der Fähre an, die die Straßenverbindung über den Nord-Ostsee-Kanal herstellt, an dieser Stelle zumindest. Der Platz war übervoll und somit resignierten wir und fuhren direkt zu unserem Bekannten und somit zum Restaurant Willrodt oder auch Gaststätte Willrodt in der Holsteiner Str. 19 in 24790 Schacht Audorf. Die Gaststätte war von 14:00 bis 17:00 geschlossen und somit warteten wir geduldig. Kurz nach 17:00 wurden wir, wie immer, freudig begrüßt, denn wir hatten uns nicht angemeldet und niemand wusste, dass wir kommen. Wir wussten es ja selbst erst heute nach dem Frühstück.

    Es waren zunächst nur wenig Gäste da und so hatten wir schon gleich zu Anfang gute Gelegenheit Fragen zu beantworten und auch Fragen zu stellen. Gegen 18:00 aßen wir zunächst eines der vielfältigen Gerichte und waren voll des Lobes. Das Bier, 0,25 Liter pro Glas, war ebenfalls hervorragend und so verging der Abend sehr schnell. Die letzten Gespräche führten wir als nur noch wenige Gäste anwesend waren und da wir gewohnt sind abzuwarten bis alle Gäste gegangen sind, waren wir wieder die letzten, die das Lokal verließen. Wir blieben mit unserem Wohnmobil auf dem großen Parkplatz und versprachen die angebotenen Brötchen abzuholen. Man hatte uns angeboten Brötchen mitzubringen, da man sowieso einkaufen müsse. Es war ein wunderschöner und gemütlicher Abend in einer gemütlichen Umgebung. Es gab einen kleinen Raum mit Theke und zwei Tischen. Weitere Sitzmöglichkeiten waren in dem Vorraum (Diele) vorhanden. Weiterhin gab es einen gemütlichen Raum mit abgeteilten Tischen und Stühlen. Ich kann nur jedem empfehlen diese Gaststätte aufzusuchen, wenn er sich in der Gegend aufhält. Die Speisekarte ist recht vielseitig und es wird alles immer frisch zubereitet. Schade, dass so viele Kilometer zwischen München und Schacht Audorf liegen.

     

     

    20.VII.

    Und nun kam wieder alles anders. Die Schwester unseres Bekannten kam vom Einkauf zurück, es war kurz nach 10:30. Ich ging mit entsprechendem Geld ausgerüstet ins Haus um die Brötchen zu holen. Geld wollte man schon nicht annehmen. Dann kam unser Bekannter und teilte uns mit, dass er den Frühstückstisch gedeckt habe am Stammtisch. Ich konnte das noch nicht glauben, aber es war so. Es war nicht verabredet. Der Frühstückstisch war wirklich mehr als reichhaltig gedeckt mit Belag jeglicher Art sowie mit verschiedenem geräucherten Fisch, Lachs fehlte natürlich auch nicht. Jeder von uns bekam eine kleine Karaffe mit Orangensaft. Dieses war etwas, was wir nicht gewollt hatten, denn die beiden hatten ja nun Arbeit genug. Mittlerweile war auch die Gastwirtschaft geöffnet und die ersten Gäste wurden erwartet.

    Nun gut, während wir frühstückten hatten wir noch Gelegenheit über ditjes und datjes zu reden, die Zeit verging wie im Fluge und nun wollten wir auch weiter. Die Verabschiedung war herzlich auf beiden Seiten und wir gingen in der Hoffnung beide auch einmal in München begrüßen zu können.

    Wir suchten nun einen Caravanhändler auf, der nur einen guten Kilometer von dieser Gaststätte entfernt war und holten uns eine gefüllte graue 11 Kilo-Gasflasche. Hier wurden wir ein zweites Mal am Vormittag überrascht, denn der Preis war von 19 € auf 17,50 € runter gesetzt. Vor geraumer Zeit hatten wir noch Preise über 20 € erlebt. Wir waren also in bester Stimmung als wir diesen Händler wieder verließen.

    So fuhren wir noch einmal zu dem Stellplatz am Nord-Ostsee-Kanal um zu schauen ob denn wohl ein Platz frei sei. Tatsächlich, es waren zwei Plätze frei und wir entschieden uns kurzer Hand noch einen Tag hier zu verbringen. Es war ein unvorstellbar großer Betrieb auf diesem Kanal und es fuhren Schiffe in einer Größe, die wir nicht für möglich gehalten haben obwohl wir wussten, dass ja sogar die Sealiner ihn nutzen um von der Nord- in die Ostsee oder umgekehrt zu kommen. Es gab jedenfalls den ganzen Tag über sehr viel zu sehen, außerdem ist ca. 200 m von uns entfernt reger Fährbetrieb von der einen zur anderen Seite und auch wieder umgekehrt. Die Fähren kreuzen teilweise so knapp vor den großen Schiffen, dass wir es kaum für möglich halten, naja, wir sind ja auch Landratten und haben nur wenig Vorstellungen was möglich oder auch nicht möglich ist. Übrigens, die Geschwindigkeit hier auf diesem Kanal ist max. 15 Km/h, auch diese Angabe hat man wohl wegen der Landratten gemacht, denn sie wird sonst in Knoten angegeben und damit könnten wir nun mal wieder etwas anfangen; vielleicht sind wir ja doch nicht nur Landratten.

    So stehen wir jetzt, um kurz nach 20:00, ein paar Meter oberhalb des Nord-Ostsee-Kanals und warten auf die Schiffe, die da noch kommen werden.

    Über den morgigen Tag mag ich noch keine Prognosen abgeben, da ist noch alles offen. 

     

     

    21.VII.

    Wir blieben hier auf dem Stellplatz oberhalb des Nord-Ostsee-Kanals, denn um 10:30 erwarteten wir einen Sealiner, die „Silver Cloud“. Immer mehr Wohnmobilisten kamen und es dauerte immer länger. Gegen 13:00 tauchte sie dann auf, ganz in weiß und bevor man sie sah hörte man schon ihr Signalhorn. Es war keine Sensation aber diese Passagierschiffe haben doch immer wieder etwas Besonderes.

    Anschließend gingen wir in den Ort Schacht Audorf, weil ich noch Ansichtskarten in den Kasten werfen wollte. Wir gingen am Kanal entlang, vorbei an der Fähre und waren dann in wenigen Minuten in dem kleinen Ort, der sich eigentlich recht farblos darstellte. Dieser Briefkasten wurde natürlich erst am Montag geleert und somit kommt eine Karte einen Tag zu spät an.

    Wir bummelten zurück und setzten uns nach draußen. Zwischen größeren Pausen kamen dann immer wieder größere und weniger große Tanker oder Containerschiffe durch den Kanal. Gegen Abend bezog es sich wieder mehr und man dachte auch über das Abendessen nach, danach blieben wir dann zu Hause. Christel schmökert in einer Zeitschrift und ich befasse mich noch einmal mit Bildern. Morgen werden wir wohl unsere Reise fortsetzen in Richtung Lüneburger Heide oder etwas weiter westlich, wir wissen noch nicht genau wo und wie wir an Hamburg vorbei kommen, wo wir doch noch vor wenigen Tagen direkt in diese Stadt wollten.

    Gerade fährt wieder ein riesiges Containerschiff an uns vorbei, es lässt sich nicht zählen und auch nicht schätzen wie viele er von diesen Containern geladen hat.

    Wir werden diesen Abend fortsetzen und dann langsam ausklingen lassen. Ich habe noch mit Jhonny einige SMS gewechselt, jetzt sind die Bilder dran.

     

     

    Ab 22.07.

    Wir verließen am nächsten Tag diesen sehr schön gelegenen und hochinteressanten Stellplatz und sagten dem Norden langsam adè. Das war unser Gedanke, allerdings kam es zu einer wunderbaren Unterbrechung, die uns einen weiteren schönen Tag gewährte.

    Wir wollten uns noch die Schwebefähre anschauen zumal man gegen 13:00 noch ein weiteres Passagierschiff erwartete. Wir kamen aber nicht näher als einen Kilometer an die Schwebefähre, es gab keine Parkplätze mehr und die Anzahl der Menschen war nicht mehr zu zählen. Wir resignierten und bewegten uns auf Landstraßen in Richtung Süden.

    Einige Kilometer weiter kreuzten wir den Kanal mit einer Fähre. Die Fahrt war kostenlos. Unser Wunsch war nun uns noch einmal in Wedel umzuschauen. Vor vielen, vielen Jahren hatten wir hier schon einmal gesessen bei einer Tasse Kaffee und hatten den Begrüßungen und Verabschiedungen der Schiffe interessiert zugehört und zugeschaut. Aber auch hier konnten wir mit unserem Fahrzeug nicht unterkommen und auch hier war die Anzahl der Menschen unüberschaubar hoch. Wir hatten Sonntag und wir waren in der Hauptreisezeit unterwegs.

    Der Elbtunnel kam für uns nicht in Frage denn schon auf der Autobahn staute sich der Verkehr. Daher verließen wir sie wieder nach wenigen Kilometern und ließen uns durch „Lisa“ führen, sie brachte uns wider Erwarten durch die Innenstadt von Hamburg und das war ausgezeichnet, denn wir kamen am Fischmarkt kurz vor den Landungsbrücken vorbei und sahen genau auf diesem Platz etliche Wohnmobile stehen. Wir gesellten uns zu ihnen und akzeptierten den Übernachtungspreis von 13,50 €.

    Hier erlebten wir einen wunderbaren Nachmittag und Abend, den wir z. T. bei „Strand Pauli“ verbrachten. Wir bummelten auch noch über die Reeperbahn und „Große Freiheit“; somit wendete sich für uns noch einmal das Blatt.

              Während dieser Fahrt nach Hamburg hörte ich immer wieder ein unangenehmes Geräusch an den hinteren Bremsen, je stärker ich bremste umso lauter war dieses klackende Geräusch. Ich fuhr also mit sehr großer Aufmerksamkeit, am nächsten Tag allerdings verschwand das Geräusch wieder. Ich war heilfroh.

    Am 23.07. landeten wir dann in Bünde.

    Am 25.07. fuhren wir von Bünde nach Soest und übernachteten in Bad Sassendorf. Hier tragen wir auf einen Stellplatz, der durchaus mit einem kleinen Campingplatz zu vergleichen war.

    Am 26.07. fuhren wir an der Möhnetalsperre entlang und übernachteten in Schloß-Holte Stukenbrock bei den Froli-Werken.

    Am 27.07. waren wir dann in Borgentreich. Am Abend wurden die XXX. Olympischen Spiele in England eröffnet.

     

    Am 16.VIII. verließen wir Borgentreich über Warburg – Kassel – Körbecke – Melsungen mit wunderschöner Altstadt – Rotenburg a. d. Fulda – Bebra und

     landeten in Eisenach mit Blick auf die Wartburg. Hier befindet sich ein hervorragender Stellplatz.

     

    17.VIII. Eisenach auf Thüringer Naturparkstraße bis kurz vor Suhl – Eisfeld – Lichtenfels – Kulmbach – Bayreuth – Weiden – mit Ziel Hölltaler Hof bei Weiden. Auch hier standen wir hervorragend in wunderbarer Natur.

     

    Der 20. VIII. war dann noch einmal ein Highlight. Wir standen bei Altötting am Gasthof bei der Familie Kreuzpointner. Unter Weinreben verbrachten wir den Abend und später saßen wir noch am Wohnmobil und schauten auf die Sterne.

     

    Der 21.VIII. besiegelte diese Reise. Wir kamen wieder in Haar an und mein Leid begann nur wenige Tage danach.

     

    Auf dieser Reise fuhren wir 12.423 Kilometer. Nicht dass ich stolz darauf bin so viel Kilometer gefahren zu sein, aber jeder Kilometer war ein Genuss. Abgehalten von weiteren Kilometern hat mich eigentlich nur der Dieselpreis und die Tatsache, dass wir viel zu früh zurück gefahren sind unter dem Vorwand anderer uns selbst auferlegter Verpflichtungen.

    Ob es nächstes Jahr eine weitere Reise geben wird, das steht heute noch in den Sternen, die nicht unbedingt gut für uns stehen, dennoch, die Hoffnung gebe ich nicht auf, sie stirbt ja bekanntlich auch zuletzt.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Jedermannsrecht

     

    Noch einige Anmerkungen, da uns immer wieder Fragen gestellt werden bezüglich der Übernachtung in freier Natur.

    Ganz allgemein besteht z. B. in Schweden, Finnland und Norwegen, wie auch in anderen Ländern z. B. in Schottland das „Jedermannsrecht“ mit entsprechenden Einschränkungen durch die verschiedensten Gesetze.

    Generell kann man also in diesen erwähnten 3 Ländern problemlos übernachten unter Beachtung der verschiedenen Gesetze und Auflagen, es sei denn es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es nicht gestattet ist.

    Das Übernachten in Südschweden ist schwieriger als im mittleren Teil oder gar im nördlichen Bereich. Selbst das Übernachten auf Campingplätzen ist im Südteil, hauptsächlich an den Seen und an den Küsten, in der Hauptsaison in den Monaten ab Mitte Juni bis Mitte August, schwierig wegen Überlastung der Campingplätze.

     

    Im nördlichen Drittel aller dieser drei Länder ist es überhaupt kein Problem. Es sei aber darauf hingewiesen, dass die Menschen in diesen Ländern sehr stark in der Natur und mit der Natur leben. Sie schonen die Natur, wo immer es geht. Sie leben in der Natur mit der Natur. Für viele Touristen ist das nicht selbstverständlich, wir haben da schon häufig unliebsame Beobachtungen gemacht, dabei ist es so einfach und wir alle lieben es doch gerade mit dem Wohnmobil in freier Natur stehen zu können und zu dürfen.

     

     

     

    Ich habe noch einen offiziellen Passus rausgesucht, der das oben erwähnte noch einmal verdeutlicht:

    Das Jedermannsrecht besteht in leicht unterschiedlichen, im Grundsatz aber gleichen Ausprägungen in Schweden (allemansrätten), Norwegen (allemannsretten) und Finnland (allemansrätten bzw. jokamiehenoikeus). In Dänemark gibt es kein historisch entstandenes Jedermannsrecht, jedoch wird es derzeit versuchsweise in begrenztem Umfang eingeführt. Ähnliche Regelungen gelten für Wald, Weide und unkultivierbares Land in der Schweiz. Eine ähnliche Tradition gibt es auch in Schottland, nicht jedoch im übrigen Großbritannien.

    Allgemein beinhaltet das Jedermannsrecht das Recht jedes Menschen, die Natur zu genießen und ihre Früchte zu nutzen, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen am jeweiligen Grund und Boden. Die Ausübung des Jedermannsrechts ist also nicht von der Zustimmung des Grundbesitzers abhängig.

    Ebenso allgemein ist das Jedermannsrecht aber auch beschränkt durch das Erfordernis, dass seine Ausübung weder der Natur noch anderen Menschen Schaden, Störungen oder sonstige Nachteile zufügen darf. Insbesondere ist der häusliche Frieden des Landbesitzers zu achten, so dass z.B. zu Wohnhäusern immer ein angemessener Abstand zu halten ist. Überdies kann das Jedermannsrecht in bestimmten Gebieten besonderen Beschränkungen unterliegen, insbesondere in Nationalparks, Naturschutzgebieten oder militärischen Sperrgebieten. So ist beispielsweise in zahlreichen schwedischen Nationalparks das Zelten grundsätzlich verboten.

    Die Jagd, das Fangen von Tieren sowie das Einsammeln von Eiern fallen jedoch nirgendwo unter das Jedermannsrecht. Jegliche Verstöße werden als Wilderei verfolgt und streng bestraft.

    Gesetzliche Regelung

    Finnland

    Das Jedermannsrecht ist uralte Tradition und als Gewohnheitsrecht nur begrenzt schriftlich geregelt. Die Grenzen des Erlaubten sind allerdings in diversen Gesetzen, zum Beispiel dem Naturschutzgesetz und dem Strafgesetz, festgelegt.

     

    Norwegen

    Das Jedermannsrecht ist im „Gesetz über das Leben im Freien“ vom 28. Juni 1957 festgeschrieben.

     

    Schottland

    Das uralte Gewohnheitsrecht, sich in Schottland auf unkultiviertem Land frei bewegen zu dürfen, wurde mit dem Land Reform (Scotland) Act 2003 festgeschrieben.[2] Für die Situation im übrigen Großbritannien siehe: Öffentliches Wegerecht (Vereinigtes Königreich)

    Schweden

    Ähnlich wie in Finnland existiert auch in Schweden kein Jedermannsrecht in schriftlicher Form, die Grenzen des Erlaubten sind allerdings in anderen Gesetzen festgelegt. In den 1940er Jahren kam in Schweden das Wort allemansrätt in Gebrauch als Beschreibung dieser uralten Regeln – aber immer noch lex non scripta. Erst 1994 kam ein kurzer Text ins Grundgesetz (Regeringsformen), der Jedermann den freien Zugang zur Natur garantiert.

     

     

    Schweiz

    Die allgemeinen Nutzungsrechte bestimmter Länder haben ihren Ursprung in den mittelalterlichen Rechten aller Bürger eines bestimmten Gebietes an gemeinschaftlichem oder herrenlosem Eigentum wie Allmenden oder herrenlosem Land (z. B. im Hochgebirge, öffentliche Gewässer etc.). Die Regelungen befinden sich in erster Linie im Schweizerischen Zivilgesetzbuch (ZGB). Einzelne Kantone regeln die Zutritts- und Nutzungsrechte von Personen ohne spezielle Nutzungsrechte noch detaillierter. Nach ZGB gilt, dass Wald und Weide für jedermann zugänglich sind, soweit dadurch keine übermäßige Nutzung verbunden ist. Außer in speziellen Fällen, wie z. B. zum Schutze von Jungwald oder Biotopen, darf auch Privatwald nicht eingezäunt werden, um den Zutritt fremder Personen zu verhindern. Besonders nutzungsintensive Aktivitäten mit möglichem Schadenpotenzial am Eigentum (z. B. Veranstaltungen im Wald, Zufahrt mit Wagen oder Motorfahrzeugen) können aber von Bewilligungen abhängig gemacht werden. Analoge Regelungen gelten auch für nicht nutzbares Land wie öffentliche Gewässer, Fels, Schnee und Eis - unabhängig davon, ob dieses tatsächlich herrenlos ist (d. h. der Hoheit der Kantone untersteht, so dass kein neues Privateigentum begründet werden kann) oder sich das unfruchtbare Land in Ausnahmefällen in Privateigentum befindet.

    Auch kann zum Schutze der Kultur durch den betreffenden Kanton eine Begrenzung der Ausübung des Jedermannsrechtes erlassen werden (z.B. zum Pflücken von Pilzen, Sammeln von Beeren und Holz im Wald).

    Bayern

    Die bayerische Verfassung garantiert ein Nutzungsrecht an der Natur für Jedermann: „Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte in ortsüblichem Umfang ist jedermann gestattet.“ (Art. 141 Abs. 3 Satz 1 der Bayerischen Verfassung)

    Andere Länder

    In den baltischen Staaten wird außerhalb von Nationalparks das freie Übernachten in Zelten und Campingfahrzeugen toleriert. In Österreich (Wegefreiheit) und Deutschland (Betretungsrecht) ist hingegen normalerweise lediglich das Betreten von Wald und Flur zu Fuß oder auf Skiern für die Allgemeinheit zugelassen.

     

     

    Bestandteile des Jedermannsrechtes

    Freie Bewegung in der Natur

    Besuchern und Wanderern gibt das Jedermannsrecht die Möglichkeit, das Land zu Fuß, auf Skiern oder per Fahrrad zu durchqueren. Motorisierte Fahrzeuge dürfen dagegen nicht verwendet werden. Motorisierte Fahrzeuge dürfen jedoch auf unkultiviertem Land am Straßenrand geparkt werden, wenn dadurch weder der Verkehr behindert noch Schäden angerichtet werden. Es darf kein Schaden an Höfen und Gärten, Feldern, Wiesen oder Aufforstungen angerichtet werden. Im Sommer müssen Felder unter Nutzung von Wegen durchquert werden, während die Bewegung auf Feldern im Winter frei ist. Werden Tore, Gatter und ähnliche Schließvorrichtungen geöffnet, so müssen diese unmittelbar nach dem Passieren wieder geschlossen werden, damit z. B. kein Vieh entlaufen kann. Der Bereich um ein Wohnhaus, die sogenannte Hausfriedenszone, darf nicht durchquert werden. Ob das Privatgrundstück umzäunt ist oder nicht, spielt hierbei keine Rolle.

    Norwegen: Kultiviertes Land darf ohne Genehmigung des Besitzers nur im Winter betreten werden, wenn der Boden gefroren oder schneebedeckt ist.

    Übernachten

    Auf unkultiviertem Land erlaubt das Jedermannsrecht jedem das Zelten für ein bis zwei Nächte. In der Nähe von Wohnhäusern muss jedoch immer die Erlaubnis des Grundbesitzers eingeholt werden; dieses gilt ebenfalls für gruppenweises Zelten. In dünn besiedelten Gebieten gestattet das Jedermannsrecht das Zelten an einer Stelle sogar für mehrere Nächte. Es dürfen für die Übernachtung keine zusätzlichen Aufbauten getätigt werden. Auch darf man den Boden nur soweit aufgraben, dass sein Erscheinungsbild nicht wesentlich verändert wird.

    Norwegen: Beim Zelten ist zu bewohnten Häusern und Hütten so viel Abstand zu halten, dass deren Bewohner nicht gestört werden, mindestens jedoch 150 Meter.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Treibstoffverbrauch 27.03. bis 26.04.

     

    Date                            Liter                                   Euro                   Km-Stand

    03.04.               25,69                      38,--           135.628

    07.04.               47,92                      70,39          135.628

    16.04.               62,93                      91,81          136.204

                           136,54                    200,20

    Somit pro Tag bezahlt an Treibstoff                                    6,46 €

    Gefahrene Kilometer im obigen Zeitraum                               1.606

     

     

     

    Treibstoffverbrauch 27.04. bis 26.05.

    Date                            Liter                                   Währung                          Euro               Km-Stand

    02.05.              45,57                                                  54,34         136668

    08.05.                7,85                                                  11,62         136756

    15.05.              20,21                     302,75 SEK             €             137404

    16.05.              55,56                     813,40 SEK             €             137611

    18.05.              25,97                     378,64 SEK             €             137850

    23.05.              33,66                     487,73 SEK             €             138435

    25.05.              33,13                     483,36 SEK             €             138680

                          221,95                   2465,88 SEK       344,60

     

    Somit pro Tag bezahlt an Treibstoff                                    11,11 €

    Gefahrene Kilometer im obigen Zeitraum                                  2.335 Km

    Mehr gefahrene Kilometer in diesem Zeitraum als im letzten      729 Km

     

     

     

    Treibstoffverbrauch 27.05. bis 26.06.

    Date                            Liter                                                                            Euro                        Km-Stand

    31.05.             34,68                       499,00 SEK                     €         139219

                                                     Finnland

    04.06.             38,99                                                     60,00             139572

    04.06.             13,21                                                     20,00             139574

    05.06.?           12,67                                                     20,00             139840

    07.06.            36,51                                                      59,51             140006

    14.06.            43,19                                                      70,83             140776

    18.06.             39,79                                                      63,58          141218

                                                              Norwegen

    10.06.             24,72                      339,16 NKR                              140308

     

    Bei 302 Kilometern hatte ich einen Verbrauch von 8,18 Litern/100 km

     

                                                             Schweden

    19.06.             25,45                       357,83 SEK                               141484

    25.06.            24,82                        344,75 SEK

     

     

    Somit pro Tag bezahlt an Treibstoff                                   

    Gefahrene Kilometer im obigen Zeitraum                              

     

     

     

    Treibstoffverbrauch 27.06. bis 26.07.

    Date                            Liter                                                           Euro                        Km-Stand

    29.06.             32,34       454,05 SEK                                     142093

     

    Somit pro Tag bezahlt an Treibstoff                                    

    Gefahrene Kilometer im obigen Zeitraum                                 

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Gebühren für Übernachtung

    bezahlt

    im Zeitraum 27.03. bis 26.04.

    Ort                                                                           Betrag in Euro

    07.04. Löhne (2 Tage)                                                                      16,--

    24.04. Berlin Spandau 7 x 12,14 € + 1 x 15,-- €                            100,--

    25.04. Priepert See                                                                             9,--

    Im genannten Zeitraum (31 Tage) bezahlt                                     125,--

    Somit pro Tag bezahlt                                                                          4,03

     

     

     

    Gebühren für Übernachtung

    bezahlt

    im Zeitraum 27.04. bis 26.05.

    Ort                                                                           Betrag in Euro

    16./17.05 Stellplatz Borensberg Götakanal   185,-- SEK ~

    21./22.05. Camping Hölick/Hornslandet      100,-- SEK

     

    Im genannten Zeitraum (31 Tage) bezahlt                                   

    Somit pro Tag bezahlt                                                     

     

     

     

    Gebühren für Übernachtung

    bezahlt

    im Zeitraum 27.05. bis 26.06.

    Ort                                                                           Betrag in Euro

    05.06. Camping Inari incl. Strom und Sanitär                           23,-- €

    11.06. Camping Berlevag 230 NKR                                          31,-- €

    Im genannten Zeitraum (31 Tage) bezahlt                                   

    Somit pro Tag bezahlt                                                

     

     

     

     

     

    Gebühren für Übernachtung

    bezahlt

    im Zeitraum 27.06. bis 26.07.

    Ort                                                                           Betrag in Euro

     

     

     

    Im genannten Zeitraum (31 Tage) bezahlt                                   

    Somit pro Tag bezahlt                                                 

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Preise in Schweden, Finnland und Norwegen.

     

    Dieselpreise bewegen sich zwischen 14,29 SEK (1 Tankstelle) und 14,77 SEK der Rest der Tankstellen. Wenn man Glück hat tankt man mal für 14,39 oder auch 14,47 SEK.

    Ab unserer Rückkehr nach Schweden aus Norwegen und Finnland bezahlten wir 14,06 SEK, der Höchstpreis lag bei 14,19 SEK

     

     

     

    Lebensmittel-Preise in Schweden-

    Die Additionen (Gesamtsummen) stimmen nicht immer mit den Artikeln überein.

     

    LIDL  (bei einem Betrag von 81,71 SEK wird z. B. aufgerundet auf 82  SEK

     

    Abfaltüten                                                                    12,99 SEK  ~

    Bananen 0,834 Kg (15,90 SEK/Kg) 4 Stück               13,26 SEK  ~

     

    Eisbergsalat 0,464 KG 18,90 SEK/KG                         8,77 SEK  ~

    Mineralwasser 6 x 3,69 SEK                                       22,14 SEK  ~

                   Pfand 2 SEK pro Flasche

    Nussschokolade 1 Tafel                                                4,95 SEK  ~

                                                                                         82,00 SEK

     

     

     

     

     

    LIDL  24.05.2012

     

    Mineralwasser mit Kohlensäure 6x3,69 SEK             22,14 SEK

    Multivitaminnektar 2 x 2 Ltr. 10,95 SEK/2 Ltr.         21,90 SEK

    Schnitzel (Minutensteaks) 4 Stck.                               34,90 SEK

    Toilettenpapier (Familienpackung)                             37,90 SEK

    Zucchini 0,276 Kg  19,90 SEK/KG                              5,49 SEK

                                                                                       231,98 SEK

     

     

     

    LIDL 25.05.

    Bananen 0,906 Kg   9,90 SEK/Kg                                 8,97 SEK

    Krisprolls (Art Zwiebäcke)                                          23,90 SEK

    Mineralwasser 6x3,69 SEK                                         22,14 SEK

    Nußschokolade –Tafel-                                                 4,95 SEK

                                                                                         92,86 SEK

                                             aufgerundet                         93,--  SEK

     

     

    LIDL

    17.05.12

     

    Äpfel 0,978 KG  17,90/KG                                       17,51 SEK

    Cappuccino Schokolad gr. Dose                               34,90 SEK

    Kartoffeln 3 KG                                                        19,90 SEK

    Hackfleisch 500 g                                                     31,90 SEK

    Knäckebrot große Packung                                        8,90 SEK

    Margarine Lätta 600 gr.                                            15,75 SEK

    Röstzwiebeln 1 Dose                                                  6,75 SEK

    Saft zum Verdünnen 1 zu 7                                       19,95 SEK

    Tomaten 0,712 KG  12,90/KG                                    9,18 SEK

    Zwiebäcke                                                                 23,90 SEK

                                                                                     191,54 SEK

     

     

    Dollar-Store 25.05.

    Batterie  4 Stck.                                                   20,00 SEK

    Frucht-Mix 1+4 Verdünnung                              10,00 SEK

    Lambi hushall VIT                                              20,00 SEK

                                                                                 50,00 SEK

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    ICA

    14.05.

     

    Baguette                                                               19,90 SEK ~

    Bananen 9,90 SEK pro KG 0,815 KG                   8,07 SEK ~

    Brot   (Hausbrot)                                                  23,90 SEK ~

    Karotten                                                                12,90 SEK ~

    Knäckebrot große Packung                                    9,50 SEK ~

    Plätzchen                                                              28,90 SEK ~

    Tafel Schokolade mit Nüssen                              16,90 SEK ~

    Wasser 6 x 1 ½ Ltr.                                              44,90 SEK ~

                     Pfand                                                    12,-- SEK ~

    Zwiebäcke                                                             22,90 SEK ~

                                                                                199,87 SEK ~

     

     

    ICA Kvantum

    18.05.

    Apfelsinensaft                                                      15,90 SEK

    Eier 6 Stck. groß                                                  13,90 SEK

    Mozarella-Käse                                                    14,90 SEK

    Semmeln 3 Stck. a 4,90                                        14,70 SEK

    Semmeln 2 Stck. a 4,90                                          9,80 SEK

    Wasser 1,5 Ltr. Still à. 9,90                                  59,40 SEK

                                                                                 170,00 SEK

    ICA-Kvantum

    23.05.12

    Baguette                                                                 17,90 SEK

    Coca Cola 0,33 Ltr.                                                  7,--  SEK

    Paprika 3 Stck.                                                       19,90 SEK

    Rabarber 1,085 Kg   21,90 SEK/Kg                      27,--  SEK

    Sallat Kopf                                                             24,90 SEK

    Sauce Bolognese                                                    27,--   SEK

                                                                                 143,26 SEK

     

     

     

     

     

     

     

    ICA Torget 29.05.

    Apfelsinenmarmelade                                             21,95 SEK

    Heidelbeer- u. Brombeergele                                  29,10 SEK

    Johannisbeergele                                                     22,95 SEK

    2 Blätterteigteilchen mit Pudding                           10,00 SEK

    6 Eier                                                                       19,90 SEK

                                                                                  189,13 SEK

     

     

    ICA Kvantum 31.05.

    Apfelsinensaft 2 x2 Ltr. a 19,90                               39,80 SEK

    Äpfel Royal Gala 0,880 Kg 19,90 Kg                      17,51 SEK

    Baguette                                                                    14,90 SEK

    BananenChiquita 6 Stck.                                          16,39 SEK

    Eier 12 Stck.                                                             24,90 SEK

    Husman knäckebrod                                                   8,98 SEK

    Haken fürs Bad 3 Stck.                                             35,90 SEK

    Kartoffeln 0,506 Kg /14,90 Kg                                  7,54 SEK

    Kartoffeln rund                                                         16,47 SEK

    Salat 0,784 Kg    24,90 Kg                                       19,52 SEK

                                                                                    306,41 SEK

     

     

    ICA-Supermarket 01.06.

    Apfelsinensaft                                                           20,95 SEK

    Schokoladenplätzchen doppelt                                 46,95 SEK

                                                                                     138,00 SEK

     

    Coop-Extra Ljusdal

     

    Äpfel Royal 0,536 Kg                                              10,67 SEK

    Apfelsinensaft 2 x 2 Liter                                        35,80 SEK

    Brot                                                                           24,90 SEK

    Brötchen 4 x 4,90 SEK                                             19,60 SEK

    Caschew gesalzen                                                     34,90 SEK

    Cruncherz                                                                 20,90 SEK

                                                                                    146,77 SEK

     

     

     

     

    Willy:s 06.06.

    Coca Cola 0,33 Ltr.                                                    6,60 SEK

    Mineralwasser 1 Ltr. 4 x 7,25                                   29,00 SEK

                                                                                       69,00 SEK

     

     

     

    ICA Kvantum                                                            208,00 SEK

     

    -Coop Forum

    19.06.                                                                         163,65 SEK

     

    Gasauffüllung für 11 Kg-Flasche, 5,7 Kg waren noch in der Flasche vorhanden. 5,3 Kg aufgefüllt für 200 SEK am 23.05.

    Adresse: Gasoldepan AB, Hyvelvägen 8 in 862 33 Kvissleby.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

                                 F i n n l a n d  -  P r e i s e

     

    K-Citymarket 02.06.

     

    Gegrillte Rippchen                                                                    2,97 €

    Wasser  5,15 Ltr.                                                                       1,95 €

                                                                                                      8,57 €

     

    S-Market 03.06.

    Bananen 0,628 Kg                                                                     1,19 €

    1 Ltr. Milch

    Kartoffeln

                                                                                                     13,29 €

     

    K-Market

    Bananen 5 Stck.                                                                         1,84 €

    Mars                                                                                           0,60 €

    Snickers                                                                                      0,60 €

    „Zwiebäcke“                                                                               1,49 €

                                                                                                        5,63 €

     

    Nachdem, was wir gesehen haben, kann man sagen, dass es in Finnland nicht teurer ist als in Deutschland. Der Dieselpreis liegt zwischen 1,47 und 1,51 €. Weiter im Norden dann steigt er auf über 1,60 € bzw. 1,70 €, den Grund dafür kennen wir nicht.

     

    Kleine Geschäfte auf kleinen Ortschaften.

    06.06.12

    1 Brot                                                                                        2,29 €

     

     

    16.06. K-market                                                                      13,84 Euro

     

    Norwegen

    Brot                                                33,80 NKR                                           €

    Wasser 2 x 1,5 Ltr.                        20,00 NKR

           Pfand                                        5,00 NKR

    Aufrundung                                     0,20 NKR

                                                           59,00 NKR

     

     

     

    Briefmarken für Brief/Karte 10 x 13 NKR    130 NKR

     

    06.07. ICA Traktören                                                        127,00 SEK

    07.06. K-Market                                                                  22,25 SEK

    2106. ICA Rajden                                                              150,00 SEK

    22.06. ICA Rajden                                                               76,00 SEK

    28.06. Lyksele                                                                    120,00 SEK

    28.06. ICA Lyksele                                                             222,66 SEK

    29.06. ICA Tallen                                                                 98,00 SEK

    08.07. LIDL                                                                       356,91 SEK

     

    08.07. Dollar-Stor                                                               180,00 SEK

    09.07. Dollar Stor                                                                 50,00 SEK

    11.07. Kopparhallen                                                            150,00 SEK

    13.07. Dimoda jönköping                                                     28,00 SEK

    13.07. Lagerhaus Jönköping                                                39,00 SEK

    15.07. ICA Trelleborg                                                        202,50 SEK

     

     

    Diese Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe sie lediglich aufgeführt um weitere Fragen vielleicht zu beantworten, denn eine häufig gestellte Frage ist:

                     Ist es eigentlich in Schweden, Finnland und Norwegen teurer als bei uns?

    Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in den drei Ländern?

    Etc.